Wärmedämmung Fussboden gegen Erdreich




Hallo,

wir haben ein Haus von 1886 mit folgendem Fußbodenaufbau:

-Estrich (ca. 5cm)
-Styropor (ca. 2cm)
-Bitumenbahn 2-fach (nicht intakt)
-"Bodenplatte" (ca. 10cm)
-Erdreich

Wir möchten als fertigen Boden massive Fichtendielen.

Folgender Aufbau schwebt mir vor:
1. Estrich + Styropor entfernen
2. Feuchtigkeitssperre (Folie)
3. Lagerhölzer (2 Lagen über kreuz) 10cm
4. Dazwischen Dämmschüttung
5. Fichtendielen

Folgender Aufbau schwebt unserem Architekten vor:
1. Alles weg - insgesamt 40-50cm ausgraben
2. Kapillarbrechende Schicht (z.B. Glasschotter)
3. Folie
4. Lagerhölzer
5. Dämmschüttung
6. Dielen

Als Heizung dient uns eine Wandheizung in Lehm.

Der Aufbau des Architekten ist sicher der perfekte. Bzgl. des Aufwands ist mir mein Vorschlag jedoch wesentlich lieber. Der erhöhte Bodenaufbau stört nicht.

Was sind Ihre Meinungen?

Vielen Dank!

Thorsten



Mann Thorsten gleich 2 Fragen



Also ich als Laie hätte Angst, dass die Lagerhölzer mit der Zeit die Folie zerstören. Die werden sich doch bei den ständigen Belastungswechseln des Fußbodens (gehen,hüpfen von Kindern usw.) immer leicht hin und her bewegen? Da brauchst du schon eine sehr dicke Folie! Und du baust doch bestimmt was für viele Jahre!

Gruß Marko



Fußbodenaufbau



Hallo Thorsten,
Du schreibst, das die Abdichtung auf der Bodenplatte nicht intakt ist. Woraus schlußfolgerst Du das?
Warum möchtest Du die Dielung nicht auf dem vorhandenen Estrich aufbauen?
Warum will Dein Architekt ca. 60 cm tief ausheben lassen? Die Fundamente von Innenwänden sind früher i.d.r. nicht so tief gegründet worden!
Hat dein Architekt eine Kostenschätzung für seine Variante gemacht? Mit dem Bagger wird das Erdreich wohl kaum gelöst werden können. Ob das Abbrechen von 10 cm Beton dem Haus förderlich ist, solltest du ihn auch gleich fragen!
Die Antworten auf diese Fragen würden zur Meinungsbildung für Dein Problem entscheidend beitragen.
Nicht nur bei uns, auch bei Dir.

Viele Grüße
Georg



eine weitere Variante: Kork-Kalkestrich auf kapillare Schotterschicht



wahlweise mit Holzdielen auf Lagerholz mit Korkgranulat-Zwischenschüttung oder mit Terracotta-Platten verlegt im Traßkalk-Mörtelbett.



Bodenplatten



Die Fragen von Georg Böttcher würde ich auch unbedingt stellen.
Solange kein drückendes Wasser vorhanden ist, müßte sich auf vorhandener dünner Bodenplatte (10 cm) auch eine neue Dichtung + Dämmung aufbauen lassen. Z.B. so:
Platte säubern
Bitumenvoranstrich
Abdichtungsbahn G 60 mit Alueinlage (Dampfsperre) punktweise verkleben und überlappend verschweißen, an den Rändern 15 cm hochziehen.
Druckfester Dämmstoff, z.B. Jackodur CF 700 so dick verlegen, wie gewünscht, optimal 8 cm.
Darauf könnten Sie dann veranstalten, was Sie wollen.

Ich würde mir genau überlegen, ob auskoffern wirklich so sinnvoll ist. Die Folge- und Vorarbeiten machen es teuer.

Grüße vom Niederrhein



...die Details:



Ich danke Ihnen recht herzlich für Ihre konstruktiven Antworten.

Wir haben kein drückendes Wasser und ich bin auch der Meinung, dass man den Beton nicht unbedingt rausnehmen muss. Vor allem da nach oben (Deckenhöhe) noch Spielraum ist.

Mir gefällt die Variante von Herrn Beckmann sehr gut. Habe jedoch dazu noch eine Frage bzw. würde gerne einen anderen Vorschlag machen:

- Platte säubern (OK)
- Bitumenvoranstrich (OK)
- G60 (OK)
- Jackodur (hmm...)

