Eichendachstuhl mit Schimmel?

03.01.2019 Caspar


Eichendachstuhl mit Schimmel?

auf unserem derzeit in Sanierung befindlichen Haus aus dem 17. Jahrhundert befindet sich ein wahrscheinlich ebenso alter Eichen - Dachstuhl in gutem Zustand. Das Haus steht seit sieben Jahren leer und wurde wahrscheinlich fast genauso lange nicht beheizt. Es ist zweistöckig plus Dachboden. Einhergehend mit dem Abriss aller nicht historischen Einbauten wurde eine "Wärmedämmung" aus 8cm Glaswolle auf dem Fußboden des Dachbodens entfernt, darunter eine Bitumenpappe (ebenfalls entfernt), darunter ein etwas ramponierter, aber noch brauchbarer Eichenfußboden auf Eichen - Deckenbalken. Nach Entfernung dieser dampfsperrenden Schicht in 2017 haben wir im letzten Winter einen weißen Belag auf den meisten Dachbalken festgestellt, der sehr nach Schimmel aussah. Offensichtlich hatte der nun freie Dampfdurchgang vom relativ feuchten Erdgeschoss bis in den Dachstuhl hier eine ungünstige Auswirkung. Dies erschien plausibel, da der Dachstuhl vollständig ebenfalls mit Bitumenpappe unter den Ziegeln abgedichtet war. Es bestand die Hoffnung, dass nach Erneuerung der Dacheindeckung unter Verzicht auf jegliche Unterspannbahn ausreichend Belüftung zur Verhinderung einer Neuauflage des Phänomens vorhanden sein sollte. Im trockenen Sommer und nach vollendeter Neueinmdeckung ist der Belag dann auch fast vollständig verschwunden. Leider ist er in den letzten Wochen mit hoher Luftfeuchtigkeit bei gleichzeitig ausgekühltem Haus verstärkt wieder aufgetreten. Hat jemand eine Idee, um was es sich handelt? Besteht Handlungsbedarf? Gibt es Vorschläge für geeignete Bekämpfungsmethoden? Der Belag läßt sich, zumindest optisch, problemlos mit einem Handfeger entfernen. Behandlung mit Heißluft ergibt keinen sichtbaren Effekt. Abwaschen mit Essig - Essenz geht auch. Ob es dann wiederkommt, weiß ich noch nicht. Der Dachstuhl ist sehr hoch und bemerkenswert groß. Alles abzuwaschen wäre schon eine echte Herausforderung. Die zukünftige Nutzung wird so aussehen, wie ein Dachstuhl gedacht ist: Als reiner Nutzraum mit Blick auf die nackten Ziegeln und ohne Heizung.



Problem Schimmel und seine Bekämpfung



Das könnte viele Ursachen haben.
Können wir dazu mal telefonieren, damit ich ihnen u.U. einen versierten Gesprächskontakt zur Ursachenfindung mitteilen kann?

Oder am besten hier eine Mail hinsenden oder den Anruf hinlenken.

http://www.baubiologie-heine.de/
Er ist übrigens selbst ein Mitglied in dieser Plattform.

FG Udo Mühle



Evtl eher Borsalzausblühungen ??



Mich irritiert die Punktförmige Struktur der weißen Stellen..Schimmel geht meistens mit einer schmierigen Oberfläche einher und ist am Holz bei nicht ständigem Druchfeuchten durch z.b. Regenwasser oder Lagerung im Erdreich eher selten.
Es sieht auch leicht flockig aus...so etwas kenne ich von Ausblühungen an Wänden..

Evtl. wurde der Dachstuhl ja mal mit Borsalz nachimprägniert ? Eine durchaus gängige Praxis in früheren Jahren.

Einfach mal eine Probe abkratzen, trocknen lassen. Bilden sich kristalline Strukturen wäre es Salz....bleibt es schwammig, wäre dann von Schimmel auszugehen.



Danke für den Borsalzhinweis



ich werde in jedem Fall das mit der Probe mal ausprobieren. Wäre denn erhöhte Luftfeuchtigkeit ein Auslöser für eine solche Ausblühung? Und würde sich eine Borsalzausblühungh bei Trockenheit von alleine wieder zurückbilden?



