Entlüftung Sanitär im Neubau

01.03.2015



Hallo,

wirn haben vor fünf Jahren ein Holzständerhaus gebaut (von innen sichtbare Dachkonstruktion mit Aufdachdämmung ohne Spitzboden) und in einigen Wochen läuft die Gewährleistung ab. Uns stellt sich folgendes Problem: Wenn ich das Wasser meines Putzeimers in der Toilette des Gäste-WCs entsorge, gibt es ein schlürfendes Geräusch und der Geruchsverschluss der nebenliegenden Dusche wird leergesaugt. Sofort danach riecht es nach Kanal. Das gleiche Problem tritt teilweise auch durch Benutzung der Toilette und beim Ablassen der Badewanne im Hauptbad auf. Hierbei wird der Geruchsverschluss des Waschbeckens leergesaugt. Wir haben uns unser Dach angeschaut und können keine Entlüftungsrohre entdecken. Beim Bau des Hauses können wir uns (rückblickend) nicht an eine Dachdurchführung erinnern.
Unsere Sanitärfirma meinte, abschließend könne man dies nur durch Öffnen des Trockenbaus um die Vorwandinstallation beurteilen. Hausbaufirma und Installateur schweigen sich aus.
Inzwischen steht das gerichtliche Verfahren an. Da es sich bei diesem Problem finanziell um das größte auf unserer Liste handelt, möchten wir sichergehen, dass wir nichts übersehen haben. Gibt es andere Möglichkeiten der Entlüftung über Dach, die von außen nicht gleich sichtbar sind? Können wir die fehlende Entlüftung auf eine andere Weise überprüfen oder sind die Indizien ausreichend?
Ganz herzlichen Dank im voraus!



Lüftungsleitung



Verbindlich für die Planung und Ausführung von Gebäude-Entwässerungs-anlagen ist die DIN 1986-100. Die Lüftung der Leitung ist Pflicht, ein Verstoß oder ein komplettes Versäumnis ist ein schwerer Ausführungsfehler.

Grundsätzlich gilt in Deutschland immer noch, dass jede Fallleitung über Dach geführt werden muss. In Anlagen ohne Fallleitungen muss für die
Be- und Entlüftung der Grund- bzw. Sammelleitungen mindestens eine Lüftungsleitung DN 70 über Dach geführt werden. Innerhalb
der so belüfteten Leitungen sind die Anforderungen für Einzel- und Sammelanschlussleitungen einzuhalten.

So sind z.B. Stichleitungen, die nicht an die belüftete Falleitung angeschlossen sind und die eine bestimmte Länge überschreiten bzw. eine bestimmte Mindestneigung unterschreiten, durch Lüftungsventile zu belüften. Auch das steht in der DIN 1986-100.Sie sind so zu installieren, dass
sie im Falle eines Defekts ohne bauliche Maßnahmen ausgetauscht werden können, z.B. in Wandeinbaukästen in Trockenbaukonstruktionen / Vorsatzschalen mit Revisionsöffnungen Eine ausreichender Luftzutritt ist zu gewährleisten.

Lassen Sie sich von der Sanitärfirma diese Belüftungseinrichtungen nachweisen; Sie müssten z.B. auf Ihrer Rechnung aufgeführt worden sein. Zudem hätte die Dachdurchführung vom Dachdecker vorbereitet werden müssen. Die Sanitärfirma schließt daran nur an.

Wenn der Nachweis nicht gelingt, ziehen Sie einen Gutachter des Hzg-und Sanitärgewerkes (Innung) hinzu und kündigen Sie der Fa. vorsorglich den weiteren Einbehalt der Gewährleistungssumme/- bürgschaft an, die Sie hoffentlich vereinbart und vorliegen haben.



Danke



...für die ausführliche Antwort. Können wir davon ausgehen, dass, wenn wir keine Lüftungen (kleine "Schornsteine", anders geformte Dachsteine mit Öffnungen im Bereich der Bäder) auf dem Dach sehen, wir keine Entlüftung (über Dach, vertraglich geschuldet) haben? Spricht schon das Leersaugen der Leitungen dafür oder müssten die Probleme bei fehlender Entlüftung größer sein?
Den Tipp mit der Innung werden wir beherzigen.



