Fachwerk und Dämmung




Ich möchte das OG unseres Fachwerkhauses sanieren und die vorhandenen 14cm Wände dämmen bzw. den Wärmeverbrauch "optimieren". Aktuell sind im Gefach Ziegel verbaut, im Innenbereich teilweise Lehm, das bleibt. Das EG ist Massiv und bereits saniert. Denkmalschutz gibt es nicht.

Durch lesen verschiedener Beiträge im Forum habe ich mich ganz gut belesen. Ich sehe mehrere Möglichkeiten.

1. Vorhandenes Gefach lassen, die Balken vom Fachwerk Aufdoppeln und mit Holzfaserplatten dämmen, darauf Putzträgerplatte und Gefach verputzen.

2. Vorhandenes Gefach komplett erneuern, zum Beispiel mit Porenbeton. ggf. Balken aufdoppeln und dann ebenfalls Verputzen.

Ich denke Lösung 2. ist aufwendiger, dafür kostengünstiger als Holzfaserdämmung. Es waren auch "Experten" vor Ort die Mineralwolle oder sogar Styropur empfohlen haben, davon nehme ich aber Abstand.

Was haltet ihr von der 2. Lösung mit Porenbeton zur Ausfachung? Aktuell liegt der u-Wert bei 2.3 - bei gleicher Stärke mit Porenbeton bei 0.6.





von Porenbeton würde ich auch Abstand nehmen, auch wenn es so manchen gibt, das schwört, dass das bei ihm schon zwanzig Jahre ohne Komplikationen hält (wer baut schon ein Gefach aus und schaut sich die Hölzer an?).

Warum sollen die Balken eigentlich aufgedoppelt werden?
Fachwerk sollte doch nur auf einer Seite sichtbar sein, sonst zieht's durch die Fuge zwischen FW und Ausfachung und die schönste Dämmung ist sinnlos.

In der Annahme, dass es eine Innendämmung werden soll:

üblicherweise bessert man den alten Putz aus, so dass er einigermaßen gerade, fest und hohlraumfrei ist.
Wenn schon Lehm drauf ist und das auch so bleiben soll, nimmt man dafür auch Lehm.
Sollte mal früher mit einem anderen Putz ausgebessert worden sein, kann es nötig sein, diese Stellen abzuklopfen.

Dann werden Dämmplatten nach Herstellerangabe hohlraumfrei angebracht, diese sollten ausreichende Transporteigenschaften für Feuchtigkeit aufweisen (z.B. HWF), dann kommt nochmals ein Putz, und dann die Feinputzoberfläche.

Wie man genau verfährt, sagt einem der Hersteller der Materialien, das lässt sich alles leicht herausfinden.

Schwieriger ist aber die Gestaltung der Fensterlaibungen, der Ecken, der Leitungen, der Heizung .....

Wenn man gedanklich aber noch beim Porenbeton und Aufdoppeln ist, wäre es vielleicht empfehlenswert sich zunächst noch etwas in die Materie einzulesen und ggf. auch eine echten Fachmann vor Ort zu befragen, der kann nicht nur über die Ausführung sondern auch über den zu erwartenden Nutzen der Maßnahme Auskunft geben.

Persönlich halte ich auch das U-Wert Gerechne für wenig hilfreich (ob die Werte tatsächlich die Realität wiedergeben ist noch ein anderes Problem).

Man will doch Wohnraum schaffen, der mit vertretbarem Energie Einsatz zu bewohnen ist, nicht absäuft und möglichst lange Bestand hat.
Da spielen doch neben den paar qm Außenwand und irgend einem Tabellenwert viel mehr Faktoren eine Rolle: bisherige Bausubstanz, Heizung, Fenster, Nutzung, Decken und Fußböden, notwendige Lüftung, persönliche Ansprüche.

Oft gewinne ich den Eindruck, dass beim Isolieren mit dem Schinken nach der Wurst geschmissen wird, selbstverständlich nicht ohne vorher detailliert zu erforschen, welchen Wert die Wurst vielleicht haben könnte. Alles andere tritt dann in den Hintergrund.