Sprechen sie......



...vorher ganz einfach mal mit Hr.. Heine



Mal ein paar Bilder


Mal ein paar Bilder

Hier zunächst mal der Dachstuhl in Totale



Bilder


Bilder

Und ein Detail des Befalls



Bilder


Bilder

und noch eines. Hier sieht man, dass neben den weißen Flockenartigen Gebilden auch dunkelgraue da sind.



Probe des Befalls



Eine Probe zu nehmen, habe ich versucht. Sobals man das Zeug abzukratzen versucht, löst es sich fast in Luft auf. So eine "Flocke" wird zu einem winzigen Partikelchen, an dem zumeist noch ein kleiner hauchdübber Faden hängt, der sehr an Spinnweben erinnert. Das Ganze scheint ja wohl doch eher Schimmel als Borsalz zu sein, oder?



Geben sie mal



Salpeterausblühung und alternativ Schimmel auf Holz in die Suche bei Tante Goo ein....die Bilder die sie zeigen sehen für mich immer noch mehr nach Salzausblühungen aus.
Mal dran gerochen ? vorsichtig probiert ?
Schimmel riecht leicht süßlich...Salpeter oder Salzausblühung hingegen gar nicht und schmeckt halt leicht salzig.
Auch Salpeterflaum fällt bei uns beim Abfegen in sich zusammen und hat einzelne Fadenartige Strukturen, kristallisierte Salzfäden....

Aber ich würde Ihnen in jedem Fall empfehlen einen Fachmann zu konsultieren... Ferndiagnosen sind immer schwierig.



Sieht aus



wie meine neue Kellertür von innen, hatte ich zur Sicherheit mit Holzwurm-Ex eingestrichen. Dies hat sich als perfektes Schimmelsubstrat herausgestellt, eine dicke Schimmelschicht ist nun die Folge.



Kellertür Innenseite



Und Dachstuhl mit offensichtlich reichlich Querlüftung sind schon noch ein u terschiedliches Paar Schuhe.
Ich stoße mich halt überwiegend daran, dass es offenbar eine nicht schmierige Schicht ist und außerdem das Holz ja eigentlich nun besser belüftet ist als vor den Sanierungsmaßnahmen und daher eigentlich nicht so der perfekte Nährboden für den doch eher Dunkelheit und Feuchtigkeit liebenden Schimmel ist.
Salpeter oder Salze blühen zudem erst so richtig während einsetzender Trocknungsprozesse aus....
Irritiert bin ich aber auch von den dunkleren Flecken, die nun wieder tatsächlich so aussehen, wie eine leise vor sich hinschimmelnde Holzstruktur..
Rätselhaft.
Da hilft nur Der Fachmann...
Oder ein Labor...gibt es ein ausbaubares Stück befallenes Holz ? Das könnte dann in einem Labor einfacher untersucht werden..



Wie gesagt....



...ich gab ihnen ja bereits einen Ansprechpartner durch.
Er verfügt über eine Fülle derartiger Informationen zu dieser Thematik und kann ihnen da sicherlich kompetent weiterhelfen.

FG



Lieber FG



Warum schreibt er dann nicht einfach was hier rein? Dann haben alle was davon.



Ich hatte bereits....



...in einer meiner ersten Antworten in diesem Thema auf den Fachmann Herrn Heine verwiesen und dies sogar mit einem Link versehen.
Wer lesen kann, ist klar im Vorteil!

Sorry



Ich sehe...



...eher keine kristallinen Strukturen. Aber das kann täuschen.

Borsalz, Alaun oder Salpeter können Sie ganz gut von Schimmel unterscheiden, wenn Sie saubere Substratproben vorsichtig, mit Skalpell oder Rasierklinge abtrennen und direkt in ein Glas mit sauberem Wasser fallen lassen. Die Salze würden sich zügig auflösen, die Strukturen eines Schimmelgeflechtes sollten Sie im Wasser treiben sehen.

Kristalline Strukturen lassen sich aber auch mit der Lupe deutlich von Schimmel unterscheiden.