Details



Der Lüfter über Dach müsste sichtbar sein (Dunstrohr / Formziegel), die Dachdeckerrechnung müsste den Einbau ausweisen. Das Leersaugen der Leitungen ist ein eindeutiger Hinweis auf die fehlende Lüftung, es sei denn in Ihrem Haus sind zusätzlich mehrere separate Stichleitungen zu einzelnen Ablaufstellen als nicht belüftete Einzelleitungen gebaut worden, die jetzt Probleme verursachen.
Die Sanitärfirma soll das Leitungsnetz in die Grundrisszeichnungen eintragen und vorhandene Lüftungseinrichtungen kennzeichnen, sofern vorhanden.



Baufirma



Leider kommuniziert die Baufirma nur noch in Form von "kann nicht sein" mit uns, der von der Baufirma beauftragte Installateur äußert sich überhaupt nicht. Daher sehen wir uns auch (leider) gezwungen, in das gerichtliche Verfahren zu gehen. Da die vorschriftsmäßige Nachrüstung neben anderen Mängeln, die sich zum Glück aber ohne große Umbauarbeiten abstellen lassen, wohl relativ kostspielig wird, reichen unsere Einbehalte nicht. Mit einer fehlenden Entlüftung hat schicht niemand gerechnet.
Nun noch eine kurze Frage: Reicht die Entlüftung über punktuell angebrachte Entlüfter aus? Müssen diese an jedem Abfluss angebracht werden? Reicht es bei unserem Problem, den Entlüfter ggf. am Waschbecken anzubringen? Wir möchten ungern nochmal Wände und Dach aufmachen (Aufdachdämmung). Desweiteren sind wie erwähnt weitere Mängel vorhanden, die unbedingt abgestellt werden müssen. Man könnte somit eine Grundlage für einen Vergleich schaffen, falls dies technisch auch sinnvoll ist.



Gutachter ...



Lassen Sie in diesem Fall direkt die gesamte Installation von einem ö.b.u.v. SV / Gutachter der Innung untersuchen. Sein Resumee ist entscheidend, nicht die Behauptungen der ausführenden Fa. Über weniger aufwendige Möglichkeiten der Nachrüstung kann dann der Gutachter befinden bzw. ggf. entweder selbst eine KOstenschätzung für die Sanierung vornehmen oder Ihnen ein neutrales LV erstellen, mit dem Sie Angebote seröser Firmen einholen können.

Wenn es auf eine gerichtliche Auseinandersetzung hinausläuft, müssen die Schäden/die Mängel erst einmal einwandfrei und eindeutig dokumentiert werden, bevor Veränderungen vorgenommen werden. Sonst haben Sie vor Gericht keine Chance auf Anerkennung der Schadenspunkte.

Also langsam und methodisch vorgehen und nichts überstürzen, auch keine schnellen und überraschenden LÖsungen der San-Fa. akzeptieren, die dann vielleicht doch noch kommen.



Rechtliche Würdigung



Hallo,

wir machen seit fünf Jahren damit rum, daher ist nichts überstürzt. Mann ist außerdem Rechtsanwalt :-)
Danke nochmal!



Nachtrag



Hab da noch ein Foto gefunden, von dem ich dachte, dass es nicht mehr vorhanden wäre. Könnte das Rohr in der Ecke Teil der fehlenden Entlüftung sein?

[pubimg]http://up.picr.de/21149336ae.jpg[/img]



ja...



... da hätte man die Entlüftung durch das Dach führen können.

Kann man auch noch, da wird natürlich der Innenausbau in Mitleidenschaft gezogen.



Entlüfter



Das Bild konnte ich nicht öffnen.
Es gibt aber Innenentlüfter in verschiedenen Durchmessern.
(Durgo, Dallmer, Marley..)

Bei Unterdruck durch abfließendes Wasser öffnen die , hinterher schließen die wieder.
Zu Wartungszwecken müssen die zugänglich sein.

Wenn allerdings Geruchsverschlüsse leergesaugt werden wird nichts verbaut worden sein oder es funktioniert nicht korrekt.

Ob es eine Lösung gibt bei geringem Aufwand das nachzurüsten müßte vor Ort überprüft werden.
Innenentlüfter können aber einfach in senkrechter Einbaulage auf das Ende einer Rohrleitung aufgesteckt werden.
Und es muß natürlich Luftaustausch möglich sein- also Fugen, Abdeckgitter etc vorsehen.
Wenn dein Mann RA ist schreib mir doch seine Mail an meine angegebene Emailadresse- du kannst auch ein Bild eurer Installation mailen.

