Erlenholz

18.11.2008


Plane den Bau eines Garten- und Saunahauses. Habe recht viele Erlen im Wald. Für welche Bereiche empfehlenswert oder nicht?





Hallo Thomas,

die Erle gehört zu den Birkengewächsen und kann aufgrund ihrer Wasserbeständigkeit in vielen Bereichen verwendet werden.
(für ihr Wachstum benötigt die Erle viel Wasser, deshalb wächst sie vornehmlich auf sehr feuchten bis nassen Standorten).

Die physische Lebensdauer ist verglichen mit anderen heimischen Baumarten eher gering, was der Dauerhaftigkeit des Holzes aber keinen Abbruch tut.

Auch im Möbelbau findet sie mittlerweile Abnehmer, da sie eben sehr wiederstandsfähig (und auch vergleichsweise hart) ist.
Der rötliche Farbton ist aber "Geschmackssache".
Hier bei uns kommt die Erle aber vergleichsweise "selten" vor, da die Standortsvoraussetzungen "rar" sind.
In Estland mag das durchaus anders sein.

Die Verwendung im Außenbereich oder auch im Feuchtraumbereich sollte, aus meiner Sicht, kein Problem darstellen. (hab noch keine Sauna aus Erle gebaut, die "physischen" Gegebenheiten bringt die Holzart aber mit)

Wenn also die Möglichkeit besteht "günstig" an Erlenholz zu kommen, warum nicht!

Gruß
Martin





Hallo Martin,
herzlichen Dank für die ausführliche Information. Ich bin nunmehr richtig motiviert, meinen Erlenwald in den kommenden Wintermonaten etwas auszulichten. Wie lange müsste ein geschlagener Stamm auf seine Verarbeitung warten müssen? Eine Trocknungsanlage ist nicht in unserer Nähe.





Hallo Thomas,
das ist letztendlich von der zu verarbeitenden Dimension abhängig.
Das heißt welche Stärken sollen verarbeitet werden?

Ohne Trocknung (was auch nicht der Weisheit letzter Schluß ist) würde ich im Minimum 3-4 Jahre (besser noch länger) im aufgesägten Zustand ansetzen.
Hängt auch davon ab, wie die Lagerung ist. Trocken aber Luftig wäre hier die Devise.

Der Einbau frischen Holzes zieht immer Setzungen nach sich. Das Holz "schwindet" wärend der Trocknung (auch der Natürlichen) um einige Zentimeter.

Je länger die Trocknungsphase ist, umso weniger hat man nachher mit solchen Problemen zu "kämpfen".

Gruß
Martin

P.S.: Welche Dimensionen ständen dir den zur Verfügung? Ich meine die Dimensionen der geschlagenen Stämme.
Davon hängt ja auch ab, was man daraus macht.





Hallo Martin,
eine gute Antwort von Dir - Danke! So habe ich eine Vorstellung von dem, was mir mein Wald an Zusatznutzen in welchen Zeiträumen bietet. Bei der Verwendung des Erlenholzes dachte ich vornehmlich an das Ständerwerk; die Verbretterungen und Wandverkleidungen möchte ich mit günstigen Holzangeboten aus der Region realisieren.



Auch das...



..ist eine gute Entscheidung!
Für die Verbretterung würde sich z.B. Lärche anbieten, die es in Estland sicher auch in "ausreichendem" Maße gibt ;-)
Erle, Lärche, Birke und Kiefer zählen übrigens zu den s.g. Pionierbaumarten (bei passenden Standortsverhältnissen) die freie Standorte, aufgrund ihrer Durchsetzungskraft in der Jugend zuerst besiedeln.
Ein Teil von Venedig ist übrigens auf Erlensständern begründet.

Darf man fragen, auf welche Größe sich dein (Erlen) Waldbesitz begründet??

Grüße
Martin





Hallo Martin,
wir haben ca. 5-6ha Wald, wovon ca. 2-3ha Erlenbestand mit recht unterschiedlichem Alter in der Nähe zu unserem Haus sein dürften. Teilweise ist es Mischwald mit Birken und Kiefern, recht urwüchsig, leider kaum Lärchen. Diese möchte ich im nächsten Jahr auf einigen Lichtungen anpflanzen, damit unsere Enkel mal an mich denken werden. Wir haben das Land 2005 mit einem alten Landhaus (Blockholzbauweise) erworben und bereiten es für unsere Lebensphase ab Mitte 50 vor - auch als kleinen, touristischen Nebenerwerb.



Na Mensch, herzlichen Glückwunsch...



...dazu!

Auch ein schönes Vorhaben, deinen Enkeln da noch etwas zu hinterlassen.

Gruß
Martin



Und, es ist so wichtig, -----



---- daß man schon jetzt an seine Enkel denkt, die noch nicht geboren sind und demzufolge noch keinen Baum für IHRE Enkel pflanzen konnten. ---



Schon richtig...



...Andreas!

Ich habe auch noch keine Enkel. Dafür sind meine Kinder noch zu jung!
Aber allein der Gedanke zählt.

Gruß
Martin



Erle, Birke, Pappel , etc.



zählen wie schon erwähnt zu den Pioniergehölzen.
Die wachsen schnell und ziehen schnell Wasser aus dem Boden.

Alle diese Hölzer werden "modernisiert" d.h. für den Markt gutgeredet damit man das Zeug Gewinnbringend verkaufen kann!

Aus Erlen wurden seinerzeit Munitionskisten gebaut: schön leicht, verrotten schnell, billig.

Zitat: "... neigt sehr stak dem Wurmfraß .."
gutes Wasserholz (nur unter Wasser nicht trocken feucht Wechsel)
Decklage für billige Sperrholzplatten, weich neigt zum reissen, Schwinden ...

Ich würde keine Holzbauteile daraus machen!

Sonst müssen schon die Kinder sanieren!

FK



chefkoch martin



hallo martin,da sieht man halt wieder,was es doch ausmacht,wenn ein kind etwas anständiges gelernt hat.jetzt weiss ich, wenn ich wenn ich meine gartenbäume fälle, wer mir raten kann,was ich damit bauen darf.allerdings bei meiner anzahl an baumbestand wid es höchstens für eine hundehütte reichen.aber--starker beitrag ,konkurenzlos!! grüsse aus dem stiftland sendet blacki



@ Thomas



Schön, 'mal wieder etwas von Dir zu hören. Es geht also voran im Baltikum.

Erlenholz ist für den Verbau im Freien und für konstruktive Aufgaben absolut nicht geeignet. Von allen mir bekannten Hölzern wird Erle am schnellsten von Anobien (Holzwürmern) zu Staub verwandelt. Auch ohne Würmer ist es nur ein wenig festes Holz. Einzige Ausnahme ist tatsächlich der Verbau dauerhaft unter Wasser.

Im Möbelbau sehe ich dagegen schöne Anwendungen, so Deine Ferienhäuser dauerhaft klimatisiert bzw. beheizt sind und Luftfeuchtigkeiten um oder unter 60% (normales Wohnklima halt) aufweisen. Der sich spär ausbildende Kern setzt schöne dunkelere Akzente, Es gibt auch öfter dekorativen Riegelwuchs, Wimmerwuchs etc.

Erle ist ein bewährtes Möbelbauholz, und es ist leicht bearbeitbar. Früher sah es nur selten wie Erle aus, es wurde auf Nussbaum, Kirsche oder Mahagoni gebeizt.

Zur Fällung: unbedingt Winterfällung, wenn Du den Zeitpunkt bestimmen kannst, kurz vor Neumond. Lagerung unter Wasser wird empfohlen, Einschnitt danach sofort und spätestens im April. Bretter entrinden.

Stapelung luftig und abgedeckt im Freien mit Hirnholzschutz, nach 1 Jahr kann in einen luftigen Schuppen umgezogen werden.

Die Bäume sollten wenigstens 80 Jahre alt sein, und es sollte ausschließlich Schwarzerle verwendet werden. Die ebenfalls vorkommende Weißerle ist für Tischlerarbeiten viel weniger geeignet, sie arbeitet in Größenordnungen mehr.

Früher wurde in Deutschland besonders russische und polnische Erle geschätzt, sie kam auf dem Wasserwege, was zu einer Ausspühlung von löslichen Inhaltsstoffen führte.