Grüße

Thomas



Vielen Dank Thomas,


Vielen Dank Thomas,

für die eigentlich naheliegende Überprüfungsmethode, auf die ich gleichwohl selbst nicht gekommen bin. Ich habe es natürlich sofort ausprobiert. Um eine Probe zu entnehmen bleibt nur die Möglichkeit, eine dünne Schicht von der Oberfläche eines Balkens abzuschälen. Gibt man den in Wasser, besteht die eizige Veränderung darin, dass das "haarige" an der Struktur nicht mehr zu erkennen ist. Das Ganze pampt ein bisschen zusammen, löst sich aber überhaupt nicht auf. Das Bild zeigt die Probe im Wasser liegend.



Gut,



dann ist das wohl nicht salziger Natur.

Ich habe solch einen Befall schon einmal gesehen, aber eher im Vorbeihuschen.

Möglicherweise beschafft Ihr Euch 'mal bei Kremer-Pigmente ein Gebinde Lithiumwasserglas, verdünnt das mit 2 Teilen Wasser und streicht damit ein paar leicht zugängige Balken um zu schauen, ob's dauerhaft wirkt?

An anderer Stelle hat mich die hohe Wirksamkeit gegen Schimmel schon sehr positiv überrascht.

Grüße

Thomas



Doch Schimmel ?



Ich bin ehrlich etwas geplättet.
Aber die Probe, auf diese einfache Art wäre ich auch nicht gekommen -Danke für die Idee , ist da doch sehr eindeutig.
Mich würde interessieren, wie es zu solch einer großflächigen Schimmelbildung kommen kann.
In einem gut belüfteten Dachstuhl hätte ich so etwas nicht erwartet.

Ich hoffe, es findet sich ein gut umsetzbarer Weg für die Beseitigung des Befalls.

Würden die Profis eine Art Begasung auch für möglich halten ? Es erscheint mir wahnsinnig aufwändig, jeden einzelnen Balken gründlich und mit nachhaltigem Erfolg zu behandeln...Eine weitere Ausbreitung sollte ja auch möglichst verhindert werden...

Ich hatte ehrlich auf Salzausblühungen gehofft...



Nach Ihrer Schilderung...



kam das ja recht spontan. Nun gilt: Ohne Wasser kein Schimmel.

Wenn's denn Schimmel ist, bringt eine Begasung überhaupt nichts, aus vielen Gründen. Ein Gas verfliegt...Vorallem aber, wenn wieder die gleichen Bedingungen herrschen, könnte sich auch wieder derselbe Schimmel bilden.

Möglicherweise kondensiert Wasser an den Balken?

Zum Test habe ich ja erst 'mal das leichte Besteck empfohlen. Das Lithiumwasserglas verdunstet nicht und ist dauerhaft wirksam. Ach ja, bitte Augen und Haut schützen.

Alternativ oder zusätzlich zur Lithiumwasserglasbehandlung würde ich über eine bessere Belüftung nachdenken.

Grüße

Thomas



Die Ursache beheben



und nicht die Folgen, so wie meine Vorredner es sagten. Einerseits hat sich auf den Balken über die letzten Jahrhunderte durch die menschliche und tierische Nutzung eine für Pilze hervorragende Schicht gebildet. Eine Reinigung könnte etwas Abhilfe schaffen.

Andererseits entsteht Schimmel nur bei sehr feuchten Bedingungen. Ihre Luft wird mit deutlich über 80% rel. Luftfeuchte annähernd gesättigt sein und das Holz wird nass und gerade im Winter fehlen die Trocknungszeiten. Strömt vielleicht sogar noch feuchtewarme Luft aus dem Wohnbereich zum Dachboden, wird es noch nasser.

Wichtig ist eine richtige Belüftung, die zu nasse Luft fernhält oder einen noch höheren Luftaustausch erzeugt.



Noch was...



Sie schreiben, dass das Haus seit Jahren ungheizt leer steht. Ist dies der Fall, muss davon ausgegangen werden, dass im kompletten Gebäude die Feuchtigkeit zu hoch ist und diese feucht- kalte Luft sich im Dachbereich staut.

Welche Nutzung des Gebäudes ist vorgesehen?



