Katze im Sack, kaufen?

18.08.2003



Katze im Sack, kaufen?


Hallo, ich habe die Möglichkeit, im Rahmen eine Zwangsversteigerungsverfahren an ein Haus zu kommen, was mich schon immer interessiert hat. Es ist ein ziemlich grosses Denkmal (400 qm Wohnfläche) in Toplage. Ich bin ein junger, nicht reicher Jurist, handwerklich daher bisher nicht versiert aber wahnsinnig einsatzbereit. Das Denkmal hat aber einen Haken- ich, sowie andere Interessenten können das Haus nicht vorher besichtigen, der Eigentümer verbietet es. Das Wertgutachten (was natürlcih von niedrigem Niveau ist) spricht von „eventuell abbruchreif“, die Photos lassen einen schlimmen Innenzustand erwarten (aussen gut, auch laut Statiker), es stand 11 Jahre leer und wurde von einem Spekulanten in Richtung „Verfall wegen Abrissgenehmigung“ missbraucht. Die Baubehörde sieht noch keine Gründe für einen Abriss, Denkmalbehörde ebenso (übrigens hatte ich einen nicht so guten Eindruck von den Mitarbeitern, die m.E. nicht so interessengerecht handeln).
Ich würde das Haus gerne sanieren, mit möglichst viel Eigenarbeit. Finanziell bin ich eingeschränkt, aber vom Arbeitseinsatz her nicht.
Meine Sorge vor allen Dingen: Entkernung. Das wäre vermutlich zu teuer. Kommt Hausschwamm dazu, bin ich wohl gezwungen, das sofort zu machen. Wie sind Eure Einschätzungen? Kann ich in diesem „worst case“ dann das Haus abreissen lassen?
Ich weiss, es ist einzelfallabhängig, daher wäre ich in dieser ungewissen Lage für jede Einschätzung dankbar.
Sind die Decken zu erhalten, habe ich auch aus diesem Forum so viel Optimismus erfahren, das mit Einsatzwillen, Zeit (zusätzliches Geld) eigentlich alles zu machen ist.
???





spontan und gefühlsmäßig würde ich sagen: eine nummer zu groß. 400 qm wohnfläche wollen erst einmal saniert sein (es sei denn, man kann die hälfte des hauses ungenutzt/unsaniert lassen), und dann haben sie eine menge fenster, kilometer von leitungen etc. ich denke, bei einem haus dieser dimension braucht es nicht nur einen guten willen (glückwunsch dazu), sondern auch ein vernünftiges nutzungskonzept. katze im sack ist auch so eine sache. zumindest die denkmalschützer müssten das haus doch betreten und einigermaßen seinen zustand einschätzen können?
wenn sie dennoch zuschlagen: immer rein ins forum, hier gibt es viele hilfreiche hände (und wenn's nur eine e-mail ist ...)
gruß günter flegel, wagenhausen



Eigenleistung wird schon klappen



Herrn Flegel mich erst mal bedenkend anschließend hinsichtlich Größe, eine nicht verallgemeinerbare Aussage: Einsatzwillen schafft schon einiges. Bin ja selbst als Informatiker nicht gerade der ausgebildete Allround-Handwerker, und Annette als Einzelhandelskauffrau/Sekretärin/Technische Redakteurin genausowenig. Nichtsdestotrotz haben wir sehr viel in Eigenleistung zustande gekriegt. Allerdings: Mit zwei linken Händen, an denen auch noch 10 Daumen sitzen, sollte man die Finger von so was lassen. Wenn Sie sich nicht ganz zu dieser Gruppe zählen, nur zu.
Wenn das Fachwerk zumindest in Ordnung ist, ist das schon mal ein wesentliches Plus: Die Arbeiten daran haben bei uns das meiste Geld verschlungen. Wenn das Haus seit 11 Jahren leer stand, kann das auch was gutes sein: Wir sind froh, daß wir ein unsaniertes Haus gekauft haben und somit alles selbst (und Dank der Unterstützung auch von fachwerk.de) richtig machen konnten. Gerade in den 70ern und 80ern wurden doch recht viele Fachwerkhäuser kaputt saniert, wie wir auch in unserer Straße sehen können). Und ein Fachwerk sich selbst überlassen hält immer noch erstaunlich lang, so lange keine konstruktiven Problemstellen das Holz schädigen. Eine Entkernung können Sie sich ja mal anbieten lassen; beim Wiederherstellen der Gefache läßt sich aber eigentlich alles in Eigenarbeit machen, d. h. Sie haben nur die Materialkosten (und viel Zeit nötig). Was den Hausschwamm betrifft, sollten Sie ggf. auf eine Rücktrittsklausel hinwirken, denn der kann das Ziel des Spekulanten schneller im nachhinein erreichen als einem lieb ist.



Ins Haus verliebt? - kaufen!



