DYI KALKPUTZ /Kalklehmputz + Farbe für Haus in Brasilien

02.12.2018



Hallo! Habe dringende Fragen zum Thema Kalk/Lehmputz.
Mein kleines Haus in Brasilien ist teils aus gebrannten hohllochziegeln und zementputz, teils aus rohen lehmsteinen gebaut.
Ich möchte das Haus innen wie aussen Verputzen lassen. Größte Problematik ist die Materialbeschaffung:
Es gibt 25kg säcke mit a) "cal hidratada"(der wird dort direkt Zement und Sand beigemischt) und b)"cal virgem"("jungfräulicher kalk")
relativ groben sand im baustoffhandel
rohmilch(Molke) beim lokal Bauern
diverse tonhaltige Erden
Lehm(aus dem auch die lehmsteine für das haus geformt wurden)
verputzer die offen sind, neues zu lernen.

Was sich nicht finden lässt:
kasein
kalkhaltige farben und fertigputze
silikatfarben
sumpfkalk
ordentliche pigmente
steinpulver(marmor o.ä.)
feinsten sand

als Wandfarben werden in brasilien nur Acryl und latexfarben angeboten(igitt!)
und verputzt wird entweder meterdick mit reinem Gips oder eben zement und direkt Latex drüber.(bäh!)

Wer kann mir helfen wie ich mit einfachsten mitteln einen weiss/cremefarbigen Putz herstelle der am besten(zumindest aussen) gar nicht gestrichen werden muss? es würde mir reichen wenn er mit einem feuchten schwann gewischt wird...wie gesagt, die Materialauswahl ist ganz ganz schlecht.
ich bin mir noch nicht mal sicher welcher "cal" nun der richtige ist.
ich freue mich über jeden hinweis! vielen dank, rixie



nactrag Bauen mit lehm und kalk in den tropen



Es gibt in brasilien auch keinen quark oder ähliches. aber rohmilch in rohen(...) mengen. lässt sich damit auch etwas anfangen?



Haus-Verschönerung in Brasilien



In Deutschland wird zwischen HL (Hydraulischer Kalk) und NHL (Natürlicher Hydraulischer Kalk) unterschieden: HL ist Kalk mit Zement und NHL ist tonhaltiger Kalk bei Kalk-Temperatur (unterhalb der Klinkerphase) gebrannt.
Der jungfräuliche Kalk ist vermutlich Weisskalkhydrat ... oder auch Weissfeinkalk (nicht gelöscht).
Beide sind natürlich nicht waschfest im Endzustand und die Porenstruktur nimmt natürlich Dreck auf. Aber da hat man früher auch neu gekälkt, geweisselt, was den Schimmel und Gammel beseitigt hat. So macht man es noch in Ställen.

Lehm löst sich unter Wassereinwirkung auf und darum ist die Frage, ob es Hochwasser oder Schlagregen gibt. Bei temporärem Schlagregen sollten Dachüberstand, Spritzzonen-Schutz und Kalkputz funktionieren, wie es Jahrhunderte gemacht worden ist.
Die Römer haben Aquädukte mit Ziegelmehl als Hydraulefaktor wasserdicht gemacht und die Hagya Sophia in Istanbul wurde auch mit Coccio Pesto gehärtet, d.h. der Mauermörtel wurde härter gemacht mit Ziegelsplitt und -mehl, weil man kein natürliches Puzzolan vulkanischen Ursprung hatte, wie es in Rom war.
Ziegeleien muss es geben, weil sonst das Haus nicht gebaut worden wäre und wo Ziegelleien sind, da gibt es Ziegelbruch, Ziegelmehl ... jetzt braucht man nur noch einen Brecher. (In Deutschland wird der Bruch bei Dachbegrünung oder Tennisplätzen etc. benutzt.) Ziegel aus Ton entsprechen dem Ton-Anteil von NHL, wenn die Brenntemperatur unterhalb der Klinkerphase liegt. (Unter 1200° statt über 1400° ... so ungefähr - Nichts gegen Klinkerziegel, weil die Verglasung ist ideal für Kanalisationsbauwerke und ein Großteil der Kanalisation ist noch preussisch ... )

