Erfahrungen mit Stelzlager als Balkenauflage für Boden im EG

14.07.2016 Nugman



Hat hier im Forum jemand Erfahrungen mit der Verwendung von Stelzlagern (aus dem Terrassenbau) als Auflage für die Lagerbalken des Fußbodens im Erdgeschoss eines Fachwerkhauses?

Bisher lagen die Lagerbalken im Sand bzw. in der Schlacke. Wir haben ca. 30 cm tief ausgegraben, und nun möchten wir die Balken eben auf solchen Stelzlagern befestigen, da sich hiermit Höhenunterschiede sehr einfach ausgleichen lassen. Die gesamte Bodenfläche wollen wir dann mit Kalksandsplitt ca. 5 cm hoch auffüllen. Darauf eine Dämmung aus Holzweichfaserplatten (40 mm). Der Fußboden soll dennoch hinterlüftet bleiben, so dass sich zwischen den Eichendielen als Bodenbelag und den Faserplatten ca. 5 cm. Hohlraum befinden. Auf Beton oder Estrich wollen wir verzichten, da als Feuchtigkeitsschutz nicht notwendig.

Gibt es Erfahrungen mit einem solchen oder ähnlichen Bodenaufbau?



Fußbodenaufbau



Keine gute Idee, weder das mit den Stelzlagern noch das mit dem ungedichteten, knarrenden Fußbodenaufbau und dem Hohlraum der einen prima Kondensatfänger ergibt.

http://ingenieurbüro-böttcher-asl.de/fussboeden.html



Warum abdichten?



Zunächst danke für Ihre Antwort. Aber warum muss der Boden abgedichtet werden? Das war er die vergangenen 200 Jahre auch nicht. Und wie gesagt, es gab und gibt kein Feuchtigkeitsproblem - der Holzwurm war der Übeltäter. Um den Hohlraum unter den Dielen zu vermeiden, könnten wir die Dämmung ja Plan bis unter die Dielen legen. Hängt das mögliche Knarren nicht auch vom Abstand der Lagerbalken ab??
Da der Aufbau in der Tat unkonventionell ist, suche ich weiter nach Menschen, die mir ihre Erfahrungen mitteilen können...



Fußbodenaufbau



Sie verwechseln da etwas.
Vor zweihundert Jahren gab es andere Lebensgewohnheiten, selbst Ihre Lebensgewohnheiten ändern sich. Für solche Systeme die sich in einem labilen physikalischen Gleichgewicht befinden genügen schon geringe Änderungen um zu versagen.
Außerdem, was hat Ihr Aufbau mit dem Altbestand zu tun?
Der ist völlig anders.
Ihre Heizungs- und Lüftungsgewohnheiten haben sich geändert.
Ob solche Aufbauten funktionieren hängt in erheblichem Maße von der Raumnutzung ab, der Heizung, der Wärmeverteilung...
Der Unterschied zwischen Schimmel oder nicht liegt in ein oder zwei Grad Oberflächentemperatur weniger und/oder ein paar Gramm mehr Luftfeuchte.
Zum Thema Stelzlager: Wie kommen Sie bloß darauf?
Die sind entwickelt worden um sie auf BETONDECKEN zu stellen. Nicht weil diese Decken krumm sind sondern damit man a)den Belag im Gefälle Verlegen und b) Wasser abführen kann.
Ich habe bei Ihnen nichts von einer Betondecke gelesen.
5 cm Luftraum unter der Dielung ist in etwa das Gleiche wie ein Kleiderschrank der 5 cm im Schlafzimmer vor einer kalten Wand steht. Wissen Sie was dann passiert? Ich habe sogar schon Schimmel auf der Wäsche im Schrank gesehen.

Ich empfehle Ihnen sich ein wenig in die Problematik einzulesen, deshalb mein link.
Übrigens kann schon das Ausgraben unter Umständen zu Schäden an der Bausubstanz führen, z.B. an Innenwänden. Deren Streifenfundamente liegen oft nicht besonders tief, wenn dann noch Lastumlagerungen durch Umbauten kommen....



Erfahrungswerte



Ich habe bei mir im Haus 2 derartige Böden entfernt.

