Aufsteigende Feuchtigkeit im Erdgeschoß

05.11.2011



Hallo Forum,

,meine Freundin und ich sind dabei ein Fachwerkhaus zu kaufen. Wir haben den Zuschlag mündlich schon erhalten und müssen jetzt noch die Formalitäten klären.
Alles schön und gut, bei meiner letzten Besichtigung stellte ich allerdings ein paar feuchte Stellen im Erdgeschoß fest, die ich bis dato nicht erkannt hatte, da nun das Haus besenrein leergeräumt ist und vorher ziemlich vollgestellt war. Nun mache ich mir Gedanken darüber und hoffe hier Hilfe zu finden.

Das Haus ist um 1800 errichtet worden, das steht jedenfalls so in einem Gutachten eines unabhängingen Gutachters. Diesen werde ich in der nächsten Woche auch noch anrufen und ihn nach den feuchten Stellen befragen und wie er zu seinem Ergebnis kam, ohne alle Ecken usw genau einsehen zu können. Es handelt sich übrigens "nur" um ein Wertfeststellungsgutachten.
Jedenfalls wurde bei dem Haus in der 1960ern das komplette Erdgeschoss unterfangen und das Fachwerk gegen Ziegelstein ausgetauscht, bis auf den Westgiebel und ca 4m der angrenzenden Nordseite, auf der Südseite wurde durchgezogen. Auf diesen 4m befindet sich ein unbeheizter Lagerraum. Nun habe ich im Flur Fuechtigkeit festgestellt.Fotos davon kann ich leider erst im Laufe der Woche einstellen .
Das Haus ist nicht unterkellert und es soll in der Gegend wohl nicht weit runter bis zum Grundwasserspiegel sein. Dafür spricht auch ein Brunnen auf dem Gelände, der das ganze Jahr Wasser führen soll. In diesen habe ich bisher noch nicht geschaut, da er erstens für mich persönlich nicht so wichtig war und zweitens mit Brombeeren zugewuchert ist.
Ich versuche es mit Worten.
Es ist eine Innenwand, an diese Ziegelwand wurden statt Putz Rigipsplatten geklebt. Diese sind jetzt ca 5cm von unten total feucht und schon zerbröselt. Als ich die Brocken herauspuhlte sah ich, dass man wohl zuerst die Platten an die Wand brachte und dann den Estrich auf den Boden brachte und dann Fliesen legte. Die Rigipsplatten verschwinden jedenfalls ca 5cm nach unten ab Fliesenoberkante. Ausserdem hat man durch die entstandene "Wunde" freien Blick auf die Ziegelsteine. Dort sieht man eine Lage Ziegelstein, der sich ebenfalls feucht anfühlt, dann eine Lage Dachpappe, dann wieder Steine. Über der Dachpappe sind die Steine trocken.
Ist es damit getan die Rigipsplatten zu entfernen und durch Putz zu ersetzen oder evtl Lehmputz? Oder den Estrich herauszunehmen, bis zu den Ziegelsteinen neu abdichten und dann wieder Estrich oder Dielen mit entsprechendem Aufbau des Bodens einzubauen?
Wie bekommt man sowas trocken? Ich habe hier im Forum diverse Möglichkeiten erlesen, die teilweise Scharlartanerie sind oder teilweise heftig diskutiert werden.
Es sind auch noch an zwei weiteren Wänden Rigipsplatten angebracht, ich vermute, dahinter sieht es nicht besser aus.

Desweiteren gibt es noch eine ca 30-40 breite und 15-20 hohe Stelle an der Ecke Nordwand-Ostwand, an der die Tapete und der Putz feucht sind. Der Ostgiebel wurde komplett bis in die Spitze gemauert und mit Holz verkleidet. Aussen wächst allerdings auch ein Holunderbusch, der eine Stammdicke von ca 20cm hat, vielleicht haben dessen Wurzeln ganze Arbeit getan....
Sollte es zum Kauf kommen, werde ich als erste Tat, nachdem ich eine Kiste Bier auf die Baustelle gebracht habe, den Busch entfernen :-)

Ausserdem habe ich überlegt, ob es sinnvoll ist, eine umlaufende Drainage um das Haus zu legen. Ist das überhaupt zu empfehlen, bzw nutzt es etwas, da man ja im Allgemeinen nur bis Unterkante Bodenplatte freilegt wegen Einsturzgefahr? Oder kann man die Drainage in einigem Abstand vom Haus dann 50-80cm (oder tiefer?) verlegen? Oder ist das alles Unnütz, weil das Wasser vermutlich von unten kommt? Ok, Aussagen zu Letzterem wären wohl nur Spekulation.

Fragen über Fragen.
Ich würde mich über Antworten und Vorschläge freuen.
Beste Grüße



wenn



Du das Haus gekauft hast, dann würde ich alle GK-Verkleidungen im EG weitestgehend entfernen. Dann sieht man erst mehr. Alles andere sind nur Vermutungen und nützen Dir jetzt wenig. Du willst ja erst kaufen. Außerdem ist es gut, von den betreffenden Schadstellen Fotos hier einzustellen. Noch besser - Fachmann vor Ort !



