Fußbodenaufbau auf Erdreich

04.09.2008



hallo,

nachdem ich mich durch jede menge von beiträgen und meinungen gekämpft habe, bin ich unschlüssiger aber keinesfalls klüger als zuvor.
ein raum, ehemals als Stall genutzt, soll einen neuen Fußboden bekommen.
in dem tollen revi-handbuch von johann rahmanner gibt es da einige schöne beispiele (siehe link).

http://t600.de/83759

die erde ist an einigen stellen sehr lehmhaltig und sehr feucht. da das Fundament der aussenwände teilweise aus Bruchstein und erde besteht (ohne horizontal- und vertikalsperre), dachte ich mir, ein Fußbodenaufbau wie im besagten revi-handbuch mit randstreifen aus Kies (z.b. seite 25) wäre eine tolle lösung um der Feuchtigkeit aus der erde eine möglichkeit des entweichens zu geben und so die wände vor der feuchtigkeit zu schützen.
nun lese ich hier immer wieder, dass wandernde feuchtigkeit unter einem betonfußboden o.ä. quatsch wäre.
ich habe selbst schon erlebt, dass Fachwerkbalken in fußbodennähe feucht wurden, nachdem der raum mit glasierten Fliesen ausgestattet wurde. zumindest sagte mir ein handwerker, dass die ursache die wandernde feuchtigkeit unter den fliesen ist.
wie würdet ihr eine fußboden in dem raum aufbauen?
übrigens habe ich schon 3 handwerkersbetriebe gefragt und 3 unterschiedliche antworten bekommen.
weitere fakten:
- 2 aussenwände 1,5m tief in der erde
- leichte hanglage

vielen dank im voraus.
flash



im revi-Handbuch sind einige sinnvolle Bodenaufbauten über



Erdreich. Ich empfehle Ihnen, Aufbauten ohne Betonplatte zu wählen. Unter Betonplatten wird anfallende Feuchtigkeit "zwandsumgeleitet" Richtung Außenwand. Ich bin mir nicht sicher, ob der 25cm Kiesstreifen entlang der Außenwand große Feuchtigkeit bauschadensfrei "verarbeiten" kann ohne z.B. die Verlegung einer Innendrainage im Kiesbett. Haben Sie geprüft, ob Druckwassergefahr hangseits besteht?





Hallo,

bei mir funktioniert der Link nicht, hätte jedoch gerne mal reingeschaut.

Was soll den zukünftig in dem Raum passieren? Wie sieht momentan der Fußboden aus?

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Fußbodenaufbau



Hallo,

eine gute Möglichkeit, einen wasserdichten Fußboden zu erhalten, bieten auch DUOFOR - Schwalbenschwanzplatten.

Ein Aufbau bestehend aus verzinkten Stahlplatten (DUOFOR-Platten) im Verbund mit Zementestrich bietet weiterhin die Möglichkeit, eine Fußbodenheizung einzubauen. Der Aufbau ist feuerhemmend, hat eine geringe Aufbauhöhe und ist einfach zu verarbeiten.

Gern stehen wir Ihnen für weitere Informationen zur Verfügung (Tel.: 030-35137548.
Selbstverständlich können Sie sich auch vorab im Internet unter www.duofor.de informieren.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr DUOFOR - Team



Link



Hallo Herr Kornmayer,

klappt es hiermit?

http://www.verwaltung.steiermark.at/cms/dokumente/10187501_5242731/dab07ea5/rev101_1.pdf

Viele Grüße.





So, jetzt hat es geklappt. Ist ja eine ganz interessante Lektüre.

Erstmal gilt es zu klären, woher die Feuchte wirklich kommt, also drückend oder Kondensat und dies möglichst abzustellen oder zu mindern. Ist Putz an den Wänden? Wenn ja welcher .... Vielleicht kann sich das mal jemand anschauen.

Ich gehe mal von einem Lehmboden aus. Soll der Raum als Abstellraum, Lager o. Ä. dienen können beispielsweise Vollziegel (Feldbrand, kein Klinker) in ein Splitt-/Sandbett gelegt werden. Der Boden ist dann in gewissem Maße feuchtigkeitsregulierend.

