Fachwerk erneuern, Bruchsteinwand verputzen und Heizungen verlegen

18.12.2020 Loki92

Fachwerk erneuern, Bruchsteinwand verputzen und Heizungen verlegen

Einen wunderschönen guten Tag liebe Fachwerk.de Mitglieder.
Ich habe im Oktober mein Großelternhaus von 1832 geerbt. Das Haus war seit 1995 nicht mehr bewohnt und nicht mehr beheizt. Wasser und Strom sind vorhanden, werden aber noch erneuert. Erstaunlicher Weise ist die Grundsubstanz des hauses nahezu unbeschädigt. Sprich kein Holzwurm nur eine eingestürzte Decke, welche nun als neuer Dachboden Durchgang ausgebaut wird.
Zum Haus selbst:
Gewölbekeller unter dem gesamten Haus
Das EG ist zur Hälfte gefliest und zur Hälfte mit Dielenboden versehen, die Außenwände sind aus 80cm Bruchstein und die Innenwände sind Fachwerk mit Lehm Ziegeln und mit allem verputzt, was meine Großeltern in die Finger bekommen haben.
Das 1. OG sowie der Dachboden sind komplett aus Fachwerk mit Lahmziegeltaschen und zu 98% mit Lehmputz überzogen. An manchen stellen wurde mit Gipsputz nachgebessert. Auf dem Lehmputz ist eine ca 1-2mm Dicke graue Putzschicht aufgezogen, welche ich später näher erläutere.
Die zwischendecken bzw böden bestehen aus durchgängigen Balken, welche in den zwischentaschen ausgeziegelt sind darauf und darunter befinden sich kleine lättchen welchen mit draht zusammengezurrt sind und mit lehmputz von unten(Decke) verspachtelt wurden und von oben(Boden) mit einem Dielenboden versehen sind. Das Dachgebälk wird von einem Fachmann erneuert und neu verzapft, weshalb ich darauf nicht weiter eingehe.

Ich lese nun seit einer Zeit hier im Forum mit und bin euch super dankbar für alle Tipps und das fundierte wissen, was sich hier angesammelt hat.

Was ich bisher dank euren Tipps erreicht habe, ist das Freilegen der Bruchsteinwände und das Freilegen der Fachwerkwände auf die Unterputz schicht spricht lehm stohgemisch auf den Ziegeltaschen in einem Raum. Das Trocknen des Hauses dank 3 Kaminen und 5 angeschlossenen Holzöfen (Schornsteinfeger und Kaminbauer hat die Brandfähigkeit hergestellt und abgenommen)
Die Wände sind nun nach 6 Wochen Dauerbefeuerung durch und durch trocken.
Nun zu meinen Anliegen und Fragen.
1. Wandheizung E.G.
Ich möchte im Erdgeschoss die Bruchsteinwände mit einer Wandheizung(mehrschichtverbundrohr) versehen und in meinem Plan die Bruchsteine mit Gipsputz und gewebematten begradigen anschließend mit Schilfrohrmatten auslegen, darauf eine Wandheizung anbringen und diese mit Lehmputz abschließen. (gipsputz habe ich 2 Paletten geschenkt bekommen)
Evtl würde ich je nach Empfehlung von euch Gips und Lehm tauschen sprich lehmputz auf bruchstein und mit Gipsputz die Wandheizung abschließen.
Wäre das so realisierbar? Oder seht ihr das irgendwelche Probleme auf mich zukommen.
(Nassräume sowie Küche werden gefliest und bekommen Aufputz Wandheizungen.

Im 1. OG Fußbodenheizung und Wandputz erneuern.
Im 1. OG möchte ich gerne die Dielen herausnehmen und eine Querlattung auf die Balken aufbringen, in diese ich gerne eine Fußbodenheizung integrieren möchte, da ich so diffusionsoffen wie möglich arbeiten möchte, hatte ich an eine Lavalitschüttung gedacht welche die Verbundrohre umschließt und ca 0,5cm bedeckt. Darauf würde ich einen Dielenboden aus Massiv-Eiche in nut und Feder verlegen. Das hier eine längere Anlaufzeit zum aufheizen und eine schnellere Auskühlung bedacht werden muss ist mir durchausbewusst.
Aber ist dies sinvoll? Oder könnte man sogar erwägen die Fußbodenheizung mit evtl Lehmputz zu Verlegen und auf den Lehmputz mit leichtem Abstand den Holzboden einbringt um Fäulnis vorzubeugen oder auch hier durch die geilen Eigenschaften von lehm auf einen Abstand verzichtet werden kann?
Die alten mit Lehmputz versehenen Fachwerwände möchte ich gerne einfach verdicken. Hierzu würde ich diese graue schicht auf dem lehmputz runterkratzen, schilfrohrmatten zur diffusionsoffenen Dämmung aufbringen und eine neue schicht lehmoberputz mit Fasergewebe aufbringen. Die Arbeit bis auf das Gebälk zu gehen möchte ich mir gerne ersparen, deshalb das abkratzen bis auf den Lehmputz und das verdicken der Wand. Falls es aber dringend empfohlen wird, werde ich die Wände bis auf das Gebälk freilegen. (Der Putz hat nur an wenigen stellen leichte Rissbildung durch das durchtrocknen des Hauses und ist überall noch fest.)
Hinzu möchte ich gerne die alten Holzfenster mit Einfachverglasung, durch moderne Doppelkammerfenster ersetzen und Lüftungsautomaten einbringen, welche mir den durch die neuen Fenster erhöhten Lüftungsaufwand ersparen.
Die Erneuerung der Fenster ist ein muss, da die Holzrahmen Extrem vergammelt sind und raus müssen.
Wir haben das Haus an alle freiliegenden Balken abgeklopft und einen raum, welcher die meiste Feuchte hatte bis auf die Balken freigelegt und von einem Zimmermann und einem Statiker prüfen lassen und beide sind der Meinung, dass das Gebälk noch unglaublicher Weise top in schuss ist.(trotz 25 Jahren nicht beheizt.
Ich werde um hier auf nummer sicher zu gehen noch in jedem Raum ein Stück Balken je Wand freilegen und dies weiter zu überprüfen.

