fachwerkhaus neubau!

03.07.2004



wie könnte ein Wandaufbau mit holzständerwerk und lehmziegeln aussehen, um heutigen standards der EnEv zu entsprechen? mfg



Neubau



Hallo


genau so wie ein altes Fachwerkhaus.... Fachwerk, Lehmstaken, Aussenputz, Innenputz.
Es wird nur etwas schwierig sein, einen Architekten zu finden, der das Haus nach Wärmeschutzverordnung schönrechnen kann (obwohl das nicht mal nötig währe)
Ich hatte in DE einen Architekten, der sanierte ein Fachwerkhaus. Der konnte es sogar ohne Probleme berechnen, weil er den Wille dazu hatte...


Andreas



EnEV



Natürlich nicht wie beim Altbau und problemlos ist das natürlich nicht, aber man kann nach der EnEV durch den Einsatz einer guten Technik bis hin zur Lüftungsanlage auf viel Dämmung verzichten. Ob das aber sinnvoll ist wage ich zu bezweifeln. Dann gibt es noch ein paar Randbedingungen, wie z.B. die Luftdichtigkeit und Vermeidung von Wärmebrücken. Außerdem gelten in der Sanierung andere Werte wie beim Neubau. Hinzu kommt noch, dass ich beim Altbau über eine Wirtschaftlichkeitsberechnung unter Umständen einen Nachweis erbringen kann, der mich auf Antrag von den Forderungen der EnEV entbindet (sinnvoll?). Außerdem spielt hier noch der Denkmalschutz mit.
Also vorsicht mit Ratschlägen wie: "Läßt sich alles problemlos schönrechnen."
Mein Vorschlag von innen nach außen:
- Fachwerk mit Lehmausmauerung
- ProClima Dampfbremse
- Dämmung Holzweichfaserplatte (nach Berechnung)
- Putz, Lärchenholzverschalung oder Verklinkerung



Stampflehm



Hallo Marc Hartz,

nach den Richtlinien des Lehmbaus muß eine Lehmwand 25 cm Stärke haben, um die Anforderungen der EnEV zu erfüllen. Am einfachsten läßt sich das realisieren, wenn man die Wand nicht mit Lehmziegeln ausfacht, sondern mit Stampflehm. Man verschalt die Außenseite und innen im Abstand von 25 cm und stampft den Lehm ein, bis zum Dach. Fenster und Türen sollte man dabei natürlich nicht mit zustampfen.
Die Lehmbauer im Forum haben aber sicher noch andere Anregungen zum Wandaufbau.

Viele Grüße aus dem Ruhrgebiet

Elmar Hugenroth



Stampflehm



Wo kann man diese Richtlinien nachlesen?
Eine 25 cm dicke Wand aus Stroh-Leichtlehm, ich nehme an das dieser hier gemeint ist, hat bei einer Rohdichte von ca. 1200 kg/m³ und einer Wärmeleitfähigkeit von 0,47 W/(mK), einen U-Wert von 1,24 W/(m2K) und ein Durchlasswiderstand von R=0,56 m²K/W. Das erfüllt weder die Anforderungen der EnEV an eine zu sanierende Wand im Altbau (U <= 0,35 W/m²K) noch die Anforderungen der DIN 4108 (R>= 1,20 m²K/W). Über Stampflehm brachen wir hier gar nicht zu reden. Leichlehm würde bei einer Rohdichte von 400 kg/m³ (das hat mit zu Stampfendem Material nichts mehr gemein) eine Wandstärke von 30 cm erfordern um die Grenzwerte für die Sanierung einer alten Wand einzuhalten.

Also warum nicht innen im Gefach einen massiven Lehm (gut für's Raumklima) und nach außen eine Dämmung mit Holzweichfaser oder Zellulose (gut für den Wärmeschutz). Was spricht dagegen? Wir reden schließlich von einem Neubau!

Leider wird hier über den Wärmeschutz immer so gesprochen, als handle es sich um ein fürchterliches Übel, dem man versuchen muß auf allen möglichen legalen und illegalen Wegen zu entgehen.

