Silikatfarben




Hallo aus Schleswig-Holstein,

ich habe eine alte Jugendstil / Historismus-Villa von 1896, zwei Etagen, voll unterkellert.
Die untere Etage bewohne ich, die obere Etage ist vermietet. Nach fast 20 Jahren ziehen die Mieter oben nun aus und wir wollen fortan die obere Wohnung ebenfalls für uns mitnutzen. Bevor wir dort einziehen wollen wir die ganze obere Etage restaurieren. Unter anderem auch Innendämmung anbringen und hinterher mit Silikatfarbe streichen.
Bezüglich Farbe habe ich mich versucht zu belesen, aber ich muss gestehen das ich bei der Flut der Anbieter überfordert bin und wollte daher euch um Rat fragen.

Die oberen Räume sollen an den Aussenwänden eine Innendämmung bekommen und neu mit Kalkputz verputzt werden. Welche Dämmung ich benutze weiß ich noch nicht, zur Zeit tendiere ich zu CaSi-Platten.

Aber zurück zur Farbe....es gibt reine und Dispersions.Silikatfarben, soweit habe ich verstanden. Reine Siliatfarben sind 2-Komponenten-Farben und müssen umgehend verbraucht werden. Dispersions-Silikatfarbe bietet einen Kompromiss und ist leichter zu verarbeiten....soweit richtig?

Zu welcher Farbe tendiert ihr oder womit habt ihr gute Erfahrungen gemacht? Ich bin alleine bei KEIM schon überfordert mit der Anzahl der Varianten an Farbsystemen.



Innenwandfarbe



Warum muß es unbedingt Silikatfarbe sein?



Silikatfarbenmalerei



Die Malerei mit Silikatfarben ist die "Königsdisziplin".

Das hast du nun schon gemerkt. Reine Silikatfarben werden auf der Baustelle aus zwei Komponenten frisch angemischt. Was jetzt nicht so aufregend ist, wenn man bei präzisen Abmessen/ wiegen der Komponenten etwas Routine hat.

Für deckende Anstriche beträgt das Mischungsverhältnis regelmäßig aus 50 bis 55 Prozent Pigment-/ Füllstoffmischung die immer 20 Prozent Quarzmehl enthalten müssen und 45 bis 50 Prozent Kaliwasserglas (Fixativ).

Prinzipiell arbeitet man hier von fett nach mager. Grundanstriche werden mit 5 Prozent mehr Fixativ angerührt.

Dispersions-Silikatfarbe dürfen bis zu 5 Prozent Kunststoffdispersion enthalten und werden fertig gemischt angeboten.

Zu beachten ist das der Kunstharzanteil im getrockneten Anstrichfilm deutlich höher ist. Deswegen arbeiten qualitätsbewusste Hersteller mit sehr geringen Zugaben.

Die Untergrundbeschaffenheit und Vorbereitung ist das Entscheidende.

Hieraus resultieren auch die vielen Anstrichsysteme auf dem Markt.

Da Silikatanstriche sehr spannungsreich sind müssen diese sehr dünn ausgeführt werden. Saugstarke untergründe müssen mit verdünnten Fixativ vorgestrichen werden. Ungleichmäßige Strucktur muss mit füllstoffreichen Voranstrichen behandelt werden. Genauso benötigen gipshaltige Untergründe entsprechende Haftgrundierungen.

Zur Renovierung von Dispersionsfarbanstrichen werden Farben mit höheren " Hilfsstoffzugaben" benötigt.

Für die Denkmalpflege werden Farben ohne Titandioxid angeboten.

Es gibt Farben mit "photokatalytischen" Effekten.

Anstrichsysteme für Fassaden sind ggf. hydrophobiert.

Frische Kalkputze müssen mindestens 6 Wochen stehen oder mit Kieselfluorwasserstoffsäure (Vogelfluat) neutralisiert werden.

Alte Sinterschichten müssen ebenfalls geäzt oder mechanisch entfernt werden.

