Decke erneuern

30.01.2022 Sandra

Decke erneuern

Hallo liebe Fachwerkfreunde,

wie ihr auf den Bildern seht, haben einige Fächer zwischen den Balken Löcher oder der Lehm und das Stroh ist zu sehen. Meine Frage: Können wir einach Rigipsplatten zwischen die Balken anbringen ohne die aufgerissenen Stellen zu bearbeiten? Oder ist es besser kein Rigips anzubringen und die unschönen Stellen wieder aufzuarbeiten und danach einfach zu streichen? Wenn die zweite Möglichkeit in Frage kommt, was müssen wir tun, um die Zwischenräume wieder herzustellen.

Ich hoffe, ihr wisst was ich meine.
Freue mich auf Antworten.

Herzliche Grüße
Sandra Schumann



Guten Tag



Fam. Schumann,

ähnliche Probleme kennt wohl jeder, der ein FW-Haus saniert:
Teile der Decke haben sich gelöst weil das Stroh der Lehmwickel mitsamt der Putzschicht heruntergekommen ist. Das Problem ist nun, die fehlende Haftung von Lehm an den bloßgelegten Holzstaken.

Hier gibt es mehrere Möglichkeiten:

1.
Die betreffenden Staken ganz aus der Decke entfernen und neu mit in feuchtnassem Lehm gewälztem Stroh umwickeln. Dazu verkantet man die in einer Nut sitzenden Staken an einem Ende so weit nach links bzw rechts, bis sie sich herausnehmen lassen. Durch den freigewordenen Platz ist dies bei den darauffolgenden Staken dann einfacher. Wenn das Holz noch gut ist, kann man es problemlos wiederverwenden: der Vorteil ist einfach, das es bereits an die Nut angepasste Staken sind. Nur wenn sie zu wurmstichig sind, würde ich sie durch neues Holz austauschen (einfach aus einem Scheit dem Vorbild entsprechend zurechtschnitzen oder einen Haselnussstecken in entsprechender Länge nehmen. Wichtig: ohne Rinde einbauen).
Dann den Holzstecken/die Altstaken mit im Lehmbad durchtränktem Stroh umwickeln....dazu gibt es auch gute YT-Tutorials "Lehmwickel herstellen". Diese in frischem Zustand wieder einbauen...und von unten verstreichen bzw eine nicht zu dicke zusätzliche Lehmputzschicht aufbringen.

So lässt sich Ihre Fehlstelle auch kleinräumig beheben.

2.
eine andere Möglichkeit,- die dann aber eher die ganze Decke des betreffenden Raumes einbeziehen würde: die alte Decke komplett herunterschlagen. Dies kann sinnvoll sein, wenn dies nicht die einzige Fehlstelle ist. Bröckelt es bei Druck auch an anderer Stelle? klingt es hohl bei Klopfen oder lässt sich bereits eindrücken?
Dann evtl alle Staken rausmachen und von unten eine komplette Neuverschalung an die Balken nageln. Also durchgehende Bretter, die von unten mit einem Putzträger versehen werden. Dies kann Schilf sein, Kunststoffgaze oder ähnliches. Nun lässt sich die Decke wie gehabt mit Lehm- oder Kalkputz neu verputzen.
Der Vorteil wäre, dass die Decke evtl gleichmäßiger herzustellen ist. Der Nachteil, das wesentlich mehr gemacht werden muss und auch die ganze Deckenfüllung verloren geht - sofern sie nicht von oben neu eingefüllt werden kann.

Also: wenn es nur die kleine Stelle ist, würde ich die Lehmwickel erneuern. Eine dritte Möglichkeit bestünde darin, quasi garnix am Zustand zu ändern....die Staken drin zu belassen und einfach Schilfputzträger in die Fehlstelle auf das Holz zu tackern und mit neuem Putz zu versehen (ordentlich vornässen, sonst hält es an der Decke nicht).



Ich würde es so



machen wie mein Vorredner in Möglichkeit 3 beschrieben hat: Schilf als Putzträger nur in die kleine Fehlstelle, mit Lehm überputzen und dann Streichkalk oder Kalk-bzw Lehmfarbe



Nur reparieren



Als erstes den alten (Kalk-)Putz von den Ausfachungen bis auf den Lehmverstrich entfernen.
Wenn die Staken noch intakt, aber evtl. lose sind, diese an den Enden mit schräge eingeschraubten Spaxschrauben an den Balken wieder fixieren. Das lose Stroh, ohne Lehm, von der Unterseite der Staken weg "schneiden" (mit einer scharfen Stoßaxt oder Beil abstemmen). Dann die Zwischenräume zwischen den Staken bis deren Unterkante mit dem abgeschnittenen Stroh, wieder mit dem alten, eingeweichten, oder frischem Lehm vermischt, füllen/verpressen. Das trockene Stroh vorher über Nacht in Wasser einweichen, damit es wieder elastisch wird und die Halme nicht mehr brechen/zerbröseln. Zum Höhenausgleich zum angrenzenden Lehmverstrich entweder ein Stück Heraklith-Platte in die Fehlstelle einpassen und an die Staken schrauben, oder ein Putzträgergewebe (Schilf, Streckmetall, Ziegeldrahtgewebe, o. ä.) antackern und mit Lehmputz auffüllen. Diese Füllschicht trocknen lassen. Dann die Ausfachung vollflächig mit einem Putzträgergewebe überspannen und dieses mit Lehmputz füllen. Dann Unterputz mit Armierungsgewebe drauf und Ober-/Feinputz drüber. Fertig.
Wo keine Staken fehlen oder Staken selbst völlig marode sind, muss man keine ausbauen/austauschen/ersetzen. Wenn oben darüber die Decke noch zu ist, bekommt man die neuen Staken nur seeehr schwierig drunter, ohne das darüber Hohlräume bleiben! Man muss die V-Nuten in den Balken nach unten hin öffnen um die Staken rein zu bekommen. Spätestens bei der letzten Stake ist Schluss mit "schräg einfädeln".

Gruß,
KH