Leichtlehmestrich

15.02.2011



Hallo, wer hat Erfahrung mit Leichtlehmestrich, gemagert mit Blähton? Z.B. wie das beste Mischverhältnis ist. Ich habe schon selber Versuche gemacht und meine, daß bei einer Blähtonkügelchengröße von 4-8 mm mindestens 3 Teile Lehm auf ein Teil Blähton kommen müssen, sonst wird es zu instabil. Oder sollte man andere Korngrößen wählen? Wie dick sollte der Esrich mindestens sein? Der Estrich soll im Erdgeschoß (ebenerdig) über einem Gewölbekeller auf Kies (20 cm) eingebracht werden. Dankbar wäre ich auch für ein paar praktische Tips fürs Einbringen und Mischen des Lehms. Viele Grüße Christiane



Leichtlehmestrich



Wofür soll der Estrich verwendet werden?

Viele Grüße



Leichtlehmestrich ?



auf Kies ? Da sehe ich eher einen bewehrten Estrich oder eine bewehrte Betonplatte. Alles andere bricht oder es ist ein sehr hoher Aufbau (zulässiges Gewicht ?). Kies lässt sich nicht verdichten. Da muss es schon Lava oder eine Perliteschüttung sein.



Hallo Christiane



Es ist schon ein wenig komplizierter diesen Estrich so einfach herzustellen im Grunde nennt man ihn auch Stampflehm und ich denke um dich vor irgendwelchen Pannen zu bewahren solltest du dir das was ich dir schicken würde wenn die Mail richtig ist mal anschauen.
Das fertige Produkt sollte mindestens Druckfestigkeit von 3,1N/mm². Berechnet man den Materialverbrauch solltest du mit 40 % Volumenverlust rechnen. Die Körnung sollte 2-8 mm haben und die Aufbaustärke sollte Minimum 50 mm betragen. Und dann must du davon ausgehen das du mit einer Rüttelplatte arbeiten must um die Verdichtung zu erreichen.
Und wirklich erst anfangen wenn es wärmer wird. Ich denke du solltest mich anrufen ich mach dir noch einen Vorschlag.
Mit freundlichen Grüßen
Die Lehmschwalbe Ralf Pawlik



Leichtlehmestrich



Danke für die Antworten, ich möchte den Estrich in mehreren Schichten (mind. 2) ca. 10-15 cm dick machen, er kann den ganzen Sommer über trockenen. Ich habe schon mit einem "alten" Praktiker gesprochen, der seine Lehmestriche auf einem Kiesbett aufbaut. Der verlegt sogar Ziegelsteine im Lehmmörtelbett auf dem Lehmestrich. Schließlich wird alles geölt und fertig. Gruß Christiane



Lehmestrich



Lehm ist für einen Estrich und speziell für Ihren Einsatzzweck das denkbar schlechteste Material.
Sie wollen doch nicht im Ernst mit einer Rüttelplatte auf einem Gewölbescheitel herumfahren?
Man kann natürlich auch mit viel Aufwand und Risiko Bauteile mit ungeeigneten Materialien herstellen, das bleibt Ihnen überlassen.
Lehmestrich sollte man, wenn überhaupt noch, da einbauen wo er seit alters her seine Berechtigung hat:
In Tennen, in Reitbahnen und Reithallen und in Schmieden.

Viele Grüße



Lehmestrich



Sehr geehrter Herr Böttcher, Haben Sie neben Ihrer sehr umfangreichen theoretischen Wissen eigentlich auch Praxiserfahrung? Ich stelle hier eine Frage zu meinem Vorhaben und da erwarte ich nicht, daß jemand dieses Vorhaben in Frage stellt, sondern erhoffe mir konstruktive Antworten. Denn auch andere Leute pflegen manchmal zuerst ihr Gehirn einzuschalten. Natürlich werde ich nicht mit einer Rüttelplatte auf dem Gewölbescheitel herumrütteln. Also wirklich! Ich will auch keinen Stampflehm einbringen, sondern normalen Baulehm mit Blähton gemagert. Ich habe schon ein bißchen praktische Erfahrung und bin außerdem experimentierfreudig. Mir ist wurscht, wo die früher ihren Lehmestrich eingebracht haben. Warum immer in alten Schematas denken. Gruß Christiane Stempel