Ich bin von XPS und Kunststoff eigentlich überhaupt nicht begeistert. Warum kann ich auf die Abdichtung keine Schüttung wie z.B. Perlite oder Liapor aufbringen?

Was passiert wenn ich die Bahnen 15cm am Rand hochziehe? Steigt dann nicht evtl. auftretende Feuchtigkeit die Wände hoch und macht diese dann feucht?


Jetzt schon vielen Dank für Ihre Antworten

Thorsten





Guten Morgen,

warum keine Schüttung: weil diese ganz langsam in Schwingungen versetzt werden, es bilden sich "Gehwege", Fehlstellen und Verdichtungen, dann gibt der Oberboden nach.
Außerdem ist der Wärmedurchgangswiderstand gegenüber Hartschäumen schlecht. Diese sind zudem druckbeständig, wenn die richtigen ausgewählt wurden. Bei einem Feuchtigkeitsschaden hätten Sie zudem erhöhte Trocknungsprobleme mit einer Schüttung, weil deren Kugeln Wasser einschließen und/oder eine große benetzbare Oberfläche haben.
Hochziehen der Dampfsperre und Dichtung: sonst nützt sie nicht, denn an den Rändern würde Feuchtigkeit in die Dämmung eintreten.
Sollten die Wände kapillar aufsteigende Feuchtigkeit haben,
ist das in jedem Falle schlecht. Mit hochgezogener Dichtung hätten sie aber wenigstens einen freien Verdunstungshorizont im beheizten Raum, sonst in der Dämmung.

Grüße



Wenn die Aufbauhöhe noch Luft lässt,



würde ich hier über Gußasphalt nachdenken. Das mag erstmal ziemlich chemisch klingen, aber mit etwas googeln könnten Sie sich dazu näher informieren - im erkalteten Zustand ist das ganze geruchsneutral. Der Vorteil wäre hier, daß gleichzeitig eine Abdichtung mit funktionierenden Wandanschlüssen und eine Fläche, auf die Sie aufbauen können, entsteht. Allzu dick wird der Asphalt nicht sein müssen. Estrich/ Styropor würde ich entfernen. dämmen unter Gußasphalt ist teuer (Foam-Glas o.ä.), sie können aber darauf ohne weiteres mit Holzweichfaserplatten und Dielung aufbauen.

Grüße

Thomas



@Herrn Bühme: man muß sich ja nicht mit aller Gewalt harte Chemie



ins Haus holen! Es stimmt zwar, daß nach Erkaltung der Asphalt-Geruch weniger wird. Wer garantiert, daß danch keinen weiteren Ausdünstungen erfolgen?



@ Herr Schielberg



ich habe einen Baustoff erwähnt, auf Vorteile hingewiesen und dem Frager empfohlen, sich darüber zu informieren.

Wissen Sie über Gußasphalt so viel, daß Sie mit Sicherheit von "Harter Chemie" (auch Weichmacher sind problematisch :-) reden können? Ich nicht.

Gußasphalt ist wegen seiner Geruchlosigkeit in Lebensmittelbetrieben zugelassen, ferner ist er auch ausdrücklich als Heizestrich zugelassen. Sein Inhaltsstoff Bitumen ist (völlig richtig) ein Produkt der Erdöldestillation (wie z.B. die Isoparaffine, die heute in fast jeder Naturfarbe auf Ölbasis verwendet werden) besteht aber aus schwerflüchtigen Substanzen, d.h. bei Normaltemperaturen entweicht nichts, weil die flüchtigen Substanzen ja bereits abdestilliert wurden.

Grüße

Thomas



Mörtelboden



In historischen Gebäuden wurde im Erdgeschoss oftmals ein Mörtelboden eingebaut.
Als Idee also folgendes: Nimm die Kunstprodukte (Bitumen und Styropor) raus. Dann kannst Du in fast beliebiger Dicke einen Mörtelboden einbauen. Wenn Du dem Holzspäne zugibst (oder anderes organisches Material wie Stroh- oder Hanfhäcksel oder Weizenspreu), dann wird der Boden nicht so klammekalt. Kannst etwa ein Verhältnis Kalk:Sand:Holzspäne 1:2:6 nehmen (Volumen).
Die Späne sind im Kalk vor Nässe geschützt, wenn Du ganz sicher sein willst, dass sie nicht faulen, dann gibt etwas Borsalz dazu.
Der Sand kann Waschsand sein ('Abfall' aus'sm Kieswerk), grössere Stücke bis 1-2cm stören nicht.
Nimm nicht normalen Weisskalk, sondern entweder hydraulischen Kalk oder Trasskalk; die binden schneller ab und sind mehr oder weniger 'wasserdicht'.

