Anheben einer durchhängenden Decke

15.07.2003


Im Rahmen eines Umbaus wurde von dem Vorbesitzer im Erdgeschoss aus drei Räumen ein großer Raum gemacht und dabei auch sehr radikal stützende Träger entfernt. Dies hat zur Folge, daß die Decke nun sehr stark durchhängt - noch ohne Risse im Holz, aber immerhin gute 15cm. Dies hat die Höhe im Wohnzimmer drastisch reduziert (bis unter 180cm). Und in dem darüberliegenden Schlafraum rutscht man aus dem Bett. Ich werde von daher auf jeden Fall den Querträger unterstützen. Was mich aber interessiert, besteht die Möglichkeit, diese Krümmung sachte wieder zurückzubilden, also z.B.mit einer verstellbaren Stütze alle paar Tage/Wochen das Ganze um wenige Millimeter anzuheben. Hoffe, die Frage ist nicht zu naiv, ich stell das mir halt ähnlich vor, wie bei der Korrektur eines Kiefers, dauert auch sehr lange, aber klappt hervorragend.
Hat jemand damit schon Erfahrung und wenn ja, wie schnell darf/soll ich die Stütze nachstellen?



Rückverformung



Sehr geehrter Herr Schneider,
die von Ihnen angedachte Rückverformung ist keineswegs abwegig und kann durchaus gemacht werden.
Bei der Rückverformung sollten Sie jedoch , wie Sie auch angedeutet haben, sehr behutsam vorgehen. In der Regel werden Sie die Decke nur bis zu einem bestimmten Grad zurückverformen, damit nicht schädigende Spannungen in anderen Bauteilen auftreten. Bevor Sie Ihr Vorhaben starten, sollten Sie sich jedoch von einem in der Denkmalpflege erfahrenen Statiker beraten lassen, damit Sie nicht unnötige Folgeschäden provozieren.
Für weitere Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Johann Müller



durchhänger



hallo, bei mir stellte sich ein ähnliches problem nach fachgerechter "sanierung" durch meinen vorbesitzer. der durchhänger hangelte sich vom erd- über das ober- bis ins dachgeschoss, wo zum Teil sogar die alten verbindungen aufgerissen waren. ein Zimmermann schaute sich die bescherung an und sagte: unmöglich. ein anderer meinte: mach ich, und der dritte stellte mir ein paar drehsprieße in den Flur und sagte: machs selber. systematisch habe ich dann die beiden parallelen Deckenbalken im erdgeschoss mit jeweils fünf drehsprießen im meterabstand millimeterweise gehoben. anfangs ging's ganz leicht und ich konnte täglich nachdrehen, später etwa im wochenabstand immer wieder eine oder eine halbe umdrehung. auf diese weise hob sich das ganze gewerk um fast zehn zentimeter, alle Balken saßen wieder aufeinander und konnten neu verbolzt werden. die balken hängen zwar immer noch leicht durch, aber das stört nicht (neuer Fußbodenaufbau im OG), und unterstützt wurden sie durch die neuen zwischenwände. keinesfalls würde ich bei so einer aktion wagenheber o.ä. verwenden, weil die einfach zu viel kraft aufbringen. da können gefährliche spannungen auftreten oder balken sogar reißen. eile mit weile!
gruß günter flegel, wagenhäuschen



Lösung für "Durchhänger"



Vielen Dank für beide Tips. Zeit hab ich genug, so daß ich also meine "Kieferkorrektur" mit der nötigen Muse, Geduld und Sorgfalt angehen werde. Brauch jetzt nur noch die "Schaschlikspießchen", aber das dürfte nicht unmöglich sein. Also nochmals, herzlichen Dank.





noch ein nachtrag: passen sie beim setzen der sprieße auf den "unterleib" auf. an besten balken unterlegen, um die lasten möglichst breit zu verteilen, je nach unterbau. auf einem massiven Betonboden braucht's das natürlich nicht, aber auch hier empfiehlt es sich, immer zumindest bretter unterzulegen, damit die kräfte sich nicht an einigen punkten konzentrieren.
nochmals alles gute!
günter flegel, wagenhausen