Kalkestrich wie?

01.04.2013



Hallo,

nachdem in meinem alten Bruchsteinhaus bisher nur Kalk ist, würde ich gerne im Bad im EG auf den empfohlenen Zementestrich verzichten.
Im Moment liegen ca. 30cm Glasschaumschotter auf dem
Mutterboden, am Ende sollen alte Solnhofener Platten als Bodenbelag liegen.
Nach vielem Lesen erscheint mir ein Kalkestrich als Zwischenlage als die sinnvollste Variante.

Folgende Fragen stellen sich mir:
1. Wo finde ich eine klare Rezeptur und Anleitungen zum Einbau,
sowie eine Übersicht über die Einsatzmöglichkeiten von Kalkestrich (gerne auch ein Buch)?
2. Ist denn auch reiner Luftkalkmörtel (ohne hydraulische Anteile und Korkgranulat) denkbar?

Vielen Dank für die Hilfe,
Daniel



Ich habe...



bislang nur einmal einen "Kalkestrich" auf Glasschaumschotter kennenlernen müssen, und der war völlig misslungen. Absandend und brüchig. Zudem ist doch die angestrebte allseitige Diffusionsoffenheit Mumpitz. Aus welchem Grund sollte Wasserdampf durch den Schaumglasschotter und den Kalk in's Badezimmer aufsteigen dürfen?

Ich rate denn zu einem Unterbeton, und darauf eine Sperrbahn. Bei der oben erwähnten Ausführung ist ein Fachbetrieb gescheitert. Ihre Chancen als Laie sind da noch viel höher, für den Container zu arbeiten.

Der Gedankengang, da sei bisher nur Kalk, und deshalb soll auch auf den Fußboden Kalk, ist doch gar nicht schlüssig: War da bisher Schaumglasschotter? Und darauf ein Kalkestrich? Weder, noch, möchte ich meinen. Ihr Nutzung und das daraus resultierende Raumklima ist auch ganz anders, als zu Erbauungszeiten. Sie machen da etwas ganz Neues, und das sollte in sich stimmig sein. Das bunte Kombinieren von alternativ oder ursprünglich wirkenden Versatzstücken ersetzt keine Sanierungskonzeption, birgt ein hohes Schadenspotential und kostet sinnlos Geld.

Grüße

Thomas



Badfußboden



Hallo Daniel,
Ihr geplanter Fußbodenaufbau mag zwar nach Ihrer Auffassung ökologisch korrekt sein, bautechnisch und vom Gebrauchswert her ist er es nicht.
Ich hoffe das die (technisch unsinnige) Vertiefung zum Einbau des SGS und dessen Verdichtung nicht zu Schäden an der Gründung der Streifenfundamente geführt hat. Solche Fundamente bestehen oft nur aus Steinpackungen in einem Graben, wenn da eine der Seiten freigelegt wird kann es zum Auswandern des Fundamentes kommen da jetzt der passive Erddruck des gewachsenen Bodens fehlt. Das Ergebnis sind dann verstärkte Rissbildungen, die nach einigen Jahren vermehrt auftreten. Falls dann plötzlich eine Tür klemmt kennen Sie die Ursache.
Was an Ihrem Aufbau fehlt ist eine Abdichtung und eine wirksame Dämmung. Ohne wird das ein fußkalter Boden mit hoher Sorptions- bzw. Ausgleichsfeuchte, der zudem noch über eine hohe thermische Trägheit verfügt.
Eigenschaften die nicht zu einem Badfußboden passen.
In einer heißen, trockenen Klimazone durchaus angenehm, aber Sie wohnen nicht in der Sahelzone.
Zum Kalkestrich:
Der wurde bis vor etwa 150 Jahren verbaut. Als dann billiger Zement verfügbar war nicht mehr.
Zementestrich bot bessere Eigenschaften und eine schnellere und einfache Verarbeitung im Gegensatz zu Estrich aus hydraulischem Kalk. Estrich aus Luftkalk wurde früher nicht hergestellt da er zum Erhärten Luft benötigt. Die heute angebotenen Kalkestriche sind vom Bindemittel her im Prinzip nichts anderes als Zementestriche.
Als Bindemittel wird hochhydraulischer Kalk oder Kalk mit latenthydraulischen Zusätzen eingesetzt. Nach dem Erhärten haben sich die gleichen Kalkhydrosilikate gebildet wie bei Zement, nur das die Erhärtungsreaktion länger dauert.
Also: Ihr geplanter Fußboden wird schlechtere Gebrauchswerteigenschaften haben und viel teurer sein als ein heute üblicher Fußbodenaufbau.

