Das Fachwerkhaus energetisch sanieren

Sanierung

Saniertes Fachwerkhaus Saniertes Fachwerkhaus

Fachwerkhäuser sind echte Liebhaberobjekte. Mit der entsprechenden Sachkenntnis und handwerklichem Geschick lassen sich diese Altbauten mit viel Liebe zum Detail in moderne Wohnträume verwandeln, ohne ihren besonderen Charme zu verlieren. Ein besonderes Thema für Fachwerkliebhaber ist das Thema Energieeffizienz, denn selbstverständlich entspricht ein Haus, das schon mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel hat, nicht einmal annähernd den modernen Möglichkeiten der Energieeffizienzhäuser. Schlechte Dämmung und die daraus resultierenden hohen Nebenkosten stellen für Fachwerkhausbesitzer nicht selten ein Problem dar.

Das bedeutet aber nicht, dass Eigentümer sich zwischen dem Charme eines Fachwerkhauses und dem umweltbewussten Einsparpotential eines Energieeffizienzhauses entscheiden müssen. Es ist durchaus möglich, Fachwerkhäuser ganz gezielt energetisch zu sanieren, auch wenn die Bauwerke unter Denkmalschutz stehen.

Eine energetische Sanierung finanzieren

Alte Immobilien sind erhaltenswert, das haben auch Banken und Kreditinstitute längst erkannt. Für den Schutz, die Pflege und die Sanierung alter Häuser, die potentiell sogar unter Denkmalschutz stehen, können Eigentümer deshalb inzwischen zahlreiche Fördermöglichkeiten und Kredite in Anspruch nehmen.

Selbstverständlich kommt hier ein klassischer Immobilienkredit in Frage. Falls bereits ein Immobilienkredit aufgenommen wurde, um die Immobilie zu erwerben, ist es nach Absprache mit dem Kreditgeber vielleicht sogar möglich, den vorhandenen Kredit aufzustocken, da eine energetische Sanierung auch den Wert der Immobilie enorm steigern kann.

Je nachdem, wie umfangreich die Sanierungsarbeiten ausfallen, wäre auch ein reiner Renovierungskredit eine Möglichkeit. Dabei handelt es sich um einen Ratenkredit, bei dem auf die Grundschuldbestellung verzichtet wird. Renovierungskredite werden in der Regel in einem eher kleinen Rahmen vergeben und sind deshalb nur für Umbauvorhaben geeignet, die diesen finanziellen Rahmen nicht sprengen. Es ist aber durchaus möglich, die energetische Sanierung in verschiedenen Teilschritten durchzuführen und dafür jeweils einen Renovierungskredit in Anspruch zu nehmen. Eigentümer können sich unter www.verivox.de/immobilienkredit/ über die verschiedenen Möglichkeiten einer Kreditfinanzierung informieren und sich einen ersten Überblick über einzelne Kreditmodelle verschaffen.

In den meisten Bundesländern haben sich Banken inzwischen auch auf die Vergabe von Sanierungskrediten mit energetischer Ausrichtung spezialisiert. Hier ist häufig eine günstigere Förderung im Rahmen der Sanierung zum Energieeffizienzhaus möglich. Welche Gebäudestandards für die jeweilige energetische Bewertung einzuhalten sind und was sich hinter den einzelnen Energieeffizienzklassen verbirgt, erläutert das Internetportal https://www.effizienzhaus-online.de

Eine besonders beliebte Kreditvariante ist die Förderung über die KfW-Bank. Um den Erhalt von Baudenkmälern zu unterstützen, hat die Bank ein spezielles Programm zur Förderung energetischer Sanierungen von denkmalgeschützten Gebäuden entwickelt. Da es nicht immer ganz einfach ist, moderne Sanierungsmöglichkeiten mit den Bauauflagen für denkmalgeschützte Gebäude zu vereinbaren, vergibt die KfW-Bank Fördergelder unter vereinfachten Voraussetzungen für Baudenkmäler und Gebäude mit sonstiger besonders erhaltenswerter Bausubstanz.

Gefördert wird in Form eines zinsgünstigen Darlehens, das bei einer vollständigen Sanierung zum Energieeffizienzhaus bis zu 100.000 Euro pro Wohneinheit beträgt. Wer nur Teile des Hauses energetisch sanieren möchte, darf ein zinsgünstiges Darlehen von bis zu 50.000 Euro pro Wohneinheit in Anspruch nehmen. Wird durch die energetische Sanierung ein KfW-Effizienzhaus-Standard erreicht, erhalten Eigentümer zusätzlich zum Darlehen einen Tilgungszuschuss, mit dem sie das Darlehen bedienen und damit die Laufzeit verkürzen können.

Für die energetische Sanierung mit Förderung der KfW-Bank ist es allerdings erforderlich, dass für die Umbaumaßnahmen ein Experte für Baudenkmäler hinzugezogen wird. Er muss eine spezielle Bestätigung ausfertigen, die als Grundlage für die Beantragung des Förderkredites für die energetische Sanierung eines Baudenkmales dient. Die KfW-Bank empfiehlt als Anlaufstelle für die Suche nach einem Bauexperten für Denkmalsanierungen die Internetseite des Bundes https://www.energie-effizienz-experten.de.

Welche Möglichkeiten der energetischen Sanierung gibt es?

