Ehemalige Stalldecke (Stahlträger mit Ziegelelementen)

26.09.2016 Morgens_um_7



Hallo,
nachdem wir für den alten Teil unseres Hauses gute Ratschläge bekommen habe, machen wir uns nun an den neueren (angeblich 1940) Stallanbau unseres Bruchsteinhauses.
Die Decke dort besteht aus Stahlträgern mit dazwischen gesetzen Ziegelelementen. Darauf war sehr sandiger Putz, der zT. auf die abgehängte Holzpaneeledecke gefallen ist und herunter muss. Die Stahlträger sind oberflächlich gerostet und müssen ohnehin gesäubert und mit einem Schutzanstrich versehen werden.

Jetzt kam uns die Idee, statt die Decke danach wieder abzuhängen, die Ziegelelemente samt Stahlträgern sandzustrahlen und nach Verfugen und Anstrich sichtbar zu lassen. Hat hier schonmal jemand sowas gemacht?
Funktioniert das Sandstrahlen zum Entrosten? Mit Abbürsten/Schleifen wären wir wohl Wochen beschäftigt....

Danke schonmal!



Geschossdecke



Der beste Schutz vor Korrosion ist eine Bekleidung mit Zement- oder Kalkzementputz. Damit ist auch der Schallschutz und der Brandschutz besser als in der steinsichtigen Variante. Das Problem wird sein jemanden zu finden der die Decke verputzt und die Sauerei die das gibt.
Billiger und schneller als Glattputz geht ein Pinselputz.
Da der Putz schon mal runter ist empfehle ich Ihnen eine Unterhangdecke aus Trockenbauelementen unterzuhängen, die Träger vorher mit Rostschutz behandeln. Das geht schnell und ist nicht so staubig wie das Abstrahlen.
Mögliches System: Direktabhänger an die Ziegel, Dachlattung, Randprofile, GK oder Fermacell als Deckenelemente. Damit verbessert sich neben dem Brandschutz auch der Schallschutz und die Wärmedämmung wenn man Dämmplatten einlegt.



Sauerei hin oder her



ist aktuell egal. Momentan wird ohnehin der Putz an Decken und größtenteils den Wänden abgetragen und danach kommt Kalkputz darauf.
Bedenklicher stimmen mich eher die Finanzen, da wir an den Außenwänden teilweise recht dick aufputzen lassen müssen.
Aber dann frage ich mal wegen Pinselputz an.

Die Schalldämmung ist aktuell einigermaßen in Ordnung, über den Ziegeln befindet sich eine Spelzenschüttung, Balkenlage, darauf MDF-Platten, Holzfaserdämmplatten und Parkett. Wenn das Kind im Kinderzimmer im Dreieck springt, hört man das aber natürlich trotzdem noch.

An Brandschutz habe ich jetzt ehrlich gesagt bei Ziegeln und Stahlträgern nicht als erstes gedacht ;-I



Deckenaufbau



Stahl wird etwa ab 600°C so weich das er seine Tragfähigkeit verliert. An einer unbekleideten Deckenunterseite werden bei einem Zimmer/Schwelbrand diese Temperaturen schnell erreicht. Dazu kommt noch die Gefahr des Brandüberschlages durch die vielen Fugen nach oben in eine brennbare Deckenschüttung. Vor dem Feuerüberschlag breiten sich vorher im oberen Raum giftige und damit tödliche Schwelgase aus.
Bei unterschiedlichen Nutzungseinheiten ist daher der Feuerwiderstand zwischen den Einheiten vorgeschrieben. Innerhalb von Nutzungseinheiten gelten diese Vorschriften nicht. Es sind dann Ihre eigenen Kinder die samt der Decke nach unten stürzen. Davon werden Sie aber nichts mehr mitbekommen, vorher sind sie erstickt.
Deshalb nicht vergessen Rauchmelder zu installieren!



Pinselputz



Ergänzung nach Durchsicht des Stichwortes im Netz:
Mit Pinselputz meine ich nicht die gutgemeinten Ratschläge selbsternannter Baucoaches und Putzexperten im Internet sondern die alte, klassische Technik.
Mit der Kelle anwerfen, dem Kellenrücken andrücken und verteilen, nach dem Anziehen mit der Malerbürste oder dem Annetzer nochmal verschlichten. Nach dem Antrocknen mit Weißkalkschlämpe frescal streichen, bei Bedarf mit Kalkkasein o.ä. später überstreichen.



