Erfahrungswerte Wandheizung mit Schilfrohrdämmung in einem Fachwerkhaus




Hallo,
wir befassen und aktuell mit grundsätzlichen Möglichkeiten der Restaurierung eines Fachwerkhauses.
Als Heizungsmöglichheit haben wir hier im Forum als eine gute Möglichkeit die Wandheizung gesehen.
Als Wandaufbau würden wir auf dem Fachwerk eine Schilfrohrdämmung von 60 mm mit daraufliegender Wandheizung und darüber Lehmputz sehen.
Gibt es hier Erfahrungswerte über solch eine Konstruktion?
Was würde eine Quadratmeter Wandfläche Kosten wenn diese von einer Fachfirma durcheführt würde? Hier sind die reinen Kosten für den Flächenaufbau mit Putz, Isolierung und Heizrohr gemeint, ohne Heizkessel, Verteiler, Stegeleitungen.
Viele Grüße
Ingo



Sanierungsüberlegungen



Für eine Wandheizung als Niedertemperaturheizung mit einem Vorlauf von max 35°-45° brauchen Sie eine entsprechend hochwertig gedämmte Wandkonstruktion. Hier ist ein U-Wert von 0,35 W/m2K vorgegeben, der mit einer klassischen FW-Außenwand von 14-16 cm und einer Innendämmung fachwerktauglich nicht zu realisieren ist. Zudem hat Schilfrohr einen relativ guten Wärmeleitwert von 0,055-0,07 W/mK = relativ schlechteren Wärmedämmwert als andere Dämmstoffe. Holzfaserdämmstoffe sind da günstiger mit einem WLW von 0,045 oder besser. Schilfrohr ist nicht kapillar leitfähig. Auskondensierte Feuchtigkeit auf der Innenseite der kalten Außenwand wird nicht kapillar in den Raum zurücktransportiert. Eine Auffeuchtung zwischen FW-Wand und Schilfrohrdämmung ist nicht auszuschließen. Die Innendämmung eines FW-Hauses ist bauphysikalisch recht sensibel und ist auf ca. 6cm Dämmstärke zunächst pauschal beschränkt.

Um über ein Konzept für eine Innendämmung mit Wandheizung zu entscheiden, müssen mehr Details der vorhanden und geplanten Bauteilaufbauten bekannt sein. Eine Flächenheizung hat ein sehr gutes Gebäude-Dämmkonzept als Voraussetzung, da sie sonst nicht in der Lage sein wird, ohne einen zweiten Wärmeerzeuger eine ausreichende Heizleistung zu garantieren. Es wird also ein Konzept für eine energetische Gebäudesanierung benötigt, eine Heizlastberechnung und eine Anlagenauslegung.

Zu Ihrer Preisanfrage: ohne notwendige Vorarbeiten wie z.B. Ausgleichslehmputz auf unebenen/schiefen Wänden, liegt das gesamte Paket für eine HoFa- Innendämmung von 4-6cm mit 2-lagigem Putz und Rohrregister für die Wandheizung bei ca. brutto € 180-200/m2

Meine Empfehlung: Vor weitergehenden Sanierungsüberlegungen sollte erst eine Bauaufnahme des Objektes erfolgen und ein Sanierungs- und Umnutzungskonzept entwickelt werden.Die zu dämmenden Wandteile müssen trocken sein; Feuchtebelastungen z.B. im Sockelbereich EG oder aus aufsteigender Feuchte des Kellermauerwerks müssen zuverlässig erkannt und abgestellt worden sein.



Anforderungen



In der alten EnEv 2009 war noch ein U-Wert von 0,35 W/m²K vorgegeben. Der ist zum Glück mit der Novellierung (ENEV 2014) Geschichte. Das heißt Sie müssen dieses Anforderungsniveau nicht erreichen. Dies ist auch nicht unbedingt sinnvoll, da zu große Dämmstärken eher zu bauphysikalischen Problemen führen und bei diesen hohen Dämmstärken in jedem Falle ein Einzelnachweis mit einem instationären Berechnungsprogramm (z.B. Wufi) notwendig wird. Ein vereinfachter Nachweis ist gemäß WTA-Merkblatt 6-4 möglich. Dort sind die Randbedingungen für Innendämmungen beschrieben.



Randbedingungen



Die Innendämmung und die Wandflächenheizung gehören thematisch zusammen. Eine WFH macht um so weniger Sinn, je höher die Wärmeverluste durch die Außenwand sind. Eine möglichst effektive Aussenwanddämmung ist also erst einmal anzustreben.