In Fachwerkhäusern, vor allem in denkmalgeschützten Gebäuden, krankt es in Sachen Energieeffizienz häufig an allen Ecken und Enden. Die modernen Möglichkeiten der Bautechnik haben allerdings dafür gesorgt, dass aus einem alten Fachwerkhaus durch sachgerechte Umbauarbeiten und Nachrüstungen ein modernes Energieeffizienzhaus werden kann, ohne gegen die Richtlinien des Denkmalschutzes zu verstoßen. Die Verbraucherzentrale informiert über die Anforderungen, die die Energieeinsparverordnung (EnEV) seit ihrer Aktualisierung 2014 an Gebäude der Energieeffizienzklasse stellt und welche Pflichten sich daraus für Eigentümer alter Häuser ableiten.

Energieeffizienzhaus Energieeffizienzhaus

Eine vollständige energetische Sanierung umfasst die folgenden Punkte:

  • Dämmung des Gebäudes vom Keller über die Außenwände bis hin zum Dach

    Bei denkmalgeschützten Fachwerkhäusern ist diese Maßnahme nicht immer ganz einfach umzusetzen, da für eine sachgerechte Außendämmung das Fachwerk abgetragen, auf Bausubstanz überprüft und anschließend gedämmt werden muss. Um allen Auflagen des Denkmalschutzes gerecht zu werden, werden solche Häuser deshalb häufig mit einer kompletten Innendämmung versehen. Das alte Fachwerk kann somit unberührt bleiben.

  • Austausch der Fenster und Türen

    Fenster und Türen sind häufig ein Schwachpunkt in Sachen Energieeffizienz. Eine energetische Sanierung umfasst deshalb in der Regel den Austausch sämtlicher Fenster und Türen durch energieeffiziente Modelle.

  • Austausch der Heizungsanlage

    Wer Heizkosten sparen möchte, braucht eine moderne und energieeffiziente Heizungsanlage. In den meisten Fachwerkhäusern wird das Heizen von eher altertümlichen Konstruktionen besorgt. Optimal ist die Kombination einer modernen Heizungsanlage mit erneuerbaren Energien zur Wärmeerzeugung, wie zum Beispiel einer Wärmepumpe, die Erdwärme zum Heizen heranzieht, oder der Solarthermie, bei der die Sonnenenergie die Heizungsanlage beispielsweise bei der Warmwasserbereitung unterstützt.

  • Installation einer Photovoltaikanlage

    Eine Photovoltaikanlage sammelt Sonnenenergie und wandelt sie in nutzbare Energie für den Haushalt um. Ideal sind Photovoltaikanlagen, die nicht nur in der Lage sind, Energie direkt umzusetzen, sondern diese auch für einen späteren Gebrauch, zum Beispiel in der Nacht, zu speichern. Eine andere Variante sind Photovoltaikanlagen, die an das örtliche Stromnetz angeschlossen sind und den erzeugten und nicht selbst genutzten Strom dem lokalen Stromanbieter zur Verfügung stellen. Hierfür erhalten Hauseigentümer eine so genannte Einspeisevergütung, die zwar in ihrer Höhe schwankt, trotzdem aber eine lohnende Rendite bringen kann.

    Hier finden Hauseigentümer einen Überblick über die Einspeisevergütungen der vergangenen Monate sowie aktuelle Bewertungen von Strom durch Solarenergie.

Welche Einzelmaßnahmen im Rahmen einer energetischen Sanierung umgesetzt werden sollen oder ob eine vollumfängliche Sanierung zum Energieeffizienzhaus stattfinden soll, entscheiden Eigentümer ganz für sich.

Die Vorteile einer energetischen Sanierung

Dass die energetische Sanierung eines Fachwerkhauses eine echte Herausforderung werden kann, ist nicht von der Hand zu weisen. Trotzdem kann es durchaus lohnend sein, diese Kosten und Mühen auf sich zu nehmen. Fachwerkhäuser haben ihren ganz eigenen Charme, den selbst der individuellste Neubau nicht erreichen kann. Außerdem stehen viele alte Fachwerkhäuser längst unter Denkmalschutz und sind allein deshalb schon erhaltenswert. Wer ein Fachwerkhaus geerbt oder sich bewusst für den Kauf entschieden hat, verbindet wahrscheinlich auch einen hohen emotionalen Wert mit dem Gebäude.

Es gibt aber auch ein paar ganz pragmatische Vorteile einer energetischen Sanierung, die in die Waagschale zu werfen sind, wenn es um die Frage geht, ob sich eine Sanierung gegenüber einem Neubau lohnt.

  • Es gibt inzwischen zahlreiche Möglichkeiten, auch sehr alte Häuser nachträglich mit einer energieeffizienten Ausstattung zu versehen. Viele Gebäude bergen hier ein ungeahnt hohes Potenzial. Ein Neubau ist für energiebewusstes Wohnen also nicht mehr zwingend erforderlich.
  • Eine energetische Sanierung ist in vielen Fällen günstiger als ein kompletter Neubau. Außerdem können vor allem für denkmalgeschützte Häuser häufig umfangreiche Fördermittel für eine Sanierung in Anspruch genommen werden.
  • Eine umfangreiche energetische Sanierung ist dank moderner Möglichkeiten durchführbar, ohne den individuellen Charakter des Hauses zu beeinträchtigen. Es ist also möglich, Charme und Effizienz miteinander zu kombinieren.
  • Wer ein Fachwerkhaus energetisch saniert, tut der Umwelt etwas Gutes, denn eine Sanierung, vor allem der Umbau zu einem Energieeffizienzhaus, beeinträchtigt die Umwelt deutlich weniger als ein Neubau, vor allem im Hinblick auf Abfallstoffe wie Bauschutt oder Baugrubenaushub.

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