Durchrieseln der Schüttung verhindern - Decke liegt frei

06.11.2014 wennderbiber



Hallo ihr Lieben,
meine Frau und ich haben uns vor 2 Jahren einen Altbau gekauft - zwar kein Fachwerk, aber aufgrund des Alters (Bj 1919) haben wir es mit den gleichen Materialien zu tun, wie Ihr :-) Wenn ihr uns also trotzdem helfen könntet,wäre das sehr schön!

Unsere Frage: Da das Haus 3 Jahre lang leer stand, war die Decke in weiten teilen verschimmelt. Um eine Bestandsaufnahme zu machen, haben wir also die komplette Putzdecke inkl. Putzträger entfernt, um die Balken begutachten zu können.

Der alte Aufbau war wie im Bild "Zustand alt". Der aktuelle Aufbau ist wie im Bild "Zustand jetzt".

Wir wollen nun gerne unterhalb der Bretter, die die Schüttung tragen, die Elektrik Verlegen (in Panzerrohren, geht einfacher). Dann unterhalb der Elektrik auf die Unterkanten der Leisten, die die Schüttungsbretter halten, eine neue Decke aus Gipskarton oder Tonbauplatten aufbauen. Dadurch bleiben die Balken, die wir aktuell aufarbeiten, zum Teil sichtbar. Das ganze ist der "Zustand geplant".

Soweit, so sinnvoll, oder?

Jetzt haben wir aber ein Problem: Die Bretter, die die Schüttung halten, sind sehr grob, haben Astlöcher, Fugen etc. und durch diese rieselt beständig die Schüttung nach unten durch - momentan noch auf den Fußboden, später dann auf die Innenseite der neuen Decke. Sprich: Auf Dauer saut es uns die ganze Elektrik voll und man hört ständig das Rieseln. (Die orangenen Pfeile)

Unsere Idee war es nun, direkt auf die Schüttungsträger von unten dünne Gipskartonplatten zu schrauben, das haben wir nun schon in 2 Räumen hinter uns. Und ganzeehrlich: Das ist so eine langwierige Arbeit... (Sind insgesamt 16 Räume).

Deshalb unsere Frage: Könnte man nicht auch einfach eine Folie unter die Schüttungsträger tackern?

Wenn ja: Muss die diffusionsoffen sein oder besser gerade nicht?

Wenn nein: Haltet Ihr unsere Lösung mit den Gipskartonplatten für praktikabel?

Die Hälfte der Decken ist zwischen zwei beheizten Räumen, die andere Hälfte grenzt an ein Kaltdach, auf dem Kaltdach werden vollflächig auf dem Boden 200mm Mineralwoll-Bahnen ausgelegt. Damit ist die Decke eigentlich doch Bestandteil des warmen Gebäude-Teils, oder? Muss diese trotzdem anders aufgebaut werden als die Decke zwischen den beiden beheizten Etagen?

Heizung ist immer Fußbodenheizung.



Holz, Holz, Holz



Hi,

bin grade bei ähnlichen Problemen. Ich beschäftige mich mit den Methoden der Dämmung.

Was ich an deiner Stelle nicht machen würde ist zum Kaltboden hin, Mineralwolle zu verlegen. In diesem Zusammenhang musst du immer mit einer Dampfbremse arbeiten. Diese Dampfbremse wiederum trägt nicht grade zu einem guten Raumklima bei. Wenn du die Dampfbremse weck lässt, kann sich Feuchtigkeit in der Mineralwolle sammeln. Die Feuchtigkeit setzt die Dämmwirkung herab und trocknet sehr schlecht ab und erhöht somit die Möglichkeit der Schimmelbildung. Ich würde immer auf Holzfasern oder Zellulose setzten. Holz hat sehr gute bauphysikalische Eigenschaften wie adsorpsions- und desorpsionsfähig, antiseptisch, schimmelhemmend und dämmt super.

Zwischen den beheizten Etagen müsst ihr nicht ganz so „aufpassen“, weil ihr keine Kältebrücke habt.

Immer Fußbodenheizung unter den Dielen?

Gruß Seppi



Die Dämmung



Die Dämmung kommt ja nicht auf die bewohnte Seite, sondern auf den Boden des Kaltbodens, sprich: Sie kann aufgenommene Feuchtigkeit jederzeit wieder abgeben, da keine weitere Schicht drauf kommt.

Der Taupunkt liegt auf der AUßenseite der Dämmwolle und die hat Kontakt zur Raumluft. Der Dachboden bleibt auch unbewohnt und ist nicht komplett Luftdicht (Biberschwänze).

