Ersetzen des Dielenbodens auf Holzbalkendecke

25.11.2014



Sehr geehrte Experten,

nachdem ich hier im Forum einige wirklich interessante und lehrreiche Beiträge zum Thema "Aussteifende Holzbalkendecke" von Herrn Böttcher, Herr Heim und Herr Böhme gelesen habe, möchte ich Sie um einen fachlichen Rat bitten.

Ich bin zur Zeit mit der Sanierung meines Altbaus beschäftigt (Baujahr 1951, 1 1/2 Stockwerke, Kehlbalkendach mit Holzbalkendecke, Außenwände: 24 cm Mauerziegel, Innenwände: 12 cm Bimsstein). Grundsätzlich versuche ich, so wenig wie möglich und nur so viel wie nötig in die Bausubstanz einzugreifen. Die Tatsache, dass wir im OG teilweise den Dielenboden ersetzen müssen, hat mich auf dieses Forum aufmerksam gemacht.

Nun zu meinen Fragen:
Die Dielen in den betroffenen Räumen erstrecken sich jeweils über die gesamte Länge des Raumes (bis zu 4,50 m). Ist es in jedem Fall ratsam, die neuen Dielen (angedacht ist Rauhspund mit 28 mm Dicke) exakt gleich zu bemessen und falls ja, welche Gründe sprechen dafür?

Als Schüttung befindet sich zwischen den Balken direkt unter den Dielen eine schwarze, poröse Substanz. Ob es sich dabei um Hochofenschlacke oder um Rückstände aus der Kohlenverbennung handelt, kann ich leider nich einschätzen. Mein Verstand sagt mir, dass es besser ist, die Schüttung an Ort und Stelle zu lassen. Nichtsdestotrotz hätte ich gerne eine staubdichte Abdeckung zum Wohnraum (Kinder- und Schlafzimmer) hin. Wie lässt sich so etwas erfahrungsgemäß realisieren. Ich gehe davon aus, dass der Rauhspund durch NuF eine geeignete Abdichtung mitbringt, aber wie verhält es sich an den Dehnfugen zu den Wänden hin?

Ich freue mich auf fachliche Beiträge und bedanke mich hierfür im Voraus.

MfG Nic





Ich würde als erstes vom Rauspund Abstand nehmen. Das spart dir den Schutz vor der Schüttung weil dann nicht solchen Lücken entstehen wenn das Holz dann mal trocken ist.
Von den Verwerfungen, Schüsselung und Astlöchern mal abgesehen die da zusätzlich kommen.

Ist wirklich kein Höhenausgleich notwendig?



Welche Alternative...



würden Sie denn zum Rauspund (ohne "h", danke) anbieten und warum? Ich hatte den Rauspund als Basis für den neuen Fußbodenaufbau angedacht, da er meines Erachtens dem ursprünglichen Aufbau am ähnlichsten ist. Darauf dann der Sichtboden in Form von Kieferdielen oder Parkett. Über den Höhenausgleich habe ich mir noch keine Gedanken gemacht aber vielen Dank an der Stelle für die Anmerkung. Erfolgt der Höhenausgleich zwischen Balken und Dielung?



Zwei Lagen Holz? Wieso?



Ich würde gleich vernünftige Kieferdielen nehmen. Wo soll den die Schüttung durch kommen? Zwischen Nut und Feder?



Rauhspund...



ist als Deckschicht ungeeignet. Darüber hinaus ist er aber allermeist zu feucht, so daß er nach der Verlegung nicht nur schwindet, sondern ggf. auch schüsselt. Schrauben können sich im Trockenprozess die erforderlichen zehntelmillimeter Platz schaffen, um zu knarren. Vorallem aber müssen Sie dann erstmal längere Zeit warten und heizen, bis der Rauhspundboden überhaupt so trocken ist, daß Sie eine Dielung darauf Verlegen können. Für ein (Mehrschicht)parkett ist Rauhspund ferner keine optimale Unterlage.

Ich rate denn auch zu einer raumlangen Dielung ohne Unterlagen. Nordische Kiefer, 190mm breit, gibt es problemlos im Fachhandel bis 5m Länge. Das sollte auch hinreichend staubdicht sein.

