Fachwerk - Wanddämmung

31.07.2002 Olaf



Hallo zusammen!
Ich habe mit Interesse die Berichte über die Dämmung der Außenwände von innen gelesen, da ich auch in kürze ein Fachwerkhaus sanieren und renovieren will. Euren Antworten auf gleiche Fragen habe ich entnommen, dass mehr oder weniger nur eine natürliche Dämmung durch Lehm, Stroh oder Schilf in Frage kommt. Bei meinen bisherigen Recherchen habe ich z.B. vom Frauenhofer Institut und der WTA auch Informationen über die Dämmung durch Ständerwerke mit Mineralwolle und Dampfbremse in Form einer Polyamid-Folie sowie Gipskarton-Platten erhalten. Die Information des Frauenhofer Instituts wurde jahrelang wissenschaftlich begleitet. Die Polyamid-Folie, als Wärmedämmung zuverwenden,wurde zum Patent angemeldet. Ferner gitbt es von der WTA noch Dämmvorschläge durch eine Innenmauer mit Porenbetonsteinen. Hat jemand diese Quellen auch schon gelesen und ausgewertet. Ich bin noch auf der Suche nach einem guten und finanzierbaren Verfahren, bei dem die Versorgungsleitungen in der "Dämmschicht" verlaufen. So z.B. beim Ständerwerk (Lattung 4cm, Zwischenräume mit Dämmplatten füllen, Dampfbremse, erneute Lattung 6 cm stark auf die Dämmung, hier werden die Versorgungsleitungen verlegt, und abschließend Gipskartonplatten.
Ich hoffe auf Eure Antworten und bin für Infos und Anregungen dankbar.
Jan-Olaf



Re. Fachwerk - Wanddämmung



Moin Herr Vahldiek,

die Fa. "Deutsche Landhaus Klassiker" (Melle) verwendet zumindest lt. Prospekt ein Verfahren
mit Gipskarton-Platten bei deren Neubau Fachwerk-
häuseren. Auch wenn man keines dort kaufen möchte
kann man sich dort Musterhäuser anschauen und vielleicht was "abschauen". Desweitern bin ich aber bei der Besichtigung verschiedener alter Fachwerkhäuser öfters auf die zweite Möglichkeit,
hintermauern mit Porenbeton/Ytong und den Spalt mit Dämmwolle gedämmt. Ob das sinnvoll ist kann
ich leider nicht beantworten aber die Leute die das gemacht haben haben sich sicher was dabei gedacht. Es gibt also wohl beide "modernen" Techniken durch aus auch schon im Einsatz.

MfG

Uwe Ehmke



bewusst anders Bauen



Hallo Herr Vahldiek,

soll es lange halten oder sind 20 Jahre eine hinzunehmende Standzeit. Wenn ja, dann können Sie getrost die vorgeschlagenen Varianten vorsehen. Wenn diese zeit genauso wie mir zu kurz als Lebensdauer für ein Gebäude ist, dann versuchen Sie so diffusionsoffen wie nur möglich zu bauen. Vergessen sie aber die kapillare Leitfähigkeit von den einzubauenden baustoffen nicht. Dort liegt der hase begraben... . Innendämmung geht immer schief. Und Dampfbremsen sind auch nicht dass, für die man Sie ausgibt. Sie bremsen nämlich auch, wenn’s mal umgekehrt verläuft. Und das ist fast die Hälfte des Jahres. In dieser Zeit sieht dann ihr Fachwerk im wahrsten Sinne des Wortes ganz schön schwarz aus. Geht mit homogenen Materialien heran. Also mit Lehmbaustoffen. Wollt Ihr selber bauen oder soll alles von Firmen erledigt werden? Weiteres unter www.gesundes-Bauen.com . Und Gipskarton gehört in kein Haus. Das schlechte Raumklima werdet Ihr bei zeiten satt haben. Lasst getrost Schaumstoffe, Folien (auch Dampfbremsen), Mineralwollen, Gipskartonplatten, Porenbetonsteine, Ziegel weg. Diese Baustoffe haben bisher nur Schaden angerichtet. Schaut euch in euer Gegend mal um und geht zu sanierten Bauten. Macht aber die Augen auf und redet mit den Eigentümern. Nehmt ´ne Flasche Wein mit, und ihr werdet vieles erfahren. Oder ruft an.

