Elektroinstallation auf Lehmwand

07.08.2021 InderAu

Elektroinstallation auf Lehmwand

Wir sind dabei ein ca. 150 Jahre altes Fachwerkhaus im Hunsrück zurückzubauen. Das Dach und die Schieferverkleidung sind fertig. Die neuen Sprossensfenster sind drin. Die Lehmbauer sind dabei die freien Fachwerk-Außenwände instandzusetzen. Bald könnten wir mit dem Innenausbau anfangen.

Jetzt das Problem. Das Haus hat (weitgehend) intakte Innenwände aus Lehm. Ich habe bereits mit mehreren Elektrikern gesprochen, um einen Kostenvoranschlag zu holen. AUF DER Lehmwand möchte ich die Stromleitungen aufputz Verlegen lassen. Es sollen in allen Räumlichkeiten nur die nötigsten verlegt werden, also nur Lichtschalter und eine (oder 2) Steckdose. Im Haus werden keine modernen Elektrogeräte installiert (auch kein Kühlschrank oder Fernseher!).

Eine Firma hat sofort abgesagt. Es hiesse, die „Technik“ beherrschen sie nicht mehr. Auch mit Unterputz hätten sie Schwierigkeiten.

Eine weitere Firma war ein bisschen optimistischer. Der Elektriker würde sich Gedanken drüber machen, wie es am Elegantesten zu lösen wäre. Wir warten noch auf seine Lösung.

Meine Frage: Hat jemand vielleicht Ideen, wie man die Schellen bzw. Schalter und Steckdosen dauerhaft und stabil auf Lehmwänden anbringen kann. Die ursprünglichen, alten Röhren von den 30ern sind teilweise noch vorhanden (aber nicht mehr in Betrieb!). Die wurden teilweise mit 10cm-langen Nägeln festmontiert.



Mein Tipp:



such Dir einen pensionierten Elektrikermeister. Wir hatten das gleiche Problem: solche Aufträge will heute KEIN Elektrobetrieb mehr ausführen. Unsere Lösung: wir haben die Strippen in Absprache mit dem pensionierten Meister selbst gezogen, er hat am Ende die Steckdosen nur noch anmontiert und alles ordnungsgemäß abgenommen.

Vorteilhaft an dieser Regelung war auch, dass er Zimmer für Zimmer nach und nach gemacht hat. Ein regulärer Betrieb wird sich kaputtlachen bei Deinem Auftrags"volumen"...da fangen die gar nicht erst an. Dazu noch diese Sonderwünsche - das macht heute keiner mehr.



So sieht es aus…



Ich habe tatsächlich privat mit Elektrikern gesprochen. Es könnte die Unterputz-Verlegung ausprobiert werden, auch wenn es überall nicht möglich ist.

Geplante Deckenlampen haben wir drastisch reduziert, weil die Leitung dafür nur Aufputz zu installieren sind. Die Decke besitzt einen sehr dünnen Lehmputz (im Hunsrück war es üblich ca. 3mm Lehmputz auf Holzlatten zu machen). Genau deswegen haben wir der Einheitlichkeit halber für eine Aufputz-Verlegung der Leitung entschieden.

Ich würde persönlich das Kabel verlegen, wenn es sein muss (es gibt von THPG eins was direkt auf der Wand zu verlegen ist - ohne Kabelkanal). Aber meine Frage lautet ja, wie bekomme ich die Schellen und Schalter / Steckdosen stabil auf der Lehmwand. Vielleicht hat jemand hier bereits die Erfahrung gemacht.



Old-Style-E-Technik



Falls du die Installation annähernd originalgetreu aufbauen willst, suche nach "Bergmannrohr".
So heißen die alten Blechrohre (mit od, ohne Bitumenpapier-Inlay). Der Nachteil vom Bergmannrohr ist, dass man dazu spezielles Werkzeug benötigt, um Bögen herzustellen. Einfach über eine Rundung biegen ist nicht, das knickt sofort ab. Auch z. B. mit einer Biegefeder vom HSK-Installateur, o. ä..
Ansonsten könntest du auch schwarz lackiertes 16mm- Stahlpanzerrohr verwenden. Da passt ein 3x1,5²-NYM-Kabel rein und es kommt von der Optik dem Bergmannrohr noch am nächsten.
Ob oder unter welchen Umständen noch Einzeladern in den Metallrohren gem. VDE zulässig sind, weiß ich nicht. Dazu bin ich schon zu lange raus aus der E-Branche.
Ein Tipp: Falls noch Bergmanrohre vorhanden sind, die wiederverwendet werden sollen/können, benutze den letzten der sich darin befindenden Drähte als Ziehdraht für das neue Kabel. Vor allem wenn die Rohre mit Bitumenpapier ausgekleidet sind. Denn meistens knüllt sich das Papier beim Einschieben des Kabels, spätestens am ersten Bogen, und verstopft das Rohr. Dann wars das. Man kriegt das Rohr nicht mehr frei.

