500 Jahre altes Fachwerkhaus kaufen?

06.05.2004



Hallöchen!
Während unserer Suche nach einem eigenen kleinen Häuschen sind wir auf ein "500 Jahre altes, fachgerecht saniertes Fachwerkhaus" gestoßen. Da wir absolute Neulinge auf diesem Gebiet sind, stürzen jetzt 1001 Fragen auf uns ein - was bedeutet fachgerecht saniert (was sollte alles gemacht worden sein...), wie läßt sich bei einem derart alten Haus das Preis-Leistungsverhältnis beurteilen, mit welchem Pflegeaufwandt ist in den nächsten 500 Jahren zu rechnen... :-)
Wer weiß Rat???



Fachgerecht ist nicht gleich fachgerecht



leider ist die Aussage "fachgerecht saniert" an sich erst mal ziemlich wertlos. Ich denke nur mit Grausen an eine Reportage bei AVENZIO wo ein Fachwerkhaus "fachgerecht" saniert wurde. Dort hat man so ziemlich alles Falsch gemacht, was man nur falsch machen kann. Kunststofffenster mit Bauschaum eingebaut, Lehmwände mit Gipsputz zugekleistert, GK-Platten vor Lehmwände gestellt usw..
Das kann natürlich bei dem Haus das Ihr euch anschaut ganz anders sein.
Schaut euch an, wie sind die Fenster eingebaut (Kunsstoff ist ganz schlecht), wie sind die Gefache von aussen verputzt ("Abdichtungen" mit Silikon o.ä. sind eine Katastrophe, Zement hat dort nichts zu suchen) Wie ist die Wärmedämmung der Aussenwände gestaltet? Wie wird das Haus beheizt? Wie sehen die Fachwerkbalken aus, was wurde wann und wie erneuert? Wie sieht der Dachstuhl samt Dämmung und Deckung aus? Was für Farben sind an den Wänden ?(möglichst keine Dispersionsfarben, sondern diffusionsoffene ökologische Produkte)
Bestimmt gibts noch 100 andere Punkte nach denen schauen sollte. Vielleicht kommt ja noch die eine odere andere Anregung. Schreibt dann mal, was Ihr zu diesen Punkten gesehen habt, vielleicht kann man aus der Ferne das eine oder andere sagen.
Am besten ist es aber, sich das ganze mit jemandem anzuschauen, der wirklich Ahnung von der Materie hat. Sagt doch mal wo euer Häuschen steht, vielleicht findet sich ja auch jemand aus dem Forum hier.



Hauskauf



guten tag
ich kann weiter helfen und sie können sich ja bei mir melden wenn sie fragen zum Fachwerk haben

Sachverständigenbüro Andreas Vollack
Von der Handwerkskammer Hildesheim
Öffentlich bestellt und vereidigter Sachverständiger
für das Zimmererhahnwerk
Sachgebiete :
Historisches Fachwerk
Fachwerk Konstruktionsschäden
Altholzuntersuchungen
Pilze und Holzschädlinge an Fachwerken
Beweissicherung
Lehmbau im alt und Neubau
Bauberatung

Wesersraße11 OT Hemeln 34346 Hann.Münden
Tel. 05544/ 8376 D2.0172/5641202
Fax.05544/ 999779 E-Mail. Andreas.vollack@t-online.de

mit zimmerlichem gruß
andreas vollack







Flaute bei den Aufträgen???;-))



Der Zimmerermeister Andreas Vollack scheint Schwierigkeiten zu haben, sonst würde nicht bei jeder Frage hier bei Fachwerk de. die Werbeseite der Zimmerei erscheinen!

Kleiner Tipp: Wer keine Aufträge bekommt, sollte mit den Preisen runter gehen ;-)



hallo zimmerei benning



danke für den tipp
sie solten besser mal nicht vermutungen anstellen
denn dem fachwerk-hauskäufer ist darmit nicht geholfen

eine Beratung am telefon ist bei uns kostenlos und hat nichts mit schwierigkeiten zu tun


mit zimmererlichem gruß
andreas vollack
aus hann.münden



Wieso ist dem Käufer mit Vermutungen nicht geholfen?



Jeder der hier eine Frage stellt, bekommt als Antwort Tips und Denkanregungen. Es ist doch wohl klar, dass hier keine endgültigen Antworten gegeben werden können. Jeder muss für sich entscheiden, ob ihm die Infos reichen oder ob er einen Fachmann persönlich hinzuzieht. Ich werde kaum einen Forumnutzer haftungsrechtlich belangen, wenn ich aufgrund seiner Antwort Mist mache. Auf Ihre telefonischen Tips kann ich mich genausowenig stützen.



Etwas Sachkunde zur Beratung dazu holen ist immer von Vorteil



Leider kann ich Sie nicht anreden, ich finde keinen Namen, ich hoffe es liegt nicht an mir...

Ein 500 Jahre altes Fachwerkhaus hat sicher enge Grenzen für eine Umnutzung auf unsere heutigen Wohnansprüche. Das liegt in erster Linie an den geforderten Eigenschaften der Baukonstruktion zum Gestehungszeitpunkt, denen der passende Baumeister mit dem entsprechenden Wissen seiner Zeit vorstand.

Heute dieser 500 Jahre alten Baukonstruktion die Standhaftigkeit für eine "moderne" Wohnnutzung abzuverlangen, ist wenigstens wagemutig bis nicht erreichbar.

Die nutzungsbedingten Wechselwirkungen zwischen Innen- und Außenklima in der Außenwand sind zu Vorzeiten und Jetztzeit nicht gleichzusetzen. Da die historischen Baustoffe in physikalischen und chemischen Eigenschaften diesen nutzungsbedingten Wechselbeziehungen ausgesetzt sind, unterliegen sie auch den den geänderten Einflüssen. Daran angepaßt sind auch mögliche, zu erwartende Schadwirkungen, bzw. vorbeugend deren Verhinderung.

Geänderte Einflüsse sind zuerst durch das geänderte Innenklima bedingt, durch eine heute übliche Zentralheizung (Lufterwärmung, Konvektionswärme) gegenüber der vormaligen Ofenheizung (langwellige Wärmestrahlung, Infrarot-Wärmestrahlung). Ein Innenluftklima 20° bei 55 % rel.Luftfeuchte führte bei einer unveränderten historischen Baukonstruktion überwiegend zu Schäden.

Eine heutige "Sanierung" greift da zu allerlei Klimmzügen, um den Wand und Deckenaufbau aufzudämmen. Das kann funktionieren - tut es aber nicht immer oder besser gesagt, immer öfters nicht. Ob langfristig der richtige Weg gegangen wurde, kann ich nur durch Einzelfallprüfung bewerten. Sie sollten es auch tun.

Es gibt viele Regeln zu beherzigen, dennoch zeigt die tägliche Praxis, es ist mehr zu bedenken, als nur Regeln zu beherzigen. Die meisten Baufehler sind unscheinbar und werden oft auch von fachlich versierten Baumenschen verkannt oder in der nachhaltigen Schadwirkung gänzlich unterschätzt. Das ist nichts anrüchiges, denn als Grund vermute ich ein langsam rückläufiges Grundwissen um alle Bereiche der Baukunst als Gesamtes. Da fehlt die alte Humboldt`sche Unsiversalausbildung, wie sie um die vorletzte Jahrhundertwende einen Höhepunkt fand. In vielen Bereichen der Baukunst können wir an die Grundsätze der damaligen Wissens anknüpfen. In meinem Gebiet, um die holzzerstörenden Pilze und Insekten, ist da vieles von damals noch höchst aktuell.

Da solche historischen Baukonstruktionen Jahrhunderte schadlos überdauert haben, mögen wir zuerst einmal anerkennen, das diese Baukunst als bewährt einzuordnen ist. De Bezeichnung von Fachwerk als eine "Schwachkonstruktion" ist da (noch) irreführend. Erst wenn unsere "Sanierung" hinzukommt mag dies zutreffen. Anhand vieler seinerzeit als "fachgerecht" propagierten Maßnahmen wissen wir heute, sie waren und sind nach weniger als 20 Jahren ein Armutszeugnis "moderner" Baukunst. Ich möchte da nicht ungern an die Vernichtung von Facherkhäusern unter Aufsicht und Verantwortung der "üblichen Verdächtigen" erinnern, die sogar Kriegsereignisse in der Schatten stellten.