Grüße

Thomas



Lieber Nic,



ich habe das Gefühl, Sie möchten mit mehreren Lagen Holz eine "psychologisch wirksame" Barriere zwischen sich und die unheimliche Schüttung bringen - aber baulich taugt das nicht; Thomas Böhme hat ja schon erklärt wieso.

Ebenfalls schon gesagt (fabig): Höhenausgleich auf den Balken ist das erste, was zu tun wäre. Mit Laser-Waage oder Richtschnüren Maß nehmen und die Deckenbalken durch beidseitiges Anlaschen von Bohlen auf ein planes Niveau bringen!

Für das weitere folgender einfacher Vorschlag: Auf diese ergänzten Deckenbalken raumlange Dielen unmittelbar aufschrauben. Der Abstand der Deckenbalken sollte bei einer z.B. 29 mm starken Dielung nicht weiter als ca. 90 cm sein.

Falls Sie Sorge vor austretenden Stäuben haben: a) wenn die Dielung ohne oder mit geringen Fugen liegt, liegt sie dicht, es können keine Stäube hoch kommen. b) wenn Sie noch sicherer gehen wollen, können Sie unter die Dielung ein Vlies legen.

Zwischen die aufgebauten Deckenbalken sollten Sie eine Dämmschüttung einbringen. Da unter Ihnen vermutlich geheizt wird, vor allem zur GERÄUSCHdämmung. Wichtig: Dämmung bis Unterkante Dielung (bzw. Vlies) hochziehen, um Resonanzräume zu vermeiden.

Um eine bessere Schalldämmung zu erzielen, wäre die "Floßtechnik" gut: Die Dielen sind miteinander verbunden, schwimmen aber auf den Traghölzern > keine Geräuschbrücke. Näheres können Sie den Verlegehinweisen auf unserer website entnehmen www.holz-lebt.de/gut-verlegt .

Jetzt noch einmal zum psychologischen Teil: Falls Sie ein Mensch sind, der nicht gut schläft, weil ihm keine Ruhe lässt, welche Altlasten wohl unter der Dielung schlummern mögen (was ich gut verstehen könnte), gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder eine Untersuchung auf mögliche Schadstoffe, oder komplett herausnehmen und durch Dämmschüttung ersetzen - immer noch weniger aufwändig und preiswerter als zwei Schichten Holz!

Alles Gute beim Bauen!

Erik Heinrich.



Danke für die Ratschläge



Ich dachte, dass ich aufgrund des Trittschalls gar nicht um einen zweiten Bodenbelag drumrum komme. Wenn dem wohl doch so ist, prima. Die von Herrn Heinrich vorgeschlagene Floßtechnik klingt mir in dieser Hinsicht durchaus plausibel um den Boden von den Balken zu entkoppeln. Wie verhält sich das Ganze nun im Hinblick auf die Statik der Decke? Ich habe den Fachbeitrag "Aussteifende Holzbalkendecken im Mauerwerksbau" so verstanden, dass eine kraftschlüssige Verbindung zwischen Dielen und Balkenlage unumgänglich ist. Ist die bei Verwendung eines Vlies noch gegeben? Verstehen Sie mich nicht falsch, aber mir als Laie fehlen hier noch ein paar Informationen. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass eine NuF-Verbindung einen ausreichenden Staubschutz gewährleistet, aber wie sieht es an den Fugen zur Wand aus, wir das Vlies hier an der Wand angebracht?



Sollte...



das eine reine Eigennutzung sein, wäre die entkoppelte Lösung durchaus verzichtbar. Die direkte Befestigung auf der Balkenlage wäre dann meine erste Wahl.

Aufgrund des Baujahres Ihres Hauses ist von ordentlich gesägten Balken auszugehen. Vorbehaltlich Kontrolle ist eine Nivellierung vielleicht verzichtbar.

Grüße

Thomas



Reine Eigennutzung



Die Lärmbelästigung wird wohl aller Voraussicht nach von meinen Kindern ausgehen, die ich natürlich gerne in Kauf nehme. Können Sie mir trotzdem kurz und knapp verständlich machen, wie ich am besten kontrolliere, ob ein Höhenausgleich erforderlich ist?



Am einfachsten:



Einen Laser ausleihen, Zollstock auf die Balken stellen. Gerinfügige Differenzen (um 1cm) oder auch ein geringeres gleichmäßiges Gefälle könnte man ignorieren.