Leichtlehmestrich



Sehr geeehrte Frau Stempel,
nun weiß ich nicht, woher Sie Ihre praktischen Erfahrungen, insbesondere mit Lehmestrichen, herhaben.
Ich jedenfalls bin seit fast 40 Jahren im Bauwesen tätig, angefangen habe ich als Maurer. Seitdem beschäftige ich mich mit der Sanierung von Altbauten, und zwar nicht nur theoretisch sondern auch als Praktiker. Mit dem Baustoff Lehm sammle ich seit über 20 Jahren Erfahrungen. Im Gegensatz zu Ihnen kenne ich mich mit dem Material sowohl in der Theorie als auch in der Verarbeitung aus.
Damit meine ich nicht nur ein bisschen Lehm an die Wand schmieren.
Ich bin Mitglied in einem Verein zur Pflege und Bewahrung historischer Handwerkstechniken. In diesem Rahmen ist die Verwendung von Lehm als Baumaterial aus historischer und heutiger Sicht ein Forschungsthema, dem ich mich speziell widme.
Soviel zum Thema Praxiserfahrung und Ignoranz.
Wenn Ihnen die praktischen Erfahrungen ganzer Generationen von Lehmbauern und Handwerkern schnurz sind weil Sie nicht in alten Schemata denken wollen bleibt Ihnen das überlassen.
Es ist Ihr Haus.
Allerdings sollten Sie daran denken das dieses Haus hoffentlich (wenn es Ihre Modernisierungswut überstehen sollte) auch Sie überlebt. Dann kann sich Ihr Nachfolger mit Ihren Bausünden befassen.
Und mein Nachfolger kann dann als Gutachter damit sein Geld verdienen.

Viele Grüße

p.s. Nehmen Sie statt der Rüttelplatte eine Pritschbläuel, falls Ihnen das nicht zu altmodisch ist.



Leichtlehmestrich



Eigentlich habe ich ja nur eine Frage gestellt und nun muß ich mir hier an Beleidigung grenzende Kommentare anhören. Ich halte die Aussage, daß Lehmestrich nur in Tennen oder Schmieden, etc. seine Berechtigung hat, weil dies früher so war für ein Totschlagargument. In vielen Bereichen hat der Baustoff Lehm Einzug ins moderne Bauen, bzw. in die Sanierung von alten Gebäuden gehalten, warum sollt man nicht auch mal über einen Bodenaufbau mit Lehm nachdenken? Das ist doch zumindest interessant. Abgesehen davon, daß ich den Lehm in einem abgeteilten Raum einer Lehmsteinscheune einbringen will, deren übriger Boden auch aus Lehm besteht.
Leider kann man in einem Forum vorher nicht wissen, an wen man gerät. Meine etwas flapsige Anwort möge man entschuldigen. Schade, daß das ganze nicht differenzierter besprochen wurde. Gruß Christiane Stempel
P.S. Der Ton macht die Musik!



Leichtlehmestrich



Dann empfehle ich Ihnen es durch Selbstversuch herauszufinden, warum ein Lehmestrich auf einem Tonnengewölbe und unter Tonfliesen eine denkbar ungeeignete Wahl ist.

Viele Grüße

p.s. Der Weise weiß, das er nichts weiß.
Der Nichtweise weiß nicht, das er nichts weiß... oder so.
Ist nicht von mir, sondern von einem alten Griechen!



Lehmestrich



Mich würde ja Ihre Begründung interessieren, warum das eine ungeeignete Wahl sein soll, das haben Sie mir bisher noch nicht verraten! Ch.Stempel



Leichtlehmestrich



Sehr geehrte Frau Stempel,
da Sie mir vorwerfen, mein Gehirn nicht einzuschalten, keine Praxiserfahrung zu haben und ignorant gegenüber neuen Bauweisen zu sein sollten Sie nicht allzuviel von meiner Begründung erwarten.
Soweit vorab.

Zuerst bitte ich Sie, folgenden Fakt in Erwägung zu ziehen:
Warum ist eigentlich noch niemand vor Ihnen auf die glorreiche Idee mit dem Estrich für diese Verwendung gekommen?
Sind die Hersteller und Verarbeiter des Materials alle auch ignorant und denken in alten Schematas?
Dann wären Sie der einzige Genius unter uns.
Das wäre der eine Aspekt.
Es könnte aber auch sein, das die anderen, also die Leute und Firmen, die sich seit vielen Jahren beruflich mit dem Material beschäftigen (man nennt die auch die "überwiegende Mehrheit der anerkannten Fachleute") diesen Einsatzzweck als unrealistisch bzw. unpraktisch verwerfen.
Das will nicht heißen, das es ab und an Menschen gibt, die auf Fußböden laufen, die direkt auf Lehm gelegt sind.

Natürlich kann man alles bauen, was man will.
Ein Beispiel:
Ich könnte Ihnen (um Ihnen mein Interesse an neuen Denkschemata zu beweisen) auch vorschlagen, statt Ihrem Leichtlehm eine Mischung aus 30% Kristallzucker, 20% Puderzucker und 50% Liapor mit etwas Wasser zu verwenden.
Diese Mischung läßt sich leichter einbauen als Lehm, trocknet schneller, ist leichter, wärmedämmender und wird mindestens genauso fest.
Wenn Sie das ablehnen bezichtige ich Sie der Ignoranz.

Was halten Sie davon?
Sicher werden Sie zuerst sagen, der Zucker, also das Bindemittel, ist wasserlöslich.
Na und? Ton und Schluff, die Bindemittel in Ihrem Estrich, sind es auch.
Zucker ist organisch und kann verderben:
Nicht wenn er trocken ist, da ist er praktisch unbegrenzt haltbar. Und Freßfeinde wie Insekten, Nagetiere usw. kommen bei Ihrer exzellenten Verarbeitung ("Natürlich werde ich nicht mit einer Rüttelplatte...")gar nicht ran.
Also, warum statt Lehm keinen Zucker nehmen?
Versuchen Sie mal das zu entkräften.