In der Kammer/Abstellraum über dem Gewölbekeller waren Nadelholzbalken einfach in den Dreck (gestampfter Boden) gelegt und die Zwischenräume mit altem (Kalk-) Verputz aufgefüllt. Die Balken waren gut, aber bei 10 cm auf 4 Meter Gefälle nicht ganz zeitgemäß und der Dielenboden hatte teilweise Holzwurm. Ich vermute als Grund leichte Feuchtigkeit die wegen eines PVC nicht genügend abtrocknen konnte. Die Balken gingen durch die Wand und auf der anderen Seite im Flur war darüber "Sparbeton", also Splitt mit recht wenig Zement und darüber Terrazzo Platten. Da waren die Balken weitestgehend vermodert.

In der Küche war unter den Balken gestampfter Boden und die Zwischenräume mit Sparbeton ausgefüllt. Belag war teilweise wieder Dielenboden (mit PVC belegt) und Terrazzo wie man das früher in den Küchen so hatte. Die Balken waren von unten zu einem Drittel weich und angefault obwohl es sich um Eiche Fachwerkbalken in Zweitverwendung gehandelt hat die schon mehrer hundert Jahre auf dem Buckel hatten.

So was hält eben 50 bis 100 Jahre, bei mir hat es 60 Jahre funktioniert, und dann muss man es eben ersetzen. Es gab bei Umbauten ja immer genügend Holz das verwendet werden konnte. Aber auch früher war es nur in den seltensten Fällen dauerhaft.

So weit ich sehen kann ist der Boden im Wohn- und Schlafzimmer mit Holzbalken über einem normalen recht trockenen Keller noch tragfähig und trocken. Ich habe an ein paar Stellen geschaut und keine Probleme gefunden. Aber dieser Boden ist nach oben und unten diffussionoffen und im Winter zieht es durch alle Ritzen, da er nur unzureichend durch eine Schlackefüllung gedämmt ist.

Ich weiss nicht ob man sich so etwas antun muss.

Ich habe mich jedenfalls für eine zementgebundene Styroporunterlage und Zementestrich entschieden wie es der Estrichleger vorgeschlagen hat. Das hatte für mich auch den Vorteil, dass ich nicht bis zu den Wänden ausschachten musste und so die doch recht dürftigen Streifenfundamente lassen konnte. Ausserdem konnte ich alte Fundamente aus recht soliden Sandsteinquadern im Boden erhalten.

Gruß Herbert



60 Jahre funktioniert...



...das, lieber Herbert, hört sich gut an und würde mir auch völlig genügen. Ich habe ein sehr massives Streifenfundament, von daher gibt es mit dem Auskoffern keine Probleme. Aber ich werde mir das alles nochmals durch den Kopf gehen lassen. Fest steht jedoch: Beton oder Betonestrich kommen mir nicht ins Haus. Und zum Thema Lebensgewohnheiten: Die Vorbesitzer lebten zwar schon sehr lange in diesem Haus, aus dem Spätmittelalter aber stammten sie nicht. Und Schimmel oder ähnliches haben wir trotz der alten Bsusubstanz nicht entdeckt. Das klingt mir dann alles doch ein wenig zu akademisch, Herr Böttcher. Deshalb habe ich auch ganz bewusst nach Erfahrungswerten einer solchen Konstruktion gefragt. Die Lehrbücher, das weiß ich, gehen stets auf Nummer sicher: Folie und Beton...



Fußbodenaufbau



Liebe (r)
Nugman,
ich schlucke seit nunmehr fast 40 Jahren Baustellenstaub, als Maurer, Bauingenieur und als Sachverständiger. In dieser Funktion habe ich mir hunderte von Altbauten inklusive Fußböden anschauen können.
Das was Sie als "akademisch" bezeichnen sind nicht nur meine Erfahrungen sondern die anderer Fachleute, Wissenschaftler wie Praktiker.
Natürlich hindert Sie das nicht daran, Ihre eigenen Erfahrungen zu sammeln.
You consider the blancmange by eating.
Außerdem verdiene ich mit der Begutachtung solcher Heimwerkerlösungen einen Teil meines Honorars als Sachverständiger.



Expertise...



