Gemauerte Geschossdecke zum Dachboden entfernen

30.07.2010



Hallo zusammen,

wir werden hoffentlich bald einen etwas eigentümlichen Bauernhof aus dem 1904 erwerben. Die ursprüngliche Scheune ist bereits toll saniert, im eigentlichen Wohnhaus des Hofes gibt es noch einiges zu tun. Das Gebäude ist aber kein typisches Fachwerkhaus, auch wenn es im Außenwandbereich in Ständerbauweise errichtet wurde. Teilweise sind die Wände aber auch sehr massiv (ca. 60cm dick) gemauert.
Wir wollen nun das 1. Stockwerk zum Dachstuhl hin öffnen und auf den Dachboden verzichten. Dadurch erreichen wir ordentliche Geschosshöhen und können gleichzeitig das sehr unterschiedliche Fußbodenniveau nivellieren.

Fragen hierzu:
1. Für mich als Heimwerker unverständlich sind die Unterschiede im Fußbodenniveau. An jeder Türschwelle ist ein Balken im Boden verbaut. Es wirk fast so, als ob dies für den Einbau der Tür notwendig gewesen wäre. Somit gibt es zu jedem Raum eine Stolperfalle, die sehr unschön ist. Was ist die beste Idee, hier ein Niveau reinzubringen? Unterkonstruktion ist eine gemauerte Geschossdecke. Darauf wahrscheinlich eine Holzkonstruktion und dann überalle Teppichboden bzw. PVC. Ich würde eigentlich gerne alles bis auf das Mauerwerk entfernen und dann neu aufbauen. Gibt es Empfehlungen hierzu? Ich habe im Forum von "flüssig eingepumpten leichten Unterboden "SCHUBO" von Knauf" gelesen. Ist das eine gute Variante?

2. Der Geschossboden im Dachboden bzw. die Geschossdecke im 1. Stock soll ja entfernt werden. Nun ist diese als Kappendecke ausgeprägt und gemauert. Lohnt sich der Aufbruch überhaupt, da die Stahlträger stehen bleiben müssen. Kann man diese zumindest teilweise entfernen um hier eine Galerie unterzubringen? Der Abbruch vom Dachboden aus stehend wäre natürlich deutlich einfacher. Gleichzeitig Säge ich an dem Ast auf dem ich stehe. Möglich oder nicht?

Danke im Voraus, würde mir die Kaufentscheidung erleichtern.



Also



das Öffnen der Decken ist ein erheblicher Eingriff in die Gebäudestatik und somit genehmigungspflichtig. Auf jeden Fall einen Fachwerk- und Altbauerfahrenen Architekten oder Ingenieur kontaktieren.
Und bei einem Rahmenfachwerk liegen über den Deckenbalken Schwellhölzer, auf denen sich das nächste Geschoss aufbaut. Diese laufen dann auch durch die Türen und sorgen für die mächtige Schwelle. In den angrenzenden Räumen wurde je nach Bedarf ein Fussboden eingebaut und bei unterschiedlichen Balkenstärken ergaben sich dann eben unterschiedliche Fussbodenhöhen. Nach dem Motto: "Hält?? dann is gut."
Gerade "Bauern" sind da auch heute noch sehr pragmatisch ;-)). Die können ja auch alles selber bauern.
MfG
dasMaurer



Fast perfekt



Hallo Herr Warnecke,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Einen Statiker ziehen wir natürlich auf jeden Fall zu Rate bevor wir starten. Ich würde ohnehin nur den Abriss übernehmen wollen, der Ausbau soll durch den Profi gemacht werden.

Mich würde aber interessieren, ob jemand schon Erfahrungen gesammelt hat eine Kappendecke zu entfernen? Wie geht man dann mit dem Geschoss darüber um, bei dem die Träger ja im Abstand von ca. 1m zu einander liegen. Einen Träger physisch zu entfernen, halte ich statisch auch für problematisch aber vielleicht gibt es auch andere Lösungen. Wir wollen ja eigentlich nur den Blick nach oben öffnen und ggf. eine kleine Galerie in den alten Dachboden bauen.



Kappendecke ausbauen



Der Statiker wird Ihnen sicher auch erklären, das Ihr Vorhaben richtig teuer wird. Allein die Planung und Berechnung des Ringbalkens zum Ersatz der aussteifenden Deckenscheibe wird richtig ins Geld gehen. Ist es das wert?
Denken Sie mal über einen kleineren Ausschnitt nach. Der läßt sich mit geringerem Aufwand realisieren und führt nicht automatisch zu einer Verdopplung der Knicklänge bei den Wänden.

Viele Grüße



Danke



das hilft mir schon mal sehr weiter. Wenn ich also nun die Kappen ausbauen und die Stahlträger im ca. 1m Abstand akzeptieren würde (kann ja auch ganz schön aussehen), kann ich dann auf die Stahlträger eine kleine Galerie bauen (ungefähr 1/3 der Raumbreite)? Die Statik sollte das doch tragen können? Aber ok, ich merke beim Schreiben, dass diese Frage am Besten der Statiker vor Ort beantwortet.

Hat so etwas vielleicht schon mal jeman gemacht und könnte ein Foto einer geöffneten Kappendecke bereit stellen bzw. des fertigen Raumes? Stelle mir das auf der einen Seite sehr schön vor, auf der anderen Seite vielleicht aber auch hässlich.

Wir sind insgesamt etwas in Sorge. Das Objekt ist phantastisch, die Scheune schon unheimlich toll saniert. Leider gab es wohl keine Baugenehmigung hierfür (weil auf Grund minimaler Aufstockung von 0,6m angeblich nicht erforderlich). Gleichzeitig gibt es im ganzen sanierungsbedürftigen Haus die Kappendecken. Das Objekt kostet keine Kleinigkeit und ich möchte mir für einen solchen Preis kein Risiko einholen. Anfrage beim Kreisbauamt läuft gerade. Aber ich bin sehr verunsichert. Ich halte Fachwerk.de über den Ausgang auf dem Laufenden.

Vielen Dank noch einmal für Eure Antworten.

Carsten Tusch



Lösung funktioniert



Hallo zusammen,

nur falls sich jemand für das Ergebnis interessiert. Der Architekt und Statiker haben sich gestern die Decken angesehen. Glücklicherweise sind Sie in einem sehr guten Zustand.

Natürlich müsste man die Quersteifigkeit über das Einziehen von Querträgern wieder herstellen aber das wäre problemlos machbar, wenn auch beim derzeitigen Stahlpreis nicht wirklich günstig.

Viele Grüße

carsten



Bereits die Alarmglocken gehört ?



Hallo Herr Tusch,

wenn mir ein Verkäufer/Makler erklären würde, dass kein Bauantrag zum Umbau einer Scheune notwendig war weil nur wenig geändert wurde, würden sofort alle Alarmglocken losschrillen.
Sie oder Ihr Architekt sollten dringend Akteneinsicht bei der zuständigen Baubehörde in Bad Homburg nehmen und nachschauen, ob der Umbau/die Umnutzung rechtens ist. Ohne dem Verkäufer etwas unterstellen zu wollen: Sie wären nicht der Erste, der auf solch eine Weise an einen Schwarzbau gerät. Möglicherweise können Sie Nachgenehmigen oder Rückabwickeln, wobei bei letzterem der Verkäufer sagen kann: "Ich habe Ihnen doch gesagt, das keine Baugenehmigung existierte ..."

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer