Historischer Fachbegriff "Verbund" oder "Verbind" II

05.06.2010



Vielen Dank für den Vorschlag "Abbund".

Daraufhin habe ich den Text mit der Deutschen Schrift noch einmal überprüft. Soweit ich die Deutsche Schrift entziffern kann, steht dort jedoch genau wie in der Transskription in lateinischer Schrift "Verbund".

Die Alternative "Verbind" habe ich in einer Chronik von Kurt Kroll gelesen, der ebenfalls über dessen Bedeutung rätselt.

Ich dachte, im Kontext mit "Fach" müßte das für die Experten hier im Forum zu klären sein...
(s. historische Hausbeschreibung)



wie



auch für den vorstehenden Fachwerkverputzer - bleibt bitte in Eurer 1. Frage. Da kann jeder die alten Antworten lesen - was dopplungen vermeidet und bereits eingestellte Bilder sind besser zu finden.

Aus einem einzelnen Wort lässt sich wohl kaum der Sinn erschliesen, ich kenne das Wort ganz normal in Holzverbindungen, bzw. als Funktion der Bauteile, denn Die Riegel verbinden Ständer mit Ständer und die sie enden in Verbindungsstellen. Und daraus entsteht dann das Fach.
Stell doch mal den Scann mit den deutschen Text ein.



1. Frage / Historische Hausbeschreibung/ Fachbegriff "Verbundt"



Hallo Olaf,

vielen Dank für die Erläuterungen.

Allerdings sind "Holzverbindung" und "Verbindungsstellen", sowie "Riegel" und "Ständer" für mich ebenfalls böhmische Dörfer. Und wieso heißt es eigentlich in dem Zusammenhang Funktion?

Übrigens bin ich kein Fachwerkverputzer. Ich besitze nur die historische Hausbeschreibung unter meinen Ahnenforschungsunterlagen.

Das mit der zweiten (bzw. dritten) Frage tut mir leid, ich bin mit der Maske nicht klar gekommen!

Der Text ist in beiden Fällen auf Deutsch, nur einmal in Deutscher Schrift und einmal transskribiert in (unsere ganz normale) lateinische Schrift, d.h. der Text ist nicht auf Lateinisch.

Hier noch einmal der Wortlaut:

"Inventarium über das Adeliche Guth Müßen LAS 21 o
de Anno 17o1 Nr.3589
Zu Kancklow
Stophen Lindemanns Hauß ist
8Fach undt 9 Verbundt lang, mit
2 Abseiten.
4 Fach und 5 Verbundt breit,
Das gantze Hauß ist baufällig.
Das Dach ist im Ziemlichen Stande.
Die Wände seyns geklebet und noch Ziemlich guth.
Vor der' Thür nach Westen ist
Ein Schuer das Holte und
Dache guth,dafür
1 eichen Thür,mit Haken Henge und
Kruckhanger.
Die Diehle ist mit Leemes.
Vor der Stubenthür mit Feldtstei-
nen gepflastert.
4 großethüren mit Haken und Hengen,
Von eichen Bretern.
2 eichen Seitenthüren,die eine gedop-
pelt mit Krukhängen,die andere
mit Haken und Henge,
auf der virtl.
19 alte Fenster 1 Zugenagelt.
1 Schwiebogen fürn Ofen.
Ein Rahmen,übern Rahmen,der Boden
mit altern Bohlen beleget.
Eine Cammer ,dafür
1 eichen Thür mit Haken,Henge undt
Überfall.
Der Boden ist mit etlichen alten Bretern
beleget,
Eine Stube,dafür
Eine eichen Thür mit Kruckhängen, Haken und Klinke.
12 Fenster in Mittelmäßig,1 ist Zuge-
nagelt.
Ein Kachelofen,so noch ziemlich guth drin.
Die Diehle ist mit Leemes,und der Boden mit eichen Bretern be-
leget. Eine Cammer,dafür
1 eichen Thür mit Kruckhängen und 1 Schloß.
Der Boden ist mit Ellern Schleten beleget. Eine große Leiter nach dem Boden.
Eine Scheune ist
4 Fach 5 Verbündt lang,3 Fach 4 Verbündt breit.
Die Legden undt das Holtz ist guth.Das Strohdach ist noch ziemlich.Vor die Thüren seyns Flekens.
Das Backhauß ist
2 Fach 3 Verbundt lang und breit,Das Holtz ist guth
1 eichenthür dafür mit Krukhangen.Das Steindach ist Guth
Das Backhauß ist vor 4 Jahren neugebaut
Der Backofen gehet nach dem Hoofe."



na



das ist doch mal was für die Historiker. Klingt ein weinig platt(-deutsch). Damit habe ich mich noch nicht beschäftigt, aber hier geht es um eine maßliche Beschreibung und ein Fach hat in jeder Gegend einen etwaige Größe, so wie im Bergbau Lachter für etwa 1,98 (in Sachsen) steht. Das Haus ist also etwa 10 Meter lang und 7 Meter breit, aber das ist nur geschätzt. Die Abseiten werden wohl Anbauten sein, die sich an das Haus anfügen. Schau Dir doch mal historische Gebäude oder Zeichnungen an.