Darauf kannst Du dann den Riemenboden aufbauen.



Auch wenn all die Materialien,



die Sie da aufführen, gute und erprobte Baustoffe sind, in dieser Kombination wird der Dielenboden nicht alt.

Zum einen fehlt eine kapillarbrechende oder aber absperrende Schicht.

Zum anderen ist der Mörtel unter den Dielen auch mit Holzspänen, die bald faulen werden, kalt. Feuchte Luft aus dem Raum wird dort Kondenswasser hinterlassen.

Grüße

Thomas



@Herrn Züger: meinen Sie damit einen Holz-Kalkestrich?



Mit Holz-Kalkestrichen auf kapillar brechender Schotter/Kiesschicht habe ich auch gute Erfahrungen gemacht. Allerdings haben wir als Hauptbaustoff rindenfreie Holzhackschnitzel (die garantieren hohe Druckfestigkeit, zusammen mit Holzspänen, Sägemehl +Sand ergibt das eine gute Sieblinie) verwendet und nur Traßkalk mit über 50% Traßanteilen.



RE Herr Schillberg



Lieber Herr Schillberg

Ja, das wird wohl so heissen. Ich hab' mich vor allem von Schwalbennestern inspieren lassen, und bin dann über Holzbeton und die Eigenschaften verschiedener Kalke zu meiner Rezeptur gekommen; allerdings sehr wohl im Wissen, dass ich wohl nichts Neues, sondern eher das Rad neu erfunden habe. Wenn ich jetzt also eine Fachbezeichnung habe, kann ich mich auch gezielt nach verfügbarer Information und Erfahrung umsehen.

Übrigens: Ich habe 55%igen Trasskalk genommen und etwa einen Viertel hydraulischen Kalk (der von Otterbein) genommen; so wird der Boden etwas härter.
Und: Nachdem der ca. 4cm dicke Boden 2 Tage angezogen hatte, habe ich die Oberfläche aufgeraut und eine ca. 1/2 bis 1cm dicke Deckschicht aufgebracht. Die bestand aus Steinmehl (je nach Farbe, die erwünscht ist; allenfalls Marmormehl plus Pigmente), weissem QuarzSand 0,6mm und Kalk. Diese Schicht habe ich recht feucht eingebracht, von Hand 'einmassiert' resp. verdichtet, und dann mit einer Kelle glatt abgezogen. Nach wenigen Stunden habe ich mit der Sprühflasche Kernseifenlösung aufgebracht, damit die Oberfläche vollends hydrophob wird.



@Herr Züger: das muß eine sehr schöne Bodenoberfläche



geworden sein. Würd mich sehr freuen, davon man ein Foto sehen zu dürfen.



Hallo Herr Züger,



haben Sie in irgendeiner Form gegen das Aufsteigen von Feuchtigkeit vorgesorgt?

Grüße

Thomas



Wärmedämmung Fußboden



Hallo Herr Züger,
ich würde gern wissen, was der Auftrag von Kernseife auf der frischen Kalkputzoberfläche bewirken soll.

Für alle anderen Interessierten an Kalkestrichen hier ein Zitat aus dem Fachbuch "Der Maurer" von A. Opderdecke, erschienen in Leipzig 1910:
"... Kalkestrich wird nur noch selten ausgeführt, er ist in Deutschland fast völlig durch den Zementestrich verdrängt worden. Zu seiner Herstellung wird meist eine Mischung von kleinen Steinen, Sand und hydraulischem Kalk verwendet. Dieses Gemenge wird auf einer festgestampften Unterlage von Steinen oder Sand in 2 bis 3 Lagen ausgebreitet, von denen jede für sich zu stampfen ist, bis sich an der Oberfläche Wasser zeigt. Für die obere Lage verwendet man, wohl auch zur Erzielung größerer Feinheit,ein Gemenge aus 1 Teil Kalkpulver und 2 Teilem reinem, feinem Sand. Nach dem Abrammen ist die obere Lage mit der Maurerkelle zu glätten und der Estrich während der folgenden 3 bis 4 Tage anzufeuchten. Nach dem völligen Austrocknen ist wieder ebenso wie bei dem Gipsestrich ein zwei- bis dreimaliges Tränken mit Leinöl anzuraten..."

Georg Böttcher





'Ich würde gern wissen, was der Auftrag von Kernseife auf der frischen Kalkputzoberfläche bewirken soll.'

