Fachwerkhaus in der Hitze Australiens

12.03.2007



Hallo Fachwerk-Kommune

Eine vielleicht nicht ganz gewohnte Anfrage;
Fachwerkkonstruktion in heissem Klima.
Die Grundmauern sollen auf einem Betonfundament mit kuenstlichem Gewoelbekeller gestellt werden. Der Gewoelbekeller und die Aussenseite der Grundmauern sollen bis zur ersten Etagedecke mit Naturstein verblendet werden aber ansich in Gasbeton (Alternative?)errichtet werden. die zweite etage und das komplette dachgestuehl soll in Fachwerk-Staenderbau errichtet werden und muss besonderen klimatischen bedingungen gewachsen sein. Das lokale Wetter ist im frostfreien Winter stark wechselnd feucht und im Sommer heiss und trocken. Die Daemmarbeit muss sich also nach innen richten, - die Hitze soll draussen bleiben.

Ich wuerde mich freuen Hinweise und Ratschlaege zu folgenden Fragen zu erhalten:

Verwendung von Materialien an Grundmauern, Ausfachung, Oberflaechenbehandlung des Holzes, Verputzung usw.

Aufbau einer gegebenenfalls zweiwaendigen Konstruktion, bei der wenn noetig das Fachwerk keine statischen Aufgaben mehr hat oder klassicher Fachwerkbau unter Beruecksichtigung der notwendigen Innendaemmung unter Verlusst der Innenansicht usw.

Fuer weitere Hinweise zu nichtgenannten Problemen bin ich auch dankbar.

Mit herzlichen gruessen
aus West Australien


Thomas



Auf Gasbeton



würde ich in diesem Zusammenhang verzichten, statt dessen das EG ganz in Stein oder Klinker ausführen.

Für das OG könnte folgende site: "www.thoma.at" , Holz 100-Haus ein paar gute Denkanstöße zu den nahezu einzigartig klimatisierenden und dämmenden Eigenschaften des Holzes geben.

Grüße

Thomas



Fachwerkhaus in der Hitze Australiens



Bei den vorherrschenden großen Temperaturunterschieden sollte man im Bereich des Obergeschosses versuchen, neben einer Dämmung möglichst viel Masse in Wände und obere Geschoßdecke einzubauen. Das geht mit Naturstein oder/und Lehm am besten. Ob der heimische Gasbeton geeignet ist oder nicht, muß vor Ort geklärt werden.
Es gibt auch in Australien eine Lehmbautradition und Firmen, die sich darauf spezialisiert haben!

Viele Grüße
Georg Böttcher



Bauen in Australien



Guten Morgen,

Für heiße Klimazonen hat sich unsere deutsche Bauweise noch nicht durchsetzen können. Dabei halten selbst die EU-Gremien und Ägyptische Universitäten eine Außendämmung auch gegen Hitze für äußert sinnvoll.
Die deshalb, damit die dahinterliegende Wand nicht ihre Temperaturamplitudenverschiebung voll entfaltet und gegen
Mitternacht aus den Schlafzimmern einen Backofen macht.
bei Wandaufbau spielt auch die Farbe eine wichtige Rolle (austral.: "albedo"), weißes Dach, helle Fassade reflektiert gut und reduziert die Kühllasten.
Wandaufbau: Optimal sind Vorhangfassaden, d.h. von außen nach innen:
Wetterschirm, z.B. Hartholz (kein Eukalyptus)
Hinterlüftung
mind. 10 cm Dämmschicht
schwere Innenschale, mind 17,5 besser 24 oder 30 cm .

Eine wichtige Rolle spielt im Sommer die perfekte Lüftung, die in Westaustralien sicher gegen Insekten zu sichern wäre.
Eine geeignete Naturzuglüftung, vielleicht mit Erdreichkühlung, würde ich einbauen.

Aber grundsätzlich finde ich Fachwerk in Australien eine etwas zweifelhafte Angelegenheit:
- Fachwerk ist eine historische Bauweise, die Nachahmung der Historie macht keinen Sinn
- Fachwerk erfordert handwerkliche Qualifikation, die vor Ort möglicherweise nicht zu bekommen ist.
- Ist überhaupt geeignetes Hartholz verfügbar ?

Aus Grund Nr. 2 haben die Amerikaner bei der Eroberung des Westens die Holzrahmenbauweise entwickelt.

Viel Erfolg
Dietmar Beckmann



Dank den Antworten Fachwerk in Australien



Vorweg:

Herzlichen Dank fuer die rasche und unkomplizierte aber dennoch fachlichen Antworten.

