Dämmung einer denkmalgeschützten Fassade

15.07.2006


Hallo,
ich plane eine kürzlich erworbene Scheune (Tragwerk aus Holzfachwerk; Mauerwerk aus hartgebrannten Ziegel 38cm dick) in ein Wohnhaus umzubauen. Zur Erfüllung der EnEv ist eine zusätzliche Wärmedämmung erforderlich. Da die Fassade unter Denkmal steht und Innendämmung zu riskant erscheint soll folgende Kerndämmung eingesetzt werden:

Aussenwand (Bestand): 38,5cm Ziegelwand (Klinker)
Dämmung (Neu): 6cm Mineralwolle
Dampfbremse (Neu): Alufolie (sd=285)
Innenwand (Neu): 11,5cm Kalksandstein

Die Fragen dazu sind:
1) Ist dies ein sinnvoller Wandaufbau, der insbesondere keine Bauschäden erwarten lässt?
2) Besteht das Risiko, dass sich die Mineralwolle vollsaugt? Wenn ja welcher Dämmstoff ist besser geeignet? Hanf? Oder gar hydrophobe Dämmstoffe?
3) Welcher Putz empfiehlt sich für die Wohnungseite?
4) Gibt es sinnvolle Alternativen, die zur Einhaltung der EnEV führen und ohne Dampfbremse auskommen?

Grüsse und vielen Dank im Voraus



enev



erfüllen, wieso? müssen sie doch gar nicht.
oder ist das ihr innerer herzenswunsch?
warum dann ein denkmal und kein richtiger neubau, der sich nichts vormacht?
das was sie da planen, klingt ja grausig, so sollte man mit einem alten Gebäude nicht umgehen, das ergebnis könnte wohl in einem potemkinschen dorf stehen: eine schöne hülle und nichts mehr dahinter.



EnEV bei Umnutzung



Hallo,
ich gehe davon aus, dass aufgrund der Umnutzung (Scheune in Wohnhaus) die EnEV erfüllt werden muss. Aufgrund des Denkmalschutzes greifen wir bereits auf die vereinfachende 140% Regel zurück und arbeiten zusätzlich mit einer Kraft-Wärme-Kopplung als Heiztechnik.
Trotz dieser Erleichterungen muss wohl noch eine Wärmedämmung angebracht werden - oder sehe ich das falsch? Wenn ja, welcher § erlaubt mir die Nicht-Einhaltung der EnEV?



Symbiose



In unserer Praktik erreichen wir stets sehr gute Kompromisse mit Behörde, Bauherrn und Handwerker, da weir gemeinschaftliche vor-Ort-Termine organisieren und da die Lösungen erarbeiten.
Bei Denkmalen ist die Erfüllung der EnEV eigentlich der Todesstoß, doch es gibt stets Möglichkeiten zur Machbarkeit.
MiWO und Alufolien sind sicherlich nicht die günstigsten Materialien, die eine Langlebigkeit und Funktionalität zur EnEV-erfüllung beitragen, denn die bauphysikalischen Aspekte sind viel umfassender.
Feuchteregulierung, sommerlicher Wärmeschutz, Speichervermögen usw. sollten Beachtung finden.

Grüße Udo



die



enev schreibt doch auch was von "vertretbar". einzig vertretbarer aufwand ist eine außendämmung.
von mir (im wilden osten) hat gleich gar niemand einen Wärmeschutznachweis gefordert, weil ich in den vorgesprächen mit den einzelnen ämtern schon klipp und klar erwähnt habe, dass ich nicht an eine innendämmung denke, es sei denn, man sei bereit, dies entsprechend zu fördern. war man natürlich nicht :-)))
das heißt nicht, dass ich mein haus im zustand einer zugigen energieschleuder belassen habe, aber sinnvoll und so, dass es sich auch rechnet, wobei ich natürlich klimatisch auch begünstigt logiere.
denkmalschutz hat oberste priorität, der dürfte sich doch auf das innere ihrer scheune und zukünftigen hauses erstrecken, wenn sie wirklich EINZELDENKMAL sind und nicht nur denkmalbereich? wie geht das zusammen? hinterm Denkmalschutz kann man sich ergo auch genüßlich verstecken, selbst wenn der keinen gesteigerten wert auf ihre Wand xyz legt. wenn schon, gilt er für alle
was machen sie egentlich mit den hundert wärme-/kältebrücken in ihrem anwesen? vom Auflager der Holzbalkendecke an...?
wie gesagt, für mich, klingt das, abgesehen vom bauphysikalischen (da will ich mich nicht einmischen), nicht nach einem sinnvollen und refinanzierbaren konzept. haben sie schon eine solide kostenschätzung vom architekten ihres (nicht)vertrauens?



