Erfahrungen und Vorschriften für Schornstein -

30.09.2020


Hallo liebes Forum,

wir haben ein kleines Problem mit unserem Bezirksschornsteinfeger - nun ja, eher verschiedene Meinungen zu unserem Kamin - und das von mehreren Bezirkschornsteinfegern!

Was würdet Ihr jetzt machen?

Also ganz von vorne:

Der Schornstein ist derzeit ungenutzt und ohne Feuerrungsanlage, da wir Infrarot als Heizung nutzen. Nach einer Umräumaktion haben wir nun aber einen schönen Platz im Wohnzimmer frei, wofür wir uns einen 6KW Kamin mit Sichtfenstern ausgeschaut hatten.

In der Vergangenheit (anderes Haus, anderer Bezirksschornsteinfeger, der seinen Kehrbezirk mittlerweile verloren hat) Probleme mit dem Bezirksschornsteinfeger hatten, haben wir recht guten Kontakt mit einem anderen BZF (Bezirksschornsteinfeger ) aus dem Nachbarlandkreis.

Er ist aus Bayer, wir sind in BW.

Ihn haben wir zuerst geholt, und ihn gefragt ob der Kamin noch zieht, ob er in Ordnung ist usw. Er hat uns sehr gut aufgeklärt, was wir bei einem Neuanschluss zu beachten haben (Abstände, brennbares Material usw.) und hat den Kamin mit Teleskopspiegel an mehreren Anschlüssen kontrolliert und von außen mal angeschaut.
Kamin sähe noch gut aus, zieht und kann genutzt werden. Einzige Kritik: Durch nur einen Ofen an einem alten gemauerten Kamin kann es zu Feuchtigkeit im Kamin kommen - auf lange Sicht. Und die Verschlusskappen würde er zumauern - das ist aber nur eine persönliche Empfehlung, rechtlich würden die Metallkappen ausreichen

Nun haben wir "unseren" neuen BZF angerufen und vor Ort geholt. Der hat sich alles nur kurz angeschaut, mal in eine Klappe mit der Taschenlampe geleuchtet und das wars.
Ergebnis:
Kamin sähe schlecht aus
Es MUSS ein Edelstahlrohr eingezogen werden (um Zug zu stärken, da nur ein Kamin angeschlossen wird, und wegen Brandschutz)
Es MÜSSEN die Anschlüsse zugemauert werden
Durch mehrere Anschlüsse (alter Kamin, also 8 Anschlüsse auf 3 Etagen) könnte die Statik von einem Kamin beeinträchtigt werden


Also wieder in Bayern angerufen. Der ist natürlich komplett Baff von der konträren Sichtweise, und ruft erst einmal einen Kollegen an, der bestätigt aber seine Einschätzung nach Schilderung:

Metallkappen reichen aus (steht auch so in der KÜO BW)
Edelstahlrohr hat auf Grund der glatten, engeren Bauweise einen besseren Zug, bringt aber nix beim Brandschutz. Und der Zug reicht aus
Kamin sah noch völlig in Ordnung aus, also NICHT sanierungsbedürftig.

Er ruft nun noch eine Kollegin aus BW (anderer Nachbarkreis) an und wartet dort auf Rückruf.


Wir haben also drei Meinungen, die unterschiedlicher nicht sein können. ich überlege, ob ich nun auch noch die Kollegin aus BW herhole, damit ich eine vierte Meinung bekommen, und dann den zuständigen BZF damit konfrontiere, oder wie ich die Sache angehen soll.
Gibt es einen Gesetzestext / DIN Norn in der steht, ab wann ein Schornstein mit Edestahlinnenrohr ausgestattet werden MUSS?

Der BZF aus Bayern meinte, wir sollen den Kamin so abnehmen lassen, dann muss der zuständige BZF schriftlich begründen, warum er die Abnahme verweigert. Er kann sich nicht erklären., was das Problem sein soll und würde gegen den Bescheid dann an unserer Stelle vorgehen - nur habe ich eigentlich keine Lust auf den nächsten Prozess im Baurecht, davon hatte ich gefühlt mehr als genug....