Grüße, Michael





Lieber Herr Vahldiek, mich frierts, wenn ich den Wandaufbau lese. Wie ich schon bei anderen Gelegenheiten sagte, eine Folie ins Haus zu bauen ist eine einzige Katastrophe! Haben Sie sich schon einmal eine Plastikfolie über den kopf gezogen ? Selbst wenn sie einen gewissen Dampfdiffussionswert aufweisen würde, nach spätestens drei Minuten wären Sie erstickt. Sie müssen nämlich atmen, und genauso geht es auch dem Holzfachwerk. Das Fachwerk ist von aussen durch Schlagregen und hoher Luftfeuchte(Nebel) belastet,durch natürliche Fugen kann das Wasser sogar bis zur Steinwollisolierung durchdringen. Steinwolle ist für mich ein kaltes Medium, das die Feuchtigkeit nur ungern wieder abgibt, d.h. das nach innen liegende Fachwerk wird immer feucht gehalten und mit der Zeit verfaulen, leider wird dieses erst, wenn es zu spät ist, sichtbar! Durch den nach innen weiterführenden Aufbau mit Folien und Rigipslagen ist tatsächlich nur eine einseitige Austrocknung nach aussen möglich. Ausserdem haben Materialien wie Steinwolle(kunststoffgebunden=> Ausdünstungen!) und Rigipsplatten(Filtergips meist aus Rauchreinigungsanlagen) durch Hochofenprozesse eine stark radioaktive Aufladung erfahren, und Folien zusätzlich die unangenehme Eigenschaft, sich elektrostatisch aufzuladen (Elektrosmofördernd!). Ich saniere seit mehr als 15 Jahren Fachwerkhäuser und habe ausschliessliche abschreckende Erfahrungen durch "modern" sanierte Fachwerkfassaden gemacht. Das traditionelle Fachwerk zu dämmen stellt immer ein Problem dar, da früher ein Fachwerk immer nur max. 16 cm stark war, d.h. das Fachwerk konnte immer beidseitig austrocknen. Wir wollen ja keine Energieverschwender sein und sind zum grössten Teil gezwungen, auf der schlechteren Seite(Innenwand) zu dämmen. Wir haben die besten Erfahrungen damit gemacht: zum Beispiel mit einem Strohleichtlehmstein mit einem Lehmanteil von ca. 800 kg/m3 die Fachwerkwand von aussen auszumauern ( erhält aussen abschliessend eine balkenbündige Putzebene, mit einem speziellen wetterfesten Lehmputz) ,dann eine fasergebundene Leichtlehmschicht als Isolierung,ca. 12-15cm stark (voll dampfdiffussiondurchlässig!!), darauf eien 3cm starken Innenlehmputz, der eine sehr hohe Feuchtigkeitsaufnahmefähigkeit besitzt und somit gleichzeitig in der Lage ist, den von innen kommenden Wasserdampf aufzunehmen, ohne ihn weiter in die Innenwand zu leiten. Dies ist unsere tatsächliche Dampfdiffussionsebene. Der aufgenommenen Feuchtigkeit zum Trotz bleibt sie voll dampfdiffussionsoffen. Das ursprüngliche Prinzip der Fachwerkwand wird so beibehalten. Eine besondere Herausforderung stellt noch die dem Wetterbereich ausgelieferte Fachwerkwand: Ich empfehle eine hinterlüftete Vorsatzschale (Lärchenholzschalung oder Putzfassade),wobei Konterlattung und Lattung in einer Ebene sind, um zu dicken Auftrag und damit auch Kosten zu vermeiden. So kann die Luft S-förmig hinter der Verschalung durchstreichen. Soll das Fachwerk sichtbar bleiben (z.B. wegen Denkmalschutz oder aus Liebhabergründen), empfehle ich die Fachwerkwand zu hinterlüften, indem auf der Innenseite eine senkrechte Konterlattung angebracht wird( 30-40mm stark). Darauf kommt dann die Isolierebene, die sowohl feuchtigkeitsunempfindlich und winddicht sein sollte. Der Lufteintritt sollte unter der Schwelle liegen, Lüftungsschlitze unter dem Gebälk. Zudem sollten sie so ausgebildet sein , dass eventuell durch das Fachwerk eingedrungenes Wasser nach draussen abfliessen kann. Auch hier ist das alte Fachwerkprinzip erhalten! Stehe jederzeit für weitere Erläuterungen zur Verfügung... 07551-64585 mfg Michael Nothhelfer