Feuchtigkeit in Bruchsteinmauerwerk

02.09.2010



Hallo,
erstmals Lob für ein lebendiges und kompetentes Forum.
Ich wende mich heute an Euch, da wir als Laien überlegen, ein älteres Haus zu kaufen, das offensichtlich Feuchte Mauern hat. Das Haus ist in den 20' gebaut worden, als Rechteck 10x12 m auf ebenem, bewaldetem Grundstück. Es hat nur einen kleinen Kellerraum wo die Wasserleitung ins Haus steigt. Die Mauern sind aus Bruchsteinmauerwerk, 50 cm dick. Vom Grund bis ca. 2 m Höhe ist die Außenwand umlaufend (an alle 4 Seiten) feucht. Der sandigfarbenen Putz und die weiße Fassadenfarbe zeigen nach unten hin zunehmend Schäden. Eine Innenbesichtigung ist mir nicht möglich. Der Erdgeschoss wird bewohnt. Weiß jemand, wie die Feuchtigkeit in die Wand kommen kann und ob Abhilfe möglich ist?



ja !



auf Deine pauschale Frage kann es momentan nur diese Antwort geben - die Feuchtigkeit kommt über das Erdreich und die Fugen zwischen den Bruchsteinen. Aber auch ein gewisser Anteil durch Kondensat ist möglich. Abhilfe ist möglich.
Genaueres kann man aber nur sagen, wenn man sich das vor Ort ansehen kann. In deiner jetzigen Situation werden wir dir keine verbindlichen Ratschläge geben können.



Danke



Das ist schon mal gut zu wissen, danke für die Antwort. Hoffentlich müssen wir nicht das Haus hochheben dafür... gerne würden wir dann noch eine Wärmedämmung außen anbringen. Aber die macht ja nur dann Sinn, wenn das Haus ganz trocken zu bekommen ist...





Hallo,

der ausgeprägte Verdunstungshorizont spricht dafür, dass eine horizontale Abdichtung vollkommen fehlt. Die kann man im Bruchsteinmauerwerk eigentlich nur über Bohrlochtränkung hineinbekommen. Diese ist unbedingt durch Spezialfirmen zu machen, weil Laien und Gelegenheitsabdichtern die Kenntnis zu den speziellen Polymeren fehlt, die man hier braucht. Deswegen trauen Sie auch keinem, der Ihnen ein Patentrezept anbieten will nach dem Motte: "Die Porosowieso-Lösung ist ideal". Lassen Sie sich regionale Referenzen zeigen.

Ich rate von elktrophysikalischen Wundern ebenso ab wie von Seilsägeverfahren, die die Statik gefährden.
Einzige Alternative wäre das manuelle Herauslösen kleiner Bruchsteinpartien und ersetzen durch vermauerte Kanalklinker, die in eine Bitumenbahn gesetzt werden: mindestens G 60 überlappend. Dafür brauchen Sie Wochen. aber es geht.

Grüße vom Niederrhein



Wasser ist Leben



sagen die Einen - die anderen haben Angst davor und geraten in Panik.

Feuchte Wände sind und waren kein Problem von Teerpappen oder Injektionen sondern meist von falschen Materialien.

Wenn man zum Herstellen brauchbarer Wände Teerpappe und oder Injektionen etc. bräuchte, wären sämtliche Wasserschlösser und Burgen schon nicht mehr vorhanden.

Richtige Baustoffwahl und gute tradierte Handwerkskunst haben noch nie geschadet - ebenso wie fachkundige Planung einer solchen Maßnahme.

gutes Gelingen

FK



Herr Kurz. Nun so einfach ist das, man braucht doch nicht im Erdgeschoß zu wohnen...



..da kann man ja auch seine Kohlen und die Kartoffeln lagern.
Wenn Sie das unter Planung verstehen...?
Ich würde erstmal nachfragen welcher Art der Naturstein ist und auch ob dieser überhaupt saugfähig.
Daraus abgeleitet würde ich einen Vorschlag z.B. einer ordentlichen Bestandsaufnahme wie im Merkblatt der WTA beschrieben - und der notwendigen Untersuchungen verfahren.
.
Also erstmal prüfen!
Ist es tatsächlich aufsteigende Feuchte oder doch nur Tauwasser?





@FK

Sie geraten ja richtig ins Schwimmen.

Grüße



Herr B. - Sie haben recht!



Kartoffellagerung als Vorschlag von Ihnen - Super.

Spass beiseite.

Wenn es nach Ihnen ginge, müsste alles wie im Merkblatt der WTA beschrieben nach Norm, Papier und Vorschrift gehen.
Der Ansatz ist sicher legitim - aber nicht immer praktikabel - vor allem wenn es um alte Häuser geht.