Mein Rat:
Lassen Sie jedes Gebäude (alt oder neu) von einem guten saSV für Schall und Wärmeschutz untersuchen und berechnen und entscheiden Sie dann, ob es an der ein oder anderen Stelle sinnvoll ist bestimmte Wärmedämmmassnahmen über eine verbesserte Gebäudetechnik unnötig zu machen, oder über Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen und Denkmalschutzfragen eine Ausnahme zu erwirken.



EnEV



Hallo

Diese Verordnung ist auch das größte Übel der Neuzeit, welches gegen jeden gesunden Menschenverstand und gegen jede Baubiologie als Keule eingesetzt wird...

Da gibt es Passivhäuser, Nullenergiehäuser, Niedrigenergiehäuser...
Nur wie diese Wenigenergiehäuser entstehen und welchen Schaden diese anrichten, darüber wird nicht gesprochen. DEnn die Ökologie, welche diese immer repräsentieren sollen, die bleiben in Wirklichkeit auf der Strecke. Ich rede da von Dampfbremsen, Styropor als Dämmmaterial, Kunststoffreibeputz als Aussenhaut. Alles Dinge, die in einigen Jahren wieder als Sondermüll entsorgt werden müssen. Von der energiefressenden und Rohstoffvernichtenden Erzeugung noch nicht mal gesprochen...

Ein guter Kompromiss zwischen Energieeinsparung und gesundem Wohnen ist nun mal ein Fachwerkhaus mit Lehm ausgefacht, eine Wärmedämmumg mittels Strohlehm, Holzhächsel oder Blähton ist auch noch drin. Und was spricht gegen 40 cm starke Wände, Doppelkastenfenster und Schilf- oder Holzkalkestrich als Deckendämmung?


Andreas



einfach, gut und günstig und...



einfach, gut und günstig und... trotzdem dem heutigen Standard entsprechen. das ist was ich suche! die EnEV mit hochgerüstetem "modernen" Baustoffen zu erreichen ist keine Kunst und billig! deshalb wird ja fast überall so gebaut. siehe VWS (vollwärmeschutz-systeme!) gut und schön ist allerdings m.E. anders. nur über den genauen und einfach herzustellenden wandaufbau bin ich mir noch nicht ganz schlüssig. sicher ist ein Holzrahmen mit min. 18er Ständerwerk und der weitere übliche Aufbau eines holzhauses. nur wie und wo krieg ich am besten die lehm-"schicht" unter? vielleicht und wahrscheinlich anstatt der inneren installationsebene? und wie dick muss sie letztlich sein? gibts dafür einen standardaufbau?



Neubau



Hallo

Wenn ich es richtig verstehe, soll der Neubau ein Holzrahmenbau werden... dat geht net. Entweder richtig oder gar nicht. Holzrahmenbau ist viel zu schwach, um was Vernünftiges zu konstruieren. Lehmbau ist was für robuste Bauwerke, nicht für Lattenbau... ich hab mir gerade Lehm anfahren lassen... Rohgewicht 2000kg/m³


Andreas



@ Andreas



Hallo Andreas,
ich würde mich darüber einmal gerne mit Dir unterhalten, denn EnEV hat mit Dampfbremsen, Styropor als Dämmmaterial, Kunststoffreibeputz als Aussenhaut und vieles andere mehr, rein gar nichts zu tun.
Ich bin von Hause aus Bauingenieur und Baubiologe und betrachte es als meine Aufgabe gesunde und gleichzeitig energiesparende Häuser zu planen und zu berechnen, und gegen 40 cm starke Wände ist, wenn bestimmte Regeln eingehalten werden (40 cm Strohlehm reichen eben leider nicht aus), rein gar nichts zu sagen.
An der EnEV ist aus meiner Sicht vor allen Dingen auszusetzen, dass sie gegenüber den Niedrigenergiehäusern der Wärmeschutzverordnung von 1995 bezgl. der Gebäudedämmung ein Rückschritt ist. Wir bauen schon seit vielen Jahren Häuser, die aus baubiologischer Sicht eine kritische Untersuchung nicht zu scheuen brauchen, und die dennoch einen vernünftigen Beitrag zum verantwortungsvollen Umgang mit den uns zur Verfügung stehenden Energiequellen leisten.
Den Satz mit dem gesunden Menschenverstand, der Baubiologie und der Keule kann ich so nicht nachvollziehen, denn es liegt an uns Baubiologen den Damen und Herren der großen Industrie + Politik, durch gute bauliche Qualitäten, aber auf der Grundlage der geltenden Gesetze, den Wind aus den Segeln zu nehmen. Man kann sich die Qualitäten des Handwerks und der Baumaterialien der Vergangenheit ruhig zu eigen machen, darf dabei aber unsere heutige Situation und unsere heutigen Möglichkeiten nicht aus den Augen verlieren sonst wird man nicht allzuviel erreichen.

