Fußbodendämmung Dampfbremse ja oder nein?

12.08.2013



Im Erdgeschoss sollen auf Holzweichfaserplatten Eichendielen verlegt werden und es stellt sich die Frage nach der Dampfbremse.

Ziegelbau mit Klinkervormauerschale; Bj.1942. Die Aussenwände sind diffusionsoffen gedämmt (Holzweichfaser 6cm plus Lehm / Wandheizung)

Bodenaufbau variiert in den Räumen:
Streifenfundament mit Sand aufgefüllt. Nicht unterkellert.
Betonplatte (7-10cm -weiß nicht mehr genau)
Folie
Magerbeton (7-10cm)

VARIANTE RAUM 1:
2 cm Mineraldämmplatten
4-5 cm Estrich

VARIANTE RAUM 2 (hier mußte Dämmung und Estrich wg. Feuchtigkeit - kaputtes Dach - raus):
Folie
6-7 cm Estrich (seit Febr./März drin)

Der Fuboden liegt ca. 70 cm über dem Erdreich. Keine Probleme mit aufsteigender Feuchtigkeit.

Auf den Estrich sollen 5cm Holzweichfaser von Doser mit Stufenfalz (ähnlich Pavatex)
Eichdielen.

Und nun streiten sich die Geister, ob da eine Dampfbremse zwischen Dämmung und Dielen rein muß oder nicht.

Lt. Glaser: Ja
Tischler: nein
Zimmermann: ja
Internet:Bei mineralischen Unterböden wie Estrich, Beton oder Fliesen ist eine Feuchtigkeitsbremse oder -sperre sehr vorteilhaft...Bitte beachten Sie, dass bei einem Untergrund mit Holzdielen, Spanplatten oder PVC keine Dampfbremse oder Dampfsperre verwendet werden darf. Die Gefahr von Schimmelpilzbefall besteht, da dadurch die nötige Diffusion eingeschränkt oder ganz verhindert wird.


Stellt sich wirklich das Problem von Tauwasser in der Dämmung? Wände ok - Für den Fußboden für mich jedoch schwer vorstellbar. Unter der Bodenplatte dürften im Winter wohl kaum Minusgrade sein. In einem anderen Teil des Gebäudes haben wir statt Sand einen Kriechkeller. Da frierts im Winter nicht.

Muß ich mir nicht eher Gedanken über Restfeuchte im (neuen) Estrich machen? Die käme mit Folie ja kaum mehr raus.

Für sachkundigen Rat wäre ich sehr dankbar.

Gruß - Ute



Fußbodenaufbau



Hallo Ute,
wenn ich die Handwerker nehme steht es 2.1 für die Dampfsperre (keine Dampfbremse!), ein klares demokratisches Vorum.
Von dem was Sie da aus dem Internet zitieren interessiert mich die Quelle.
Zum Inhalt:
Entweder ist es falsch zitiert oder aus dem Zusammenhang gerissen oder schlichtweg falsch.
Zum Fußbodenaufbau:
Hier habe ich Verständnisprobleme mit dem variierenden Bodenaufbau und den beiden Varianten.
Was ist denn jetzt der Bestand im Raum 1?
Ich verstehe den Sinn der Mineraldämmplatten nicht und was genau Sie damit meinen, Calciumsilikatplatten?

Viele Grüße



Ich schätze mal...



dass Helmut Glaser gemeint war und kein Handwerker.
Insofern steht es 1:1, denn das Glaserverfahren zur Abschätzung von Feuchtebelastung ist definitiv gegen Erdreich nicht anwendbar.

MfG,
sh



In der Tat: Berechnungsverfahren nach H. Glaser



war gemeint. Das war die Auskunft vom Hersteller Doser. Wg. Gewährleistung sichern sich ja alle ab. Also wird nach Glaser berechnet und entsprechende Auskunft erteilt. Lt. Glaser müsste jedoch mein gesamtes Haus seit 1942 unter Wasser stehen, was es definitiv nicht tut. Daher ein gewisses Maß an Misstrauen, ob dies für alles anwendbar ist.

Fußboden Raum 1:
Beton
Folie
Magerbeton
Dämmplatten aus Mineralwolle (Stein- oder Glaswolle)
Estrich

Fußboden Raum 2
Beton
Folie
Magerbeton
Folie
Estrich


Über die Sinnhaftigkeit der Mineralwolle kann ich nix sagen.
Bj 1942
Ich vermute es wurde irgendwann mal nachgerüstet mit Folie und Dämmschicht. Oder wurden 1942 schon Folien verwendet?

Egal. Weil durch das undichte Dach in 2 Räumen ein See stand und die Mineralwolle nass und stinkig war, haben wir dort Estrich und Wolle rausgeholt. Für Höhenausgleich und glatten Untergrund für die Holzweichfaserplatten einen schwimmenden Estrich eingebracht. Der Estrichleger hat die Folie drunter gepackt. Soweit so gut. Sperre gegen aufsteigende Feuchtigkeit sollte also genug drin sein.

Die Quelle des Zitates kann ich gerade nicht mehr wiederfinden. Vielleicht ist das Zitat aber auch zu vernachlässigen.