Wir haben das so gemacht



Hallo,

wir haben in unserem Haus einen Teil der Decke genau so wie es sich bei dir darstellt.
Ich habe mir dann wirklich die Arbeit gemacht und die Steine mit der Drahtbürste auf dem Winkelschleifer abgebürstet. Die Stahlträger sind bei uns alte Eisenbahnschienen. Diese habe ich auch gebürstet und mit den Schrubbscheibe vom Rost befreit. Geschtrichen haben wir den Stahl dann mit Hamerite und die Ziegeldecke ist der einzige Ort im ganzen Haus wo normale Dispersionsfarbe zum Einsatz kam.
Brand- oder Lärmschutz hat bei uns auch eine untergeordentet Rolle gespielt an dieser Stelle. Hier ging es vor allem darum mit wenig Verlust an Aufbauhöhe eine passende Decke im Haus zu haben. Das ist jetzt 4 Jahre her und sieht weiterhin aus wie am ersten Tag.

Und ja, das war eine eklige Arbeit, hat ewig gedauert (mehrere Tage für ca 30 m3) und mir sind dabei fast die Arme abgefallen.

Gruß

derMicha



Deckenaufbau



Eisenbahnschienen als Deckenträger sind i.d.R. nicht zulässig, sie haben ein ungünstiges Tragverhalten.
Gerade hier wäre ein Verstecken der Untergurte besser gewesen falls es einmal zum Verkauf kommen sollte und so ein Typ wie ich zur Wertermittlung oder zur Kaufberatung kommt.



Rauchmelder



sind bereits im gesamten Haus installiert, da wir überwiegend Holzdecken haben, die im Falle eines Brandes wohl weitaus früher ihre Tragfähigkeit verlieren. Dennoch danke für den Hinweis, soetwas verliert man schnell mal aus den Augen.

Ich nehme an, Micha hat die unzulässigen Eisenbahnschienen nicht eingebaut ;-) Und diese dann nicht aufgrund ewaiger Verkaufsabsichten zu verstecken, finde ich ziemlich gut - ich hätte mir einen ähnlich fairen Verkäufer bei unserem Haus gewünscht, um die Sanierungskosten realistischer einschätzen zu können!

Micha, eure Decke gefällt mir sehr gut!
Was hast du mit den Fugen zwischen den Ziegeln gemacht? Die sind bei uns relativ groß und mit sehr sandigem Putz ausgefüllt.
Die Aufbauhöhe spielt bei uns ebenfalls eine große Rolle - das künftige Wohnzimmer hat bei 45m2 und nur einer Fensterfront sonst nicht gerade Wohlfühlcharakter...





Zum Glück musste ich die Fugen nicht selber verschließen. Diese waren recht zuverlässig mit einem ziemlich harten, daher nehme ich an zementhaltigen Mörtel verfüllt. Ein paar Ausbesserungen habe ich auch mit der bösen billigen Zementputzsackware aus dem Baumarkt gemacht.

Ist sicherlich nicht Normgerecht aber das nehemn wir in Kauf. An anderen Stellen habe nwir deutlich mehr Gedanken verschwendet wie wir die wirklich alte Bausubstanz gebührlich behandeln. Bei den 400 Jahre alten Lehmwickeldecken sind wir schon etwas anders an die RRestauration herangegangen. An der Stelle (auch der ehemalige Stall im Haus) waren wir da etwas entspannter. ;)

Verkaufen wollen wir die Bude nicht mehr...Jetzt wollen wir erstmal in dem Haus leben und glücklich sein.
Sollte das doch mal der Fall sein das es verkauft werden muss seh ich das so wie beim Kauf eines alten Autos. Da traue ich den Autos die nicht vorher geputzt wurden und mit Unterbodenschutz auf "keiner sieht mehr was hier kaputt ist" getrimmt wurde auch nicht. Bei so einem Auto dreh ich mich um und geh wieder.



Die



Tragfähigkeit von Holzdecken im Brandfall ist nicht unbedingt zu unterschätzen, jedenfalls von Balken! Wenn die außen verkohlt sind, brennen sie erst sehr langsam weiter und behalten lange ihre Tragfähigkeit! Anders sieht es mit dünnen Bretterschalungen aus. Deshalb waren in Österreich Dippelbaumdecken so beliebt, obwohl die ein enormer Holzaufwand sind und vom Schwingungsverhalten nicht sehr günstig.