herzliche Grüße an Dich Andreas,
ich glaube, dass wir im Prinzip gar nicht soweit auseinander sind.



@ marc hartz



Die Strohlehmschicht (Rohdichte 1200) muß 60cm stark sein, um die Grenzwerte der DIN 4108 einzuhalten. Kein Planer oder Ingenieur kann es sich leisten an diesen Werten vorbei zu Arbeiten und das nicht erst seid der EnEV. Eine Festlegung des U-Wertes einzelner Bauteile bei einem Neubau gibt es übrigens in der EnEV nicht. Die Werte sind immer an Hand des Gesamtgebäudes incl. gewählter Gebäudetechnik zu ermitteln.

Gruß Fred Heim



EnEV



Hallo


Ich hab gerade Google auf... EnEV ist die Energieeinsparverordnung. Und die wird mit jedem mal enger geschnürt. Ich hab mal Haustechniker gelernt, da haben wir Wärmeschutzverordung gepaukt und berechnet. Ich bin kein Fan von eingepackten Häusern...

Meine Hütte hat 95 cm starke Bruchsteinwände mit (jetzt) Strohlehmputz innen. Jetzt muß ich nur noch aussen die Ölfarbe beseitigen und die Wände neu verputzen... für Ratschläge währe ich dankbar, zumal ich das Problem mit winterlichem Tausalzbewurf und Spritzwasser habe. Der Abstand zur Strasse beträgt nur 60cm.



Andreas



@fred



"Die Strohlehmschicht (Rohdichte 1200) muß 60cm stark sein, um die Grenzwerte der DIN 4108 einzuhalten. Kein Planer oder Ingenieur kann es sich leisten an diesen Werten vorbei zu Arbeiten und das nicht erst seid der EnEV."

das ist doch mal 1 aussage! und damit ist das thema vom tisch. 60cm wände hat man, aber baut man heute (zumindest für wohnräume!) nicht mehr, weil unökonomisch >>platz! deshalb dachte ich an eine kombination von ständerwerk (zwischengedämmt mit zb. isoflok)und einer quasi inneren Vorsatzschale aus lehm, die die installationsebene ersetzt. das gibt offensichtlich schlechtere dämmwerte, hat aber eine höhere speicherkapazität. dort kann man aber wiederum eine Wandheizung unsichtbar integrieren.

ps: sind zellulosedämmstoffe eigentlich unbedenklich? wg. rohmaterial altpapier! und darin enthaltene und bleikontaminierte "druckerschwärze"? gruß marc



Zellulose



gilt aus baubiologischer Sicht als weitgehend unproblematisch. Die Druckfarben in unserer Druckindustrie sind mittlerweile bleifrei.
Eine evtl. Bleibelastung war aber, soweit ich informiert bin, bei diesen Dämmstoffen nie ein wirkliches Problem.

Gruß Fred



welcher dämmstoff?



die preisliche gegenüberstellung zellulose - Steinwolle geht immer zu gunsten der steinwolle aus. was spricht gegen sie, wenn die mikrofasern ,wegen der winddichtigkeit, nicht mehr ins haus gelangen können? höchstens der schlechtere sommerliche wärmeschutz, oder? durch die Ausfachung der inneren 6cm starken installtionswand mit zellulosedämmplatten oder sogar lehm also masse entfällt dieses argument gänzlich. richtig?
oder zerspringt bei steinwolle das baubiologische herz? warum?
gruß marc hartz



Mineralwolle



Zerspringen nicht aber es wird schmerzen. :-(
1. Die Kosten für eine Zellulosedämmung und für eine Mineralwolldämmung sind vergleichbar, wenn man nicht Äpfel mit Birnen vergleicht. Da man Zellulose nicht selber einbauen kann, ist hier der Einbau im Preis enthalten. Läßt man die Mineralwolle durch eine Fachfirma einbauen ist der Preis in etwa gleich.
2. Warum sollte man sich die wirklich nicht schöne Arbeit mit den Mineralwollplatte antun? Das Haus ist bei guter Vorarbeit an einem bis zwei Tagen ausgeblasen und für den Selberbauer gibt es mit Sicherheit noch genug andere Dinge zu tun, so dass Langeweile nicht aufkommen wird.
3. Mineralwolle benötigen in aller Regel Folien als Dampfbremse oder Sperre. Wie passt das zusammen, Lehm, Folie, Holz, Mineralwolle --> grauselig
4. Natürlich Baustoffe (in diesem Falle Zellulose) nehmen kleine Baumängel nicht übel. Sie können Feuchtigkeit transportieren. Bei künstlichen Stoffen kann sich die Feuchtigkeit, durch unsachgemäße Verarbeitung, anstauen und zu Schäden in der Konstruktion führen.
5. Mineralwollen enthalten auch noch diverse andere Stoffe, die allerdings in der Regel nicht alle deklariert werden.
6. Zitat:"
Gesundheitsgefährdung
Eine gesundheitsschädigende Wirkung kann bei KMF durch Einatmen auftreten. Vor allem dann, wenn die Fasern kritische Abmessungen aufweisen: Länge > 5 μm, Durchmesser < 3 μm, Länge : Durchmesser > 3 : 1. Ähnlich wie bei Asbest wirken sie dann krebserzeugend. Auch im Feinstaubbereich, bei Faserlängen > 1 μm, sind sie besonders schädlich für die Lunge.
Bei Hautkontakt können KMF Juckreiz auslösen.

Einstufung von KMF auf Grund des Kanzerogenitätsindex (KI):
KI-Wert Einstufung
KI-Wert ≤ 30 K2 – "Stoffe, die als krebserzeugend für den Menschen angesehen werden sollten"
30 < KI-Wert < 40 K3 – "Stoffe, die wegen möglicher krebserzeugender Wirkung beim Menschen Anlaß zur Besorgnis geben"
KI-Wert ≥ 40 keine Einstufung als krebserzeugend

"Zitat Ende

Keine Einstufung bedeutet noch keine Sicherheit bezüglich der krebserregenden Wirkung. schließlich waren die alten Mineralwollen auch über Jahrzehnte nicht als krebserregend eingestuft. Aber das ist natürlich meine Persönliche Meinung.

Gruß Fred



schadstoffe



vorgestern wars eternit, gestern glaswolle, heute steinwolle vielleicht morgen schon die zellulosedämmung? auch da gibt es stoffe, über die wir heute noch nicht viel wissen, zb. borsalze! ...
wie wärs also mal mit einem haus ganz aus styropor? ...;)
gruß marc hartz



Neubau



Hallo


Boah, jetzt kommt die Provokation, aber Styropor ist auch aktuell... als Betonformsteine mit Beton ausgefüllt. Ich weiß nicht, was Du genau willst, aber ich empfehle Dir einfach mal zwei Bücher: Lehmfachwerk von Tamara Leszner und Ingolf Stein; Sanierung aler Häuser von Brändle/Wittmann. Beide Bücher liegen bei mir unter dem Bett... als abendliche Lektüre.... nicht nur als Sanierer....


Andreas





:) natürlich war das ein witz! allein der gedanke macht mir gänsehaut!!! ... obwohl mal rein objektiv gesehn? was spricht dagegen?



hallo marc :)



was dagegen spricht, aus eigenem erleben, ist das gefuehl in einer "plastiktuete" zu leben.

damals wand- und dachaufbau:

20 cm h+h-wandelemente (liaporaehnlich) + 10 cm styrodurdaemmung/vws-daemmsystem.

das hausinnere aehnelte einer tropfsteinhoehle (luftfeuchte kann/konnte nicht entweichen), wir haben damals immer die meisten fenster gekippt halten muessen, um ueberhaupt das gefuehl zu haben "luft" zu bekommen.

die waermedaemmung der vollwandelemente ist sicher fast unuebertroffen (enev heutiger fassung wird allein durch die wand eingehalten), dennoch wuerde ich mit dieser Erfahrung heute nicht noch einmal so bauen, eher die diskutierten 40 bis 60 cm lehmwand in Kauf nehmen.

wie gesagt, rein subjektiv, aber aus erfahrung "klug" geworden :)

bedeutet deine mailadresse (marchitecture), dass du architekturstudent bist?

liebe gruesse von einer betongeschaedigten
heide



Frei von Schadstoffen



Hallo,

Wenn mich mein Gedächtnis nicht mal wieder täuscht, braucht man die Richtlinien der EnEV nur dann einhalten, wenn man mehr als 30% der Primärenergie aus fossilien Brennstoffen erzeugt. Solarthermie und Pelletofen einbauen und das Fachwerk braucht nach EnEV garnicht ausgefacht zu werden ;-) Damit kann man sich auch keine Schadstoffe ins Haus holen, es sei denn, der Nachbar grillt.



Oder man hält die Nase an den eigenen Schornstein!?!



Es kann doch auch keinen Sinn machen Pelletsholz zu verschleudern.
Meines Wissens nach reicht das Holz bei uns in NRW aus um etwa 15-20% der NRW-Heizungen damit zu betreiben. Wäre doch viel schöner man könnte mit der gleichen Menge 30-35% versorgen. Man muß doch über den eigenen Schornstein hinausblicken.
Und eine Kostenfrage (Betriebskosten) ist das ganze nebenbei auch noch.



Neubau



Hallo


Pellets werden aus Restholz gefertigt, welches in Sägewerken und holzverarbeitenden Betrieben anfällt. Daß ich trotz Bio und Öko die Gefache ausbaue ist recht unwarscheinlich...


Aber in Wirklichkeit ist ein Fachwerkhausneubau doch mehr als nur Ökospinnerei, ich denk mal, wer sein Haus eigenhändig (im wahrsten Sinne des Wortes), hat eine ganz andere Beziehung zu Material und Haus und versteht auch mal Zusammenhänge...

Ich hab aus meiner Ruine (allerdings kein Fachwerkhaus sondern Bruchsteinwände von bis zu 1,00m Dicke)Styropor komplett verbannt, Rigips nur dort, wo es keine statische Alternative gibt und Dampfbremsen bremsen an der Hofeinfahrt. Für jeden Kunststoff gibt es eine Alternative...




Andreas



Bin gerade über einem Fachwerkneubau



Hallo Herr Hartz,
ich bin gerade über einem Fachwerkhausneubau. Das System Holzgebälk + Lehm erfüllt auch die sogenannte EnEV. Mein Architekt hat es mir vorgerechnet. Nur sollte man keinen fetten Lehm nehmen, sondern Leichtlehme mit mineralischen oder organischen Isolierungen. Für Fragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung. Bilder finden Sie in meinem Profil oder unter www.thossen.de.
Karsten Wolf



@Karsten Wolf



Ich habe mir die Bilder angesehen. Euer Fachwerk sieht wirklich Klasse aus. Aber was wird jetzt weiter passieren, um die EnEV zu erfüllen, denn die Wand auf den Bildern kann dass vermutlich nicht. Aber ich lerne natürlich auch gerne dazu.
Vielleicht kann man einmal die Materialien der Wand und den zugehörigen U-Wert benennen.



Zweite Schale



Zur Erfüllung der Verordnung wird im Moment eine Innenschale (Zw. 18 und 23 cm) aus Blähglaslehm eingestampft. So sind lt. den Berechnungen die EnEV erfüllt.
MfG Karsten Wolf



@Karsten Wolf



Wer stellt die Lehmmischung her, kommt hier eine Fertigmischung an die Baustelle, welcher Anteil an Blähglas?
Wie wird die geforderte 'Luftdichtigkeit' hergestellt?
Wird die gestampfte Wand nachher verputzt?