Eine Betonplatte oder die verzinkten Stahlplatten mit Estrichaufguss sehe ich hier eher nicht als angebracht an.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Fußbodenaufbau auf Erdreich



Vielen Dank für die Ratschläge.
Nun zu den Fragen:

@herrn schillberg
die feuchtigkeit des bodens ist nicht extrem hoch. die stellen zum Hang zu sind feuchter. ob druckwassergefahr hangseits besteht kann ich nicht sagen. wie prüft man so etwas? also wenn es stark regnet, werden die steine (die form von ziegelsteinen, sind aber keine, grau) innen schon mal feucht. daher kommt nächstes jahr eine Drainage aussen an diese wand, was ja die fuchtigkeitszufuhr für den fußboden auch noch mal verringern sollte.

@herrn kornmayer selbes problem. woher weiß ich ob drückend oder kondensat. abstellen ist geplant. Horizontalsperre für die wände, vertikasperre aussen und drainage sind teilweise schon fertiggestellt.
putz ist nur teilweise noch an den wänden. ein uralter extrem harter putz (wahrscheinlich purer zement) und normaler zementputz. durch die feuchtigkeit in den wänden ist viel runter gefallen und auch die steine sind teilweise (vermutlich durch frost) am rand bröckelig.
ich wollte einen Kalkputz verwenden. wäre das ok?
vollziegel würden mir gut gefallen. meine frau möchte allerdings mal gern Terracotta - fliesen. der raum soll vorerst als abstellraum und werkstatt dienen.
später soll evtl. mal eine saune rein. Wohnraum wird es wohl nicht werden.





Also erstmal runter mit dem ganzen Zementputz. Nicht permanent Lüften, nur wenn es draußen kühler ist als Ihre Kellerwände es sind, dazu gibt es hier im Forum aber zahlreiche Erläuterungen. Erstmal alles eine Weile stehen lassen und beobachten ob sich irgendetwas an den Wänden regt ( Stallnutzung => Salze ). Reiner Kalkputz kann funktionieren, aber wie gesagt, etwas stehen lassen.

Terracotta-Fliesen möchten unter sich einen Estrich wissen. Wenn das gemacht werden soll, dann aber richtig mit kapillarbrechender Schicht, Folien, Dämmung usw. Drainage in Kiespackung mit Vlies und wenn Sie ohnehin schon offen haben spendieren Sie der halb eingegrabenen Wand noch eine Perimeterdämmung., Noppenbahn, Drainvlies ... und fangen Sie draußen an.

Die andere Variante wären die bereits beschriebenen Vollziegel, ebenfalls auf kapillarbrechender Schicht, allerdings eine diffusionsoffene Konstruktion.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer





Es würde mich noch interessieren, wie Sie die "Horizontalsperre für Wände" teilweise fertiggestellt haben.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Fußbodenaufbau auf Erdreich



danke für die wertvollen infos.

bzgl. horizontalsperre: so wie auf dem bild 4.6.6.1.4:

http://www.verwaltung.steiermark.at/cms/dokumente/10187501_5242731/dab07ea5/rev101_2.pdf

das mit dem lüften (nur wenn es draußen kälter ist ...) ist mir neu. seit ich auf grund der feuchtigkeit einen schwammbefall hatte lüfte ich permanent in diesem raum.
muss ich noch mal im forum lesen.
der raum steht jetzt schon seit über einem halben jahr und lüftet vor sich hin. bis jetzt sieht alles gut aus. zumindest besser als zu beginn.

ja, wenn ich die estrich-variante (inkl. Folie ...) wähle bin ich wieder bei meiner eingangsfrage und feuchtigkeit die unter dem fußboden zu den wänden wandert.
sind meine anderen denkansätze soweit i.o.?
und was heisst eigentlich kapillarbrechend genau?

ach ja, perimeterdämmung ist geplant.



Die kapillarbrechende Schicht



Die Denkansätze sind soweit in Ordnung. Ich selbst würde nicht zur Estrichvariante greifen, sondern zu den Vollziegeln wie zuvor von mir beschrieben.
Gerade bei einem ehemaligen Schwammbefall würde ich aufpassen, dass nirgends Staunässe unter Bauteilen o.ä. entstehen kann.

