Faulige Balken - Ersetzen durch Holz oder (im speziellen Fall) durch Ziegel?

05.04.2012



Hallo liebe Fachwerksweise,

als chronische Altbaumieterin bin ich auch in der Vergangenheit schon öfter in dieses interessante Forum „gestolpert“ – jetzt sind wir vor kurzem etwas überraschend tatsächlich Eigentümer geworden, und damit steigt die Zahl der Fragen exponentiell…

Bei unserem Häuschen handelt es sich um eine um 1880 mit Sichtfachwerk (Nadelholz, Vollziegelausfachungen) erbaute Scheune, voll unterkellert, auf einem massiven Sandsteinsockel. Sie wurde 1903 zum Wohnhaus umgebaut, im EG außen verputzt und im DG mit Schieferschindeln versehen.

Der Vorbesitzer hat 2003 mit der Sanierung begonnen, konnte sie aber nicht beenden. Gekauft haben wir das Haus quasi im Rohbauzustand, die Innenwände größtenteils vom Putz „befreit“. Die Außenwände waren fast vollständig mit einer Innendämmung (Holzfaserplatten hinter Rigips bzw. „Lamberie“) verkleidet.
Wir wußten:
- Der Vorbesitzer hat zwar viel in Eigenleistung gemacht, aber ein Architekt war involviert.
- Der Zustand der Balken in den Außenwänden wurde offensichtlich kontrolliert (Fotos von Wänden mit altem Putz, Balken draufgezeichnet, neuralgische Punkte nach „Probebohrungen“ neu verputzt)
Also hatten wir die leise Hoffnung, um große Überraschungen herumzukommen. Aber ein paar Stellen am Rand der Dämmung warfen Fragen auf, und wir fingen an, abzubauen und nachzubohren…
Jetzt wissen wir:
- Es gab auch Außenwände, an denen sämtliche alten Wandbeläge, sogar Teppich auf Styropor und die alten Bad- und Küchenfliesen, unter der Dämmung belassen wurden. Und genau dort wurde der Zustand der Balken nicht geprüft.
- Wo die Überprüfung Unschönes gezeigt hat, hat man die Augen – und die Löcher – einfach ganz schnell wieder ganz fest verschlossen…

Fazit:
Wir haben in allen Außenwänden im Erdgeschoss Balkenfüße und Schwellriegel gefunden, die nochmal vom Fachmann begutachtet werden müssen, ob sie bleiben dürfen. Einige müssen mit Sicherheit ersetzt werden. Und im ehemaligen Bad, zu allem Übel dem Raum über dem feuchtesten Kellerraum (leichte Hanglage), sind in einer Wand Ständer und Riegel bis über einen Meter hoch völlig vermodert, in den Resten hausten die Ameisen. Die Abrissempfehlungen häufen sich...
Für uns natürlich keine Option, neu kann jeder ;-)

Also zur eigentlichen Frage, für dieses Mal:

Normalerweise würde ich sagen, ein Fall für den Zimmermann, und die schadhaften Balken austauschen bzw. reparieren lassen. Aber da es sich bei unserem Haus ja um einen Umbau handelt, ist das Ganze etwas „verbastelt“, und alle Innenwände im Erdgeschoß sind bis auf die Türdurchbrüche reine Ziegelmauern. Zudem ist das Problem mit der Feuchte in den Wänden offenbar nicht neu, und in der Vergangenheit wurden die Balken nicht ersetzt, sondern gekürzt oder entfernt, und die Hohlräume einfach ausgemauert. Schwellriegel gibt es an mehreren Stellen nicht mehr (durchgehende Schwelle gab’s noch nie). Das Gesamtsystem der Fachwerkkonstruktion ist also schon durchbrochen.
Abgesehen davon, dass wir natürlich das Feuchteproblem angehen müssen – was würdet ihr empfehlen:
Die fauligen Balken handwerksgetreu durch Holz zu ersetzen?
Oder im in der Gegend anscheinend nicht unüblichen System (beim unsanierten Nachbarhaus auch zu sehen) zu bleiben und einfach das Holz durch Ziegel zu ersetzen? Das wäre dann auf Dauer vermutlich bis zur Höhe des ersten Riegels, damit würde diese Ebene quasi zur neuen Schwelle. Nicht die Lösung, die mir gefallen würde, aber vielleicht macht sie Sinn, falls sich das Problem mit der Feuchte nicht vollständig beheben lässt?

Ich würde mich freuen, schonmal ein paar Meinungen zu hören, bevor ich bei entsprechenden Firmen anfrage, hilft bei der Einschätzung...

Viele Grüße und frohe Ostern!



lieber FW instandsetzen.