Also mein Rat: so viel wie nötig und so wenig wie möglich.
Für den Gegenwert von 25 qm fachgerechter Innendämmung kann man easymatic den Raum mit einem Bollerofen ein paar Jährchen beheizen.

Gruß Götz



Innendämmung



Von Innendämmung möchte ich Abstand nehmen, ich habe die Möglichkeit außen zu dämmen und möchte das auch nutzen. Hat den Nebeneffekt das das Fachwerk ansehnlicher wird als bisher. Daher auch die Aufdopplung von außen, zum einen damit es mit dem EG abschließt - aktuell steht die Wand vom EG hervor und zum anderen nimmt die Wandstärke zu.



Fragen



Hallo Christian,

Ich habe da noch Verständnissfragen:
Meinen Sie mit aufdoppeln: doppelt so dick ,wie die vorhandene Wand werden ??
In welche Richtung wollen Sie aufdoppeln: nach innen,oder nach aussen?

viele Grüße

PS : Nachtrag---Hat sich überschnitten.



Fachwerk dämmen



Wenn das Fachwerk sichtbar sein soll wäre folgender Aufbau möglich.
Bestehende Wand vollflächig mit Holzweichfaser verkleiden
Fachwerk mit alten Balken imitieren
Gefache mit Holzweichfaser füllen und verputzen.

Allerdings sehe ich diesen Aufbau mit einem lachenden und weinenden Auge.
Da es bei solchen Konstrutionen immer auf die Schlagregenbelastung ankommt.

Grüsse Thomas





"Hat den Nebeneffekt das das Fachwerk ansehnlicher wird als bisher"

glaube ich nicht! Es wird aussehen, wie draufgeklatscht.

Der prinzipille Nachteil der FW Bauweise würden ohnehin erhalten bleiben (Undichtigkeit der Fassade an den Gefachfugen, eingeschränkte Haltbarkeit von bewittertem Holz).
Ich würde jedenfalls keine HWF an die Außenwand bringen, wenn ich nicht sicher wäre, dass sie 100% vor Schlagregen geschützt ist.
Wenn das Wasser erstmal durch die Fugen in die Dämmung gelaufen ist wird's da eine Weile bleiben, schließlich ist auf der Außenwand ja meist eine mehr oder weniger Wassersperrende Oberfläche.

Wenn man das alte "unansehnliche Fachwerk" ohnehin nicht mehr sehen soll, würde ich dem Bau eher entsprechende Vorhangfassade spendieren, die lässt sich auch gut dämmen.
(so haben es die Altvorderen ja auch gemacht).

Wie die Fenster dann aussehen und ob der Dachüberstand reicht muss man sich aber auch gut überlegen.



Vorhangfassade



Vorhangfassade, das ist optisch gar nicht mein Fall. Immer Holzschutz oder Schindeln, nein - das passt nicht.

Die betroffene Fachwerkseite ist Süd, also kein Schlagregen zu erwarten. Die Rückseite wurde von den Vorbesitzern bereits verputzt...

Dachüberstand reicht ebenfalls, außer am Giebel - da müsste man bei der Dämmung etwas ändern.



Die Vorgeschichte...



... sagt, dass nur an einer Seite noch im OG Sichtfachwerk ist. Soll jetzt "nur" diese Südseite gedämmt werden?
Das wäre suboptimal... sozusagen eins von mehreren Löchern stopfen...

MfG,
sh





hatte ich noch vergessen:

Mein Nachbar hat einen Terrasenanbau aus sparsam verputzten Porenbeton, der mit einer der üblichen super dichten Außenfarben gestrichen ist.

Selbst da sorgt das eindringende Wasser dafür dass sich das Ganze bei Frost schichtenweise verabschiedet.
Ähnliches wird möglicherweise mit dem Porenbeton in den "bewässerten" Fächern geschehen.

Diese Fragen gab' hier schon öfter, z.B.:

http://www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/fachwerk-waermedaemmung-81256.html



Dämmung



Nein, gedämmt wird alles - nur das Sichtfachwerk ist der kritischere Punkt.