Also verdichtete Schotterlage (z.B.: 16/32, 15cm stark) und die Ziegel im Sandbett verlegt.

Diese kapillarbrechende Schicht verhindert, dass die Bodenfeuchte kapillar an die Ziegelsteine aufsteigen kann. Der Transportweg des Wassers ist immer von der größeren "Pore" zur kleineren hin. Von der kleineren zur größeren kann kein Transport stattfinden.

Aus diesem Grunde gibt es zum Beispiel keine bauteilübergreifende aufsteigende Feuchte im Ziegelmauerwerk.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Fußbodenaufbau auf Erdreich



sehr interessant! wieder etwas gelernt. vielen dank.
wie sieht es mit der Wärmedämmung von unten aus?
gibt es da möglichkeiten in Verbindung mit den ziegeln?
und wissen sie evtl. noch wo und ob man feldbrandziegeln heute noch neu beziehen kann? meines wissens bekommt man diese doch nur gebraucht.

viele grüße



Auch hier...



...wird bisher nicht beantwortet, warum sich Wasser unter einer Bodenplatte sammeln sollte.

Kondensation? Dazu müsste die Bodenplatte kälter sein, als das Erdreich.

Die Kieselstreifen im Innneren sind eine nette Architektenspielerei, vermutlich wirkungslos. Wer kleine Kinder hat, baut das bald zurück.

Der Link ist interessant, wenngleich ich einige der Aufbauten auch unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung nicht ausführen würde.

Ein wichtiger Tip kam schon weiter oben: Draussen anfangen.

Grüße

Thomas



Feldbrandziegel:



vielleicht mal hier reinschauen: www.cottohof.de

Da gibt es z.B. auch schöne bunt gebrannte Ziegel und Cotti (oder Cotten?).

Grüße

Thomas



ein neuer Vorschlag



Wir haben uns vor einigen Jahren ähnliche Gedanken machen müssen und sind an auf Millcell gekommen und heute sehr zufrieden
Sind meiner Ansicht nach alle die von dir aufgezählten Probleme mit einem Schlag behandelt

http://www.millcell.com/millcell
grüße aus der Uckermark
die Lehmschwalbe



Fußbodenaufbau auf Erdreich



vielen dank für die tipps und ratschläge.
@ralf pawlik das "klingt" alles ausgezeichnet.
wie sieht den bei euch der weitere fußbodenaufbau aus?
und inwiefern wäre das feuchtigkeitsproblem von unten damit erschlagen? indem ich auf dem glasschaum den boden diffusionsoffen gestalte? oder wie wäre es z.b. mit estrich?
ich habe immer was von drainagewirkung bei glasschaum gelesen. wie kann ich mir das vorstellen?
fragen über fragen. :-)
danke schon mal im voraus.

viele grüße
flash



Unser Bodenaufbau



Hallo flash
Schaumglas ist kapillarbrechend und Wärmedämmung zugleich es gib also keine aufsteigende Feuchtigkeit. demzufolge keine Folie an der die eventuell austeigend Feuchtigkeit kondensieren kann
Wir haben 30 cm kies verfestigt und darauf 30 cm Glasschaum verfestig (nach produkthinweis) 10 cm Stampflehm Lagerhölzer und Schlossdielen drauf
und keine Probleme mit
Zwischenraum Lehmboden und Dielen Hanfwolle um den Schall zu dämmen.
Einfache und gute Lösung fanden wir.
Die Lehmschwalbe



Schaumglas



Sind Sie sich sicher, das die Dämmlage auch gegen aufsteigenden Wasserdampf absperrt? Kapillare Feuchtewanderung ist nicht die einzig mögliche Schadensursache.

Wenn nicht, wären unter ungünstigen Bedingungen durchaus Probleme möglich.

Grüße

Thomas



@Fragen an Herrn Pawlik:



1) wieviel Jahre Erfahrung haben Sie mit Ihrem Fußbodenaufbau?
2) Liegt die Hanfwolle direkt auf dem Stampflehmboden auf?
3) Liegt die Hanfwolldämmung preß bis U.K. Dielenboden?
Herzlichen Dank für Ihre Infos im Voraus.