Ich weiß der Text ist sehr gewaltig und erdrückend, aber ich wollte ihnen eine ziemlich genaue Vorstellung von meinem Projekt geben.
Ich freue mich von Ihnen zu lesen, um meine theoretische Vorgehensweise zu unterstützen oder zu widerlegen und alternativen anzubieten.

Mit freundlichen Grüßen
Maximilian Seiderer



Sanierungskonzept



wie du ja selbst schon bemerkt hast, ist nicht nur Deine Beschreibung hier sehr umfangreich, sondern sie ist Ausdruck Deines umfangreichen Bauvorhabens. Dazu erstmal viel Erfolg.
Ich fände es wichtig, erstmal mit jemandem, der da in der (Fachwerk-)Sanierung Erfahrung hat eine ordentliche Bestandsaufnahme zu machen und ein Sanierungskonzept zu erarbeiten. Das ist hier über das Forum und durch Brockenwissen im Netz nicht zu leisten.
Es fehlen Fotos von allen Bauteilen, und es gibt offene Fragen, z.B. zu den "Zwischentaschen" der Balken die ausgeziegelt sind. Ich z.b. habe da nur eine vage Vorstellung. Der Aufbau eines Bodens ist wesentlich von der Raumnutzung abhängig, da sollte klar sein, welche Räume wohin kommen ( z.B. Bad/Küche) und bereits im Vorfeld überlegt werden, ob die baulichen Voraussetzungen im Fachwerkbau überhaupt eine bestimmte Raumnutzung zulassen. Im Fachwerk sind z.b. die Zwischenwände nicht einfach zu verschieben oder zu entfernen.
Gips z.b. hat im Fachwerk und auf Bruchstein gar nichts zu suchen, da ist der Ansatz, " einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul" auch fehl am Platz.



Bilder folgen



Ich bin gleich wieder in meiner Baustelle erstelle weitere Bilder, um dies zu veranschaulichen. Der Vorsatz Gips hat da nichts zu suchen, ist mir durchaus bekannt, muss dem aber erfahrungsgemäß widersprechen. Zum Beispiel sind die Innenwände im EG alle samt Fachwerk mit Lehm Ziegeltaschen darauf ist eine Lehm Stroh Dämmschicht und diese ist mit Gipsputz glattgezogen. Die Wandeingradung mit Gips wurde in den 70ern vorgenommen und ist heute noch vollkommen intakt.



fotos



so viele und vor allem aussagekräftige Fotos, wie für eine fundierte Baubegleitung nötig wären, kannst Du gar nicht machen. Manche Sachen müssen vor Ort gesehen werden, z.B. die Nivelliersituation der Deckenbalken, die Anbindung von des Bodens an die Dachflächen usw. Wenn ich mir den Außenputz im EG auf dem Foto anschaue, wäre erstmal eine Bestandsaufnahme des Mauerwerkes und mit Sicherheit auch des Kellers nachzudenken.



Ohne Sanierungskonzept...



...von einem fachwerkerfahrenen Spezialisten wirdst Du jede Menge Geld verbrennen.

Ohne jetzt auf alles einzugehen, hier nur ein Gedanke zur Beheizung:

Ich würde grundsätzlich auf Wandheizung setzen. Holzweichfaserplatten in Lehm angesetzt, darauf WH und Lehmputz. Mit FBH produzierst Du Dir einige zusätzliche Probleme, und verbrauchst wertvolle Aufbauhöhe. Die Wände musst Du sowieso anfassen, also ist eine Kombination von Dämmung und Heizung sinnvoll. Deine FBH - Neuerfindungsideen halte ich nicht für zielführend.

Grüße

Thomas

P.S. Verschenke den Gipsputz weiter. Auf Bruchsteinmauerwerk (das nach 6 Wochen garantiert nicht mehr als oberflächentrocken ist) mit der Gefahr offensichtlich aufsteigender Feuchte kommt der Gips nicht klar, und er passt auch nicht zu Lehm. Die Verarbeitung dieses "Geschenks" konnte sich leicht als ein teuerer Irrweg erweisen.



Fachwerkhaus Sanierung



Gips an Innenwänden ist bauphysikalisch und bautechnisch gesehen ein anderer Fall als an Außenwänden-
trotzdem besser gegen sinnvollere Materialien tauschen oder verkaufen.

Wurden alle Balken von außen abgeklopft?
Zuerst beim Dach die Dichtigkeit überprüfen, zB die Firstpfannen beim Dachmast-
desweiteren die Dachentwässerung inkl den Fallrohren.

Den Putz des EG auf Hohlstellen untersuchen und reparieren
Dann für innen ein Sanierungskonzept erstellen




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