Holzschutz und Schindeln sind nicht so Ihr Fall



also wie wäre es beispielsweise mit einer Vorhangfassade aus Naturschiefern ? Da Sie nur das Obergeschoß dämmen wollen, wäre unten ein belüfteter Fries als vorgeblendeter Rähm aus Holz denkbar, auf dem die Aufdopplungshölzer zusätzlich aufliegen könnten.
Man hätte einerseits eine relativ wartungsfreie Fläche, genügend Platz für eine Holzfaserplattendämmung und müßte auch nicht mehr streichen.

Gruß Andreas



Aufdoppeln Fachwerk.



ein Aufdoppeln des Fachwerks auf die vorhanden Balken erscheint mir nicht aus folgenden Gründen nicht sinnvoll:
Duch das Aufdoppeln und Ausfachen mit Porenbeton oder Holzweichfaser, entstehen zu viele Schwachstellen in Form von Wärmebrücken.
Evtl. Undichtigkeiten werden nicht beseitigt.

Eine durchgehende Dämmschicht ist auf jeden Fall notwendig.
Dann kann das Fachwerk nach gleichem Muster auf das vorhandene Fachwerk geschraubt werden, die Ausfachung mit Holzweichfaser ausgefacht und verputzt werden. Dies wäre eine sinnvolle Lösung.

Eine weit einfachere Lösung wäre die Vorhangfassade.
Diese muss nicht aus Holz oder Schindeln sein!
Zum eine gibt es die Möglichkeit mit Schiefer, oder noch einfacher ist eine verputzte und hinterlüftete Vorhangfassade. Die verputzte Variante kann mit stauss-Ziegeldrahtgewebe einfach und Schnell realisiert werden. Der Aufbau ist einfach und unkompliziert.
Vorallem ist man bei dieser Variante nicht von Putzsystemen abhängig.

Grüsse Thomas





Hallo Christian,
Wenn man Dein Profil schaut, kann man das Häuschen sehen, aber auch lesen, dass es denkmalgeschützt ist.

Was empfehlen denn die Denkmalschützer?
Aufgedoppelte Balken und Außendämmung?



Aufgehoben



Das Haus war doch schon mal Thema hier. Der Denkmalschutz wurde auf Antrag des Eigentümers aufgehoben um eine umstrittene Baumaßnahme realieren zu können.





Stimmt,
Über dieses Projekt ist schon mehr als genug geschrieben worden.
Jeder ist halt sein eigener (Bau)-Herr

so long



Denkmalschutz



Der Denkmalschutz wurde vom Haus genommen, die vorgesehene Wärmedämmung der bereits vor vielen Jahren geputzten Rückseite(kein Sichtfachwerk mehr) wurde abgelehnt. Optisch gäbe es keine Änderung, die Dachüberstände etc. sind in Ordnung. Die andere Möglichkeit wäre das einzuklagen.

Die Lösung mit dem vollflächig dämmen und dann das Fachwerk neu aufzusetzen wurde auch von einer Zimmerei vorgeschlagen, die Lösung scheint mir sehr sinnvoll. Vorgeschlagen wurde quasi 2x zu putzen, einmal nach der 1. vollflächigen Schicht und dann die Ausfachungen nochmal.

Danke für die zahlreichen Wortmeldung, das ist hilfreich für ambitionierte Laien da ich jetzt schon zu oft gemerkt haben das es auch "Spezialisten" gibt die diesen Namen nicht verdient haben.

Ich würde das Haus gerne länger bewohnen, daher suche ich die beste und wirtschaftlichste Lösung für das Projekt. Und in so einem Forum ist der (in meinen Augen) beste Weg dafür.



Wand egalisieren



Bevor die Weichfaserplatten angebracht werden sollte zuerst die Wand auf ihre Ebenheit geprüft und wenn nötig egalisiert werden.
Die Weichfaserplatten müssen vollflächig ohne Lufteinschlüsse an der Wand montiert werden. Eine Putzschicht zwischen der vollflächigen Dämmebene und dem Fachwerkimitat ist durchaus sinnvoll, aber hier muss die Putzauswahl sehr sorgfältig getroffen werden, denn nicht jeder Putz ist hier geeignet.

Grüsse Thomas