Übersicht Innendämmung für Architekten

16.05.2008



Hallo,
hier habe ich schon Stunden die Berichte und Erklärungen gelesen. Sehr interessant und "Horizont erweiternd"!
Ich brauche nun für meinen Architekten Ihre Argumente in gebündelter Form. ;-)

Objekt:
Baudenkmalhaus 1880, Sichtfachwerk mit sichtbaren Hohllsteinen (Altpreussisches Format?) ausgemauert mit ca 4cm Lehm/gehächseltes Stroh-Dämmung innenseitig.
http://good-times.webshots.com/photo/2438500270069036392VEewHM

Seit 4 Monaten "überlegt" mein Archittekt wie die Innendämmung geht. Zuerst Vorsatzschale mit 8cm Mineraldämmung ohne Hinterlüftung, jetzt 4cm und Vario KM Duplex UV. (m.E. recht kalt und falsch?)
Die Denkmalfrau will Lehm/Stroh, mir lieb aber zu teuer.

Die Bauarbeiten stocken langsam...
Könnt ihr bitte eure Meinung hier schreiben und ich lege sie dem Architekten unter die Nase?
Für Vorschläge bin ich dankbar!
Vielen Dank



Ich würde ihrem



Architekten einmal die Veröffentlichen der WTA empfehlen.



Der Preis wird bestimmen!!



Bei Ihnen wird sicherlich die Entscheidung über den Preis fallen.
Auch wenn die Lösungen viel versprechend sein mögen, die in Ihr Budget passen, so wird die Situation bestehen bleiben, daß über kurz oder lang sich Bauschäden ergeben können.
Die Vielzahl der am Markt existenten Materialien und deren konstruktiven Verbauangaben, lassen trotzdem in vielen Fällen Bauchschmerzen entstehen.

In Ihrem Falle könnte man sich wirklich Lehmbaustoffe als homogene Innenvorsatzschale vorstellen oder auch Holzweichfaserplatten.
Eine Anregung setze ich einmal mit hinten an.
Dann brauchen Sie nur einmal weiter zu klicken.



Vielleicht



einfach den "kompetenten" Architekten gegen einen "schusseligen" Handwerksmeister eintauschen. Und das eingesparte Honorar in eine vernünftige Innendämmung investieren.
MfG
dasMaurer
PS: das ist ein wenig ironisch gemeint ;-)))



Zusatz: Holzweichfaserplatten



Oder die angesprochene Alternative in Holzweichfaserplatten.
Suchbegriffe in der Bildergalerie: DHD oder Holzweichfaserplatte

Grüße Udo





Für Denkmale gelten die Vorgaben der EnEv nicht mehr !
Also schön sparsam, auch mit dem Geldbeutel, innendämmen.
Holzweichfaser in Lehm ist gut und (relativ) billig. Aber nicht mehr als 4 cm.
Incl. Verputz sollte der Preis für den m² fix und fertig unter 40,00 € pro Quadratmeter zu kriegen sein.
Den Hinweis von Fred Heim bitte ernst nehmen !! Buch macht kluch und Fortbildung ist für Architekten Pflicht. Sonst soll der Kollege sich überlegen, ob er nicht doch einen Fachplaner haben will.

Grüße vom Niederrhein





Ergänzend zu den Beiträgen von Hr. Heim und Hr. Beckmann ein Zitat aus einem alten Beitrag von mir:
"Einen guten Überblick über Innendämmsysteme bekommen Sie in dem WTA-Merkblatt E-8-5-06/D Fachwerkinstandsetzung nach WTA V: Innendämmsysteme Dort können Sie Angaben über Trockenrohdichte, Wärmeleitfähigkeit, Diffusionswiderstandszahl, Wasseraufnahme und Baustoffklasse entnehmen. Außerdem werden die Systeme bezüglich Wärmeschutz, Feuchteschutz (Diffusion), Feuchteschutz (Kapillarität), Vermeidung von Feuchtekonvektion, Schallschutz und Brandschutz bewertet. Zu beziehen direkt bei wta.de, irb.fraunhofer.de etc."
Ihrem Architekten rate ich dringend, seinen Weiterbildungsstau vor Beginn der Arbeiten abzuarbeiten. Die komplette WTA Lektüre -Referat Fachwerk - ist bestimmt nicht verkehrt, mittlerweile gibt es allerhand gute Fachliteratur.
Klären Sie, ob Ihr Architekt eine ausreichende Haftpflichtversicherung hat.
Gute Handwerker sollten Ihnen zur Seite stehen, vielleicht wohnen Sie ja im näheren Einzugsgebiet von Udo Mühle. Anrufen können Sie ihn im jeden Fall, er freut sich.
Berherzigen Sie außerdem den Tipp von Hr. Beckmann.
Viel Erfolg!
Bernd Kibies