Historische Hausbeschreibung/ Fachbegriff "Verbundt" [forum 144427]



Hallo Olaf,

vielen Dank für die Erläuterungen. Hast Du vielleicht noch einen Tip für mich, wo ich solche Zeichnungen finden kann?

Zur Region: die Beschreibung bezieht sich auf ein Gebäude, das in Kankelau stand, das ist ein Ort im Herzogtum Lauenburg.



solche



zeichnungen wurden früher von Malern angefertigt, die von Hof zu Hof zogen um so ihren Lebensunterhalt zu verdienen und zum anderen in alten Bauakten, bei uns ab etwa 1870.

Habe in Heimatkunde nicht aufgepasst - wo etwa ist Lauenburg ?
Ich wohne übrigens nicht in einem Hufen-Hof, sondern in dem eines Gärtners - und betreibe ebenfalls Ahnenforschung...

Beim Bild rechts der Giebel könnte nach meiner Vermutung 8 Fach breit und 9 Verbund breit sein. Aber das sind blose vermutungen. Es fällt auf, ein Verbund mehr als Fach - also ev. der Eckständer, dem kein Fachwerfeld folgt.



Bauakten



Hallo Olaf,

vielen Dank für die schöne Abbildung.

Was sind Bauakten, und wo findet man die bitte?

Über die Höfe meiner Vorfahren, die zum Großteil Hufner waren, gibt es Höfeakten, aber von Bauakten habe ich noch nichts gehört.

Der Kreis Herzogtum Lauenburg gehört zu Schleswig-Holstein und liegt zwischen Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern, westlich vom Schaalsee.

Du betreibst auch Ahnenforschung, das ist ja spannend. Welche Nachnamen forscht Du denn?

Über das Zahlenverhältnis von Fach und Verbund habe ich mir übrigens auch schon Gedanken gemacht. Da sie nicht übereinstimmen, ist der Verbund also nicht ein Holzrahmen, der dann mit dem Fach ausgefüllt wird, sondern, so wie Du vermutest, die Holzbegrenzung links und rechts davon, quasi die senkrechten Zwischenbalken.



die



Bauakten liegen auf der Gemeinde und als Gegenakte im Landratsamt. Wenn die äleren Dokumente aussortiert sind, dann mal die Kreisachrive abklappern. Bauakten dürften gleich Höfeakten sein. In Höfeakten findet man also auch in gewisser Reihenfolge die Bauherren des betreffenden Hofes, wenn sie den etwas am Haus verändert oder gar neu gebaut haben. Auch ein gute Quelle für Ahnenforscher.
Ich selber veruche für unser kleines Nest eine Übersicht zu erstellen, woher all die Einwohner mal zugewandert sind und wo manche wieder abhanden gekommen sind. Ist also mehr ein Ortsfamilienbuch. Dabei sind gerade die Bauakten für mich von größtem Interesse, da ich damit auch die baulichen Veränderungen dokumentieren kann.



Bauakten/ Höfeakten



Hallo Olaf,

vielen Dank für die weiteren Ausführungen.

Ich habe "meine" Höfeakten erst zu einem Bruchteil ausgewertet.

Bisher habe ich lediglich etwas über Eigentumsverhältnisse und die Erbfolge gefunden und z.B. über Teilveräußerungen.

Vielleicht sind Bauakten doch etwas anderes.

Übrigens habe ich bei Wikipedia gefunden, daß ein Gefach ca. 2,5 Meter groß war.

s. http://de.wikipedia.org/wiki/Hallenhaus



ja



die Bauakten sind mehr technischer Natur, mit Bauzeichnungen, Anschreiben zum Bauvorhaben, Abnahmen und Kostenbescheide....
Also Archiv des alten Landkreises, früher Amtshauptmannschaft aufsuchen oder im Bauamt/Landratsamt mal fragen ...



Bauakten



Vielen Dank für den Tip.

Ich werde dann die Ergebnisse später berichten.



okay



ich bleibe "in der Leitung" ...