Aber das war nun nicht so ganz auf meine ursprüngliche Frage bezogen :-)



Wie der geneigte Leser erkennen kann



hatte ich vergessen, mich einzuloggen :-)

Fußbodenheizung kommt übrigens auf die Dielen, unten als Gipsestrich, oben als Trockensystem (Pelletheizung). Da kommen dann neue Dielen drauf.



Rieslschutzpapier/Packpapier antackern



Ich würde an die groben Bretter/Schüttungsträger von unten ein Rieselschutzpapier bzw Packpaier antackern.





Schüttung raus, Rieselschutzpapier rein, Schüttung rein.
Von unten ANtackern wird auf Duaer nichts, das reißt wieder und rieselt weiter.



Tatsächlich,



der Rieselschutz gehört AUF den Einschub, nicht darunter. Da solltet Ihr noch 'mal zum Spaten greifen. Früher wurden die Einschubbretter mit Lehm verstrichen.

Wenn das nicht geht, würde ich eher eine dünne OSB-Platte unterschrauben. Die Nut/Feder-Verbindung macht das ganze besser dicht, und die Platten sind elastischer.

Grüße

Thomas



Dieses Vlies kannte ich noch nicht...



...vielen Dank dafür!

Ich hab mir jetzt bei Fermacell durchgelesen, was zu deren Folie steht. Kennt ihr eine Hersteller, die Folien mit Schnittmarkierungen (10cm-Raster oder so) herstellt?

Hat jemand Erfahrungen mit Contraphon von Landolt? (http://www.landolt.com/indoor-losungen/akustik-und-rieselschutz-losungen/contraphon/) besonders die brandhemmende Folie klingt interessant, ist aber wahrscheinlich 10x so teuer wie die normale von anderen Anbietern, oder?

Auch wenn es der richtige Weg wäre: Schüttung raus und wieder rein ist nicht machbar, das sind bei uns 500qm Fläche, das schaffe ich nie.

Ich denke, wir werden die Folie von unten Tackern, selbst wenn das nur 95% des Staubes abfängt ist das eine enorme Verbesserung, der Rest landet dann eben auf der untersten Schicht (=der Sichtdecke). Damit die nicht so leicht reißt lassen wir ihr ein wenig Spiel, durch die diffusionsoffenheit ist das sicher besser, als eine normale Folie ausm Baumarkt, oder?



pro clima RB



Hallo,

ich kann Dir die "pro clima RB" Rieselschutzbahn empfehlen. Ich habe die ganze Geschichte auch hinter mir. Ich musste die alte Deckenbekleidung abnehmen und habe festgestellt, dass die alte Schüttung auf diese "gerieselt" ist.
Ich habe die Bahn (die recht robust ist) mit Klammern für Dampfbremsen (10 mm meine ich) an die Schüttungsbretter und die seitlichen Leisten getackert. Da hängt nichts durch und so schnell fällt da auch nichts runter ;-)

Gruß
Markus



Ich halte die Idee,



da ein bisschen Folie drunterzutackern, für grundsätzlich verfehlt. Kunststoffe verspröden früher oder später, kommt noch ein bisschen Geriesel (massereich) als Belastung dazu, reisst es schneller.

Es wird wohl auch kein Hersteller die Folie für diese Einbauart vorgesehen haben.

Ihr habt vor dem Eingbringen der Schüttung nicht nachgedacht, jetzt kostet das eben etwas mehr Geld. Lebt damit. Etwas Einfacheres als eine dünne OSB (12mm) fällt mir dazu nicht ein.

Grüße

Thomas



Dann ist es ja möglich



Moin Thomas, der Königsweg wird es nicht sein, aber bitte lies noch einmal: WIR haben die Schüttung garnicht eingebracht, die war schon so. Und "ein wenig teurer" bedeutet bei uns:

# Auf 500m2 den Dielenboden hochnehmen lassen
# ca. 80m3 Schüttung ausschippen lassen
# auf 500m2 neuen Fußboden als Träger für die FB-Heizung einbauen lassen

Das schätze ich jetzt mal grob auf 50.000€ Mehrkosten oder 1 Monat Arbeit, bei einer Immobilie wo wir im Moment 3h jedes WE hinfahren ist das leider unrealistisch - da nehm ich lieber das Risiko in Kauf, dass das in 20 Jahren wieder anfängt zu rieseln und ich es dann mit hohem Reichtum im Alter *räusper neu machen lasse.

Moin Markus! danke für den Tipp, die Bahn ist ja sogar nur 0,1mm dick und du hast gute Erfahrungen gemacht, die von Fermacell ist 0,4mm dick - sollte halten. Ich frage jetzt bei Fermacell mal die Brandschutzwerte, Diffusionswerte und Reißfestigkeit an, dann kann ich glaube ich gut entscheiden.

An alle anderen: Weitere Empfehlungen/Meinungen sind immer willkommen!



