Außenisolierung bei Bruchsteinhaus? Energiepass für selbiges?

07.03.2005



Hallo an alle,

ich bin gerade dabei ein 100Jahre altes Bruchsteinhaus (hellbrauner Sandstein) zu renovieren um es anschließend zu vermieten. Vor 2 Jahren habe ich den Keller trocken legen lassen ( Drainage mit Vertikalsperre ), und bin nun am Überlegen das Haus zu verputzen. Die Arbeit soll eine Fachfirma erledigen. Es sind schon 2 Wände (süd u. west) mit einem sehr groben Spritzputz versehen welcher vor ca. 30 Jahren aufgetragen wurde. Die beiden restlichen Wände möchte ich auch Verputzen lassen und überlege jetzt ob ich sofort einen Isolierputz aufbringen lasse. Ich habe hier im Forum schon gelesen das es überflüssig sei 60cm dicke Bruchsteinwände zu isolieren. Aber warum? Das die Wände ein hohes Wärmespeichervermögen haben leuchtet mir ja ein, aber ist eine Isolierung nicht noch besser? Was hat denn eine Bruchsteinwand für einen Wärmeleitwert? Ab 2006 müssen Miethäuser angeblich einen Energiepass vorweisen anhand dessen ein Mieter den tatsächlichen Energieverbrauch erkennen können. Kommen Bruchsteinhäuser ohne Isolierung überhaupt noch durch?

Ich bedanke mich schon im vorraus für eure Antworten,
Dietmar



Energiepass ist kein Gütesiegel



Wie der künftige Energiepass aussehen wird, ist noch nicht klar. Klar ist aber, dass der Energiepass keine Positivkennzeichnung im Sinn eines Gütesiegels sein wird. Er wird in erster Linie Eigenschaften des Gebäudes abbilden, aber keine qualitätiven Mindestanforderungen bescheinigen.



Nach EnEV



muß eine Außenwand die neu verputzt wird und einen Wärmedurchgangskoeffizienten > 0,9 W/(m²K) hat (ihre Wand hat ca. 2,15) eine Dämmung erhalten.
Ausnahmen können über den Denkmalschutz oder über einen Nachweis der Unwirtschaftlichkeit erwirkt werden.

Der Energiepass wird wohl im Jahr 2006 zur Pflicht werden. Der Energiepass wird angebe, in welche Energieeffiziensklasse ein bestimmtes Gebäude einzuordnen ist. Wie er aussehen wird ist tatsächlich noch nicht endgültig entschieden, ich denke aber, dass er sich nicht sehr von dem im Jahr 2004 in einem bundesweiten Versuch verwendeten Pässen unterscheiden wird.
Dieser Pass enthält zwar keine qualitativen Mindestanforderungen, aber der zukünftige Mieter oder Käufer kann ablesen wie der Energieverbrauch sich in einem solchen Gebäude im Vergleich zu anderen Gebäuden darstellen wird.
Ich empfehle ihnen eine ausführliche Energieberatung vor Ort. So lässt sich feststellen, welche energiesparenden Maßnahmen sinnvoll sind.



Aber ist es denn überhaupt sinnvoll zu Isolieren?



Hat eine Isolierung denn einen Verbrauch senkenden Efekt bei so dicken Wänden? Wird denn eine Dämmung zwingend vorgeschrieben beim Verputzen. Und wann ist die Dämmung unwirtschaftlich?

MfG Dietmar



ja.



dicke allein macht es nicht. das Material entscheidet. wie im obigen beitrag erwähnt, ist es schon ein unterschied ob ein wärmedurchgangskoeffizient <0,9 oder 2,irgendwas vorliegt. und ja, wenn sie an mehr als 20% der fassade bosseln, müssen sie die enev einhalten - es sei denn, sie hätten ein denkmal. denkmalschutz geht vor. das mit der unwirtschaftlichkeit ist nicht für ihren fall vorgesehen, sondern nur, wenn das kosten-nutzen-verhältnis nicht erreicht wird, z.b. bei knapper überschreitung der grenzwerte.
als mieter würde ich nicht in ihr haus ziehen (wenn's meins wäre, sähe das eventuell anders aus) - wer soll die heizrechnung in ein paar jahren noch zahlen können?



