Rohrentlüftung Fallrohr

20.08.2012 De Meinweg



Hallo,

hier eine reine Haustechnikfrage, die Recherche dazu im Forumarchiv und außerhalb ergab leider teilweise widersprüchliche Ergebnisse von daher lieber neu:

Es geht um die Entlüftung des Abwasser-Fallrohres in den Dachraum. Hier scheint es eine Vorschrift zu geben, dass der Durchmesser des Entlüftungsrohres nach oben hin gleichbleibend, also üblicherweise 100mm wenn eine Toilette mit im Spiel ist, sein muss. Es gibt hier im Forumsarchiv allerdings einen Thread, in dem von verschiedener Seite bestätigt wurde, dass auch niedrige Durchmesser funktionieren werden.

Kennt jemand diese Vorschrift oder noch besser die physikalische Erklärung dafür?

Meiner Meinung nach ist doch spätestens das geruchsdichte Rückschlagventil am oberen Ende ein derartiges Nadelöhr, dass der Rohrquerschnitt zuvor zu vernachlässigen ist.

Ich lasse mich allerdings gerne belehren und werde dann die empfohlene bzw. richtige Lösung installieren.

Da der alte ausgemauerte Schlitz für die neuen Rohre nur teilweise wiederbenutzt werden kann, wäre es halt blöde für Raumausnutzung und Ästhetik des darüberliegenden Raumes, wenn quasi mitten auf der Wand ein DN110-Rohr bzw. dessen Verkleidung ins Dach verläufen würde.

Danke für eure Antworten
(und bitte keine Verweise ins Haustechnikforum)

Christian



Ausschlaggebend sind...



...im wesentlichen DIN EN 12056 und DIN 1986-100...

Als eine Schlussfolge daraus ergibt sich, dass mindestens ein Abwasserstrang ÜBER das Dach entüftet werden MUSS, oder zumindest in die Entlüftungsebene des Daches, und lediglich Nebenstränge mit bis zu 5m Länge, die daran angeschlossen sind, via Rohrbelüfter zulässig sind... sowie alles unter DN70 grundsätzlich tabu ist...

guggst Du mal beim Bruno Bosy, ein alter Meister und Berufsschullehrer aus dem hohen Norden, da wird immer gut erklärt... www.bosy-online.de ... sprich ihn aber bloß nicht auf Handball an, dann kommt er nicht mehr zur Ruhe...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



Moin Christian,



dasselbe habe ich mich auch gefragt und mein Spezi meinte, dass wenn die Entlüftung nicht einwandfrei funktioniert, dir der Unterdruck vom "Scheisseproppen" das Wasser aus den anderen Syphons in Badewanne/Dusche/Waschbecken mit abzieht....dat riecht dann lekker.....

Habe ich aber bisher noch nirgendwo erlebt oder davon gehört(und trotzdem ne 100er Entlüftung eingebaut, weils mir eingeleuchtet hat).

Gruss, Boris



Das mit dem Proppen...



... ist in soweit richtig, nur ist das ausschlaggebende Volumen nicht durch die Feststoffe bestimmt, sondern eher durch flüssige Bestandteile... kann man selber nechexperimentieren: Strohhalm ins Wasserglas, Daumen oben drauf, Stohhalm hoch... da läuft nix.
Daumen weg und alles pladderet dahin, wo es hingehört...

Eine zweite Notwendigkeit liegt in der Entlüftung, also der Tatsache, dass sich durch anaerobe Prozesse bildende Gase aus der Kanalisation ihren Weg meist nach oben suchen. Irgendwann würde sich halt ein Überdruck bilden, dem auch eine Rohrverbindung oder zumindest der Geruchsverschluss-Siphon seinen Tribut zollen müsste...

Fazit: Beim normalen "Häuschen" den Hauptstrang übers Dach Be- und Entlüften und zwar in DN100 bzw. 110.

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



Gestern ...



... habe ich mir den Rohrbelüfter, also das Ding, was ganz oben im Dachraum auf das Steigrohr kommt, gekauft:

Das Teil deckt den Durchmesser von DN75 bis DN110 (bzw. DN70 und DN100 nach neuer EU-Schreibweise) ab, indem es mit einer Gummimuffe entweder innen ins 110er-Rohr oder außen aufs 75er-Rohr gesteckt wird. Also doch wieder Nadelöhr.

Meine Frage, ob ich ca. 2m nach allen Zuleitungen ein Verjüngungsstück installieren und das letzte Stück mit nur 75er-Außendurchmesser bis unters Dach führen kann, konnte mir der Sanitärfritze auch nicht beantworten, stattdessen empfahl er mir nach jedem U-Rohr und Siphon einen kleinen Entlüfter "zur Sicherheit".

(Die Notwendigkeit einer guten Belüftung (die vorher gar nicht vorhanden war) und des richtigen Gefälles habe ich übrigens sehr anschaulich erfahren, denn die alten Gussrohre bzw. deren Weiterführung in Ton waren komplett derart zugesetzt, als hätte man festen Lehm hineingestopft.)

Danke erstmal für eure Antworten, ich überlege mir mal, wie ich die in den Raum ragende 110er-Rohrverkleidung in irgendeinen baulich sinnvollen Zusammenhang stelle, solange mir niemand idiotensicher gescheinigt, dass 75er Rohr auch geht.

Grüße
Christian



Falsch...



... Du brauchst EINE Haupt-Entlüftung ÜBER das Dach, nicht in den Dachraum, mit Ach und Krach in die Belüftungsebene unter den Ziegeln...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner





Hallo,

pro Hausanschluss wird mindestens eine Entlüftung - keine Belüftungg -über Dachgefordert. Dies dient unter anderem, oder vor allem, der schadlosen Ableitung von Kanalgasen. Nur die zweite Bedingung,nämlich der Druckausgleich, wird auch über den Belüfter besorgt.

Grüße



Verwirrung komplett...



Ich verweise jetzt mal auf Aussagen aus diesem Thread:

http://www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/rohr-fallrohr-189575.html

a) Belüftung auch innerhalb umbauten Dachraumes möglich.
(Ich wollte es nicht unter die Sparren quetschen, sondern in den Spitzboden führen.)
Zitat: "Lüftungsleitungen brauchen laut DIN EN 12056 nicht mehr ausschließlich über das Dach geführt zu werden."

b) Von der Unterscheidung zwischen Be- und Entlüftung konnte ich nichts, also nirgendwo Hinweise finden, wohl aber Unterscheidung zwischen Hauptbelüftung (immer nach außen) und Nebenbelüftung (kann auch innen).

c) Ich werde nochmal unseren Heizungsbauer fragen, der müsste auch Ahnung von Abwassergedöns haben. Eigentlich interessierte mich nur der zulässige Durchmesser des Rohres für die letzte Raumdurchführung. Ich habe auch kein Problem damit, wenn es nicht anders geht, auf dem Dach an entsprechender Stelle einen Spezialziegel mit Durchführung zu installieren, noch ist alles dort gut zugänglich.