Eine mit bauphysikalisch verträglichen 4-6cm Holzfaser-Innendämmung sanierte 14cm-FW-Aussenwand mit Stroh-Lehm-Gefachen wird einen U-Wert von etwa 0,65-0,5 W/m2K haben und ist insofern grundsätzlich geeignet.

Die Wärmeverluste ermittelt dann die Heizlastberechnung. Ob eine WFH dann in der Lage ist, die notwendige Heizenergie bei 35°C-Vorlauf zu liefern, hängt von zahlreichen anderen Faktoren des Sanierungskonzeptes ab.



Wandheizung



Als Innendämmmaterial halte ich auch Holzfaserplatten für geeigneter als Schilfmatten- besonders wegen besserem U-Wert und Kapillarität.
Niedrige Vorlauftemperaturen benötigst du nur bei Wärmepumpen oder Brennwertgeräten-
höhere Temperaturen mit höherem DeltaT bewirken höhere Verluste sind aber bei Wandheizungen im Gegensatz zu Fußbodenheizungen möglich.
Daher können die Wandheizungsflächen bei Bedarf auch geringer ausfallen als bei FB-Heizungen.
Ein kupferbasiertes hochwertiges Wandheizungssystem kostet netto etwa 25,-€/qm zuzüglich Putz mit ca 30 mm Dicke und Unterbau aus Dämmplatten und Unterputz, sofern die Wände nicht eben sind.
Ggf per Mail nachfragen
Bei Wandheizungen sind bei entsprechenden Randbedingungen auch stärkere Innendämmungen möglich.

Preise für Lehmputz sind regional sehr unterschiedlich, wobei Kalkputz auch möglich wäre.

Andreas Teich



Hallo Ingo,



wir haben sehr viel Erfahrung mit der Projektierung von Wandheizung auf Innendämmung. Auf Wunsch können wir Dich da gerne unterstützen.

Ich selbst bewohne seit 1999 ein sehr großes altes Haus (http://lehmbau.com/uploads/media/Bundespreis_Flossherrenhaus.pdf), dass wir komplett mit einer Wandheizung auf verschiedene Innendämmungen beheizen.

Welche Kosten interessieren Dich? Material oder Material + Einbau.

Grüße aus Koblenz
Gerd



Wandheizung im FwH



Von Schilfrohr würde ich absehen.
Sinnvoll ist eine Innendämmung mit HWL von 40...60 mm, darauf die Wandheizung. Damit erreicht man einen U-Wert von ca. 0,65...0,50 W/m2K. Diese Dämmstärken sind bei FwH ohne rechnerischen Nachweis einsetzbar. Wenn eine stärkere Dämmung gewünscht ist, sollte unbedingt gerechnet werden.
Ein U-Wert von 0,35 W/m2K ist lt. EnEv für Nichtwohngebäude vorgegeben; für Wohngebäude beträgt er 0,24 W/m2K.
Bei Denkmalschutz oder sonstiger besonders erhaltenswerter Bausubstanz müssen diese Werte nicht eingehalten werden.
Im übrigen greift die EnEV nicht bei Innendämmung.
Materialkosten (mit Kupferrohren) von 25€/m2 halte ich für unrealistisch.
Höhere Temperaturen (was auch immer AT darunter versteht) sind bei Flächenheizungen nicht angezeigt.





Danke für die bisherigen Antworten.
Bei den Kosten meinte ich die Kosten für den Einbau der Heizung mit der darunter liegenden Dämmung und dem Putz auf den Heizrohren.

Noch eine Frage zu Strohleichtlehmsteinen. Es gibt ja auch Dämmungen die mit einer gemauerten Strohleichtlehmstein innen vor die Wände gesetzt werden. Ist das auch eine gute Alternative?
Ingo



Strohleichtlehmsteine



Nur sinnvoll wenn du Masse zB zur Schalldämmung oder Speicherfähigkeit benötigst-
vom Dämmwert her viel schlechter als übliche Dämmstoffe und sehr unterschiedlich je nach Strohgehalt.
Zudem benötigen die eine stabile Auflage/Fundament und müssen vollflächig an die vorhandene Außenwand gesetzt werden, um Luftschichten und Hinterströmung zu vermeiden.