Was hilft es dem Bauherrn, wenn im DIN-Blatt oder im WTA-Merkblatt ein Denk oder Systemfehler steckt?

Nichts!

FK





Hallo Ela,



Tante Google sei dank nehme ich an es handelt sich um das Haus in A., das in der Zwangsversteigerung steckt und das es deshalb auch nicht zu besichtigen ist.
Ich vermute die hier anzeigenstellende Bank ist in diesem Falle gleichzeitig der Gläubiger. Das Haus wird zu 100% des gerichtlich festgesetzten Verkehrswertes angepriesen ... in der Versteigerung selbst dürfte das Ganze etwas günstiger zu haben sein.
Vielleicht liest Du Dich einmal in den Komplex der Zwangsversteigerungen, die 7/10 und 5/10 Regelungen ein.
Auch zu beachten ist, dass manche Schuldner das Haus nicht freiwillig verlassen werden wollen und beispielsweise Vollstreckungsschutz beantragen können, kurz, dass kann eine langwierige Geschichte werden und erst nach der Räumung wirst Du Dir ein Bild über den tatsächlichen Zustand des Hauses machen können.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



nach aktuellem Kenntnisstand



Vielen Dank an alle, die sich hier das Thema annehmen, wobei ich als Laie ja hoffe, daß die Diskussion ja nicht zum Streit unter Fachleuten ausartet, sonst komm ich ja gar nicht mehr mit ;-)

Wie Herr Kornmayer bereits vermutete, es ist eine Zwangsversteigerung, und keine Besichtigung innen oder auf dem Grundstück möglich. Es ist mir nur bekannt, daß gleich in der Nähe Kalkstein abgebaut wurde. Man könnte annehmen, daß der Kalkstein ja gleich am Bau verwendet wurde, ist allerdings nicht nachprüfbar. Hat jemand hier Erfahrung mit der - einfachen - Bauweise in den 20'?... angenommen, es sind Kalksteinmauern, 50 cm dick, ohne Horizontalsperre, ebenes Grundstück, Gebäude Außenmaß 10x12 m, umlaufend bis in ca. 2 m Höhe feucht, und angenommen, die sanierungswillige Bauherrin ;-) hat viel Zeit und Muskelkraft, und möchte ein gegen die Erdfeuchtigkeit dichten Erdgeschoß bewohnen (also nix mit Kartoffeln da, höchstens Couchpotatoes): welche Möglichkeiten sind sinnvoll und was würden sie grob geschätzt kosten? An den Zustand der Bodenplatte möchte ich jetzt noch gar nicht denken ;-)



abgestimmte Kalkmoertel



Hallo,
so wie ich es sehe ist es aufsteigende Mauerfeuchte.
Neben den diskutierten Verfahren tendiere ich auf sogenannte Kalk-Entfeuchtungsputze mit einem hohen Porenvolumen, wie z.B. Hessler Kalk HP9SL, klimasan-I, RÖFIX Hydraulkalk-Sockelputz oder selber mischen. Vorteil: egal mit welcher Loesung werden Sie einen neuen Moertel benoetigen. Im Innenbereich haben sie dann gleich ein Raum- und Feuchtigkeitsregulierenden Putz. Risiko: bei starker Versalzung kann es erneut zu Salzausbluehungen, wobei es meist genuegt die ausgetretenen Salze vor der Applikation des Oberputzes abzusaugen. Schauen Sie doch mal bei Egginger-Naturbaustoffe in Malching vorbei. Dort koennen Sie auch in einer alten Stallung an der Nordfassade einen Kalk-Leichtmoertel und innen einen Lehm-Moertel mit Wandheizung in Augenschein nehmen (ad Lehm: ich hab Ihn gewarnt aber es scheint groesstenteils zu funktionieren).
Fuer den Fussboden plaediere ich wie immer fuer einen Kalk-Boden (Beispiele sehen Sie in meiner Bildergalerie). Einen Verarbeiter hierzu gibts in Regenburg, M. Dorrer Terrazzowerkstatt.
Gruss Norbert Hoepfer



Moin Ela,



du kannst das Haus doch besichtigen: Einfach klingeln und fragen.....kennenlernen wirst du die Leute sowieso, also warum nicht gleich?

Wenn die dir nur stinksauer die Tür vor der Nase zuknallen, brauchen wir uns dieses Jahr auch nicht mehr mit deiner Frage zu beschäftigen.......

Gruss, Boris



Guten Morgen (gute Nacht) Boris,



es ist gut, daß wir uns jetzt mit der Frage beschäftigt haben, denn von Eurer Ermutigung und Rat zur Sanierung hängt viel von meiner Überlegung, dieses Haus zu kaufen. Vielen Dank nochmal, an alle die sich zum Thema Gedanken gemacht und mir Wege aufgezeigt haben.