Estrich anmischen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt

12.01.2013 Björn



Hallo Forum,

demnächst werde ich Zementestrich Verlegen und plane gerade die Arbeiten. So wie es aussieht, sind in den nächsten Tagen Temperaturen im leichten Minusbereich zu erwarten. Die Fertigmischung lagert aus logistischen Gründen bereits wasserdicht verpackt im Freien, d.h. wird sich den Umgebungstemperaturen angepasst haben.
Kann ich den Beton unter diesen Bedingungen in einem Betonmischer anmischen oder muss ich warten, bis wir temperaturmäßig wieder im Plusbereich liegen?
Der Estrich wird natürlich im Innenraum verlegt, da herrschen im Moment nahezu optimale Bedingungen.

Besten Dank!
Björn



Auch die Fertigmischung...



... sollte frostfrei (>5°C) gelagert werden. Zur Not lässt sich die Palette mit der Sackware auch mit irgendwas wärmedämmenden einpacken und mit einer Plane überdecken.
Ansonsten ist das kurze Anmischen bei Temperaturen um dem Gefrierpunkt unkritisch, solange am Einbauort günstige Bedingungen herrschen.

MfG,
sh



Estrich



Bei Beton kann man mit vorgewärmten Anmachwasser arbeiten. Da bei Estrich nur mit geringen Wasserzugaben gemischt wird besteht trotzdem die Gefahr das beim Mischen Teile des Estrichs anfrieren. Außerdem wird der eingebaute Estrich verstärkt schüsseln, da sich die Oberfläche schneller erwärmt und somit schneller abbindet.
Da hilft nichts außer auf wärmere Außentemperaturen warten oder die Säcke zu Temperieren nach innen umlagern.

Viele Grüße



wenn



aus logistichen Gründen der Vorschlag von Lagerung im Warmen nicht geht, sollte mit heißen Wasser bei Mischen und ein Einhausen der Palette mit Planen + Heizlüfter (Brandschutz beachten) bis ca. -5°C ein Verarbeiten im Warmen möglich sein. Vor -zig Jahren wurde noch so fast im ganzen Winter gemauert (Häuser stehen noch immer) und je nach Zement entseht auch eine geringen Eigenwärme beim Abbinden. Aber das Einhausen der Sackware wäre wohl der geringste Aufwand gegenüber dem Risiko, daß es in die Hose geht.



Besten Dank...



für die Antworten!
Ich werde jetzt mal drüber nachdenken, wie ich die Säcke am besten im Haus einlagern kann. So wie ich es verstanden habe, sollte es dann ja kein Problem sein, draußen mit warmen Wasser anzumischen.



Frostschutz



Bis - 10° geht es auch recht problemlos mit Frostschuz. Aber bitte genau nach Anleitung und nicht zu viel beimengen.
Wenn es mit der Innentemperatur nicht ganz paßt, bis 4 - 5 h nach der Aushärtung gut abdecken.



Kurze Statusmeldung



Ein kurzer Bericht, falls jemand nochmal das gleiche Problem hat:
Ich habe die Säcke mit der Fertigmischung für 24h in einen beheizten Raum umgelagert und ca. 40-50 °C heißes Anmachwasser verwendet. Das am Einbauort ausgekippte Material hatte ungefähr Raumtemperatur, also alles bestens. Die Außentemperatur war letztlich aber auch nur knapp um den Gefrierpunkt, die Säcke waren dort ca. eine Woche in Folie eingepackt gelagert. Frostschutz habe ich keinen verwendet.
Danke an alle nochmal für die Antworten.



Erfahrungswerte mit Estrich heute?



Hallo Björn,

bei uns wir Anfang Februar im Untergeschoss ein Estrich verlegt. Wir haben seit Oktober noch keine Heizung.Trotz 2x tägl. Lüften und Aufstellen verschiedener Heizlüfter plus Kachelofen, fing es in den Ecken der Aßenwände zu schimmeln an, nachdem der Kalkputz (nur) im Untergeschoss vor 6 Wochen aufgebracht wurde.

Nach Sodalauge und gezieltem Heizlüften, haben wir die Situation langsam im Griff. Wenn aber jetzt der Estrich reinkommt, gibt es ja noch mehr Kondensat. Ich beürchte, dass mir die ganze Bude dauerhaft zusammenschimmelt und ich vielleicht auch nen Pilz kriege. Was kann ich dagegen tun, welche Erfarhungswerte liegen vor?

Heizung soll ab Ende dieser Woche eingebaut sein, im Estrichbereich kommt eine Fußbodenheizung rein.