Ich hoffe doch das ich Mieter bekommen werde,



denn ich saniere ja gerade deswegen das Haus. Und meine Fragen ergeben sich ja aus meiner Unwissenheit und nicht weil ich mich gegen alles sperre ;-)
Ich bin momentan noch dabei den Umfang der notwendigen Arbeiten und deren Kosten zu ermitteln und möchte natürlich keine Ausgaben tätigen die konterproduktiv oder überflüssig sind. Desweiteren werden das Badezimmer erneuert, im Erdgeschoss der komplette Fussboden gegen eine Betondecke getauscht und im ganzen Haus die Elektroinstallation erneuert. Der Renovierungsaufwand scheint sich bei sehr viel Eigenarbeit auf ca 50000€ zu belaufen. Da möchte ich schon wissen ob die auch sinnvoll eingesetzt sind :-)

@Bettina Ingenkamp: und anschließend hoffe ich das auch sie in die Wohnung eiziehen würden;-)

MfG Dietmar



Vielleicht noch mal am Rande bemerkt:



Wenn sie an einzelnen Bauteilen arbeiten und rechnen, gibt die EnEv Grenzwerte an, die eingehalten werden müssen, z.B. Außenwand 0,35 W/(m²K). Lassen sie das Gebäude allerdings insgesamt beurteilen, das heißt incl. Heizung, Fußboden, Fenster, Dachfläche, Brauchwassererwärmung, ... usw. kann es sein, dass sie auch mit schlechteren Dämmwerten z.B. für die Außenwand auskommen, und trotzdem insgesamt ein gutes Ergebnis erhalten. Man kann schlechtere Bauteile z.B. durch eine gute Gebäudetechnik oder gute andere Bauteile ausgleichen. Bei der Einordnung im Gebäudepass, spielen alle diese Dinge auch eine Rolle.
Übrigens, man kann sich einen Gebäudepass auch jetzt schon erstellen lassen. Dann weiß man wo man 2006 steht.



Danke für die Antworten,



aber nochmal zur EnEV,
was ist mit den ganzen Miethäusern egal welche Bauart und Baustoff die nicht renoviert werden- können, stehen die auf einmal am 01.01.06 schlecht da und sind quasi unvermietbar? Dann werden doch wohl ziemlich viele Vermieter pleite gehen oder ihre Häuser verkaufen, wenn sie sich eine Sanierung nicht leisten wollen oder können.

MfG Dietmar



Miethöhe auch nach Energiepass



Mittelfristige werden sich die Mietpreise sicherlich nach dem Energieverbrauch ausrichten. Man muß bei einer Mietwohnung auch einen ganzheitliche Betrachtung der Kosten durchführen, vor allem unter Einbeziehung der verbrauchsabhängigen Nebenkosten. Bei den derzeitigen Energiepreissteigerungen sind diese nicht zu unterschätzen.
Der Energiestandard eines Gebäudes gemäß Energiepaß wird zukünkftig als wichtiger Faktor Miet- und auch Verkaufspreise mitbestimmen.



@ dietmar



http://www.bafa.de/1/de/aufgaben/energie.htm

dort finden sie eine liste der enrgieberater. das ganze wird auch gefördert, sie müssen nicht viel selbst bezahlen.
ich habe mit meiner beraterin durchweg positive erfahrungen gemacht, es lohnt sich.



@dietmar



Energieberater gibt es dann noch bei den Ingenieurkammern, den Architektenkammern und dann gibt es noch die Sachverständigen für Schall-und Wärmeschutz, die natürlich in erster Linie zuständig sind.
Ich denke nicht, dass alle Eigentümer von schlecht gewarteten Häusern in Zukunft pleite gehen. Aber vielleicht kümmern sich viele Hauseigentümer, die sich bis jetzt Jahrzehnte lang nur in soweit um ihre Häuser gekümmert haben, dass sie monatlich die Miete kassiert und diese regelmäßig alle 2 Jahre für nichts erhöht haben, ein bischen mehr um ihre Häuser.
Wie heißt es doch so schön: Eigentum verpflichtet!



dann werde ich mich jetzt um ein Gutachten bemuhen,



in unserem Ort ist auch ein Baubiologe. Kann man die Kosten für ein Energiegutachten pauschal beziffern oder hängt das wieder von allen einzelnen Faktoren ab? Wird der Zuschuss durch den Gutachter beantragt?

MfG Dietmar



ja.



macht der berater.