Zur Befestigung von Aufputzschalter reichen evtl. schon passende Dübel, wenn das Gefüge der Lehmwände fest genug ist, da man an Schalter nicht zieht. Aufputzsteckdosen werden eher und mehr auf Zug belastet (gerne mal der Stecker am Kabel aus der Dose "gerissen"). Deshalb würde ich dafür ein Brettchen, das mit langen Schrauben an der Stakung oder der Ausmauerung befestigt wird, in der Wand einlassen und überputzen. Dann kann man die Steckdosen mit relativ kleinen Schrauben ohne Bohren und Dübeln fest montieren.



Holzklotz



Danke für die Ideen. Gut dass der Putz noch instand gesetzt werden muss.

Mir wird es reichen, wenn das Kabel und die Schalterdosen stabil an der Wand bleiben. Aber eine annähernd originalgetreue Installation wäre reizvoll.





Das sind ja viele Themen die du hier aufsattelst.

Ich hatte die Eingangsfrage so verstanden das du dein Haus mit einer Elektroinstallation versehen willst die sich vom Umfang auf einen minimalen Standart beschränkt. Das sind strategische wirtschaftliche Überlegungen. Eine Elektroinstallation kann schnell mehre zehntausend Euro kosten oder deutlich billiger sein. Sparsamkeit macht durchaus Sinn wenn man sich überlegt was man wirklich braucht. Hier können Investitionskosten deutlich abgesenkt werden.

Zum anderen wolltest du eine Aufputzinstallation um invasive Eingriffe in die bestehende Bausubstanz zu reduzieren.

Beides technische Ausführungen die du effizient und wirtschaftlich lösen kannst, sofern man mit den Grundlagen des Fachgewerk vertraut ist.

Allerdings übernehmen sich hier viele in der Praxis, versuchen Fachleistung und Kosten zu sparen und erreichen kapriziöse und zeitintensive Lösungen, die fachlich entbehrlich sind.

Die andere Frage ist die Sache mit Design und Ambiente. Hier entfernt man sich natürlich mit Blick von Aufwand und Kosten vom Notwendigen.

Was ist den eine "originalgetreue" Installation, dein Haus ist älter als 100 Jahre und wurde frühestens in den 30er Jahren elektrifiziert. Die Freileitung ist ja heute noch eine Reminiszenz an diese Zeit.

Das Problem zu dieser Zeit war das Isoliermaterialien knapp und teuer war, da die Kunststoffe wie wir sie heute als Erdölderivate in Massenproduktion kennen nicht verfügbar war. Isoliermaterialen waren Naturgummi, Porzellan, Glas, Bakelit, Ölpapier, Textil, Teer. Teure Materialien und Konstruktionen hat die Nutzung der Elektrizität teuer gemacht.

Heute ist das kein Problem. Deswegen würde niemand das Bergmannrohr von 1900 mit Textil und Ölpapier einbauen. Das mag urig aussehen, ist aber eben ein technisches Zugeständnis an die begrenzte technische Entwicklung.
Eine Aufputzinstallation kann optisch ansprechend sein. Wenn man entsprechende Materialien verwendet. Das ist auch nicht unbedingt teuer.

Andere Möglichkeit ist die praktisch unsichtbar Installation beispielsweise an der Fussleiste im Kanal zu montieren.

Also quantitatives Augenmass, technische Effizienz und Wirtschaftlichkeit, im Stand der Technik, integrieren.

Oder irgendwas sentimentales, mit Kohlefadenlampe die den UKW Empfang stört aus von Manufactum. Alles dreimal teurer als der Stand der Technik.

Das muss du zunächst klären. Den Elektriker kannst du mit solchen Fragen nicht behelligen der hat dafür keine Muße und Verständnis.



Bergmannrohr…


Bergmannrohr…

muss ja nicht sein. Ich will eigentlich auch nur die nötigsten installieren (lassen). Habe auch schon überlegt, ob ich Stechdose und Schalter direkt an einander verlegen soll. Es würde dann nur ein Holzklotz gebraucht.

Diese Woche soll einen weiteren Elektriker mein Projekt angucken. Ich bin mal gespannt.

Ich habe gestern die Leitung angeschaut und habe ein paar Fotos gemacht. Ein gebogenes Stück war noch zu sehen.



Kabelrohr…


Kabelrohr…

Bergmannrohr und ein etwas einfacheres, kleines Röhrchen aus dünnem Alu(?)-Blech mit Porzellanringen am Ende. Allem Anschein nach wurde das Blech mit den Kabeln und Papierfolie (?) zusammengerollt.