Spaß beiseite, nun zum technischen Aspekt:
Sie wollen "keinen Stampflehm einbringen sondern normalen Baulehm mit Blähton abgemagert".
Was soll ich dazu schreiben?
Ich vermute Sie wissen weder was Baulehm oder Stampflehm ist, nämlich dasselbe. Auch eine Lehmschüttung (kann sein, das Sie das eigentlich meinen) besteht aus Lehm, wenn man mal von den verschiedenen Zuschlägen absieht.
Da stellt sich auch die Frage, was Sie unter dem Begriff "Estrich" verstehen.
Ich bzw. die meisten Baufachleute verstehen darunter einen verschleißfesten, harten, monolithischen Belag auf einer tragfähigen massiven Unterlage. Der Estrich soll die Unebenheiten der Unterlage, also z.B. des Unterbetons, ausgleichen und eine verschleifeste und tragfähige Unterlage für Bodenbeläge bilden.

Es kommt nicht darauf an wie er heißt, sondern wie er verarbeitet wird und was sein Einsatzzweck ist.
Nun habe ich keine Lust, Ihnen einen seitenlangen Vortrag über die Grundlagen hinsichtlich Eigenschaften und Verarbeitung von bindigen Böden zu schreiben. Schauen Sie einfach mal unter den Schlagworten Proctordichte und -Wassergehalt, Sieblinie, DIN 4022, Plastizitätsdiagramm nach Casagrande, Konsistenzzahl, Plastizitätszahl, Wassergehalt, Schrumpfgrenze, Ausrollgrenze, Bildsamkeitsgrenze, Bindekraft, Lehmbauregeln nach.
Dann werden Sie mitbekommen, das bindige Bodenarten bzw. Baustoffe wie Lehm schwer verdichtbar sind. Um sie als Estrich zu verwenden, müssen Sie mit einer hohen Verdichtung, guter Kornabstufung und niedrigem Wassergehalt eingebaut werden.
Das geht nur wenn:
1. Der Untergrund fest ist, entweder eine mineralische Tragschicht wie z.B. Stampflehm, Kies-, Sandgemische oder Splitt- Schottergemische oder Beton. Sie haben übrigens keinen festen bzw. einen wechselnden Untergrund.
2. Der Lehm in mehreren dünnen Lagen mit idealer Verdichtung und niedrigem Wassergehalt verbaut wird,
3. vor der nächsten Schicht die alte Schicht trocknen kann,
4. eine gerade und ebene Oberfläche erzielt wird.

Zum Material selber:
Es sollte mit einer möglichst ideal abgestuften Körnung verbaut werden. Die Anteile des Korngerüstes sollten aus mindestens zwei Fraktionen Liapor, Sand 0-2, Schluff und Tonmineralien bestehen. Das ist nur durch Verschneiden mit verschiedenen Materialien erzielbar.
Dann sollte der Wassergehalt optimal abgestimmt sein, Zuviel Wasser- der Lehm ist zwar besser verarbeitbar, kann sich aber schon bei der Herstellung entmischen, die Trocknungsphasen verlängern sich. Zu wenig Wasser, der Lehm ist nicht genug verdichtbar.

Selbst wenn Sie alle diese Probleme bewältigen, bleibt noch Ihre mangelnde handwerkliche Erfahrung im Umgang mit dem Material und der gewaltige zeitliche und manuelle Aufwand.

Wofür das alles:
Um Recht haben zu wollen?
Was die Eigenschsaften des Lehmestrichs betrifft:
Wehe wenn er nass wird, Planschwasser, ein Wasserrohrbruch, Kondes-, Kapillar- und hygrische Feuchte aus der Gewölbekappe können den Lehm quellen und weichen lassen.
Bei einem Weiterverkauf der Immobile stellt das einen erheblichen Mangel da, der mit einem saftigen Preisabschlag belohnt wird.
Warum?
Der Boden entspricht vielleicht Ihren, aber nicht den allgemein anerkannten Regeln der Technik und der Baukunst.
Er entspricht auch nicht dem Stand der Technik.
Er entspricht schon gar nicht dem neuesten Stand von Wissenschaft und Technik.

Viele Grüße

p.s.
Jetzt wissen Sie hoffentlich,m warum ich Ihnen eine zementgebundene haufwerksporige Liaporschüttung empfohlen habe. Die ist an einem halben Tag eingebaut und eine Woche später belegreif.



Frau Christiane Stempel,



es wäre auch einfach mal nett und höflich danke zu sagen für die kompetente, unverbindliche Einschätzung die Sie hier erhalten.

Grüße



Lehmestrich



Hallo, ich hab mich bedankt (16.2.), danach hat außer Herrn Böttcher niemand mehr geantwortet. Ich wundere mich , daß Sie Herr Böttcher so eine Ausdauer haben und soviel Zeit investieren. Dafür danke ich Ihnen jedenfalls. Ch.Stempel