Hallo Herr Schmitz, ist das Dach soweit von außen sichtbar in Ordnung, dass es nirgends hereintropft (Wasser kann Schlimmes anrichten im Fachwerkhaus)? Man weiß halt nicht, was der vorherige Eigentümer alles gemacht hat, damit das Haus "endlich" zusammenfällt. Könnte ja auch monatlich mal mit dem Wasserschlauch durch das Haus spaziert sein... Zum Thema Eigenleistung: Wir haben wirklich alles selber gemacht, nur nicht die Elektrik, Heizung, Fenster und Zimmermannsarbeiten. Es ist echt ein Haufen Arbeit, aber uns macht sie Spass. Wäre doch langweilig, am Wochenende immer ins Schwimmbad zu gehen *wehmütigguckentu* ;-)... dafür gibts nach der Arbeit Gardena Gartendusche, weil unser Bad noch nicht ganz fertig ist... Und wenn ich drandenke, wie BLAUÄUGIG wir doch an den Kauf unserers Hauses herangegangen sind (an sowas wie Hausschwamm hatten wir garnicht gedacht, obwohl wir wussten, das das Haus an einigen Stellen etwas feucht war), da scheinen Sie mir doch vernünftiger bzw. informierter zu sein. Zum Thema entkernen: Das sollte man auf keinen Fall tun, am besten die ursprünglichen Gefache lassen, nur, wenns absolut notwendig ist, dann die paar Gefache mit Lehm ausbessern oder notfalls mit Lehmsteinen ausmauern (und das ist mal ne einfache Arbeit...). Und: Beim Hausschwamm muss man nochlange nicht das Haus abreißen, das kann man machen lassen. Wenn Sie sich so in das Haus verliebt haben und so einen großen Einsatzwillen zeigen, dann kaufen Sie's, Sie werden das sonst ewig bereuen. Wir basteln jetzt schon seit einem Jahr fast nur zu zweit an unserem Haus herum (und machen alles mit Naturbaustoffen), wir haben echt einen riesen Spass damit und hätten nie im Leben gedacht, dass man so viel selber machen kann. Und wenns nicht ganz grade wird: auch nicht schlimm, ist doch ein Fachwerkhaus :-). Wenn ich dann unsere tollen abgeschliffenen Dielenböden sehe und es in unserem Haus schön angenehm kühl ist, dann entschädigt das wirklich für alle Arbeit und den ganzen Staub und Schweiß. Und hier im Forum - das muss man ja mal loben - gibts wirklich sehr hilfreiche Tipps, die kann man in keinem Buch nachlesen. Grüße Annette (meine eigene Arbeitszeit kostet mich nichts)



Eigenleistung und Ausdauer



Hallo Stefan,

Dein Enthusiasmus in Ehren, nach eigenen Erfahrungen mit alten Häusern solltest Du aber eines bedenken:
Nur kaufen, wenn finanziell sichergestellt ist, daß Du das Haus auch ohne Eigenleistung bewohnen kannst.
Ich saniere gerade ein relativ kleines EFH mit jetzt 75 und später 90qm Wohnfläche.
Ich hätte nicht gedacht, daß es soviel Arbeit macht, hier unterschätzt man leicht (Zeit-)Aufwände.
Nach nun fast 9 Monaten Arbeit nach der Arbeit bin ich ziemlich Groggy und Pleite, dafür ist sind rund 70% der Arbeit erledigt.

Da 400qm sehr viel sind, schließe ich Eigenleistung durch nur eine einzige Person fast aus. Überleg mal, wielange Du alleine zum Tapezieren/Streichen/Teilverputzen brauchen würdest. Und das wäre ja nur der superoptimale Fall, oder? Und wenn man Dinge zum 1. Mal macht, (ok, nicht unbedingt Streichen) dauert eh alles länger.
An Deiner Stelle würde ich nur zuschlagen, wenn Du SICHERE+FÄHIGE Helfer oder ein gutes finanzielles Polster hast.

Eventuell bekommt man ja mit einem Bekannten Zugang, Kaminkehrer haben z.B. noch das Recht den Schornstein zu kontrollieren.

Grüße, Rainer



ist die Katze vielleicht schon fast tot?



Guten Tag, ohne vorherige Besichtigung ist der Kauf ein sehr großes Wagnis. Ich mußte schon einigen Leuten, die sich in ein Haus verliebt hatten abraten es zu kaufen, weil die Schäden ihren finanziellen und zeitlichen Rahmen sprengten. Eine tragische Geschichte habe ich auch erlebt als ich nach einer Ersteigerung hinzugezogen wurde und im ganzen Gebäude Hausschwamm feststellen mußte (Die Bauherrengemeinschaft hat inzwischen private Insolvenz angemeldet). So schön die alten Häuser sind, man muß doch wissen was man kauft. Bei kleineren Ausgaben ist man doch auch vorsichtiger.
Fazit: Irgendwie mit Berater besichtigen oder die Hände davon lassen wen man nicht Millionnär ist.
mfG. Ulrich Arnold



Danke!



Hallo nochmal,

Ganz, ganz herzlichen Dank für Eure Beiträge. Ich war regelrecht gerührt von der Anteilnahme und den Kommentaren. Und es hat mich auch motiviert. Also wollte ich es doch noch ersteigern. Es hat allerdings nicht geklappt, da kam jemand mit viel Geld im Hintergrund und hat mehr als das Dreifache des Mindestgebotes geboten, wäre auch noch weiter gegangen. Kungelei? Schon etwas, man hat da Absprachen mit der Denkmalbehörde gemerkt, ich halte Euch auf dem Laufenden, wenn ich dran denke.
Mir tut das Ganze schon weh, aber Trost ist, dass ich durch den Preis (es gab auch noch mehrere Mitbieter) eine Chance sah, die wirklich eine war (die meisten Bekannten hatten mir abgeraten, vermutlich weil sie Angst hatten oder es mir nicht zutrauten) und dass mein Limit nicht annähernd an den Preis herankam, wobei ich den tatsächlichen Preis letztlich sehr zweifelhaft hoch finde.
Das Ganze hat mich aber auch in vielen Dingen fortgebildet- ich kenne das Denkmalrecht in- und auswendig und weiss viel von Behördenpraxis was dies angeht und ich sehe vielleicht demnächst Sachen auch realistischer, Klüngel mit den Behörden gibt es.

Nochmal Dankeschön und viel Spaß mit Euren Projekten!