Für dein Vorhaben würde sich beispielsweise die "Quarzfarbe" der Fa. BEECK Mineralfarben empfehlen.

Die Farbe wird vorzugsweise mit der Bürste im Kreuzschlag aufgetragen.

Deutlich preiswerter und für den Freizeitanwender besser zu beherrschende Variante wäre ein Anstrich mit Kalkfarbe. Hier bietet sich beispielsweise die Sumpkalkfarbe der Fa. Kreidezeit an.



Warum Silikatfarbe



Ich möchte auf jeden Fall gerne weg von Dispersionsfarbe wegen der Dampfdurchläsigkeit. Kalfarbe habe ich mal im Keller benutzt, finde ich aufgrund der vielen Anstriche sehr zeitaufwendig. Des weiteren soll Silikatfarbe widerstandsfähiger sein gegen Abrieb usw....dachte das ist im Wohnraum langlebiger und nicht so Pflegeintensiv auf Dauer wie Kalkanstriche.



Untergrund



Ich sollte noch erwähnen das ich noch nicht genau weiß was mich für ein Untergrund erwartet. Zur Zeit ist alles tapeziert...das kommt aber alles runter. Was findet man in solchen Häusern normal für Putz vor? ich denke das ist den 1970er Jahren die Elektrik neu gemacht worden ist dann neu verputzt worden ist, aber genau weiß ich das nicht? Kann noch Originaputz von 1900 vorhanden sein? Und wenn ja, was wird das sein und läßt sich das überhaupt mit Kalk- oder Silikatfarbe streichen? Um auch den Tapetenkleister vom Putz zu bekommen könnte ich den Putz komplett mit Putzfräse bearbeiten.



Innenwandfarbe



Also keine technische sondern eine gefühlsmäßige Entscheidung.
Die kann, muß aber nicht optimal sein.
Am besten Sie richten sich nach den Verarbeitungsvorschriften des Dämmsystemherstellers.
Die Betonung liegt auf System, die passende Farbe gehört in der Regel mit dazu. Das muß nicht immer die billigste Variante sein, aber ein Laie liegt damit auf der sicheren Seite.



Durchschaut



Richtig erkannt, bis dato eine überwiegend gefühlsmäßige Entscheidung...daher hatte ich mir hier technischen Rat von Experten erhofft um daraus für mich eine klare Handlungsrichtung entwickeln zu können :-)



Untergrund



Da wirst du unter den Tapeten wohl die übliche Situation vorfinden. Kalkputz aus der Errichtungszeit. Die Schlitze der Elekroinstallation werden wohl mit Gips geschlossen worden sein. Ansonsten ein Sammelsurium an Ausbesserungen und Anstrichen aus vielen Jahrzehnten.

Vor der Innendämmung sollten lose und absperrende Anstriche entfernt werden. Größere Gips- oder Zementplomben würde ich ebenfalls herausbrechen und mit Grobmörtel aus Kalkhydrat und Sand ausgleichen.

Die Innendämmung kann dann mit entsprechenden Materialien ausgeführt werden. Holzwolle, -fasser, Schilfrohr alles machbar. Ggf. bietet sich auch eine Wandheizung an.

Calciumsilikatplatten sind mit Abstand die teuerste Möglickeit (ab 60 Euro / qm).

Verputzt wird dann mit Kalk. Grundputz, der dann wie im Original mit einem feinen Schweißputz (Feinputz, 0,5 mm Korn) überzogen. In den Grundputz wird ein Armierungsgewebe (10x10 mm) vollflächig eingebettet. Anstrich kapillaroffen in Kalkfarb- oder Silikattechnik.

Empfehlenswert: Hessler-Kalkputz-System.

(Schweiß-) Feinputz HP90, 2-3 mm;

darauf nass in feucht Kalkglätte HP900 oder Anstrich mit Kalk-Kaseinfarbe HP9000, in Feuchträumen Sumpfkalkfarbe HP9100.