Durchbiegung Holzbalkendecke auf Dauer / bei Belastung

12.02.2012


Hallo,

und brauche einmal praktishce Erfahrung / Rat.

Ich habe einen Neubau im Holzrahmenbau. Dort gibt es auch eine Geschoßdecke ( Wohnraum ) über eine Spannweite von 6,8 Meter. Dank des Architekten betragen die Deckenbalken diese nur 12/24 ( BSG ). Es sind insgesamt 11 Stück Balken verbaut bei 5,2 Meter Breite. Also ca alle 50cm ein Balken.

Zur Zeit ist der Blinboden ( 22mm Rauspund ) audf die Balken genagelt. In der Mitte hängen die Balken derzeit ca 8-9mm durch.

Es soll nun ein Massivholz Dielenboden ( auf LAgerholzern ) eingebracht werden. Ich hatte überlegt die Lagerhölzen, entgegen der Duchbiegeung, in der Mitte höher höher zu lassen, um einer weiteren Durchbiegung bei Belastung ( und ggf. auch im Laufe der Zeit ??? ) entgegen zu wirken.

Ist dies sinnvoll und wile hoch würdet ihr die Überhöhung in der Mitte der Balken wählen )???

Danke für Eure Hilfe!

fg
bienesfreund



Holzbalkendecke



Die Durchbiegung ist (zur Zeit!)etwa nur halb so groß wie zulässig bzw. üblich. Praktisch bedeutet sie keine Einschränkung in der Nutzung und keine Qualitätsminderung, auch bei zulässiger Ausnutzung der Toleranz.
Was bei Ihrem Deckenaufbau noch fehlt ist Masse.
Das kann z.B. mit einem Deckenaufbau erreicht werden, in dem Betongehwegplatten, Rechteckpflaster oder eine schwere Schüttung verbaut werden. Ohne Masse wird es zur Minderung der Gebrauchseigenschaften kommen (Schwingungsverhalten, Schallübertragung).

Viele Grüße



Durchbiegung der Holzbalkendecke



Hallo,

Die rechnerische (erlaubte) Durchbiegung bei einer Stützweite von 6,80 m beträgt nach der Formel l/300 2,3cm,
bei einer Verkehrslast von 2 KN/m2.

Wenn man eine ständige Last von 0,70 KN/m2 (Balkenlage Brettschichtholz, Rauspund, Lagerhölzer, Dämmung und Massivfußboden) annimmt, ist die, von Ihrem Architekten berechneten Deckenbalken zu schwach bemessen, das Schwingungsverhalten wurde bestimmt auch nicht berücksichtigt.

Eine Überhöhung, wie Sie es vorhaben, wird wahrscheinlich auch nichts bringen.

Viele Grüße





...erst einmal danke für eure hilfe.

das der deckenaufbau nicht optimal ist, ist mir auch bewusst, lässt sich aber nach meiner kenntnis nicht mehr mit vertretbarem aufwand ändern ( es sei denn man setzt stützen ins eg, was aber möglichst verhindert werden soll ).

damit, daß wir ein trampolin im og haben, haben wir uns auch schon abgefunden. Statik soll aber laut prüfstatiker ( Architekt hatte nur 8 deckenbalken geplant... ) mit 11 balken ok sein.

mir geht es jetzt nur noch darum die durchbiegung einigermaßen im rahmen zu halten, bzw. mit einer proportional entgegen der zu erwartenden enddurchbiegung der balken geplanten dielenlattung die durchbiegung des dielenbodens im OG einigermaßen auszugleichen.

die frage ist also, mit welcher durchbiegung muß ich nach dielenaufbau ( zusätzliches gewicht soll nicht eingebracht werden, da Schallschutz und schwingung hier nicht so wichtig ist. es kommen hanfmatten in die zwischenräume und Hanf trittschallstreifen unter die Lattung ) und normaler ausstattung ( wohnraum ) rechnen? hier dachte ich mit entsprechend ausgelegter lattung dann für den endzustand einen einigermaßen geraden boden zu erhalten. das ist jedenfalls der plan, oder sollte ich besser sagen die hoffnung...?

habe ich es denn richtig verstanden, daß die enddurchbiegung ( nach einrichtung ) ca 18-23 mm beträgt?