Viele Grüße

Mehr Informationen über Kalk als Bindemittel und Kalkestriche finden Sie hier:
http://ingenieurbüro-böttcher-asl.de/mediapool/88/885822/data/Kalk_oder_Zement_oder_beides_1_.pdf



Danke schön



Herr Böttcher.
Unschön, dass auch in diesem Forum mit der
Angstkeule gearbeitet wird. Ist ja durchaus verbreitet
in Medizin und Bauwirtschaft.
Vielen Dank aber für den sachlichen Teil Ihrer Antwort!

Der alte Estrich mit Teerpappe drüber war patschnass.
Seitdem er draußen ist, sind auch meine Wände wieder trocken.
Ich werde nicht abdichten.



Sie kennen ja nun...



...Ihr Fundament hoffentlich besser als Georg, aber aufgrund Ihrer kurzen Beschreibung im Eingangstext sind seine Bedenken hinsichtlich der Gründung berechtigt, das ist keine "Angstkeule". Wozu auch, er wird Ihnen keinen Betonboden einbauen wollen. Halloween kommt erst noch, niemand will sie verschrecken.

Daß der alte Estrich "klatschnass" war, ist nicht mehr als eine poetische Überhöhung, nehme ich an. Es gibt kein physikalisches Wirkprinzip, nach dem sich unter einer Abdichtung eine höhere Feuchte einstellen könnte als die umgebende Erdfeuchte. Was glauben Sie wohl, wohin die Erdfeuchte mangels Abdichtung wandert? Sie wandert beständig, weil immer wieder Wasser nachkommt, in Ihre Wohnräume. Auch damals hat's schon geschimmelt. Anders als zu Olims Zeiten ist der Luftwechsel eines Wohnraumes aber weniger geworden, mangels Ofenheizung, Einfachfenster etc. Ihr Fußboden wird fußkalt sein, auch ich halte den Schaumglasschotter für unzureichend. Gerade im Bad sind aber kalte Bauteile problematisch, da hier am meisten Wasserdampf anfällt.

Das Trocknen Ihrer Wände hat mit Sicherheit nichts damit zu tun, daß der Estrich unter Pappe erdfeucht war; da sitzen Sie einem Trugschluss auf.

Wie war denn der Zustand (Nutzung, Lüftung, Heizung etc. vorher?

Grüße

Thomas



Kalkestrich



Hallo Daniel,
es steht Ihnen natürlich frei, bei meinen Informationen an das zu glauben was Ihnen genehm ist.
An der Gesamtaussage ändert sich deshalb nichts. Wenn Sie Feuchte unterhalb einer Abdichtung gefunden haben dann sollten Sie daraus auch die richtigen Schlüsse ziehen.

Viele Grüße



Sie haben schon recht …



Daniel mit der Skepsis gegenüber Zementestrich und Abdichterei … und etwaigen Problemen, die Gutgläubigkeit vor momentan verbreiteten "Baulösungen" nach sich ziehen aber DIN-mässig abgedeckt sind … wohl nur für den Hersteller und den Produzenten aber nicht für den Bauherrn …

also Skepsis ist angebracht …

allerdings ist es genau so leichtsinnig einfach mal ein bisschen Glasschaumschotter hinzuschütten oder als Laie sich an Kalkestrichen zu versuchen, vor allem wenn diese mit weiteren Zaubermitteln (Korkgranulat) vermischt werden …

Der Hinweis erst mal nachzuschauen wo das angesprochene Wasser unter dem alten Estrich herkam ist nicht unsinnig …

So ein Boden - wie eigentlich alles im Bau - ist aufeinander abzustimmen und nicht aus Gutglauben einfach zu addieren … das geht schief … und Handwerker waren früher nicht dumm und Erfahrung ist immer noch der Beste Baumeister …

Ich finde Kalkestrich , der richtig auf und eingebaut ist sehr gut … aber als Versuch mal wegen einem "Kalk ist gut" Glauben das zu machen finde ich suboptimal … man sollte die Gesamtheit verstehen, die Nutzung kennen etc …

Eine Gebrauchsanweisung: How to make a Kalkestrich for beginners - gibts leider nicht

Florian Kurz