Während die historische Fachwerkbauweise mit weniger als 10 Baustoffen zu meistern war, überschwemmt heute eine wahre zudem von niemendem verlangte Materialflut den Markt. Material, was kaum ein paar Jahre im Einsatz ist, und alle 2 Jahre neu "aufgemacht" wird. Auch der gesündeste Menschenverstand kann davon infiziert werden. Jedem sind solche Zuckerseiten geläufig, deren unangenehmere Nebenwirkungen man erst später durch Schäden am Bau kennenlernt.

Damit will ich einige Grundüberlegungen aufzeigen, wieviel Wissen in die Breite nötig ist, um eine "einfache" Konstruktion wie ein Fachwerkgebäude für eine neuzeitige Nutzung aufzubereiten. Möglicherweise kann man heraushören, daß ich der Meinung bin, das es nur bedingt möglich ist. Zu allererst ist die Abkehr vom "perfekten Rezept" nötig und die Zuwendung zum Leben, zum universalen Wissensdurst. Gerade die Fachwerkkonstruktion ist das Sinnbild eines veränderlichen Bauwerks.
Viele Grüße



@ Herr Rüpke



In Ihrer Aussage steckt sicher viel wahres, aber ich denke es trägt wohl zuallererst zur Verunsicherung, denn zur Aufklärung bei. Natürlich braucht es Mut, sich ein altes Haus zu kaufen. Aber wenn niemand diesen Mut aufbringen würde, was soll dann mit den vielen wirklich schönen und erhaltenswerten Fachwerkhäusern (und anderen alten Häusern) passieren???
Jeder Käufer eines solchen Hauses sollte sich darüber im klaren sein, das er kein Niedrigenergiehaus mit allem modernen SchnickSchnack (brauchts den überhaupt wirklich), geraden Wänden (hat sicher auch nicht jedes neue Haus ;-)), überfüllt mit chemischen Baustoffen etc. erwirbt. Aber dafür kann man eine Perle mit einem unverwechselbaren persönlichen Ambiente erwerben oder daraus machen.
Ein solches Haus ist natürlich auch ein nie endendes Hobby, also regelmäßiger Pflegeaufwand ist in den nächsten 500 Jahren definitiv zu erwarten.
Aber wenn man sich schon die hier in wenigen Beträgen genannten Punkte zu Herzen nimmt ist man schon ein gutes Stück weiter auf einem erfolgreichen Fachwerkweg. Ich will da nur den von Herrn Rüpke genannten Einsatz von ca. 10 Baustoffen unter weitgehendem Verzicht auf moderne Bauchemie nennen.
Also, Mut zum Fachwerk.

Viel Erfolg



Erstmal vielen herzlichen Dank



Inzwischen habe ich einige Stunden in diesem Forum verbracht und viele Beiträge gelesen, die mir einen ersten Eindruck auf diesem ungeahnt weitläufigen Gebiet des Fachwerkbaus vermittelt haben.
Um ehrlich zu sein, steht man als Laie und zudem noch absolutem Neuling recht unbeholfen vor vielen fachbezogenen Aspekten und die Schwelle zur Informationsüberflutung liegt recht nah.
Ganz allgemein würde ich keinen solch großen Schritt eines Hauskaufes gehen, ohne gezielt fachlichen Rat einzuholen. Und hierbei denke ich, bin ich bei Eurer Community an der richtigen Stelle, um bei Bedarf erfahrene Fachleute finden und hinzuziehen zu können.
Merci für alle guten Wünsche sowie hilfreichen kritischen Anmerkungen!
Anke Schütze



Nur Mut



Wir haben 1996 ein 550 Jahre altes Fachwerkhaus gekauft - 1997 sehr sachte instandgestellt. Viel gelernt - es ist für uns ein perfektes Haus geworden. Alle haben es aufgegeben und uns bedauert - dann beim Denkmaltag hatten wir über 400 Besucher. Gerade Kinder sind sehr gerne hier...
Falls Ihr Fragen habt, wir sind gerne bereit, zum Weiterhelfen.
Gruss
Thomas