Ich vermute jetzt mal:
Kernseife ist Alkaliesalz von verschiedenen Fettsäuren (Palmitinsäure etc).
Mit freien Calciumionen bildet sich eine weitgehend unlösliche Kalkseife in der Oberfläche des Estriches.
Es sollte zu einem weitgehendem Porenverschluß und einer Hydrophobierung der Oberfläche kommen.
Soweit die Theorie.

Schön wäre natürlich ein Bericht von Marcel, inwieweit sich die Oberfläche verhält, ein paar Bilder usw.
Ich kann hier nochmal eine Methodensammlung anregen,
mit Einsatzgebieten, Vor- und Nachteilen.

Viele Grüße,
Philipp Kawalek



An anderer Stelle weiterdiskutieren?



Vielen Dank für die Antworten und Anregungen. Ich werde auch noch mit Fotos etc. kommen. Ich will in diesem Thread allerdings dem Thorsten nicht ins Gehege kommen; er hat ja ausgangs eine andere Frage gestellt. Ich wollte nur auf die Möglichkeit eines Holz-Kalkestrichs als 'Grundplatte' für den Riemenboden hinweisen.



Wärmedämmung Fußboden



Danke, Philipp,
ich hatte so was schon vermutet.
Ich hoffe, die Hydrophobierung und der Porenverschluß haben nicht so richtig funktioniert, denn sonst dauert es sehr lange, bis der Kalkmörtel aushärtet. Er braucht dazu nämlich Luft, genauer Kohlendioxid, um auszuhärten und muß Wasser, das bei der Erhärtung entsteht, abgeben.
Natürlich ist die Diskussion mit dem Kalkestrich vom eigentlichen Thema abgeglitten. Die Kalkestrichjünger sollten trotzdem mal darüber nachdenken, warum die Praktiker schon vor 100 Jahren schnell zum Zementestrich übergegangen sind, als dieses Bindmittel zu haben war. Ich denke, es liegt daran, das er eben das bessere Bindemittel für einen Estrich ist. Man sollte die Erfahrungen und Erkenntnisse von vielen Generationen an Bauhandwerkern der letzten 100 Jahre nicht so einfach ignorieren, die Praxis ist das Kriterium der Wahrheit. Von römischen Betonfundamenten und Zementestrichen will ich erst gar nicht anfangen. Der Stand der Technik für den diskutierten Fall ist nun mal eine Bodenplatte aus Beton, darauf eine Abdichtung, dann eine wärmedämmende Schicht und darauf als Tragschicht und Wärmespeicher ein Estrich.
Das ist auch meine Empfehlung für den Fragesteller.
Welche Materialien für Dämmung und Abdichtung eingesetzt werden, sollte man nicht nach irgendwelchen Glaubensfragen, sondern nach objektiven Kriterien entscheiden. Die Nutzschichten, die darauf kommen, lassen noch genug individuellen Spielraum.

Viele Grüße
Georg Böttcher



@Herrrn Böttcher zum Stand der Technik mit Betonplatte im Altbau:



beim sog. Stand der Technik gilt: nichts ist beständiger als der Wandel. So wurde z.B. Gasbetonsteine als Fachwerkausfachung euphorisch zum Stand der Technik erhobben. Heute erlaubt siich kein Denkmalpfleger mehr, die weißen Steine fürs Fachwerk zu empfehlwn.Eine nachträglich eingebaute Betonplatte kann im Altbau zu erheblichen Bausubstanzschäden führen. Die vhd. Erdfeuchte wandert unter der dffusionsdichten Betonplatte Richtung Außenwände,kondensiert diort. Meist wird dann die Feuchtigkeit kapillar nach oben im den Sockel unter die gute Holzschwelle transportiert.......



Gibt es...



...für das Wandern des Wassers unter einer Betonplatte in Richtung Außenwände stichhaltige Beweise?

Die Erdfeuchte sollte ja eigentlich überall gleich sein, wozu sollte das Wasser wandern?

Kondensieren kann es ja wohl nur dann, wenn die Bodenplatte kälter wäre als das Erdreich. Ist dem so?

Ich hielt es bislang für sinnvoll, auf eine dichte Bodenplatte diffusionsoffen aufzubauen. Was spräche also dagegen?

Grüße

Thomas



Die Frage hatte ich bereits gestellt...