Wenn es denn früher eine Scheune war, so hat man beim Ausbau einfach die Wände eingezogen aus Ziegelmauerwerk. Für ein Fachwerk gab es wohl keine Veranlassung. DiE Holzbalken über den Türdurchbrüchen dürfte einfache Stürze sein, also auch kein FW.

Das FW ist m.E. als konstruktives Gefüge zu sehen. Es graust mich wenn ich ausgemauerte Schwellbalken und "verlorene" abgefressene Ständer einsam im Mauerwerk sehe.
Ich würde schon versuchen, weitestgehend wieder eine Schwelle mit eingezapften Ständern herzustellen. Diese muß ja nicht unbedingt auf Originalhöhe liegen. Man kann durchaus einige Ständer zurückschneiden und die übrigen kaputten anschuhen(zurückschneiden und wieder verlängern, also Balkenstücke anblatten), das Fundament darunter erhöhen, dabei gleich eine horizontale Feuchtesperre einbauen und eine neue Schwelle einlegen.
Angesichts des beschriebene Wandaufbaus würde ich auch die Ausführung derDämmung kritisch beäugen.Holzfaserdämmung in Kombi mit Rigips scheint mir seltsam.
Teppich Styropor und altes Fliesenwerk auf Holzbalken muß weg.Das Fachwerkmuß außerhalb des (Regen)Spritzbereichs und des Erdreichs liegen.
Gruß
Selle



Ferndiagnose ist immer fraglich



Hallo Kathrin,

das hört sich nicht so gut an, was Du schreibst. Das wird sicherlich eine längerfristige Angelegenheit werden. Die Innendämmung ist meinem Verständnis nach völliger Murks, ein Architekt war daran bestimmt nicht beteiligt. Das grössere Übel dürfte die Beseitigung der Feuchtigkeit sein.

Ob man die Balken durch Ziegelstein ersetzen kann, lässt sich per Ferndiagnose sicherlich nicht abschätzen.

Ich rate Dir dazu, einen Maurermeister und einen Zimmerermeister mit Erfahrung in der Restauration vor Ort zu befragen. Die können dir auch eine erste preisliche Einschätzung für die angestrebte Kernsanierung geben. Dürfte nach meiner Meinung im 5 stelligen Bereich liegen.

Wenn Du dich von einem Architekten beraten lassen willst, dann frag nach, ob die erste Besichtigung vor Ort umsonst ist, sonst wird es teuer.

Die Entscheidung, ob Kernsanierung oder Abriss vernünftiger ist, wird sich erst mit der Zeit und zunehmendem Wissensstand klären.

Trotzdem, nicht entmutigen lassen. Und viel im Forum recherchieren.

Frohe Ostern,

Dirk



Holz oder Stein...



Wie stark sind die betreffenden Außenwände,nur 12-14cm Fachwerk?
Falls ja,dann wäre eine regelrechte Schwelle nötig anstelle einfach gekürzter Säulen mit Riegeln dazwischen. Egal,in welcher Wandhöhe.
Wennschon massive,feuchtigkeitsbeständigere Außenwand,dann würde ich das Fachwerk bis zum Rähm der unteren Etage tauschen,welches dann als Schwelle fungieren würde. Die Deckenbalken sind schon aufgekämmt und das Ganze ab dort statisch und konsruktiv einwandfrei.
Allerdings müßte die Wandstärke ohne Fachwerk bestimmt mind. 24cm betragen (sagt mein Gefühl),bitte berechnen lassen!



einfach absägen



würde ich nicht, obwohl auch bei uns (Norddeutschland) viele Häuser so renoviert wurden und das wohl auch eine Weile hält.

Der Grund:
Wenn man das Holz kürzen bzw. absägen will, muss man ohnehin die betroffenen Felder komplett öffnen, das Tragwerk abstützen, absägen und dann die betroffene Wand neu aufmauern. Dann kann man das Holz gleich mit machen.
Erstens ist der Ersatz keinesfalls so aufwändig und teuer, wie man sich das als Laie vorstellt und andereseits ist das Ständerwerk beim FW-Haus ja das tragende Element.
Man hätte dann quasi unterhalb des ersten Riegels eine ganz andere statische Konstruktion und die Verbindung zwischen beiden dürfte nicht ganz ohne sein.
Die Riegel können jedenfalls nicht als Schwelle angesehen werden. Meist sind sie dafür nicht dimensioniert und die Verbindungen können nicht die auftretenden Kräfte aufnehmen. Die Stiele stehen dann quasi frei auf einer schmalen Mauer. Von den Streben, die ebenfalls wegfallen, ganz zu schweigen.
Ich würde empfehlen mal einen Zimmermann kommen zu lassen, der kann auf jeden Fall schon einmal seine Meinung sagen und auch en Angbot abgeben, dabei wird's aber nicht bleiben.
Wenn man sich die Sache vor Augen führt, ist wohl gerade dort, wo das größte Risiko für Schäden ist, nicht nachgesehen worden. Innen diverse Schichten von 'verbotenem' außen später aufgebrachter Putz, Nadelholz FW, da kommt schon einiges zusammen. Und wenn die Konstruktion bis auf 1m Höhe vergammelt ist, dann dürfte die Feuchtigkeitsbelastung nicht unerheblich gewesen sein.