Grüße

Thomas



... denke ich auch,



gut einen Zenti' kann man tolerieren. Dennoch würde ich aus eigener Erfahrung als Unterwohner von Kindern immer für eine Entkopplung plädieren ;-), zumal sie unwesentlich mehr Arbeit oder Kosten verursacht.

Was die Statik der Deckenbalken betrifft: Ein bündiger Fußboden kann kein Ersatz für tragfähige Deckenbalken sein. - Was für einen Querschnitt haben sie und wie weit sind sie in das Mauerwerk eingelassen? In welchem Abstand liegen sie? Sind sie gesund und kernig? (Einen ersten Hinweis gibt der Latthammer-Test: die Spitze des Hammers in die Balken treiben - geht sie leicht hinein, gibt es Staub oder Abbrüche von Teilen des Holzes? Das wäre verdächtig!) Im Zweifel Statiker oder Bauingenieur fragen!

Schöne Grüße, Erik Heinrich.



Rauspund ungeeignet



Von Rauspund würde ich auch Abstand nehmen. Es ist zu feucht und m.E. Auch zu aufwendig in der Verlegung.
Ich würde, sofern kein Niveauausgleich notwendig ist, Verlegeplatten über die Schüttung legen. Abstand der Balken sollten 60 bis 90 cm nicht überschreiten. Stärke der Verlegeplatten waren laut meinem Architekten damals min. 28 mm. am besten Abstand zur Wand lassen ca. 1 cm rundum.
Obendrauf Trittschalldämmung und schwimmend den Parkett bzw die Dielen.



Schwimmende Dielen?



Massiv? Das wird nichts.

Grüße

Thomas



Schwimmende Dielen?



Hallo Thomas,

Warum sollte dies nichts werden?
Wir haben bei uns in der Wohnung auf 60 qm ausschließlich den Dielenboden schwimmend verlegt und nur in sich selbst verklebt.
Siehe auch hier
http://www.selbst.de/bauen-renovieren-artikel/wand-boden/parkett-laminat/schwimmende-verlegung-massivholzdielen-eiche-103113.html

Viele Grüße

Philipp



… schwimmende Qualität … 



… ich kann ja den Th. B wiklich nicht so gerne leiden … aber jetzt tut er mir wirklich leid … und ich kann nachvollziehen, dass er sich jetzt erst man nen doppelten Cognac einverleiben muss um ruhig zu bleiben … denn solche "Selberbastler-Anleitungen" sind für jemanden, der sich auskennt, reines Brechmittel!

Was da für Sachen drin stehen … da hebt es einem Handwerker die Galle … mit allen Nachwirkungen … 

Und das ist das Problem des "WWW" denn so eine Sch… die recht "angenehm" und "einfach" klingt für den Laien prägen die "Denkkultur" des Landes!

… einfach: zum K…

Florian Kurz



Schwimmende Qualität?



Hallo Florian Kurz,

Kannst du es bitte kurz erläutern warum die schwimmende Verlegung so schlecht sein soll?
Ich habe mal gelernt, dass der Boden von den Wänden entkoppelt werden sollte und dies auch nicht durch Schrauben o. ä. Unterbrochen werden sollte um

1. beim Quellen und schwinden des Holzes dem Holz Spielraum zu geben
2. um die Schallübertragung, die hier ja eine wichtige Rolle zu spielen scheint, zu unterbrechen.

Gerne lasse ich mich eines besseren belehren. Man lernt ja nie aus. Bin schließlich auch nur Laie.

Viele Grüße

Philipp Albiez



Hä?



Wilde Worte! Aber ich verstehe nicht so recht. Kann es sein - ich war den ganzen Tag im Wald -, dass ich etwas verpasst habe? Bitte auch um Erläuterung, Florian!

Sich am slow-Holz-Kopf kratzend:

Erik Heinrich.





Ich stelle es mir gerade vor, wenn das Schutzpapier eingeklemmt wird und dann beim raus ziehen abreist.
Die wilden Kontruktionen um die Dielen zusammenzupressen und gleichzeitig das Papier zu ziehen, stelle ich mir auch recht lustig vor.
Dann dürfte die Klebeschicht nicht wirklich diffusionsoffen sein. Jede Feuchtigkeiständerung im Raum dürfte recht einseitig wirken.

