Außendämmung am Fachwerkhaus

18.08.2006



Ich möchte mein Haus, das ich vor ca. 4 Jahren erworben habe (Fachwerk, kein Denkmalschutz, Bj. ca 1750-1850) von außen dämmen, da einerseits die Innenräume relativ klein sind und andererseits das Fachwerk innen zum großen Teil sichtbar bleiben soll. Das Haus wurde außen (vermutlich in den 60er Jahren) mit mineralischem Putz (ohne Dämmung) versehen, als Haftgrund wurde Kunststoffgewebe benutzt. Das 1. Obergeschoß ist vollig entkernt, um eventuelle Schäden zu begutachten. Das Holz ist zumindest auf der Innenseite in einem guten bis sehr guten Zustand, die Gefache sind mit Lehm (Strohlehm oder Lehmsteine) und teilweise mit Mauerwerk (Ziegel, Bims) ausgefüllt worden. Nun möchte ich wissen, was ich im Außenbereich tun kann, um eine möglichst gute Wärmedämmung zu erreichen, ohne dem Fachwerk einen bleibenden Schaden zuzufügen. Kann mir jemand einen Rat geben?





Ich weiß nicht, in welche Diskussion Ihre Frage noch münden wird, die Themen Dämmen und Bauphysik werden hier sehr kontrovers diskutiert. Ich würde davon unabhängig einen Fachwerkaltbau nie von außen dämmen. Es gibt zwar Wärmedämmputze (mit dem könnte man wenigstens die Gebäudegeometrie halbwegs retten), und diese auch auf mineralischer Basis (also in der Baustofffamilie bleibend), allerdings machen auch die unter 5 cm wenig Sinn (daher würde ich auch das bleiben lassen). Für das Erscheinungsbild des Gebäudes, sowohl städtebaulich, als auch historisch objektbezogen, ist eine solche Maßnahme nahezu immer abwertend.



Da wäre doch erst noch zu klären



ob das Fachwerk jemals als sichtbares Fachwerk geplant und gebaut wurde. Es gibt durchaus Gebiete, wo das von außen verputzte Fachwerk den städtebaulichen Charakter bestimmt. (Ich glaube, im Taunus gibt es solche Bereiche.) Und nicht in jedem Falle wäre es dann richtig das Fachwerk hervor zu holen.
Wenn diese Frage geklärt ist, kann man darüber hinaus nachdenken, welche Fassadenoptik man anstreben möchte. Putz geht zum Beispiel auch mit Holzweichfaser-Dämmplatten und funktioniert sehr gut. Aber auch vorgehängte Fassaden Schiefer, Holz oder Pfannen haben je nach Region Tradition. Hinter der Fassade kann dann der erforderliche Wärmeschutz untergebracht werden. Alles richtig konstruiert und mit den richtigen Materialien wird das Fachwerk keinen Schaden nehmen.



Vielen Dank für Ihre Stellungnahmen



Sehr geehrter Herr Hoffmann, sehr geehrter Herr Heim,
vielen Dank für Ihre umfangreichen Stellungnahmen. Im Grunde genommen habe ich Ihre Antworten eigentlich erwartet. Mir fällt es auch nicht leicht, ein Fachwerkhaus von außen zu dämmen und würde lieber einen anderen Weg einschlagen. Beim Kauf des Hauses hatte ich auch ursprünglich geplant, das Fachwerk frei zulegen. Beim Entkernen des Obergeschosses fiel mir aber auf, dass das Holz zwar in einem guten (statischen) Zustand ist, dies aber offensichtlich schon mehrfach verwendet wurde (vermutlich aus dem Abriss einer alten Scheune oder eines anderen Wohnhauses). Die Folge davon sind ehemalige sichtbare Holzverbindungen, die sich irgendwo im Raum befinden und nicht auf eine ehemalige Zwischenwand o. ä. schließen lassen. Da ich in einem alten Ortskern wohne und alle anderen Häuser in meiner näheren Umgebung ebenfalls verputzte Fachwerkhäuser sind, gehe ich davon aus, dass es nicht geplant war, das Fachwerk sichtbar zu lassen. Von einer Möglichkeit der Dämmung mit Holzweichfaserplatten habe ich schon gehört und werde mich dahin gehend weiter informieren.
Ich Strebe in jedem Fall keine "billige" oder schnelle Lösung an.
Vielleicht hat das eine oder andere Community-Mitglied ja noch einen Vorschlag oder schon praktische Erfahrungen gesammelt. Über einen Austausch in diesem Medium würde ich mich sehr freuen.