Vor-Ort-Gutachten oder Fachplaner



Eine bezuschußte Vor-Ort-Beratung durch einen zugelassenen Energieberater liefert ein verhältnismäßig pauschales Gutachten (so sind leider die Vorgaben) mit grundsätzlich durchführbaren Maßnahmen. Es beinhaltet keinen Wärmeschutznachweis nach EnEV.
Die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen bedarf vor allem im sensiblen Bereich der Denkmal-/Altbausanierung meiner Ansicht nach einer guten Fach- und Werkplanung, die gesondert beauftragt/vergütet werden muß.
Ich bin zwar selber zugelassener Energieberater bei der BAFA, empfehle aber meinen Bauherrn im Denkmalbereich sich den Eigenanteil für das Vor-Ort-Gutachten zu sparen und diesen lieber in die Planungskosten für Wärmeschutzmaßnahmen zu investieren. Die Kosten für die EnEV-Nachweise haben sie eh zu tragen und die ggf. nötigen Nachweise für KFW-Kredite werden ihnen miterstellt.
Schöne Grüsse aus dem trüben Franken.



komisch,



aber bei mir lief das anders. ich hatte allerdings auch schon eine archtektin, so dass für zusammenspiel gesorgt war.
und gerade für kfw-mittel war die beratung im vorhinein sinnvoll: die meisten banken sind sind nicht besonders kooperativ, wenn es um co2-sanierungsprogramm geht. ich muss dann auch mit einem zinsaufschlag gegenüber dem günstigsten Anbieter leben - schon deshalb war es wichtig zu wissen, ob ich die förderhöchstsummen überhaupt erreiche (weil ich eben ein denkmal habe, wo ich nicht alles dämmen kann, will) - sonst hätte sich die sache nicht gelohnt.
meine beraterin war sehr versiert im bereich ökologische dämmstoffe (meine archtektin nicht, sie hat andere vorzüge) - so haben alle profitiert.
zudem hat sie mir noch mehrere varianten Solaranlage gerechnet, sodass ich zumindest gron weiß, welche kosten mich erwarten und ich die standorte in den Bauantrag einfließen lassen konnte. (und hoffen kann, dass eine variante genehmigt wird)



evtl. Missverständnis



Hallo Bettina.
Durch meinen Beitrag wollte ich nicht den grundsätzlichen Bedarf eines Fachplaners für Wärmeschutz in Frage stellen, eher im Gegenteil. Ich finde es enorm wichtig, dass bei energetischen Sanierungsmaßnahmen ein Bauphysiker/Energieberater Bauherrn und Planer berät.
Ich stelle nur die zuschußfähige Vor-Ort-Energieberatung in Frage, was ihre vorgegebene Form und die geforderten Sanierungsaussagen/Varianten betrifft.
Aber es gibt auch solche und solche Berater. Bei einem meiner Bauvorhaben wurde ein Gutachten von einem entsprechenden Vor-Ort-Berater erstellt, dass in wesentlichen Teilen nicht umsetzbar war, da auf grundsätzliche Probleme der Bausubstanz (v.a. Feuchte Wände/Mauerwerksversalzung/Problem Innendämmung/Feuchteberechnung/...) nicht eingegangen werden muß (war für mich der Zeitpunkt, mich selbst weiterzubilden).
Für die Kredit- und Zuschußberatung (KFW+BAFA) sowie die Variantenberechnung braucht es nicht unbedingt einen Energieberater, das muß man auch von einem guten Fachplaner erwarten können ("bestmögliche Beratungspflicht").



Beratung



ich möchte von einem Berater doch in erster Linie rein Technische Fragen geklärt wissen wie Art der Dämmung, verträglichkeit mit der Bausubstanz und dergleichen. Ich bin kein ausgesprochener Anhänger von Ökoprodukten sondern möchte die günstigste Lösung mit der besten Verträglichkeit für mein Haus. Wenn das dann Naturmaterialien sind werde ich sie auch gerne einsetzen, aber ansonsten nehme ich auf jeden Fall die preiswerte Lösung unter dem Aspekt das ich eventuel auch selber die Arbeit erledigen kann. Ich möchte nicht wegen CO2 Maßnahmen die nächsten 30Jahre Hypotheken tilgen, sondern in einem kalkulierbaren Zeitraum damit fertig sein. Mein Bankberater hat mich überigens im ersten Gespräch auf die Mittel der KfW inklusive CO2 Programm aufmerlsam gemacht.

MfG Dietmar