Hallo Rosetta,

ich denke, leider kann ich dir keinen Tipp geben. Mit Feuchtigkeit hatte ich kein Problem, da ich eine sehr kleine Fläche in einem beheizten Haus verlegt habe. Kondenswasser hat sich da nirgendwo gebildet.

Aber wenn bald eine Heizung eingebaut wid, kann ja nicht mehr passieren. Wobei ich mich mal informieren würde, wieviele Tage/Wochen man eine Fußbodenheizung im Estrich hochheizen darf. Ganz bestimmt nicht direkt nach der Verlegung...



Heizestrich



Was soll Sodalauge bei Kalkputz bewirken?
Meinen Sie mit Sodalauge Natriumhydrogencarbonat?
Das Funktions- und Belegreifheizen bei Heizestrichen erfolgt nach 28 Tagen nach einem festgelegten Regime. Während der 28 Tage vorher sollte der Estrich möglichst geringen Temperatur- und Luftfeuchteschwankungen ausgesetzt sein. Genaueres steht im Merkblatt zementgebundener Heizestrich, in der DIN EN 1264-4 und in der DIN 18380.

Viele Grüße



Natriumhydrogencarbonat...



...ist Backpulver ;-)

Gemeint war wohl eher eine Lösung aus "Waschsoda" (Natriumcarbonat), welche aufgrund des hohen ph-Wertes durchaus eine Schimmel und Algen hemmende Wirkung hat.

Aufheizen gemäß EN 1264 Teil 4:
Anhydrit- und Zementestriche müssen vor dem Verlegen von Bodenbelägen aufgeheizt werden. Bei Zementestrichen soll frühestens nach 21 Tagen und bei Anhydritestrichen, nach Angaben des Herstellers, frühestens nach 7 Tagen aufgeheizt werden.
Das erste Aufheizen beginnt mit einer Vorlauftemperatur von 25°C, die 3 Tage zu halten ist. Danach wird die maximale Vorlauftemperatur eingestellt und weitere 4 Tage gehalten.

Nach dem Aufheizvorgang, wie vor beschrieben, ist noch nicht sichergestellt, dass der Estrich den für die Belegreife erforderlichen Feuchtigkeitsgehalt erreicht hat (Anhaltswerte für die Belegreife enthält EN 1264 Teil 4, Tab. 1).
Vor der Belagsverlegung muss vom Bodenleger mit einem geeigneten Messgerät die Belegreife ermittelt werden.
Zur Messung des Feuchtigkeitsgehaltes sind in der Heizfläche geeignete Stellen auszuweisen. Unabhängig von der tatsächlichen Anzahl der Messungen sollten min. 3 Messstellen je 200 m2 bzw. je Wohnung ausgewiesen werden.

MfG,
sh



estrich



an Björn: Danke, es beruhigt mich zu hören, dass man die Feuchtigkeit beim frischen Estrich durch die Heizung in den Griff bekommt. Und die ist hoffentlich nach 6 Monaten!!! bald fertiggestellt :)

an Georg Böttcher: Es schimmeln nicht die frisch verputzten Kalkwände, sondern einen Stock darüber die alten Dispersionsfarbenwände. Mit Sodalauge meine ich Waschsoda, und das hilft momentan noch recht gut. Ansonsten habe ich gerade in den Ecken Heizlüfter laufen.

an Sebastian Hausleithner und Georg Böttcher: Danke für die ausführlichen Infos. Nun habe ich einen zeitlichen Anhaltspunkt und weiß, dass ich zu Ostern noch nicht einziehen kann. Aber was lange währt...



Mit Griff in den Chemie-Baukasten...



... ließen sich die genannten Zeiten auch abkürzen, wenn's pressiert...
Das wird dann aber unverhältnismäßig teuer und ist eigentlich nicht empfehlenswert, aber durchaus machbar...
Bliebe noch Gussasphaltestrich... geht natürlich nicht mit MKV- oder Kunststoffrohr, ist also insgesamt deutlich teurer, dafür am nächsten Tag fertig, abgesehen von weiteren Vorteilen.

MfG,
sh



Zeit der Demut und des Wartens ist mein Los



danke, aber ich brauche keine Tricks und Chemie mehr (aus dem Alter bin ich raus). Ich habe Zeit, viel Zeit. Besser gesagt:ich hätte viel Zeit gehabt, z.B. für den Estrich in seiner ganzen Langsamkeit.

Leider kamen viele Zeiträuber, die unnötig und unverfroren meine Zeit und mein Geld gestohlen haben. Es bleibt mir nur übrig zu verbittern oder es stoisch zu ertragen und als Lebenserfahrung positiv zu verbuchen.

Letztere Sichtweise übe ich gerade. Und ich hoffe immer noch auf die Ernte im Sommer. :)