Das Fachwerk als traditionelle Bauweise ist in Australien nicht gaenzlich unbekannt oder unverbreitet. Viele englische Einwanderer aber nicht zu letzt auch deutsche, haben sich mit der traditionellen Bauweise ein Stueck Heimat in die Fremde Kultur geholt und damit, Gott sei Dank dem australischen Einerlei eine willkommene Abwechslung beschert. Neben diesem Grund aber ist die vorgehaengte Fassade als Daemmung eigentlich auch die Mutter des Gedankens und noch dazu eine relativ guenstige. In Australien sind innert der letzten 4 Jahre die Baupreise, Grudstueckspreise und Materialpreise ins Unermessliche gestiegen und auf ausfuehrende Firmen muss mancherorts laenger als 14 Monate gewartet werden (ich wollte so viel wie moeglich unter Anleitung und Mithilfe selber ausfuehren).

Ich hatte die Gelegenheit in Namibia schoen ein dreietaegiges Fachwerkhaus aus Muehlhausen, Thueringen mit errichten zu koennen, bei dem saemtliche Balken im Legoprinzip numeriert im Container angeliefert und dann von voellig unerfahrenen Schwarzen unter deutscher Anleitung zusammengefuegt wurden. Dabei fielen mir diverse Fehler und Probleme auf, denen ich nicht zuletzt durch die an Sie gerichteteten Fragen vermeiden moechte.

Warum kein Gasbeton im EG? Der Naturstein auf der Baustelle ist von sehr hart und von schwer bearbeitbarem Charakter und darum koennte es sein, das ich die Statik auf herkoemmliche Materialien ableiten muss, vielleicht lediglich die 2-3 Reihen Sockelmauer massiv Naturstein, dann aber Gasbeton und dann vorgeblendeter Naturstein, oder ist das voelliger Unsinn wegen der unterschiedlichen Dehnungskoeffizienten und Waermeleitwerte?

Von Haus 100 Holzverbundplatten habe ich seinerzeit in einer Reportage gehoert und die einzigartigen k-Werte bestaunt. Ich bezweifle aber die Platten hier zu erschwienglichen Konditonen erwerben zu koennen. Schade eigentlich. Auch wuerde die Restfeuchte des Holzes bald schon in die Umgebungsluft, nicht aber in die verbindenden plugs abgegeben und damit die Konstruktion gefaehrden.

Masse in Waenden und Decken, sicher die inneren Waende, oder? Ich dachte auch in diese Richtung und ueberlege sogar die Fussbodenheizung mit Recycle (im Sommer zur Kuehlung) in der Wand laufen zu lassen, wo ausreichend therm. Masse vorhanden ist, z.B. die den Fenstern gegenueberliegnde innere Suedwand, die im australichen Winter(Suedhalbkugel: Mittags Sonne im Norden) von der tiefstehenden Sonne aufgeheizt und darum exponiert angeordnet werden soll.

Die Lehmbauweise, auch bei aller Liebe zum oekologischen Bauen (das meine ich ernst...) wird eher schwierig zu realisieren sein. Schon schwerer Boden ist um Perth eher eine Seltenheit und Lehm vielleicht in grosser Tiefe anzutreffen. Doch die Erdreichkuehlung ist ein guter Denkanstoss, vielen Dank Dietmar.

Hartholz ist ausreichend verfuegbar. Doch ist dieses wieder so hart, das selbst fuer einen Nagel vorgebohrt werden muss. Die spezifischen Gewichte gehen bis 1,3 mal Eiche und die Art des Wuchses ist einfach sensationell verdreht und wellig, das mich beim Feuerholzmachen eine 4,5 Kilo Axt mit stumpfen Winkel einfach ansprang aber im Holz lediglich eine winzige Kerbe hinterliess. Doch mal andersherum, - muss es Hartholz sein um das Fachwerk zu bauen? ich haette Nadelholz verwendet, besonders wenn es sich um vorgesetzte Fassade handelt. Leider ist die hiesige Qualitaet aber auch eher mager bei Weichholz. Aber ich dachte angesichts der Preise evtl sogar den Abbund in Deutschland machen zu lassen und dann einzuschiffen. Das Niveau der Effizienz in Deutschland macht es selbst bei Transportkosten von etwa 12 000,- Euro sinnvoll. (Ja, Deutschland ist nicht wirklich teuer, wenn man andere Laender vergleicht und vor allem, das man hier nichts nennenswertes bekommt fuers Geld.)

Die Qualifikation ist hier nicht gegeben. Bis auf wenige Ausnahmen alles Pfuscher vorm Herrn, unverschaemt und faul. Entschuldigung, da schwingt ein kleiner Frust mit.
Ich habe gute Kontakte zur deutschen (!) Vereinigung der Zimmermanns-Wandergesellen in Windhoek, Namibia und glaube die drei Leute schnell zu bekommen.

Ich danke nochmals und freue mich ueber jeden weiteren Hinweis und Rat, halte auch gern auf dem Laufenden und werde mal ein Bild des Planes einstellen, wenns soweit ist.

ciao aus Perth

Thomas Vorsatz