Lieben Gruß - Ute



Fußboden



Jetzt sehe ich klarer.
Ein doch sehr komischer Aufbau, aber was solls.
Wirklich notwendig ist nur eine glatte, ebene, tragfähige Fläche auf der eine Abdichtung ("Dampfsperre"!) und dann die Dämmung aufgelegt wird. Das kann Magerbeton, Estrich, Beton sein, Hauptsache glatt und eben.
Das der Estrichleger eine Folie unter den Ausgleichsastrich (ein schwimmender Estrich ist hier an der Stelle unsinnig) gelegt hat mag hoffentlich nicht stören.
Üblich ist als Ausgleich ein Verbundestrich, also keine Folie. So werden mögliche Schüsselungen vermieden.
Egal ob mit oder ohne Folie, auf den Estrich sollte eine Abdichtung kommen, die an den Rändern entweder bis zur waagerechten Abdichtung in den Wänden oder bis Höhe Fußboden reicht. Das kann eine mineralische Dichtschlämme, eine Bitumendickbeschichtung oder eine Dichtbahn sein. So bleibt die Bodenfeuchte wo sie ist und wo sie hingehört, im Boden.
Darauf dann die Dämmung aus Weichholzfaserplatten. Ich empfehle dafür Steicofloor mit eingebetteter Traglattung, 60 bzw. 80 mm dick. Wenn das von der Höhe nicht reicht kann mit Dämmplatten aus HWF unterlegt werden, aber bitte ohne Lücken. Die Dielung wird dann aufgeschraubt und liegt auf Traglattung UND Dämmung auf. Kein Trommeleffekt und kein Pumpen beim Darüberlaufen da kein Hohlraum.
Zum Popanz Diffusion bzw. Kondensatausfall:
Bei kapillaraktiven Dämmstoffen ist das kein Problem, deshalb wird ja gedämmt. Wichtig ist die Vermeidung von luftgefüllten Hohlräumen in denen Konvektion stattfindet. Die transportiert in Größenordnungen mehr Raumluftfeuchte in und unter Dämmung, die oft locker und mit Lücken zwischen die Lagerhölzer gepackt wird. Wenn dann noch ein kapillarer Rücktransport bzw. eine Verteilung des Kondensates materialseitig ausgeschlossen ist (Mineralwolle, Glasschaumschotter...) gibt es langfristig Kompost an den Lagerhölzern.


Viele Grüße



Fußbodendämmung Dampfbremse ja oder nein



Auf den nicht unterkellerten Erdgeschoßfußboden gehören keine biol. aktiven und7 oder Wasser aufnehmenden Dämmungen. Man denke bitte nur an den "Wasserunfall", der im EG leicht möglich ist, und an die Erdfeuchte bei schlampiger Dichtungsausführung, die auch nicht so selten ist. Das beste Dämmmaterial ist trotz grüner Eiferer immer noch der geschlossenzellige Kunststoffschaum. Eng verlegt stört dessen Dämmfunktion auch ein dünner Wasserfilm nicht. Ich(Bau.ing. i.R.) habe selbst so gehandelt und auf die Dämmung zweilagig Faserzementplatten mit Fliesenkleber aufgeklebt, auf die auch Holzfufboden geschraubt werden kann; wobei ich schwimmende Verlegung in solchen oder ähnlichen Fällen aber immer bevorzuge. Der genannte Aufbau ist infolge seiner relativ geringen Masse auch bei Belag mit Fliesen recht fußwarm.



Fußbodendämmung



erstmal Danke für die Antworten!

@ Georg Böttcher

Popanz Diffusion bzw. Kondensatausfall: Sehr sympathisch. Entspricht meinen Überlegungen zu Thema diffusionsoffen und dem Bauchgefühl - beides ohne fachliche Substanz ;-)

Ein Aufbau aus anderen Materialien kommt nicht mehr in Frage, die Platten sind schon da und bezahlt.

Was mir noch nicht einleuchtet: wozu die Abdichtung?
Es ist überall Folie (kein Dampfbremsfolie sondern Baufolie) drunter. Ok, sie wird nicht bis Oberkannte Fertigfußboden gehen. Aber: das Haus haben wir 2009 gekauft. Bislang weit und breit keine Probleme mit aufsteigender Feuchtigkeit. In einem Raum war Stirn-(Hirn?)holzparkett - alles gut. Für die Hausanschlüsse habe ich den Boden 1,5 qm aufgestemmt und den Sand 2m tief bis unterhalb des Streifenfundaments ausgehoben. Der Sand war knüppelhart und knüppeltrocken. Wie gesagt. Der Fußboden im Haus liegt ca. 70 cm über der Grasnarbe. Aufsteigende Feuchtigkeit? Oder ist es als Schutz vor dem vielleicht noch nicht ganz trockenen Estrich zu verstehen?

Lieben Gruß - Ute




Estrich war als Verbundestrich gedacht. Aber der Estrichleger hatte seine eigene Vorstellung und ich war nicht dabei.



Bodenfeuchte



Wenn Sie keine Abdichtung einbauen wollen dann ist das Ihre Entscheidung. Sie sollten dann sicherstellen das über den Sockel- bzw. Wandbereich keine Feuchte von außen eindringen kann.

Viele grüße