Vormals überputzte Fachwerkbalken aufarbeiten...

05.07.2009



Liebe Fachwerker,

an der Südseite unseres Hause haben wir ca. 5cm Betonputz entfernt und erfreulicher Weise kaum bzw. nur geringe Holzschäden festgestellt. Nun müssen jedoch die Balken aufgearbeitet werden und behandelt, damit Sie wieder als Sichtfachwerk eingesetzt werden können.

Leider wurden die Balken mit Hilfe eines Stämmeisens aufgeraut (als Putzträger vermutlich).

Ich denke als erstes mit Hilfe einer Drahtbürste die Putzreste und den losen Schutz zu entfernen. Dann stellt sich die Frage, ob ich die Balken schleifen, hobeln sollte oder ob es sinnvoller ist hier mit "Opferbrettern" zu arbeiten. Wenn ich die Balken (an dieser Seite 14cm Fachwerk) Schleifen wollte müsste ich ca. einen halben Zentimeter abtragen...

Eigentlich finde ich aus optischen Gründen einen alten Balken reizvoller als ein "Opferbrett" aber/und natürlich möchte ich weitestgehend den Bestand schützen.

Was würdet Ihr empfehlen?

Herzliche Grüße



Fachwerk freilegen



Hallo Alex,
Dein Vorhaben solltest Du noch mal gründlich und unter Zuhilfenahme eines Fachmanns überdenken.
So wie ich das Foto interpretiere war dieses Fachwerk immer überputzt.
Die Gefachausmauerung zeigt keinen Rücksprung zum Holz.
Das Gefachholz trug nie einen Anstrich.

Viele Grüße



Überdenken



Hallo Herr Böttcher,

Sie sprechen hier an, was mir seit Tagen durch den Kopf geht und ich aber eine Entscheidung treffen muss. Die Nordseite und der Westgiebel werden/müssen vollständig neu aufgestellt werden, dabei stellt sich die Frage ob Sichtfachwerk oder nicht. Wenn ja, dann denke ich sollte man das Fachwerk aus optischen Gründen ganzheitlich sichtbar machen.

Nun kann ich leider nicht sagen wie dieses Haus ursprünglich gebaut worden ist (verputzt oder nicht), kann leider im Moment auch keine Aussagen treffen wie alt das Haus ist. Ich weiß nur, dass es ein ehemaliges Küsterhaus ist (auch als Schulraum genutzt wurde) ggf. auch ursprünglich als Pfarrhaus genutzt bevor ein neueres Pfarrhaus gegenüber gebaut worden ist. Ich kann mir beide Varianten gut vorstellen und die Bewitterung und der nicht vorhandene konstruktive Holzschutz sprechen wohl für die Verputzung. Aber eben auch das Sichtfachwerk hat seinen Reiz ;-)

herzliche Grüße - Alex



Ja, so wie



das aussieht, war das nie Sichtfachwerk. Und der alte Putz war vermutlich ein Kalkputz und kein Zementputz, sonst würde das anders aussehen. Den alten Zustand wieder herstellen, sonst müssten die Gefache neu ausgemauert werden, um eine ausreichende Putzstärke zu bekommen, und die Balken werden auch nicht ansprechend werden.
MfG
dasMaurer



So langsam



überzeugt mich die Meinung, das Fachwerk zu verputzen....
@DerMaurer: Es ist wirklich ein Betonputz, nur auf der Sonnenseite haben die Balken überlebt....

Danke schon einmal für die Antworten....

Wenn es noch andere Meinungen gibt bin ich sehr gespannt.

Herzlich Alex





Hallo Alex,

mit einer Ferndiagnose lässt sich der Zustand der Fachwerkkonstruktion nicht beurteilen. Eine Bestandsuntersuchung bzw. Bauaufmaß mit Schadenskartierung ist wohl nicht zu vermeiden. Dazu stellt sich die Frage, wie sehen die Fußschwellen aus?, was machen die Balkenauflager?, was sagt der Denkmalschutz? usw.-usw!!

Herzliche Grüße aus Bernburg,
Anton Spitz



"Was würdet ihr empfehlen?"



Wieder verputzen! Man hackt doch von einem massiv aus alten Ziegeln gemauertem Haus, daß schon immer verputzt war, auch nicht den Putz ab und versucht aus der Oberfläche eine Art "Sichtklinker" zu machen.
Wenn es schon immer verputzt war, sollte es auch wieder verputzt werden.

Gruß Patrick.

P.S.: Habe meine alte DKW auch wieder schwarz lackiert, und nicht entlackt und verchromt :-)



Vielen Dank,



für die vielen Meinungen und Antworten, ich habe unterdessen herausgefunden, das im Landesarchiv Bauunterlagen bzw. mehrer Akten mit Schriftverkehr zu diesem "kirchennahem" Gebäude vorliegen... vielleicht finde ich hierüber noch ein paar Informationen...

Einige ältere Leute aus dem Örtchen haben mir erzählt, dass das Haus in den 30er Jahren erstmals verputzt wurde und in den 60 Jahren dann ein zweitesmal mit dem nun abgeschlagenen Betonputz, da man keinen anderen Baustoff hatte.

herzliche Grüße - Alex



Überputzen...



...und dabei gleich die Winddichtung und etwas Wärmedämmung außen anbringen und fachlich richtig aufbauen.
Würde also heißen, einen Lehmabgleich herzustellen, in diesen dann eine Holzweichfaserdämmplatte einbetten und mechanisch befestigen und diese u.U. mit einer Holzverschalung verkleiden oder ein entsprechend zugelassenes Putzsystem aufbringen.
Wir können Dir bei dieser Entscheidung gern behilflich sein.

Nette handwerkliche Grüße ins 2010,
Udo Mühle