...lieber Herr Böttcher, ich möchte hier ja keinesfalls Ihre Expertise in Frage stellen. Allerdings stelle ich in diesem Forum immer wieder fest, dass Sie beim Thema Bodenaufbau stets reflexartig auf die Verwendung von Beton (Sauberkeitsschicht etc.)hinweisen. Und das möchten wir ja gerade nicht. Die im Forum immer wieder zu lesenden meist pauschalisierten Bedenken kenne ich und bin mir deren auch bewusst. Dennoch bin ich auf der Suche nach alternativen Lösungen. Wenn Sie also einen konkreten Vorschlag zum Bodenaufbau ohne (!) Beton, Estrich und Folie haben, bin ich sehr dankbar. Haben Sie?





Wenn du die Beiträge kennst, warum die dämliche Frage? Bau dein Biotop. Wenn der Boden glatt und eben ist und die Abdichtung nicht perforiert werden kann, kannst du auf die Sauberkeitsschicht verzichten.
Du kannst auch statt dessen Kalk, Gußasphalt oder Lehm nehmen, falls du Angst vorm bösen Beton hast. Macht aber eben null Sinn weil zwischen deinem Wohnraum und dem Boden eh die Abdichtung gehört.





Ich kenne die Bedenken von Herrn Böttcher. Aber im Forum gibt's sicher noch weitere Mitglieder, die nicht der Betonfraktion angehören. Ich habe übrigens die Erfahrung gemacht, dass es keine dämlichen Fragen gibt, nur dämliche Antworten. Aber trotzdem danke für den konstruktiven Part Ihres Statements.



Fußbodenaufbau



Wenn Sie sich die Mühe gemacht hätten meinem Link nachzugehen und den Beitrag über Fußböden zu lesen hätten Sie auch andere Aufbauvarianten gefunden.
Ich empfehle Fragestellern immer die Variante die nach deren Angaben m.E. die effektivste Lösung ist und nicht weil ich ein Verfechter von Beton bin.
Zum Schluß noch etwas das mich interessiert:
Was stört Sie an einer Sauberkeitsschicht von ein paar cm Beton?





Wir versuchen, das Haus strikt unter Nachhaltigkeitsaspekten zu renovieren: Gefache werden mit Lehmsteinen ausgefacht, als Putz für außen verwenden wir Kalkputz aus selbst gelöschtem und gelagertem Sumpfkalk, innen gleichen wir die Wände mit Strohlehmgrundputz aus (teilweise unter Verwendung des zuvor an anderer Stelle entfernten ursprünglichen Lehms), dämmen mit Holzweichfaserplatten, Streichen mit Kaseinfarbe und, und , und. Da ist es doch sicher auch nachvollziehbar, dass wir auch den Boden unter Nachhaltigkeitsaspekten möglichst mit natürlichen Baustoffen aufbauen möchten. Natürlich soll er über längere Zeit Bestand haben, und Ihr Hinweis auf den Hohlraum und die dadurch mögliche Kondensatbildung ist wichtig und lässt mich über weitere Lösungsmöglichkeiten nachdenken.



Fußbodenaufbau



Also ideologische, keine objektiv- technischen Aspekte. Stelzlager aus Polyäthylen sind gut, Zement ist schlecht.
Bei solchen Glaubensfragen halte ich mich nicht für zuständig.



...



das nehme ich so gerne zur Kenntnis ;-)



Ja



da haben wir sie wieder. Diejenigen, die sich was im Internet zurecht lesen, Freunde und Bekannte fragen, selbst am Objekt rumfurwerkeln und dann der festen Überzeugung sind das sie nun wissen wie es geht. Weil nämlich nur sie allein die Physik und Chemie zu überlisten wissen und sowieso alles viel besser beurteilen können als Profis, die täglich am Objekt stehen und ihr Fachwissen durch praktischen Einsatz vertiefen.
Deswegen wissen sie auch, dass ein Stelzlager durchaus geeignet sein könnte Lasten aufzunehmen für die es gar nicht entwickelt wurde, oder warum betrachten sie diese Möglichkeit sonst als Lösung für ihr Problem?
Und dann wissen sie auch, dass es natürlich funktioniert wenn sie Ihre Immobilie wieder so sanieren wie sie einst erbaut wurde. da würde mich mal interessieren welche Art von Fenstern verbaut sind oder werden und ob immer noch mit Holz geheizt wird?
Aber lassen wir das. Schließlich haben wir ja alle keine Ahnung.
Wozu denn bei der Lösungssuche Bauphysik und Bauchemie beachten, wo das doch sowieso alles Zauberwerk der Betonfraktion ist.
MfG
Chris Heise