.. habe wohl nicht deutlich genug gefragt.
http://fachwerkhaus.historisches-fachwerk.com/fachwerk/index.cfm/ly/1/0/forum/a/showForum/64564$.cfm

Georg Böttcher hat dort schon mal die grundsätzliche Feuchtequelle beschrieben.
Jetzt fehlt aber noch eine genaue Beschreibung,
was in unserem Spezialfall, nämlich wenn da ein Haus steht,
im Detail ablaufen soll.
Warum soll das Wasser in den Mauern höher steigen,
wenn es nicht mehr durch den Kellerboden kann?

Viele Grüße,
Philipp Kawalek



@Herrn Böhme zum Thema Erdfeuchte und Kondensation



Die Feuchteschäden-Problematik bei nachträglichen Bodenplatten im Altbau erlebe ich immer wieder. Ich selbst habe die gleichen Feuchteschäden damals während meiner Maurerlehrzeit unwissentlich mitverursacht.Als erstes fiel der Außenputz von den Bruchsteinwänden (vulkanisches, hochhygroskopisches Gestein), dann nach ca 1,5 Jahren der Innenputz.Physikalisch kann es daran liegen,daß erhöhte Erdfeuchte gestaut wird (Staufeuchte) und entlang der Außenwände -wahrscheinlich verstärkt durch Konvektionsheizungen-kondensiert. Bei Fachwerkbauten verfault die Fußschwelle langsam aber stetig beginnend von hinten nach vorne. Dieses Phänomen kennt jeder Altbau-Fachwerk-Zimmermann. Beim grausamsten Fall verfaulte die gute 200-jährige Eichenschwelle innerhalb 4 Jahren zu 60% durch.



Wärmedämmung Fußboden gegen Erdreich



Lieber Klaus,
ich glaube nicht, das ein diffusionsoffener Fußboden helfen kann, eine Schwelle vor dem Verfaulen zu schützen. Dafür sind andere Faktoren verantwortlich:

1.Aufsteigende Feuchte im Sockelmauerwerk
Ob und wieviel kapillare Feuchte im Sockel bis unter die Schwelle steigt, hängt nicht von der Bodenart oder dem Fußbodenaufbau ab, sondern vom Material des Sockels. Die klassische Abdichtung ist ein Werksteinsockel aus dichten, nicht kapillaren Natursteinen, die in Form von großen Werksteinquadern möglichst einhäuptig in groben Kalkmörtel gesetzt wurden. Egal, wieviel oder wenig Wasser von unten an diesen Sockel kommt, er dichtet zuverlässig gegen aufsteigende Feuchte. Die Steine selber sind nicht kapillar, die geringe Fläche der Stoßfugen ist vernachlässigbar, da die Fugen max. 1 cm, meistens weniger, dick sind. Der grobe Mörtel aus Kalk und scharfem Sand hat nur eine geringe kapillare Steighöhe, Wasser läuft eher nach unten und außen als zu steigen. Ein richtig gebauter Werksteinsockel hält die Schwelle gegen kapillare Feuchte zuverlässig trocken.

2. Sockelputze und Anstriche
Feucht wird es, wenn außen auf den Sockel "Sperrputz" aufgetragen und vielleicht auch noch gestrichen wurde. Das Zeug ist nie so dicht, das es kein Spritzwasser durchlässt, aber immer so kapillar, das es Feuchte nach oben wie ein nasses Handtuch transportiert und die Verdunstung behindert.
3. Übergang Sockel- Schwelle
Über gängige Durchfeuchtungsursachen brauche ich mich hier nicht auszulassen. Überstehende, nicht abgeschrägte Sockelkanten, die Spritzwasser und Schnee an die Schwelle leiten, mehr oder weniger abenteuerliche Lösungen für die Fuge zwischen Schwelle und Sockel bis hin zur Lage des Markzentrums der Schwelle, nicht entwässernde Zapflöcher usw. Hiermit wird erheblich mehr Wasser an die Schwelle gebracht als durch ev.aufsteigende Feuchte, die Verdunstung kommt da nicht hinterher. Die Anhebung der Oberflächen durch Gehwege und Straßen,die die Schwelle in den Spritzwasserbereich bringen, hat die Handwerker schon vor 200 Jahren beschäftigt. In unserer Gegend (Harzvorland) wurden schräg gestellte Steinplatten vor die jetzt zu tief liegenden Schwellen gestellt, um das Spritzwasser von den Gehwegen sowie Hunde- und Männerpipi abzuhalten- auch keine gute Lösung. Jetzt war oben eine Kante zum Draufregnen und eine drastisch verminderte Verdunstungsrate die Folge.
Nun hat man früher auch Geld sparen müssen und, gerade bei Eigenleistung, natürlich Fehler gemacht. Das ist ein Prozeß, der immer da sein wird. Wer nichts Neues ausprobiert, kann nichts voranbringen. Der Kalk-korkestrich ist meines Wissens ja auch eine neue Entwicklung, aus der Historie kenne ich ihn jedenfalls nicht. Wenn er gut ist, Vorteile gegenüber klassischen Methoden hat und sich bewährt, wird er sich durchsetzten. Bis dahin ist es wie mit dem Gasbeton als Gefachausmauerung, entweder top oder flop.
Zum Gasbeton:Auch früher wurden Methoden wieder verworfen, weil sie nichts taugten, wie heute. Aus Fehlern lernt man.
Ich halte eben, wie viele Handwerker seit vielen Jahrzehnten, daher nichts von der Methode, die Dielen durch Belüftung von unten trocken zu halten. Sie funktioniert nur, wenn ich nicht auf die Heizkosten schaue oder im Kalten sitze. Es ist eine sehr energieintensive Angelegenheit, ständig (wenigstens etwas)wärmere Luft unter die Dielung (oder durch die Fachwerkwand)zu leiten, um sie trocken zu halten bzw. Kondensat zu vermeiden und dabei nicht zu arg an den Beinen zu frieren