und kommt es denn, alleine durch zeitablauf, im laufe der jahre zu einer immer weiter fortschreitenden durchbiegung, oder ist irgendwann ein mehr oder weniger gleichbleibender endzustand erreicht???

sollte es im laufe der jahre zu einer weiteren deutlichen durchbiegung kommen müsste ich halt stützen im eg nachsetzen. soll aber halt nur geschehen, wenn absolut nicht mehr zu umgehen...

dank und gruß



Hallo binesfreund,



die Verkehrslast berechnet sich aus Einrichtung und den Personen, die sich im Raum aufhalten.
Es sind also nicht immer die 2,0 KN/m2 anzusetzen, d.h. die maximale Durchbiegung entsteht nur, wenn der Raum voll ist.

Eine Verstärkung der Deckenbalken kann man auch erreichen, wenn man auf der Deckenoberseite eine mittragende Scheibe errichtet - einfach mal einen Holzbaustatiker fragen.

Viele Grüße





hallo herr schöbig,

der Blindboden ( 22er rauspund ) ist bereits vorsorglich als statische Scheibe ausgeführt worden.

könnten sie mir auch noch einen tip dahingehend geben, ob es alleine durch zeitablauf ( ohne daß sich die last ändert ) , mit den jahren zu einer ständig stärkeren durchbiegung kommt??

dank und gruß
bienesfreund



Hallo binesfreund,



alleine durch den Zeitablauf, kommt es, sofern die Verbindung der Scheibe mit den Deckenbalken kraftschlüssig ausgeführt wurde, zu keiner ständig zunehmenden Durchbiegung.

Viele Grüße



Holzbalkendecke



Die Ansicht das die Decke unterbemessen ist teile ich nicht.
Bei BSH und dem Balkenabstand reicht das Profil bei einer Eigenlast von 1,5 kN und einer Verkehrslast von 2,0 kN aus.
In den 1,5 kN ist die erforderliche Masse zur Beschwerung mit enthalten.

Viele Grüße



Herr Böttcher,



habe das nach alter DIN 1052 gerechnet, vielleicht ist es nach der neuen anders.
Kam nach der Berechnung auf eine Balkenstärke von 24,6 cm.

Viele Grüße



Das ist ein sehr interessantes Thema,



v.a., weil man nicht weiß, was im Hintergrund für Gespräche zwischen Architekten und Bauherren gelaufen sind.
Wurde hier von vorneherein ausgeschlossen, daß das OG ausgebaut und somit mit zusätzlichen Verkehrslasten eingebracht werden ? Wurde die natürliche Durchbiegung von vorneherein angesprochen und der Bauherr diesbezüglich aufgeklärt ?

Die Regel l/200 wird gerne überschlagsmäßig genommen, ist jedoch nur ein Teil des statischen Nachweises...insgesamt muß bei der Berechnung des Eigengewichts und der Verkehrslast der Balkenabstand berücksichtigt werden. Dann erst folgt der Nachweis der Biegeberechnung, der Verformung (Durchbiegung, optische Durchbiegung, Schwingung) und der Schubnachweis...
Falls ich Zeit finde, werde ich die Sache in dieser Woche mal durchrechnen, aber der Querschnitt 12/24 erscheint mir bei einer Spannweite von 6,80 m bereits jetzt mehr als grenzwertig.
Es stellt sich die Frage, warum man sich als Architekt überhaupt in so eine Grenzregion begibt und die Deckenbalken hier nicht einfach etwas höher wählt und dann auf der sicheren Seite ist.
Außerdem frage ich mich, wie mit einer einfachen Rauhspundschalung eine statische Scheibe erzeugt werden soll. Das ist mMn. selbst mit einem Stoßversatz nicht möglich.

Gruß Andreas



@ andreas:



es war gleich klar, daß es wohnraum wird. hier hat der architekt einen fehler gemacht, der aufgefallen ist als die balken aufgelegt wurden ( von einem bekannten des BH ).

dann hat ein prüfstatiker die belastung neu berechnet und es wurden ( als praktikabelste lösung ) 3 balken zugelegt. das schwingungsnachweis nicht erfüllt ist habe ich im Kauf genommen.

war eine blöde situation. bv musste weitergehen. fehler lag zwar beim architekten, aber der anspruch war gering ( sowiesokosten ) und es musste eine schnelle unkomplizierte lösung her....

zum thema blindboden: der rauspund läuft über die volle länge ( 4,8 meter ) durch und ist jeweils 2 mal pro deckenbalken versetzt verschraubt.