@ Dietmar Beckmann



"Für Denkmale gelten die Vorgaben der EnEV nicht mehr !"
Diese Aussage ist so nicht ganz richtig, sondern es gibt die Ausnahme für Baudenkmäler und besonders erhaltenswerte Bausubstanz wenn die Erfüllung der Anforderungen der EnEV die Substanz oder das Erscheinungsbild beeinträchtigen.
Dies gibt uns als Planer sicherlich einen größeren Spielraum bei der Beurteilung von Energieeinsparmaßnahmen und bei der Gestaltung bei Sanierungen und Umbauten, aber gleichzeitig auch eine höhere Verantwortung und ich glaube, wir sind sehr gut beraten mit den jeweiligen Bauleuten evtl. von uns geplante Abweichungen sehr genau zu besprechen. Es handelt sich aus meiner Sicht nicht um eine generelle Befreiung, sondern man kann in Einzelfällen von den Vorgaben abweichen, denn dann gibt es immer noch den von Richtern gerne herangezogenen Stand der Technik.



Denkmal und EnEV



Danke an Fred Heim für die Präzisierung.
Einer Stellungnahme des Nationalkomitees für Denkmalschutz entnehme ich folgenden Text (Auszug):
" .....Am 27.06.2007 hat die Bundesregierung in der Kabinettssitzung den vom Bundesrat vorgeschlagenen Änderungen der Regierungsvorlage zugestimmt. Die EnEV wird ab dem 01. Juli 2008 in Kraft treten.
Für Baudenkmäler bedeutet die EnEV Novellierung:
- Gemäß § 16 Abs 4 Satz 2 sind Baudenkmäler (auch Ensembles) von der Pflicht zur Vorlage eines Energieausweises ausgenommen.
- Gemäß § 24 kann von den Anforderungen der Verordnung ohne weiteren Antrag des Eigentümers abgewichen werden, soweit bei Baudenkmälern oder sonstiger besonders erhaltenswerter Bausubstanz die Erfüllung der Anforderungen die Substanz oder das Erscheinungsbild bereinträchtigen oder andere Maßnahmen zu einem unverhältnismäßig hohen Aufwand führen würden.
Dieser Erfolg für die Denkmalpflege ist nicht zuletzt den intensiven Bemühungen aller an der
konzertierten Aktion „Energieberatung statt Energiepässe für Baudenkmäler!“ Beteiligten geschuldet, die seit März diesen Jahres durch das Nationalkomitee für Denkmalschutz
verbreitet worden ist.
Roswitha Kaiser, 28.06.2007 "

Was heißt das für den Planer.
M.E. sparen wir uns ein paar Anträge, für die man sonst § 16EnEV a.F. hätte bemühen müssen.
Dies gilt nicht nur für Denkmäler sondern auch für das, was aus irgend einem Zufall kein Denkmal ist (in NRW im § 25 DSchG als "erhaltenswerte Bausubstanz") bezeichnet.
Wir sind aber nach wie vor den "allgemein anerkannten Regeln der Technik" ("SdT" wohl nicht immer, anders im Immissionsschutz; siehe BImSchG)gegenüber dem Bauherrn verpflichtet.
Wenn man plant, davon abzuweichen, ist man sicher gut beraten, sich die geplanten Abweichungen einzeln abzeichnen zu lassen, so wie es auch gegenüber der Behörde geschieht, wenn man Befreiung (z.B. von B-Plan-Festsetzungen), Ausnahmen oder Abweichungen (von der Bauordnung) haben will.
So ist das mit der Deregulierung überall: mehr Mißverständnisse, mehr Arbeit für Gutachter und Gerichte.

Grüße vom Niederrhein (heute verregnet)



Denkmal und EnEV



Danke zurück!
Das macht die Angelegenheit noch einmal deutlicher und ich sehe, dass wir uns im Umgang mit der EnEV und der Verantwortung für die Gebäude sehr einig sind.

