Ein Gartenhaus wird zum "Öko-" Hühnerstall




Hallo liebes Forum,

zur Zeit arbeite ich an einem Hühnerstall, dazu haben wir ein Gartenhaus der Firma WEKA (Schwedenhaus Gr. 1 )gekauft und werden dieses mit einigen Anpassungen und Änderungen als zukünftige Behausung für die 4-6 Hühner benutzen.

Bei der Arbeit an unserem Fachwerkhaus ist in mir die Überzeugung gewachsen, eigentlich nur noch mit Naturbaustoffen und -Farben arbeiten zu wollen, auch wenn es eben nur der kleine Holzschuppen ist. (gestern und heute wurden schonmal alle Außenfertigteile mit rohem, entschleimten Leinöl grundiert).

Die Frage: ))

Der Boden des Hauses besteht aus Holzbrettern (Nut & Feder, gehobelt, Fichte o.Ä.) und eigentlich wollte ich ihn irgendwie "abdichten", mit einer Gummi-Kofferraummatte oder so. Aus oben genanntem Grund frage ich mich aber ob es nicht auch eine tolle Naturbaustofflösung gäbe.

Könnte man den Boden auf den Hölzern nicht mit einer Art Lehmestrich verputzen, anschließend mit Kalkfarbe (wie den Rest des Stalls) streichen? Ich könnte mir sogar vorstellen, etwas verzinkten Volierendraht als Armierung und ggf. Marderschutz von Unten mit einzubetten.

Wird das klappen oder ist das ein zu kühner Plan? Wer hat vielleicht schon Ähnliches auf kotbeanspruchten Flächen probiert?

Vielen Dank für eure Antworten!



Hühnerstall bauen



Meine Hühner sind abends immer in den Kirschbaum geflogen, manchmal auf die Fensterbänke im 1.Stock-
auch im Winter und bei Schnee und Regen. Den offenen Unterstand haben die nur zum Brüten verwendet.
Die ersten Hühner waren früher draußen aufgewachsen
und haben die Gewohnheit offenbar weitergegeben- Stall muß also nicht unbedingt immer sein.

Stallböden können natürlich nur aus gestampftem Lehm/Ton hergestellt werden- in dünnen Lagen aufbringen und gut stampfen.
Gegen Untergrabung Steine einlegen, falls das überhaupt nötig sein sollte.

Zur Festigung wurden die Böden früher teilweise mit Rinderblut getränkt- würde ich natürlich nicht machen.
Leinöl/-firnis wäre möglich.
Auf den gestampften, ebenen Boden können auch fertige Granitplatten aufgelegt werden- ggf in ein dünnes Sandbett.
Falls es sich um raue Terrassen-Granitplatten handelt kann die glatte, gesägte Rückseite nach oben gelegt werden.
Das reduziert den Pflegeaufwand erheblich gegenüber Lehmböden, kann ausgespritzt werden und ist mardersicher.

Andreas Teich





Da bin ich mal gespannt wo sie sich am wohlsten fühlen werden:)
Der Stall soll am Abend und bei Regen nach Lust und Laune als Behausung dienen, die Hühner sollen generell Freilauf im gesamten Garten 2.800 qm (oder Teilbereich, mal sehen) bekommen.

Grundsätzlich klingt Ihre Idee mit dem Stampflehm super, damit hab ich zwar noch keine Erfahrung sammeln können aber dafür würde ich ja am Hühnerhaus testen!
Wie kann ich mir diesen Aufbau grob vorstellen, kann es sich in diesem Fall ruhig um eine "dünne" Schicht handeln und welche Art Lehm würde ich benötigen? (Ausgangssituation ist Nut-Federbretter als Boden)
Logistisch am einfachsten wäre momentan fertige Produkte der Firma Conlino zu besorgen, da der nächste Händler sehr nah ist.

Danke!



Lehmfußboden



Hallo Alexander
Ich würde für den Zweck nichts kaufen sondern zur nächsten Tongrube fahren -Ziegelwerke haben auch so etwas.

Alternativ bei Baustellen oder mich draußen umsehen wo das Wasser steht und möglichst fetten (tonhaltigen) Lehm nehmen.

Ich denke ca 10 cm als Gesamtstärke genügt für den Zweck,
zuerst natürlich Mutterboden entfernen, dann je nach gewünschter Höhe auffüllen (Lehm, Schotter, Bauschutt, Kies)
darauf in ca 3 cm dicken Lagen Lehm/Ton auftragen und möglichst gut verdichten-mit Stampfer oder schwerem Fäustel mit untergelegter ca 10/10 cm Holz- oder Metallplatte oder nur mit der Schmalseite eines Klinkersteins.