Schornstein



Letztendlich muss Euer Bezirksschornsteinfeger für seine Entscheidungen geradestehen und genau da kommt es stark auf Vertrauen an. Kleines Beispiel: Wenn Ihr auf 3 Stockwerken 8 Anschlüsse habt, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie nicht die heute erforderlichen Abstände haben. Zwischen zwei Anschlüssen müssen wenigstens 30 cm Höhenunterschied sein. Schornsteinfeger A geht im guten Vertrauen davon aus, dass die anderen Anschlüsse nicht genutzt werden und genehmigt Verschlussstopfen aus Blech. Schornsteinfeger B hat dieses Vertrauen nicht und besteht auf einem dauerhaften Verschluss, damit gar niemand mehr auf die dumme Idee kommen kann, dort eine Feuerstätte anzuschließen.

Dass der Brandschutz durch ein VA-Rohr nicht erhöht wird, halte ich für schlichtweg falsch. In einem VA-Rohr kann sich Glanzruß nur schlecht und vor allem nicht unbemerkt absetzen. In einem gemauerten Kamin können hingegen überall Risse und Ausbrüche entstehen, die sich mit der Zeit mit Glanzruß füllen und unmerklich zum Risiko werden. Unser Schornstein war laut Schornsteinfeger auch noch gut, doch dann durfte ich feststellen, dass im ersten Stock an zwei Stellen der Mörtel zwischen den Backsteinen bis hinter den Putz weggebrannt war. Diese Stellen waren von innen nicht zu sehen, da sie im Laufe der Zeit mit Ruß zugesetzt waren.

Spätestens, nachdem ich beim Sanieren der Decken und Böden festgestellt habe, dass der Schornstein im Bereich der Fehlböden nicht verputzt ist und die Schüttung in den Böden teilweise aus Getreidespreu besteht, habe ich mich freiwillig für ein VA-Rohr entschieden. Die Kosten dafür sind im Vergleich zu einem Brand lächerlich.

Da der Bezirksschornsteinfeger einen Entscheidungsspielraum und damit das letzte Wort hat, ist es grundsätzlich ratsam, einemöglichst vertrauensvolle Beziehung zu ihm zu schaffen. Unser Schornsteinfeger kam mir schon in einigen Punkten entgegen, weil er gemerkt hat, dass ich ihn und seine Arbeit respektiere und ihn eher als jemand betrachte, der für meinen Schutz sorgt. Ob das bei Euch allerdings nach der Geschichte noch zu kitten ist, da habe ich meine Zweifel.

Viele Grüße
Tilman



Schornstein



Meine 3 Schornsteine haben mir auch 2 Jahre lang kopfzerbrechen bereitet. Glanzruß, Versottung, maroder Schornsteinkopf, 1 Radladerschaufel voll mit Ruß im Zug.
Ich hab alles schön vorbereitet, beigeputzt, Verfugt, neue Klappen eingemauert, neue Muffen, einmal selber mit Schornsteinbesen gereinigt. Dann den Mann in Schwarz angerufen, und mitgeteilt, dass er bitte meinen neuen 350 EUR Küchenofen abnehmen möchte. Er wusste auch, dass ich alles selbst gemacht habe.
Ergebnis: alles super, hat mich gelobt, aber eine neue Muffe im OG mit Blechdeckel, die ich als Option für später eingebaut hatte musste ich wieder rausklopfen und zumauern. Seiner Aussage nach hatte er den Fall erlebt, dass ein Schrank vor so einem Deckel angesengt wurde. Ich hab es zugemauert, verptzt, Beweisfotos gemacht und ihm gesendet. Fall erledigt.



So sah der aus


So sah der aus

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