Wenn eine Berechnung durchgeführt wurde,



dann sind doch sicher auch die veranschlagten Verkehrslasten aufgeführt, oder ? Können Sie die evtl. mal posten ? Wenn ein Nachweis vom Prüfstatiker geführt wurde, müssten die ja von Vorneherein festgelegt worden sein...üblicherweise bei Wohnraum mit 2,0 KN/qm...Zu einer vernünftigen Berechnung der Eigenlasten wäre die Dicke des Rauspunds und die Dicke der neu aufzubringenden Dielen von Interesse...
Ihre Idee mit der Überhöhung der Lagerhölzer ist mMn. durchaus praktikabel, wenn es darum geht, die Dielen im DG zumindest einigermassen in Waage zu bringen. Theoretisch müßte man in diesem Bereich sogar etwas überhöhen, weil die momentane Durchbiegung der Deckenbalken aufgrund der fehlenden Belastung noch nicht am Ende der Fahnenstange angelangt ist. Für die Durchbiegung der Balken selber bringt das allerdings wenig...hier könnte mMn. lediglich der Einbau eines sogenannten Überzugs etwas bringen, der allerdings, je nach Auflagerabstand, recht stark dimensioniert und dann oben im Wohnraum sicher auch im Weg wäre. Also praktikabel ist das dann sicher nicht.

Stört Sie denn die optische Durchbiegung oder machen Sie sich lediglich Gedanken, ob die Balken die neu entstehenden Lasten tatsächlich auch aushalten ?

Für eine vernünftige Berechnung wäre auch ein Grundriß von Vorteil, indem evtl. Zwischenlager (Innenwände) und Auflager ersichtlich sind...

Gruß Andreas



hallo andreas



erst einam danke für deine bemühungen.

an der grundkonstruktion kann man leider nicht viel ändern. nicht einmal ein unterzug ginge, da man diesen nicht in den wänden lagern könnte ( statik des hrb dafür nicht ausgelegt ). man müsste stützen ins eg setzen...

habe mit der durchbiegung auch kein großes problem und mich auch mit dem schwingen abgefunden.

ich möchte nur, daß der dielenboden im OG möglichst eben verläuft ( wegen der fußleisten und dem übergang zum nebenzimmer, welches eine betonfußboden hat ). daher meine ursprüngliche frage danach, mit wieviel weiterer durchbiegung ich rechnen muß, um die überhöhung der lattung richtig zu wählen? oder anders gesagt, mit wieviel zusätzlicher durchbiegung muß ich rechnen, wenn der raum als wohnraum ( schwere sachen stehen extra am rand ) genutzt wird? dann kann ich die zu erwartende weitere durchbiegung mit überhöhter lattung kompensieren....

hätte gedacht auf die vorhandene durchbiegung ( ca. 9mm ) ca. 50% aufzuschlagen und 5mm ( am tiefsten punkt ) zu überhöhen.

der eingebrachte boden wird ein massivholzdielenboden in 25mm Lärche auf ca. 40mm lattung ( abgestuft wegen durchbiegung ) mit Hanfdämmung zwischen der lattung.

nach info von herrn schöbig muss man mit einer weiteren durchbiegung, alleine durch zeitablauf, nicht rechnen. das ist schon mal ganz gut.



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hallo,

im nachgang noch infos zum raum ( habe leider keine gute Zeichnung parat ):

er hat 5,2 x 6,8 meter. weder im og noch im og zwischenwände. Balkendecke ist einfeldträger im hrb außenwand auf zwischenrehm gelagert und mit fettenankern fixiert. Abstand der balken im schnitt rund 55cm. dielen verlaufen in gleicher richtung wie balkenlage.



HoHoHolzbalkendecke



Denkt doch mal mit einem der Sache geneigten Statiker über Verstärkung mittels Vollgewindeschrauben nach .
Auch denkbar Holz-Beton-Verbunddecke , falls oberseitig eigener Wohnraum entstehen sollte .
Jürgen Kube
FensterEcke Brüggemann + Kube Zimmerei
www.fensterecke-minden.de