Grüße aus dem Aachener Land ebenfalls ziemlich verregnet.





Vielen Dank an alle!

mit einer 4cm Dämmung... Mit welchen Heizkosten muss ich rechnen? Wie mollig wird das Haus werden können?
Ich frage mich das, weil ich eine Frostbeule bin (dürfte ich beim Fachwerk nicht sein, das weiss ich jetzt) und mit Gasheizung/ Fußbodenheizung und Kamin/ Kaminofen heizen will. Vielleicht später noch ein Holzkessel neben die Gasheizung.
Hat jemand ungefähr Erfahrung? Hängt aber wohl von zu vielen Faktoren ab...
(Grundfläche 180qm und 3meter bis Decken)
1880 saß man mit 2 Pullis rum, heute soll (k)einer reichen ;-)

Zu den Holzweichfaserplatten:
ich habe mich im Internet so schnell mal kundig gemacht. Interessant. Drucke ich dem Architekten mal aus.
Bin an jeden weiteren Tip interessiert. Dazulernen kann nicht schaden, besonders wenn man dann mitreden kann bei den Handwerkern/ Architekten!
Mathias

PS: eine Story meiner "Leidensgeschichte" muss ich mal loswerden. Gibts hier eigentlich ein Forum für lustiges?
Also: Deckenbalken EG->OG hing durch; Statiker berechnete Unterzug, bei Besprechung (Ar(s)chitekt, Zimmermann, Statiker) alles besprochen -> Zimmermann bestellt Balken -> dieser lag im Haus.
Ich, Bauherr, nehme Zollstock und schaue selber!!!!! und recht blöd !!!
Denn: wenn der Balken unter der Decke hängt, geht das Fenster nicht mehr auf !!!!!!!
Wer ist Schuld? Ich solls sein, weil ich ja "einen sichtbaren Halzbalken haben wollte und kein T-Träger" !
Stimmt, nur mit dem Zitat von mir: "wenn es sinnvoll ist"
ja, ja, ist es wohl nicht; Sorry für die lange Plauderei ;-))

Mathias



Abschätzung der Heizkostenersparnis



durch eine Dämmmaßnahme ist so einfach nicht möglich. Die Wärmeverluste der Außenwände machen vielleicht 1/3 aus, es gibt ja auch noch Fenster, Decken, Lüftungsverluste.
Zur Abschätzung hilft nur der Einsatz eines Berechnungsprogrammes, erst dann lässt sich feststellen ob nicht am falschen Ende optimiert wird.



Noch nie...



...war es schwer, Heizkosten zu berechnen: Schauen Sie mal auf die Heizölpreise 2008 und die aus den Vorjahren !

Rechenprogramme im Internet zum Überschlag, die sind fast genausogut wie "richtige" gibt es unter www.zentralheizung.de > tools

Aber es gibt noch einige fast kostenlose Maßnahmen, die Wohnung angenehm zu temperieren und Heizenergie zu sparen:
- die Wände warm halten (geht dank Innendämmung)
Die Hüllflächentemperierung ist dagegen eine Maßnahme zur Materialerhaltung, nicht zur Energieeinsparung !
- Zugluft vermeiden (z.B. Zuluft für offene Kamine vom Keller aus vorsehen, das sorgt nebenbei für eine gute Lüftung dort)
- Raumthermostat niedrig einstellen, z.B. 19 Grad.
- Nachts im Winter Schlagläden oder Rolladen schließen
- Auf einem hydraulischen Abgleich des Heizungssystems bestehen ! Ventile richtig einstellen ! Das kann bis zu 20% ausmachen.

Grüße vom Niederrhein



Ach, wenn doch nur der Preis



entscheiden würde! Dann wäre einmal kurz überschlagen, daß jede Innendämmung eines alten Hauses wie auch immer zu teuer ist, um von den sich daraus ergebenden Heizkostenersparnissen gegenfinanziert zu werden. Das bringt jede Wärmebedarfsberechnung schnell hervor.

Es ist ein Hype, daß man in traditionellen Fachwerkbauten frieren muß, soweit nicht gedämmt. Man muß allerdings schon heizen im Winter. Und das aber möglichst kostengünstig: Offene Hülllächentemperierung.

Aber auch das ist bestimmt wieder in den Wind geschrieben.