Bin ja nur Laie...



...aber um die EnEV müßte man gerade mit einem Denkmal doch prima herumkommen...ein in Sachen Fachwerk erfahrener Architekt sollte die entsprechenden Wege kennen...ein großer Teil des "Wertes" der EnEV löst sich in heiße Luft auf, wenn man z.B. das Heizkonzept ändert...bitte erst sorgfältig und substanzerhaltend planen und dementsprechende Dämmung wählen...selber viel Lesen (hier und anderswo)...den Architekten/Planer mit vielen Fragen und noch mehr Halbwissen nerven bis er "spurt" - oder wechseln ;-)

Aus meiner erst bescheidenen Erfahrung:
Wir haben letzts Jahr den größten Teil unserer Wände bis auf's mit Ziegeln ausgemauerte Fachwerk freigelegt und mußten im Haus überwintern. Nur in einem Raum im 1. OG war der dicke Lehmputz noch intakt. Die Heizung (Konvektor) lief auf Frostschutz und wurde von vielleicht noch 30 Grad Vorlauftemperatur erreicht, das Schlafzimmer darunter war eher kühl aber mit Lehm an der Decke, die Diele mit Treppe war zugig und kalt - aber in dem besagten Zimmer war es erstaunlich warm! Seitdem heißt mein Konzept Lehm, Lehm, Lehm, Wandheizung und nochmals Lehm.

Viel Freude und Erfolg beim Planen
Karla Gödde





Kern, C , könnte sein, dass Sie die Antwort unter §8 der EnEV „Änderung von Gebäuden“ finden. Hier ist dann von einer Verbindlichkeit die Rede, wenn das Bauteil sowieso „wesentlich“ geändert wird.

Imo hieße das, wenn Sie das Bauteil nicht wesentlich ändern, Sie bauteilbezogen keiner Nachweispflicht gemäß den Anforderungen (EnEV Anhang 3) unterliegen.



Sinnvolle Materialkombination für Kerndämmung



Hallo,
vielen Dank erstmal für die Beiträge. Eine Befreiung im Sinne von §16/17 der EnEv werde ich prüfen.

Aber unabhängig davon erscheint mir eine moderate Dämmung sinnvoll (Behaglichkeit, Energiekosten, Schimmel).
Hat jemand Vorschläge für eine sinnvolle Materialkombination (mit Bezug auf Klinker Aussen)?
Das von mir bevorzugte System des kapillaraktiven Wandaufbaus funktioniert nicht, da die hartgebrannten Ziegel (Klinker) der Aussenmauer nur sehr gering kapillaraktiv sind.

Vielen Dank Claudia.



Zur Innendämmung:



Ich glaube, das "funktioniert" doch. Kapillaraktiv muss die Wand ja nicht in alle Richtungen sein. Der unterschied zu einer Ziegelmauer ist vermutlich nicht mal groß, die Mauerfugen sind ja auch noch da. Mit Dampfsperren würde ich keinesfalls arbeiten.

Eine diffusionsoffene Innendämmung würde die Wandfeuchte regulieren können. Möglich wären Holzfaserdämmungen, Schilfrohr eventuell auch Mineralschaumplatten (Multipor), Calciumsilikat-Platten ebenfalls (aber teuer). Alle Lösungen haben gewisse Vor- und Nachteile.

Der sommerliche Hitzeschutz (wie man sieht heute immer wichtiger) ist dabei bei den Holzfasermaterialien noch am besten. Die zu errichtenden Innenwände sollten mit Vollziegeln oder KS-Steinen ausgeführt werden.

Die Hersteller rechnen den Wandaufbau auch feuchtetechnisch durch, wenn sie damit keinen Architekten beauftragen wollen.
Wichtig ist Wärmebrücken beachten, z.B. Estrich nach Dämmung einbringen.

Grundsätzlich sollte man sich beraten lassen, wenn man hier Neuland betritt, man kann dadurch Fehler vermeiden.