Ich habe...



das gelesen. Du bringst gute Bilder und beschreibst sie auch, aber ob der alte Aufbau der Bestand war und ist, oder aber so nach Schimmelbeseitigung (und Balkenreparaturen?) wieder hergestellt wurde, steht nicht da.

Unabhängig davon, ob Du Dir nun nicht mehr als die Folie leisten willst - diese Lösung ist nicht von Dauer und deshalb Bastlermurks.

"Etwas" mehr Geld bezog sich ganz klar auf den OSB - Vorschlag, ich halte OSB aus genannten Gründen für geeigneter als GK-Platten. Wenn Ihr mit den Aufbauhöhen auf der Altdielung hinkommt, wäre die vollständige Erneuerung des Unterbaues tatsächlich ein unverhältnismäßiger Aufwand.

Grüße

Thomas



echtes Zeitproblem?



Du willst auf 500qm Deckenbalken so aufbereiten das sie sichtbar sind, aber Schüttung entfernen ist zu viel Aufwand?
Respekt.



Fast richtig...



...ich HABE die 500qm Deckenbalken bereits freigelegt. Das war langwierig genug als das ich jetzt auch noch zusätzlich die Schüttung machen will :-)

Das Material, dass ich dabei bewegt habe war aber bei weitem nicht sowiel, als wenn ich die ganze Schüttung umschaufeln müsste. Wir haben die in 2 Räumen wegen besagtem Wasserschaden komplett entfernt und das war echt mal viel Material...

AUßerdem sind die Dielen sehr gut erhalten, also nicht hübsch, aber eben. Das wäre eine echte Verschwendung die Rauszuwerfen. Bodenaufbau kommen wir sehr gut hin, wir verlegen sowieso die ganze Elektrik neu, so dass wir die Höhen anpassen können, und nach oben haben wir 3,10m Platz.



Rieselschutz



hallo,
Ich habe bei uns Dampfbremspapier im ca 12 mm Raster mit Glasfaserfäden armiert genommen - Von Isocell mit Schnittmarken alle 10 cm. Das ist eher eine stabile Pappe als Papier.ca 10 c/qm.
Man müßte aber genauso gut etwas anderes nehmen können, muß nur mechanisch stabil genug sein.
Brandschutz sehe ich da nicht als Notwendigkeit wenns nicht gerade für öffentliche Veranstaltungen sein soll.
Zum Befestigen entweder Hammernagler nehmen oder Preßluftnagler mit breiten Klammern.
Wenig Druck damit die nicht durchgehen.
Was ist das denn für ein Gebäude mit 500 qm???
LG
Andreas Teich



Danke für den Hinweis...



...lese ich mich gerne ein!

Das Gebäude war zu DDR-Zeiten und auch noch bis vor einigen Jahren ein 5-Parteien-Mietshaus. Gebaut wurde das ganze ehemals als Verwaltungsgebäude für ein geplantes Bergwerk, war dann später Militärlager, dann Bürgermeisterhaus, dann Mietshaus.

das Bergwerk wurde nur 2 Jahre betrieben, da es sich wegen in 230m Tiefe ständig voll laufender Stollen wohl nicht wohnte, deswegen die wechselnde Nutzung. Das Haus selbst steht auf einem Sicherheitssockel, der 50m um das Haus rum geht - wissen wir z.b. daher, dass einer der vorherigen Bewohner dort als Steiger gearbeitet hat. Mit dem Bergbauamt ist auch alles geklärt: Haus ist sicher.

Das Haus steht auf einem Sandsteinsockel von 80cm Höhe über dem Boden, der Voll-Keller guckt also ca. 80cm raus. Baustoffe sind doppelte Vollziegelwände, Deckenkonstruktion habe ich in den Bildern beschrieben. Dach sind Biberschwänze.

Das Haus hat eine Grundfläche von 23 x 10m auf 3 Etagen, das 2. OG hat dabei Dachschrägen. Wir legen die 2 Wochnungen im OG und eine der Wohnungen im EG zusammen für uns als Wohnraum, die 2. Wohnung im EG wird Büro-Bereich für uns in einer späteren Bauphase.

Das DG Entkernen wir erstmal und nutzen es nicht mit. Wenn wir das Haus voll ausgebaut haben irgendwann, sind es mal an die 600qm inkl. unserem Bürobereich (Keller nicht mitgerechnet).

Im Moment sind wir mit dem entkernen komplett durch und im EG mit Schlitzen/Stemmen/Umbauten, jetzt kommt die nächste Zeit das 1. OG dran. Um im EG die Elektrik machen zu können, müssen wir vorher das Rieselproblem gelöst haben, deswegen jetzt hier der Beitrag :-)