Ich bin halt ziemlich neugierig ;-)

Gruß Fred Heim



an karsten



hallo und jetzt aber mal genau bitte!
wie ist der gesamtwandaufbau von eurem haus?
von innen nach außen?
(...ohne probleme mit der EnEV zu bekommen!)
und wie macht ihr das mit der winddichtigkeit?
...von wegen blow-test!!!
gruß marc



Neubau



Hallo


die Idee mit Blähglas ist nicht schlecht und wenn das Zeug feucht verarbeitet wird ist es auch sicherlich winddicht. Der Blowdoortest ist meines Erachtens nicht notwendig, da es ja um das Aufspüren von Lecks bei der Folienabdichtung geht... und die wollt ihr hoffendlich weglassen??!!



Andreas



Blower Door



Wir sprechen nicht von der Winddichtung sondern von der 'Luftdichtung' und die hat nicht zwangsweise etwas mit Folien zu tun.
Und der Blower-Door-Test findet auch die Leckagen im Putz und vor allem an allen Anschlußstellen zum Holzwerk wenn auf Papiere und Werkstoffplatten verzichtet wird.



Re



Ernergetisch sinnvoll sanieren, Wärmebrücken vermeiden Baukonstruktion erhalten, geht das? Das sind mit die häufigsten Fragen die hier immer wieder diskutiert werden. Nur um es richtig zu stellen Zellulose ist nicht teurer als Steinwolle. Steinwolle als Kerndämmung eingeblasen liegt bei va. 150€/m³, Zellulose gibt schon für die Hälfte. Trotzdem halte ich wenn man die EnEV erreichen möchte andere Aufbauten für sinnvoller. Vorab gilt es zu klären wo die Dämmung hinkommt aussen oder innen. Wenn aussen lässt sich das gut mit Weichholzfaserplatten ausführen die vollflächig in Mörtel eigesetzt werden. Bei der Innendämmung arbeiten wir auch oft mit Weichholzfaser da die Aufbauten viel schlanker werder als in Lehm. Mit einer 10 cm starken Platte kommt man auf einen k-Wert von ca. 0,35 W/m²K. Bei Innendämmungen wird es etwas komplizierter mit den Wärmebrücken. Gerne gebe ich dazu näher Auskunft.
Viele Grüße Gerd Meurer



Winddicht - Luftdicht ?



Zur Antwort von fred-heim

Ich halte die Begrifflichkeit "winddicht" wirklich für glücklicher, weil sie die Dynamik sich bewegender, konvergierender Luftmassen in einer bildhaften Formulierung gut wiedergibt.
Während die Begrifflichkeit "luftdicht" nun auch den Luftdiffusionsprozess mit einschließen müßte.

Gruß


Lutz Parisek



@Lutz Parisek



Luftdichtigkeit ist kein willkürlicher Begriff, sondern ein feststehender Begriff aus der EnEV, der mir auch nicht besonders gut gefällt, weil Laien immer sofort die Plastiktüte vor dem geistigen Auge haben. Daher setze ich ihn in Anführungsstriche. Wir müssen ihn aber verwenden, um Dinge klar zu definieren.
Die Winddichtigkeit ist ein völlig anderer Begriff. Winddichtigkeit wird, im Gegensatz zu "Luftdichtigkeit" im Außenbereich einer Konstruktion hergestellt, damit die Luftbewegungen (Wind) nicht in die Dämmmaterialien bis zur Innenseite der Konstruktion dringen können. Eine Winddichtigkeit erreiche ich schon durch die Nut und Federverbindungen einer auf der Dachfläche aufgebrachten Holzweichfaserplatte. Das reicht für eine Luftdichtigkeit bei weitem nicht aus.

Gruß Fred Heim



Wortwahl



Danke lieber Fred

Wenn dies als Begriff so in der EnEV festgelegt ist, müssen wir diesen wohl, bei aller Sprachverwirrung, auch so verwenden.
Vielen Dank für die Aufklärung

Lutz



Ich hoffe,



das war nicht so rechthaberich!
Ich versuche nur die allgemeine Verwirrung und die Panik, wenn das Wort EnEV nur fällt - dass kriegst Du hier im Forum ja auch immer life mit - ein wenig wieder in reale Bahnen zu lenken.

Fred