Also insgesamt aufwendig und nur in Ausnahmefällen empfehlenswert, dann aber nicht zur Innendämmung

Andreas Teich



Innendämmung mit Leichtlehmsteinen



Warum immer so aggressiv?
das läßt sich doch ganz einfach mit einem Blick auf die Herstellerangaben klären-zB Claytec, bei denen ich schon vor Jahren an Architekten- und Planerseminaren teilgenommen habe und deren Produkte ich kenne.

Vielleicht verrechnet sich der U-Wert-Rechner oder Claytec hat dort falsche Daten angegeben- wovon ich aber nicht ausgehe-
jedenfalls komme ich nur bei Eingabe der leichtesten Lehmsteine bei 115 mm Wandstärke auf einen U-Wert
von 1,39 W/m²K bei einem Gewicht von 80 kg/m²-
bei 60 mm Steico Internalplatten auf einen U-Wert von 0,6 W/m²K bei 9,6 kg/m² Wandfläche.

Irgendwie ergibt das nach meiner Berechnung einen 400% besseren Dämmwert der Holzfaserplatten bei einem Viertel des Gewichts (auf dieselbe Stärke bezogen)

wobei auch die Holzfaserplatten ebenso wie Lehmsteine mit Lehmmörtel angesetzt und verputzt werden können und kein separates Fundament wie eine Lehmsteinwand benötigen.

Aber schön wenn das trotz der Zusatzarbeiten in manchen Gegenden offenbar noch günstiger erstellt werden kann als eine HF-Platte zu befestigen.

Andreas Teich



Hallo Ingo,



für ein seriöse Kostenschätzung sollte das Gebäude bekannt sein, auch müssen die Arbeitsschritte, Techniken, Auftragsstärken und die Materialien festgelegt werden.

"Noch eine Frage zu Strohleichtlehmsteinen. Es gibt ja auch Dämmungen die mit einer gemauerten Strohleichtlehmstein innen vor die Wände gesetzt werden. Ist das auch eine gute Alternative?"
Nicht wirklich! Die Materialkosten sind recht hoch, die Lasten müssen sauber abgetragen werden.....

Grüße Gerd



Randbedingungen II



Ein Konzept für die energetische Sanierung eines Gebäudes muß immer die baukonstruktiven Randbedingungen berücksichtigen: Untergrund, Bauteilaufbauten/Materialien, vorhandene/nicht vorhandene Bauwerksabdichtungen (siehe Bild Baust), Feuchtebelastungen, mechanische Belastung, gewünschte Oberfläche etc.

Die Dämmmaterialien die dann tatsächlich, nach einer Bauaufnahme vor Ort, als bauphysikalisch und baukonstruktiv passend ausgewählt werden, können auch, je nach Einbausituation, unterschiedlich sein.

Diese Zusammenhänge müssen beachtet werden. Die Vorauswahl von Dämmmaterialien bleibt sonst akademisch bzw. ist lediglich eine spontane Assoziation.

Sog. Strohleichtlehm hat andere Qualitäten; hervorragende Dämmeigenschaften gehören nicht dazu. Zudem muss die Last der Vormauerschale statisch berücksichtigt bzw. separat abgefangen oder gegründet werden.



Innendämmung mit Wandheizung



Ihr habt jetzt wohl weitestgehend alle Infos?

Wenn du den Wärmebedarf ausrechnen kannst anhand der U-Werte der Außenwände inkl Fenstern, des Bodens und ggf der Decke zu ungeheizten Geschossen
kann in Abhängigkeit von unterschiedlichen Vorlauftemperaturen die jeweils benötigte Wandfläche für die Wandheizungsregister angegeben werden.
Daraus berechnen sich die Kosten.
Bei Wandheizungen sind im Gegensatz zu Fußbodenheizungen im Bedarfsfall höhere Vorlauftemperaturen möglich.
Deren Höhe hängt aber vom Heizsystem ab-
besonders bei Wärmepumpen und Brennwertgeräten sollten die möglichst niedrig sein.
Große Wandflächen sind aber im Verhältnis erheblich günstiger gegenüber kleinen mit Fenstern, Laibungen etc
Zur Kostenschätzung werden also die U-Werte und die Maße der Außenwände mit Fensteröffnungen benötigt.

U-Werte und Wärmebedarf kannst du bei korrekter Eingabe auch selbst mit dem U-Wert.net-Rechner ermitteln- ggf dort im Forum nachfragen

Andreas Teich