In Bauerhäusern und Ställen waren Lehmböden früher ganz üblich wie auch heute noch in der 'dritten Welt'.
Findest du auch in Freilichtmuseen zB in Kommern/Eifel oder Molfsee bei Kiel

Andreas Teich





Da wir generell sehr lehmigen, an Stellen nahe unserem Teich stets pfützigen Boden haben, sollte ich mir da mal einen spatentiefen Überblick verschaffen.

10 cm Gesamtstärke - müssen die einzelnen Zwischenlagen komplett durchtrocknen oder nur anziehen?

Klingt auf jeden Fall sehr interessant, falls es schlussendlich ein Lehmboden wird, berichte ich natürlich hier.

Danke & schönes Wochenende!



Stampflehmboden



Der Lehm soll erdfeucht sein- also nicht naß!
sonst muß er vorgetrocknet werden, dh kleinere Stücke abstechen und luftig regengeschützt auslegen/aufstellen, ggf auf Holzrost.

Bei der Trocknung bilden sich Schwindrisse, wenn dieser Vorgang weitestgehend abgeschlossen ist die nächste Lage aufbringen.

Leinöl, Wachs oä nur auftragen, wenn der Lehm komplett trocken ist und vorher Schwindrisse mit feuchtem Lehm/Lehmschlämme ggf mehrfach ausfüllen.

Andreas Teich



Geflügelstall



In all meinen Geflügelställen (Huhn, Gans, Ente) habe ich alte Ziegel knirsch verlegt, auf den Teich´schen Unterbauvorschlag. Den Holzboden würde ich weglassen.



Entschleimtes Leinöl?



Hoffentlich tragen Sie das sehr dünn auf und verdünnen es mit wenigstens 30% Terpentin oder Orangenschalenöl. Klingt wie ein Produkt letzter Pressung und damit eher ungeeignet als Anstrich.

Auch bei höherwertigem Leinöl zieht sich die Trocknung viel länger hin als bei einem Hartöl aus dem Naturfarbenbereich.

Innen sollten Sie auf den Anstrich verzichten.

Grüße

Thomas



Hat gut funktioniert (auf Sägerauh, grob nachgeschliffen)



Leinöl roh, entschleimt (Allbäck) wurde dünn und gehörig eingearbeitet und gut ausgestrichen. Nach 2 Tagen war die Grundierung getrocknet und die Türe wurde bereits mit einem ersten Anstrich Herrenhausgelb (Ebenfalls Allbäck) versehen, verdünnt mit etwas Balsamterpentin und Leinöl.
Drinnen wird es nur gekalkt, ggf. verbleibende Ritzen und Winkel werde ich vorher mal mit etwas Restlehm probieren zuzuspachteln, damit den Milben nicht so viel Platz geboten wird.





Mittlerweile ist das Häuschen fast fertig gestrichen, nun steht der Innenausbau an! Meine Testspachtelung der Holzritzen mit einfachem Lehm hat nicht geklappt, reisst durch die Holzbewegungen immer wieder ein. Da muss ich wohl doch acrylieren - oder hat jemand eine andere, fugenabdichtende Masse, die nicht grade die Hühner wochenlange mit Lösungsmitteln bedampft?

Stangen habe ich aus Haselnuss geschnitzt, die mit Plexiglas verschraubte Fensteröffnung will ich noch um ein aufklabbares Fenster für den Sommer erweitern.



Hühnerstall



Seien Sie froh das Ihre "kühne Idee" gescheitert ist.
Das hätte Ihnen übrigens auch selber einfallen können.
Dazu braucht man kein Fachwissen sondern gesunden Menschenverstand.
Schrauben Sie auf den Boden 14 mm OSB 3- Platten auf, die können Sie mit Leinöl nachbehandeln falls Sie das beruhigt. Die Hühner können dann zwar nicht im Lehm scharren aber das Ausmisten geht schneller und hygienischer.





Da haben Sie wohl Recht, Herr Böttcher!

Den Boden habe ich aber noch gar nicht angefasst, wahrscheinlich bleibt er vorerst so wie er vom Hersteller vorgesehen ist (Nut&Feder-Holzboden)- für mich Opferhölzer, wenn durch dann durch.
Darunter sind auf den Bodenbalken mardersichere Drahtgitter angebracht.

Erstmal war das Experiment Lehmfugen auf die Holzverbretterung der Wänd beschränkt, lieber im Hühnerstall Erfahrungen sammeln als am Wohngebäude denk ich mir ;)

Grüße & ein schönes Wochenende!