Drainage



Hallo Stephan,
Lassen sie das mit der Dränung.
Bei einem nicht unterkellerten Haus unnütz, aber bei unsachgerechter Ausführung gefährlich.
Die geschilderten Feuchteerscheinungen halte ich für peanuts, die ohne großen Auwand beseitigt werden können. Ehe Sie alles abreißen sollten Sie prüfen (lassen), ob der verbaute GK fachgerecht eingesetzt wurde. Dazu reicht ein Endoskop oder ab und an mal mit der Lochkreissäge ein Loch einschneiden. Das läßt sich leicht wieder schließen.

Viele Grüße



Fotos



Hallo,
danke schonmal für die Antworten. Mit Fotos kann ich wie gesagt erst morgen dienen. Diese befinden sich leider auf einer Speicherkarte in der Tasche meiner Freundin und diese ist zur Zeit 300km entfernt...

Aber ich habe Fotos vom Westgiebel hier. Dieser ist mit Bitumenwellplatten behängt und im Bereich Erdgeschoss/1. Stock ist ein Schleppdach angebracht, welches entfernt werden soll. Erstens, weil es sehr marode ist, zweitens, weil es in der Grundstücksgrenze liegt und bei Ausbau eines Lagerraums zu Wohnraum nicht weiter genehmigt würde.
Leider sehen die Felder des Fachwerks am Haus nicht gut aus. Teilweise ist der Lehm soweit herausgebröckelt, dass man das eingebaute Weidengeflecht sehen kann. Empfiehlt es sich, das Weidengeflecht zu erhalten oder alles zu entfernen und die Felder mit einer anderen Lösung zu füllen? (Wärmedämmung, trägt das Weidengeflecht zur Statik bei?)

Kennt jemand einen Fachmann in der meiner Nähe-sprich 37431 Bad Lauterberg? Würde doch gern jemanden vor Ort haben, der mich beraten kann. Fotos und Beschreibungen sind eine Sache, vor Ort Besichtigung eine andere...


@Herr Böttcher
was ist an der Dränung bei unsachgemäßer Ausführung gefährlich, das Aufgraben bis unter die Grundplatte?
Ich nahm an, dass eine Drainage das Wasser von der Grundplatte fern halten könnte. Aber da ich nur über Laienwissen verfüge, lasse ich mich gerne mit Fachwissen belehren.



Dränung



Hallo Stephan,
eine Dränung ist nur für einen bestimmten Lastfall (kurzzeitig drückendes Wasser bei Kellermauerwerk)sinnvoll und gedacht.
Bodenfeuchte können Sie damit nicht beseitigen.
Im Gegenteil, bei mangelnder Wartung oder Fehlern bei Planung und Bau haben sie eine Hausbewässerungsanlage.
Auch das Aufschachten birgt Gefahren; in Deutschland stirbt jedes Jahr mindestends ein wackerer Heimwerker beim Bau seiner Drainage, weil er die primitivsten Regeln des Arbeitsschutzes nicht kennt bzw. einhält.
Da Ihr Haus keinen Keller hat wäre diese Gefahr bei Ihnen wohl nicht so groß, dafür kann Ihr Haus schwere Schäden davontragen.
Vor 200 Jahren baute man keine Gründungsplatten sondern Streifenfundamente. Wenn Sie hier durch Aufschachten, auch einen halben Meter weg vom Fundament, den seitlichen Erdruck wegnehmen besteht die Gefahr eines partiellen Grundbruchs.
Streifenfundamente übertragen die Bauwerkslasten nicht nur über Sohlpressung sondern über Scherspannungen (Mantelreibung) und den passiven Erdruck des umgebenden bodens. Je tiefer das Streifenfundament, je höher ist der Anteil der Mantelreibung.
Stellen sie sich einen rostigen Hydraulikzylinder vor, der unten verschlossen sowie oben abgedichtet ist. Unter dem Kolben steht eine Ölsäule von einem Meter Höhe unter hohem Druck.
Was passiert, wenn Sie die halbe Seite des Zylinders wegflexen und dadurch die Reibung plötzlich fehlt?
Stellen Sie sich vor das Hydrauliköl wäre Boden unter hohem Druck, dem Sie die seitliche Stützwand wegnehmen. Er würde dahin fließen wo es keinen Gegendruck (passiver Erddruck) mehr gibt.
Fundament und damit Wand können so nach außen kippen.
Ob das so bei ihnen relevant ist weiß ich nicht, ich bin Ingenieur, kein Hellseher und kenne die konkreten Bedingungen wie Baugrund, Bauwerksgeometrie, Auflast usw. vor Ort nicht.
Allerdings kenne ich mehrere Fälle von Grundbrüchen, hervorgerufen durch dilletantisch ausgeführte Sanierungsmaßnahmen.
Also wozu eine sinnlose Maßnahme durchführen und dabei auch noch so etwas riskieren?

Viele Grüße





Oder lesen Sie auch hier zu Dränagen


Grüße
Oliver Struve



Das verstehe ich



Ok, die Ausführungen zur Dränung waren sehr ausführlich und einleuchtend beschrieben. Nun habe ich wieder etwas mehr über Fundamente gelernt.
Wenn es keinen Nutzen hat, braucht man auch nichts riskieren.

Hat noch jemand einen Tipp bezüglich eines Fachmanns im Raum Osterode am Harz oder angrenzend?



Fachwerkhaus



Es gibt für alles eine Lösung, teils preiswert, ausser für einen unüberlegten Kauf.