Grüße an den "Erlenkönig"

Thomas



Erlenholz



Hallo Thomas,
herzlichen Dank für diese ausführliche Anwort und für die Zeit, die Du Dir dafür genommen hast. Damit hast Du mir sehr gut geholfen und mich für weitergehende Recherchen hinsichtlich einer Nutzung unseres Holzes motiviert. Haben wir nun die Schwarz- oder die Weißerle? Muss ich prüfen. Unser Wald vermehrt sich zumindest wie Unkraut. 80ig-jährige Bäume sind offensichtlich seltener dabei. Werde gemäß Deiner Empfehlung in der Verwendung zum Hausbau zurückhaltend sein und unseren Wald nach Alternativen durchforsten. Eigentlich gibt es in Estland Holz ohne Ende, doch habe ich den Eindruck, dass die Preise manchmal höher liegen als in Deutschland.
Liebe Grüße.
Thomas





Schwarz- und Grauerle (hier als Weiss-Erle bezeichnet) sind an den Blättern leicht zu unterscheiden.
Guckst Du hier:
http://www.baumkunde.de/baumdetails.php?baumID=0068
http://www.baumkunde.de/baumdetails.php?baumID=0069

Zum Standort: Erlen ertragen staunasse Böden, wo die Wurzelatmung häufig und lange Zeit erschwert ist, und kommen deshalb an solchen Standorten vor; sie verbrauchen aber nicht mehr Wasser zum Wachsen als andere Arten, wenn man Verbrauch als "Menge aufgenommenes und verdunstetes Wasser pro Menge gebildetes Holz" definiert. Allerdings spielt Wasser an solchen Standorten keine Rolle als direkt begrenzender Wachstumsfaktor.

@ Martin: Eine Aussage wie "für ihr Wachstum benötigt XXX viel Wasser, deshalb wächst XXX vornehmlich auf sehr feuchten bis nassen Standorten" ist fast immer unzutreffend. Das wäre wie "Ich benötige viel Geld, deshalb bezahlt mit mein Chef viel Gehalt". Fast alle Arten kommen natürlicherweise dort vor, wo sie etwas besser können oder besser ertragen als andere, und nicht dort, wo sie am besten wachsen.

Die Aussagen zur Dauerhaftigkeit von Erlenholz von Thomas kann ich durch Freilandbeobachtungen bestätigen. Gefallene Erlen verrotten noch rascher als Fichte. Als Brennholz taugt es auch nicht viel.





Hallo Jens,
besten Dank für die Info. Ich freue mich über alle diese Hinweise und werde nun anhand Deiner Links versuchen zu ergründen, welche Erlen bei uns wachsen.
Bestätigen kann ich, dass unsere Erlen als Brennholz nicht gerade Freude auslösen, also als weniger geeignet erscheinen. Darin sehe ich jetzt die Aufgabe, den Wald nach und nach durch andere, wertvollere Hölzer wie Buchen und Lärchen zu ersetzen. Buchen sind beispielsweise sehr selten. Im Bereich einiger Herrenhäuser gibt es sogenannte Bucheninseln, jedoch nicht in dem Maße wie in Deutschland.
Eichen sind häufiger zu finden, z. T. auch als Weidewald. Landschaftsprägend sind die Nadelwälder.
Für Holz-, Wald- und Naturfreunde sind Estland und Lettland wunderbare Länder. Ein Urlaubstipp für Euch ...