...der Kostenvoranschlag



fürs Sandstrahlen ist da und mit 1700 Euro nicht grade supergünstig. Jetzt starte ich nochmal einen letzten Versuch die Träger selbst zu reinigen - Micha, würdest du sagen, dass die Drahtbürste und Schruppscheibe auf dem Winkelschleifer wesentlich besser gehen als die Topfbürsten für die Bohrmaschine? Wenn ja, besorge ich die gleich morgen mal - mit der Bohrmaschine geht leider gar nichts...

Kellergassenkatze: Wir haben am Wochenende im Lagerfeuer ein paar alte Schalungsbretter, Deckenpaneele und Dielen verheizt. Die Dielen gingen ja noch, aber der Rest...



Topfbürste am Winkelschleifer



Also ich hatte eine Topfbürste am Winkelschleifer dafür. Und extra einen kleinen leichten Winkelschleifer genommen. Zu entfernen gab es bei mir vor allen eine alte Kalktünche. Zementhaltige Putzreste hab ich vorsichtig mit dem Zimmermannshammer oder ner festen Spachte abgeknibbelt. Die waren unbeeindruckt von der Bürste.

Happy Bürsting, und vergess den Mundschutz und die Schutzbrille nicht ;)



Nja



eben, die Dielen sind ja auch das tragende Element und auch die habe ich als schwächsten Punkt angemerkt. Deswegen gab es ja auch Dinge wie Lehmwickel um diesen schwächsten Punkt vor Hitze zu schützen.



Wir haben nun Sandstrahlen lassen...



und sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die Ziegel haben zwar zT. Löcher bekommen, aber das lässt sich spachteln. Der Zementputz war stellenweise so hart, dass er sich selbst mit Schlagbohrmaschine und Entenfuß nicht entfernen ließ. Zum Glück haben wir Abstand vom selbst Strahlen genommen - selbst die Fachfirma hat fast das dreifache an Strahlgut und Arbeitszeit benötigt, als sie veranschlagt hatte.



Deckenbekleidung



Was hat denn das Sandstrahlen pro m² gekostet?



Die Kosten fürs Sandstrahlen



haben sich bei 36 laufenden Metern Stahlträger und 35m2 Ziegeldecke auf 1600 Euro belaufen. Wobei das ein Angebot mit Festpreis war und die Firma von lediglich 200kg Strahlgut und 3 Arbeitsstunden ausgegangen war. Nicht gerade billig, aber wenn wir es selbst gemacht hätten, wäre es wohl nicht so viel günstiger gekommen, da wir vermutlich ein vielfaches an Strahlgut verbraucht hätten und die Decke stärker beschädigt hätten....



Hourdisdecke



Gut.
Dazu kommt noch das Verfugen der Stoßfugen und der Auflager auf den Trägern, das Angleichen der Wandbekleidung am Übergang zur Decke und die Rostschutz- und Farbbehandlung der Träger.
Brandsicher ist die Decke immer noch nicht.
Wie das Kabel für eine Deckenlampe befestigt wird wäre interessant zu wissen.
Eine Unterhangdecke ist insgesamt billiger.



Raumwirkung



da würde mich jetzt mal die Gesamtansicht interessieren. Ich kann mir nicht richtig vorstellen wie diese einfache Unterdecke in dem Raum gut zur Geltung kommt. Es könnte eine ganz interessante Wirkung entfalten wie in einem Industrieloft.



Nachdem die Ziegelelemente leider nicht ganz so regelmäßig sind



...wie das bei Micha der Fall ist, wird es jetzt eine Mischvariante. Die Fugen zwischen den Ziegelelementen sind leider so groß, die Ziegel zum Teil nach oben, zum Teil nach unten gebogen, dass es eine Heidenarbeit bis zu einem gleichmäßigen Endergebnis wäre.
Daher habe ich die Stahlträger nun mit Rostschutzöl eingeölt und zwischen die Träger werden 6mm dünne Rigipsplatten geklebt. Gespachtelt wird dann gleich im Zuge der Verputzarbeiten.
Die Lampenkabel hätten problemlos in der Fuge der Stahlträger verlegt werden können.