Bei der Besenherstellung gibt es viele Fasern (Wie Bahia-Faser http://www.klein-besen-buersten.de/materialkunde.html oder Kokos?) aus den Tropen, wobei Hanf auch in Jamaika angebaut wird und somit als Nutzhanf ohne THC auch in Brasilien wachsen sollte. ( https://www.bafa-gmbh.de liefert Samen, aber die rechtliche Situation in Brasilien ist mir nicht bekannt.) Wichtig ist, dass die Fasern rauh (fraktal) sind. Diese Fasern können auch als praktisch unsichtbare Mikrofasern Putz aus Kalk oder Lehm deutlich verstärken. (Papierpulp als Reststoff von Papierwerken sollte auch funktionieren.) Und mit Lehmputz sollte man keine Feuchteprobleme haben.

Kasein, d.h. Magerquark, könnte man vielleicht in den 'deutschen' Gebieten in Brasilien bekommen oder z.B. beim Kalk-Laden.de und vielen anderen Anbietern ( https://www.wlw.de/de/firmen/kasein?entered_search=1&q=Kasein ). Das trockene Pulver wiegt ja kaum etwas und es sollte möglich sein, dies nach Brasilien zu importieren.
Die Alternative ist eine Tadelakt-Variante, wobei man Olivenöl wohl ersetzen können sollte, um eine Kalkseife herzustellen, d.h. man arbeitet mit einem Kiesel o.ä. das Öl in den frischen Putz ein. (Gerade denke ich auch Wachse wie Carnauba ... Aber unter Tadelakt finden sich viele Videos bei YouTube.) Daraus kann man auch Duschbereiche oder wohl auch Badewannen herstellen ... Die Eignung der verschiedenen Öle und Wachse ist nicht erforscht.

Daraus ergibt sich eine traditionelle Vorgewehensweise:
* Lehm aus einem Loch in der Nähe als Stein oder Fachwerk ... oder http://www.lehmtonerde.at/de/
* Lehm aus einem Loch in der Nähe als Unterputz mit http://www.putzspritztiger.de (Es gibt in Lateinamerika einen traditionellen Vertrieb http://www.revocadorastigre.com , aber der Hersteller versendet auch weltweit.)
* Kalkputz als Deckung
* Ziegelmehl-Kalkputz in den exponierten Bereichen - ist natürlich eher rötlich, aber könnte als Sockel zum hellen Kalk passen
* Scheuerschutzleisten gegen Stuhllehnen etc.
* Waschzonen-Beschichtung mit Kaseinfarbe oder Tadelakt

Leider ist 'Bergregion' mit 'Tropen' nicht gerade aufschlussreich und so sind die Anregungen nicht spezifisch ... vielleicht kann man auch mit Bruchsteinen mauern ...
Man kann auch mit der Intonacatrice Tigre auf Gewebe verputzen und wenn man Holzrahmen, auch aus Rohholz hat und dazu eine Lehmgrube (ggfs. mit Sand zur Abmagerung, damit die Körner aufeinanderliegen und es keine Risse gibt.), dann will man garnicht mehr mit dem Verputzen und Wanderschaffen aufhören ... http://www.putzspritztiger.de/blog/index.php?spritzbeton-technikum--torbogen-aus-beton-auf-basaltgittern-und-glasfasergewebe.

Das Hauptproblem scheint der Sand zu sein, wenngleich grober Sand heute in Deutschland schon als Kies angesehen wird, während beim Münchner Rauputz wohl noch 8 mm Größtkorn als Sand durchging. Und 8 mm hat die Intonacatrice Tigre ohne Probleme verarbeitet bei Glasschaumschotter und 6 mm bei Basaltsplit. Die grobe Körnung hat auch den Vorteil, dass man weniger Bindemittel, Kalkleim braucht.
Bei einem Steinbruch für Strassenbaumaterial fällt z.B. Staub an und Mehlkorn, was in Deutschland als Füllmittel für Dinge wie Gummifussmatten uvm. gebraucht wird (Mineralische Füllmittel und Glasfasern machen Kunststoffe abriebfester und brauchen aber darum auch abriebfeste Spritzformen etc.) ... und in Bergen sollte es Steinbrüche geben ... Die Quelle für Feinputz-Körnung?