Vielen Dank



für die rege Beteiligung und die vielen Ratschläge. Natürlich ist mir klar, dass bei einem Schimmelbefall die Ursachenbeseituigung absolute Priorität hat. Und es ist auch klar, dass dies bedeutet, dass wir die Feuchtigkeit reduzieren müssen.

Vielleicht nochmal zur Situation:

Wie ich schon geschrieben habe, dauern die Sanierungsmaßnahmen nund bereits seit 2017 an. Wir haben zunächst alles entfernt, was für die denkmalgerechte und der geplanten Nutzung entsprechende Sanierung nicht zu gebrauchen war. Daher sind die meisten Innenwände beseitigt worden. Diese bestanden durchweg aus Bimssteinen, verputzt mit Kalkzementputz, im Obergeschoss im Wesentlichen einfach auf die Zwischendecke gemauert (!). Auch wenn diese Wände wirklich entfernt werden mussten, ist mir klar, dass wir damit auch feuchtigkeitspuffernde Substanz entfernt haben.

Die Zwischendecke zum Dachboden ist, wie auch bereits geschrieben wurde, von Dämmstoff und Bitumenpappe befreit worden. Insgesamt haben wir damit sicher auch dafür gesorgt, dass Feuchtigkeit aus dem ziemlich feuchten Erdgeschoss nun ungehindert in den Dachstuhl ziehen kann. Der Dachstuhl ist denn auch trotz seiner guten Belüftung fühlbar feucht.

Zur Unterbindung des Feuchtigkeitsnachschubs aus dem Erdgeschoss wurde zuletzt eine Horizontalversiegelung mit Kiesol C fertiggestellt. Von der kann man im Moment nioch keine sichtbaren Ergebnisse erwarten. Vertikalversiegelungen außen und Sockelputz (da wo er noch fehlt) stehen an.

Ich habe die Befürchtung, dass wir irgendwann um eine (teure) Bautrocknung nicht herumkommen werden, denn ich erwarte nicht, dass wir vor 2020 eine Heizung werden einbauen können. Problem dabei ist, dass jegliche Erwärmung des Hauses massiv durch die derzeit nur aus Balkenlage und Dielenbelag bestehende und mit zwei großen Öffnungen versehene Zwischendecke 1. OG / Dachstuhl nach oben verpuffen wird.

Derzeit ist es aber so, dass das Haus stark ausgekühlt ist und bei Wetterwechsel in Richtung feucht-warm massiver Luftfeuchtigkeitseintrag von außen auf den Balken kondensiert. Meiner Meinung nach ist das ohnehin die stärkste Quelle für Feuchteeintrag ins Haus.

Übrigens hatten wir dieses Phänomen im letzten Winter auch schon, es ist im trockenen Sommer nahezu vollständig verschwunden.

Zur geplanten Nutzung: Wohnnutzung im EG und OG, Dämmung auf dem Boden der Dachgeschosses, darüber nur Ziegeln auf Lattung (so, wie es jetzt schon ist). Wir haben bewusst die Zwischenräume zwischen Traufe und Fußpfette nur soweit mit Lärchendielen verkleidet, dass die Tauben draußen bleiben. Kleineres Getier und jede Menge Luft können da ungehindert durch. Voller Luftdurchlass herrscht auch zwischen den Ziegeln und oben am (Trocken-) First. Allerdings ist keine regelrechte Querlüftung durch zwei gegenüberliegende Fenster möglich. Wegen der ansonsten äußerst luftigen Konstruktion haben wir auf Dachfenster verzichtet (was sich bei der Bauart aber glücklicherweise problemlos nachrüsten ließe).

Wie hier schon richtig geschrieben wurde, könnte eine Erwärmung der Baustelle vielleicht sogar nachteilig sein. Würden wir das Erdgeschoss beheizen, so würde sich der Übergang der Feuchtigkeit aus den Wänden in die Raumluft dort beschleunigen. Die Warme, und dann noch feuchtere Luft würde noch zügiger nach oben steigen und dort an den immer noch kalten (da bei dieser Konstruktion schlicht nicht dauerhaft aufheizbaren) Dachbalken kondensieren.

Ich freue mich über weitere Beiträge hierzu. Wenn jemand eine andere Idee hat, als das hoffentlich trockene Frühjahr abzuwarten, nur zu!