Andreas Teich



Danke für die Antwort!



Das Bild lässt sich ohne IMG öffnen, also: http://up.picr.de/21149336ae.jpg. Hoffe, so klappt es. Am Rohr in der Ecke scheint ein Lüfter eingebaut worden zu sein. Wahrscheinlich ist der Kasten drumherum zu dicht. Leider tritt das Problem auch an anderen Stellen auf und wir können weder auf den Fotos vom Bau noch auf unserem Dach ein Lüftungsrohr o.ä. entdecken und sind uns inzwischen auch aufgrund der hilfreichen Antworten hier ziemlich sicher, dass diese einfach fehlt. Werden nun - aufgrund der Sturheit unserer "lieben" Baufirma - rechtliche SChritte gehen (müssen).



AL-Lüftung



Wie Will Pickartz schon schrieb, ist die DIN 1986 die Norm für Abwasserleitungen in Gebäuden. Die Norm ist baurechtlich eingeführt und somit zwingend anzuwenden.
Jede Fallleitung ist über Dach zu entlüften.
Die beschriebenen Folgen sind auf die fehlende Lüftung zurückzuführen.
Die Fallleitung neben dem WC ist für eine Lüftung vorgesehen.
Wenn die ausführende Firma nicht bereit ist den Mangel zu beheben, erscheint es mir sinnvoll ein Beweissicherungsverfahren einzuleiten. Dazu einen Anwalt des Vertrauens – der sich mit Baurecht auskennt – beaufragen.
Vielleicht im Vorfeld die zuständige Innung oder Handwerkskammer ansprechen.
Viel Erfolg



Entlüfter



Hallo Marie
könnte tatsächlich sein, daß das rechts im Bild auf dem 100 er Fallrohr ein Strangentlüfter ist.
Allerdings hätte euch bzw die Baufirma der Installateur darauf aufmerksam machen müssen, daß der nicht komplett unzugänglich eingebaut werden darf.
Der sollte kontrolliert werden- vielleicht wurde der noch gar nicht geöffnet oder sitzt fest nach solanger Zeit.
Es wird auch je Strang einer benötigt.

Wenn du bessere Bilder hast ggf an die entsprechenden Hersteller (siehe die in meinen letzten Beitrag) mailen und fragen obs einer von deren ist.

Was waren die sonstigen Mängel oder nur optische Kleinigkeiten ?

Andreas Teich



AL-Lüftung



Die rote Kappe auf dem Fallstrang könnte ein Belüfter sein. Die Auflösung des Bildes reicht leider nicht.
Selbst, wenn es einer wäre, ist er dort falsch eingebaut, hier wäre die AL über Dach zu führen. Das wäre auch kein wesentlicher Aufwand gewesen.
Es gibt Fälle, in denen Belüfter eingesetzt werden können; dies zu diskutieren, würde den Rahmen des Forums sprengen.
Unbeschadet des Einbaus eines oder mehrerer Belüfter ist die Fallleitung über Dach zu führen.



Die Auflösung des Fotos...



wurde beim Hochladen leider verringert.
Unser Installateur ist ebenfalls der Meinung, dass der Deckel ein Entlüfter ist. Nun müssen wir mit weiteren Maßnahmen warten, bis der Gutachter vor Ort war. Der Trockenbau um das Gestell wurde ebenfalls von unserer Baufirma hergestellt, somit sollte die Verantwortlichkeit hier auch klar sein.
Die weiteren Mängel sind v.a. keine optischen, sondern Mängel bei der Luft- (und Regendichtheit), die bei einem Blower-Door-Test (beauftragt von der Hausbaufirma) festgestellt wurden, Wassereintritt im Wintergarten und zu kalte Fenster (unser Dachfenster war im Winter sogar in den Ecken eingefroren), drei Wasserschäden in OG und Keller, dadurch höhere Gebäudeversicherungsprämie. Die Kleinigkeiten führe ich hier mal gar nicht auf. Wir mögen unser Haus aber trotzdem :-) Insgesamt scheint die Sache ziemlich klar zu sein, aber man weiß ja nie...
Die Dinge sind wohl lt. unserer Handwerker gut auszubessern, kosten aber natürlich eine Menge Geld.