Ich persönlich kann diese "entkoppelten" Resonanzböden eh nicht ab. Ich hab oft das Gefühl das dies nicht wirklich leiser ist.



So schlimm...



...war's nicht. Es geht mir weiterhin gut.

Zur Sache: Es gibt 2 mir bekannte Möglichkeiten, Dielen (sozusagen) schwimmend zu verlegen. Das wäre die Variante 1 mit Klebematten wie Elastillon, und die Variante 2 mit Stahlklämmerchen. In Zusammenhang mit Massivholz, speziell Dielen, halte ich absolut nichts davon, würde auch bei vollster Haftungsfreistellung solche Aufträge nicht annehmen und rate auch in jedem Falle ab, sowas in Eigenregie auszuführen.

Daß so etwas verkauft und beworben wird, bedeutet noch lange nicht, daß diese Lösungen wirklich brauchbar sind. Ich lehne beide ab, verkürzt gesagt deshalb, weil das Arbeiten des Holzes, seine speziellen Eigenschaften eklatant ignoriert werden. Daß man damit Bauherren glücklich machen will, die den Unterbau für einen richtigen Holzboden beim Projektieren glatt vergessen haben, macht die Sache nicht besser.

Ehe jetzt der Klassiker kommt: "bei mir funktioniert das wunderbar"..... Meinen Ansprüchen würde der Boden garantiert nicht genügen, und seine Dauerhaftigkeit ist zu bezweifeln. Daß es in raumklimatischen Ausnahmesituationen mit sehr konstanten Werten etwas weniger schlecht sein kann, rettet dieses Bastelwerk in meinen Augen auch nicht.

Unverklebte Grüße

Thomas



o.k., nach dem Nachmittagsnickerchen ...



... habe ich mich getraut und auch die selfie-Bauseite aufgemacht. Dabei sind mir beinahe die Finger am touchpad festgeklebt. Und ich fühlte mich in die Klebematte eingezwangsjackt und bekam die beklemmende Vision, bei der Arbeit mit so was hochzugehen wie einst das HB-Männchen, falls Sie das noch kennen, meine Damen und Herren. Mir wurde dabei auch Florians spontaner Brechreiz plötzlich plausibel.

Zurück zum (Er)baulichen: Ein entkoppelter ud schwimmender Dielenboden bringt durchaus was zur Geräuschreduzierung, wenn man es auf die simple und klassische Weise macht: Raumlange Dielen von unten miteinander mit Querlatte verbinden, dieses raumgroße "Floß" frei auf den Traghölzern SCHMWIMMEN zu lassen. Verbessern lässt sich die Wirkung, indem man auf die Traghölzer einen dicken Filzstreifen legt. Das trägt den besonderen Eigenschaften von Holz Rechnung und funktioniert sehr gut OHNE jegliche Kleberei.

Einer Zwischenschicht aus (m.E. eh überbewerteter) Spanplatte (neudeutsch OSB) bedarf es in diesem Fall nicht.

Einen erbaulichen Abend, lieber Bauherr, und für die anderen Forumanden!



Hallo Nic,



ich sehe gerade, Neckar-Odenwald...
Da kann ich Dir absolut das Sägewerk Ackermann in Dörzbach empfehlen für Deinen Dielenboden. Da bekommst Du raumlange Dielen in Deiner Wunschholzart, absolut sauber gearbeitet, auf Deine Wunschrestfeuchte getrocknet zum fairen Preis.

Ich hab schon zwei mal bei denen Böden gekauft und war mmer zufrieden, und das war immer eine spezielle Anwendung. Einmal Kirsche fürs Bad (den boden würde ich heiraten) und einmal Lärche (über dem Stall, da war ein Übergang zwischen einer Eichenbalkendecke und einer Betondecke im Anbau zu meistern)

Ich krieg keine Provision für die Werbung, nur, dass das mal klargestellt ist.

Ansonsten hab ich auch Traghölzer mit ner Hanfschäbenschütung dazwischen verbaut. War bissle mühselig, das nächste Mal (wenn es ein nächstes Mal für diese Anwendung gibt), werd ich wahrscheinlich Holzweichfaserplatten nehmen, auch wenns deutlich teurer ist...