Thomas



Waldbewirtschaftung



Lieber Thomas,

bezüglich Umstellung auf andere Holzarten sei mal vorsichtig. Gerade an Orten, wo scheinbar alles eben ist und zur Versumpfung neigt, können wenige Zentimeter Höhenunterschied darüber entscheiden, ob eine Holzart gedeiht oder nicht.
Wenn du z.B. eine Verbreitungskarte der Buche anschaust, siehst Du, dass sie bei Dir am Nordostrand ihrer natürlichen Verbreitung ist und deshalb als anspruchsvolle Baumart gelten muss; in Mitteleuropa ist sie ein Allerweltsgehölz. Aber selbst dort mag sie staunasse Böden überhaupt nicht. Zu rasch gewachsene Lärche hat mit dem tollen Holz aus den Alpen wenig gemeinsam. Auch zwischen Plantagenfichte aus dem Tiefland und feinjährigem, geradwüchsigem Holz aus dem Gebirge liegen Welten!
Zudem ist das Kriterium der 'Nützlichkeit' kurzlebig und ausschliesslich von den aktuellen Verbrauchsmoden abhängig. Heute wäre mancher Förster, der nur Fichte hat, froh, er könnte Stämme des eigentlich standortsgerechten Laubwaldes anbieten.
Geradwüchsige Erle in vernünftigen Stammquerschnitten kannst Du zu weit besseren Preisen an die Möbelindustrie verkaufen als Buche, obwohl Du selbst damit wahrscheinlich wenig anfangen kannst.
Was ich machen würde, ist eher, Dickungen auszulichten und gezielt schöne Stämme behutsam freizustellen, statt in die Artenzusammensetzung einzugreifen, und zu verstehen versuchen, was warum wo wie wächst. Dazu wird auch der Unterwuchs wertvolle Hinweise geben.
Förster ist ein Beruf und eine Berufung. Nicht die Kettensägevirtuosen sind die besten.

>Für Holz-, Wald- und Naturfreunde sind Estland und Lettland wunderbare Länder. Ein Urlaubstipp für Euch ...
Schon, aber es fehlt an Urlaub, weniger an interessanten Zielorten ...





Hallo Jens,
Danke für die Antwort. Vollkommen richtig! Einfach blind die Bäume in die Landschaft oder den vorhandenen Wald zu pflanzen, wäre mit Sicherheit nicht zu empfehlen. Ich schaue mir die Zusammensetzung und das Wuchsverhalten schon genau an. Allein das ist - in Verbindung mit entsprechenden Foren und Studien im Internet - schon eine spannende Sache. Da auf unserem Land/im Wald offensichtlich seit Jahrzehnten keine pflegende Hand tätig gewesen ist, lässt sich sehr gut beobachten, welche Standortgegebenheiten zu welchen Ergebnissen und Zusammensetzungen führen. Ob bezogen auf Kräuter, Sträucher oder Bäume - das Land/der Wald sind ein fantastisches Lehrbuch.
Aber was heisst, keine Zeit für Urlaub zu haben? Als Freiberufler weiss ich, wie hart es ist, seine Euros zu verdienen. Doch für einen Kurzurlaub musste es immer reichen. Danach arbeitest Du Klassen besser. Und ein Flug ins Baltikum dauert rund 1,5 Stunden und ist bei zeitiger Planung schon für rund 100,- € zu bekommen. Also?

Thomas



Urlaub



Ich habe zwei Baustellen, 4 Kinder, einen Garten, und wohne an einem Ort, wo andere Ferien machen (das Bild war die Aussicht von unserer Küche gerade jetzt). Ausserdem bin ich nicht gerade Fan von Flugreisen, auch oder gerade weil sie so billig sind. Das geht so schnell, dass man gar nicht dazukommt, wirklich da zu sein.
Deshalb aufgeschoben für später, wenn die Kinder selbständig genug sind und ich Zeit habe, eine Reise vorzubereiten und zu geniessen.





Hallo Jens,
der Blick aus Eurem Küchenfenster ist beneidenswert schön! Könnte das in Vorarlberg sein? Ich hatte dort mal einen Kunden, und nahezu jede Fahrt zu ihm nutzte ich, um diese traumhaft schöne Landschaft von den Nebenstraßen her in mich aufzunehmen. Ich verstehen, wenn Dich und Deine Familie für Flugreisen nicht zu gewinnen sind. Das Schöne bei Euch: Man sieht und erfährt überall die Nähe zum Holz, vor allem in der Architektur. Was sich selbst in modernster Architektur erkennen lässt. Arte und das bayrische Fernsehen haben häufiger über faszinierende Projekte berichtet. Also, viel Erfolg auf Deinen Baustellen und mach etwas Tolles daraus.
Thomas



Vielleicht...



...wäre die Esche einen Versuch wert?

Grüße

Thomas