Wie kommt denn eigentlich ein Keller unter eine Scheune, oder ist es das Untergeschoss, das hangseitig verschwindet?
Dann wäre zu prüfen, was mit dem Oberflächenwasser passiert, ob im 'Keller' mal das Vieh gestanden hat (Salzbelastung), Fallrohre etc.......
sonst wird die neue Wand bald wieder feucht sein.


Hier ist -glaube ich- ein Gesamtkonzept gefragt.



Gesamtkonzept ist sicher schlau...



Herzlichen Dank für die Antworten bis hier!

Kurz vornweg zur Beruhigung: Ich erwarte hier kein Kochrezept, nach dem wir im Alleingang wild „draufloswurschteln“ können. Und wir haben nur gehofft, nicht gerechnet, dass wir um Überraschungen herumkommen - und daher auch Geld und Zeit für die Sanierung reserviert.
Fachleute werden wir auf jeden Fall hinzuziehen bzw. ausführen lassen. Nur haben die ja auch unterschiedliche Meinungen. Da finde ich es einfach gut, schon im Voraus einige Argumente zu hören und in Ruhe drüber nachzudenken. Mir würde nach meinem Gefühl übrigens eine Wiederherstellung des Fachwerks am besten gefallen...

- Zu den Außenwänden: Ja, 12 cm plus Innen- und Außenputz bzw. im OG Schiefer. Nur das wie in die Westwand eingeschobene Treppenhaus ist bis oben 25cm-Mauerwerk.
- Zu den Innenwänden: Türdurchbrüche - hab mich falsch ausgedrückt. Man hat im EG für die Türen je zwei Ständer und einen Sturzriegel eingebaut, und den Rest der Wand gemauert. Im OG sind aber alle Wände bis auf das Treppenhaus „vollwertiges“ Fachwerk.
- Wandaufbau und Dämmung: Außenputz wurde 1903 beantragt, wohl um die nicht Wohnhaus-hübschen (mal eckigen, mal eher runden) Scheunenbalken zu verstecken. Der aktuelle Putz dürfte von 1958 sein, Kalk mit nicht allzuviel Zement.
Die Dämmung, Holzfaserplatten im Lattenrahmen und davor feuchteadaptive Dampfbremse und Rigips, ist nach meiner Info ein aktuelles System. Ist aber nicht so wichtig, es wurde seither nicht geheizt, und wir haben ja schon alle Wandbeläge bis auf den alten Kalk-Innenputz entfernt.

Zu Keller und Feuchte: Warum eine Scheune einen Keller hat, haben wir uns auch gefragt. Doof. Hab grad nochmal in die alten Pläne geguckt, und siehe da, Sandsteinsockel war schon da, Innenwände und Kappendecke wurden erst 1903 beantragt. Irgendein Boden könnte vorher schon dringewesen sein, das Scheunentor war auf Höhe EG. Aber Hinweise auf eine Verwendung als Stall haben wir bisher nicht (Schweinestall war extra).
Ich vermute, Hauptproblem ist das Gelände. Alle Grundstücke in dieser Ecke sind terrassiert, mit Stützmauern. Bei uns sind West- und Südwand bis zum Kellerfenster im Boden, im Norden steht der Keller frei. Trotz der Terrassierung gibt es über das gesamte Grundstück ein leichtes West-Ost-Gefälle.
Der Vorbesitzer hat bereits eine Drainage gelegt, und sie scheint zumindest zum Teil zu funktionieren. Der Keller soll früher sehr nass gewesen sein. Heute ist er für einen Sandsteinkeller ziemlich trocken - mit Ausnahme der Westwand. Denn dort kommt alles zusammen, und da sind auch die schlimmsten Schäden: An dieser Seite müsste das meiste Oberflächenwasser und evtl. auch Wasser aus tieferen Schichten, die bei der Terrassierung nicht begradigt wurden, ankommen. Auf die Drainage wurde aber genau dort wegen des Hauseingangs verzichtet. Und ausgerechnet dort waren im EG Bad und Küche, mit halbhoch gefliesten Wänden…



PS:



doch, Architekt war beteiligt. Gibt hier in der Gegend aber eine spezielle Sorte liebenswerte Dickschädel, die am Ende manchmal lieber doch nicht auf Ratschläge hören, wer weiß... ;-)