Viele Grüße
Georg





Hallo...
Habe zur Zeit das selbe Problem,neuer Fußbodenaufbau,aber wie??? haben sie es so gemacht wie ihr Architekt es vorgeschlagen hatte? Dieser Aufbau interesiert mich sehr. würde mich sehr über antwort freuen. Man liest so viel und weis am ende garnicht mehr was sache ist. mfg



sättigung und ähnliches ...



moin,

interessant, welche ansichten so kursieren. aus sicht eines geo-/hydrologen machen jedoch die meisten keinen sinn. sieht man mal von spannenden dingen wie "atmende" oder hygroskopische" steine ab (tolle bilder gehen mir dazu durch den kopf ;-) ), sind nur wenige faktoren von einfluss.

- wie gross ist der grundwasserabstand
- worauf wurde gegründet
- was macht das Oberflächenwasser (und vor allem wohin ?)

danach richten sich die baulichen massnahmen, sofern es überhaupt ein problem gibt. i.d.r. haben die leute ihre häuser nicht in standorte gesetzt, die drückendes wasser hatten, und wenn, so wurde der bau darauf abgestimmt. eine faulende Schwelle ist hingegen oft kein direktes ergebnis aufsteigender feuchte. feuchtediffusion ist immer das ergebnis eines gerichteten gleichgewichtsprozesses.... es stellt sich ein gleichgewicht in abhängigkeit vom Material und ein. d.h. zunächst, das änderungen am bauwerk keinen einfluss auf die materialeigenschaften haben ! so nimmt der wassertransport in einem Sockel nicht zu, nur weil im haus eine Betonplatte gegossen wurde...
besagte schwellen-fäulnis hat ihre ursache in anderen, die fussbodensanierung begleitender bzw. resultierender zusammenhänge. so ist die schwelle nach der Sanierung häufig bestandteil einer kältebrücke an der die Feuchte raumluft kondensiert. der gesättigte sockelstein (sofern er überhaupt wasser leitet!) kann dieses kondensat nicht aufnehmen (genauso wenig wie die berühmte Teerpappe das kann).... die schwelle fault von unten und innen weg, weil sie im kondenzwasser steht.
gegen die wassersättigung des sockels kann man wenig tun, ggf. schützt man ihn vor drückendem wasser (sickerwasser ist aus sicht des sockels soetwas ähnliches)... belüftung ist wenig erfolgsversprechend, da sich Diffusion und verdunstung fast immer die Waage halten. einzig die Dämmung des sockels und der schwelle können aus meiner sicht helfen. man muss den "taupunkt" nach aussen bringen. in meinem haus hat das wunderbar geklappt. interessanterweise ist trotz "originaler" Schüttung (sand) unter den dielen, ohne Dampfsperre o.ä. die aktuelle Luftfeuchte in den räumen bei unter 50% (21°C, zentralheizung), was tendenziell zu niedrig ist, für solch ein haus, dass mittlerweile zu 70% gedämmt ist.
zu beginn der sanierungsarbeiten waren die kritischen bereiche feucht und faulten munter vor sich hin. jetzt ist alles staubtrocken und der typische braunfäulegeruch ist auch verschwunden.

gruss vom fpg