Fachwerk ausbessern, Tipps gesucht.

14.11.2009 Boris



Moin moin,

nachdem ich die alte, vorgebappte Heraklit/Styro/Zementputzfassade an der Wetterseite (Giebelwand 11m) endlich runter habe, kommen erwartungsgemäss die Schäden dieser Kaputtsanierung zum Vorschein:

Gerade das liegende Gebälk ist teilweise zu 3/4 morsch und mit den Fingern oder Schraubenzieher entfernbar. Ein schönes Potpurri aus Wurm-, Bock- und Pilzbefall, wenigstens ist alles unter der Fassade staubtrocken geblieben, keine Hinweise auf noch lebendes Getier oder sich weiter ausbreitenden Pilz.

2 Ständer, die auf der Innenseite noch gut waren, konnten wir problemlos aufdielen, was mach ich aber mit sowas?:

Erst von unten "ausstopfen", dann von vorn aufdielen?

Womit verfuge ich am besten von aussen die losen Gefache? (innen wohnen wir schon - rausnehmen is also nich)

Das Fachwerk ist nur 12cm stark....also nicht gerade viel Reserve......wird aber komplett mit Climacell/Weichfaserplatte/Putz auf Holzständerkonstruktion eingepackt.

Grüße, Boris



Was



sind das für Steine in den Gefachen?

Gruß aus Dortmund
Harald Vidrik



Massivziegel,



den Mörtel dazwischen kannst du mit ner Zahnbürste rausholen...

Gruss, Boris



Den Teufel



mit dem Belzebub austreiben.

So kommts mir vor.
Zitat:
nachdem ich die alte, vorgebappte Heraklit/Styro/Zementputzfassade … endlich runter habe … wird aber komplett mit Climacell/Weichfaserplatte/Putz auf Holzständerkonstruktion eingepackt
Mal überlegen obs evtl manchmal nicht nur an den Materialien liegt sondern am "Prinzip" (der Dämmerei) dass ein Fachwerk verreckt?

So eine Fachwerkkonstruktion ist statisch und sollte eigentlich nicht mit ein paar Dielen aufgepeppt werden, sondern ordentlich saniert werden.
Es heißt ja auch "Konstruktion" und nicht "Aneinandergestückelschrauberei"

Wenn dan Fugen zwischen Material und Steine sind würde ich mit Luftkalkmörtel arbeiten - mit sonst nix!

FK



Fachwerk...



... ist bei einem Fachwerkhaus in der Regel die tragende Konstruktion.

Wenn der Krempel zu 3/4 morsch ist, was soll dann mit "aufdielen" erreicht werden? Im Titel deiner Frage ist von "ausbessern" die Rede. Willst du da wirklich "ausbessern"?

Das würde ich für eine "optische" Instandsetzung halten, aber an einer Schwächung des Grundgefüges wird das wenig ändern.

Wenn es meine Hütte wäre würde ich die Familie in den Sommermonaten auf Baustelle vorbereiten und die Balken entsprechend austauschen.

Oder Fachwerk rausschmeißen und durch Mauerwerk unterfangen? Hängt ja auch von der Gesamtsituation ab und ob es euch um Fachwerk geht!


Gruß
Martin

Uuups. Da hat sich meine Antwort mit der von FK überschnitten.



Trasskalk



1:3 mit Sand.
Es nützt dir wenig wenn Mitglieder hier Statements abgeben wie es gemacht werden sollte ohne es gesehen zu haben!
Martin Witwar hat mit seinen Ausführungen vollkommen recht.
Für das Ständerwerk hole dir einen Fachbetrieb aus deiner Nähe!
Gruß aus Dortmund
Harald Vidrik



ohne es gesehen zu haben



Mr. Lehm und Sonstfachmann!

"Es nützt dir wenig wenn Mitglieder hier Statements abgeben wie es gemacht werden sollte ohne es gesehen zu haben!"

Nur mal ne Frage:
Wer in diesem Forum hat jemals geantwortet auf eine Frage und hat es VORHER gesehen?

Danke für die Antwort.

Wenn schon der Frage von : "bis zu 3/4 Schädigung spricht könnte man gewagter Weise von einer Schädigung von 1/4 bis 2/4 im Durchschnitt annehmen.
Deshalb meine Warnung: "take care of your Fachwerkhaus"

Und Trasskalk ist ein hochhydraulisches Zuschlagmittel - da können Sie gleich Zement nehmen - is auch viel billiger und bringt das selbe!

FK



Na ja,



das hatte ich in der ersten Runde fast erwartet....trotzdem danke erstmal für die Warnungen.
Ironischerweise hält das bis zum heutigen Tage, ohne nennenswerte Setzungen, daher vielleicht meine etwas entspanntere Ansicht vom Aufdielen. Dazu hat mir auch mein Zimmermann geraten.....dessen Haus sah noch schlimmer aus und steht auch noch.....

Vergessen habe ich allerdings zu sagen, dass das EG massiv ausgeführt ist, also Fachwerk erst ab 1.OG (dort i.O.), das Foto zeigt die Schwelle 1.OG/2.OG.
Im 2.OG/Dachboden ist Gefache raus und wechseln kein Problem.

@FK: Diffusionsoffenen Dämmaufbau halte ich auf Fachwerk für unproblematisch.
So sieht der Balken nur an zwei Stellen aus, ansonsten ist durchaus stabiles Kernholz vorhanden, wie einzelne Probebohrungen ergeben haben. 6cm halte ich da für eine durchaus brauchbare Verstärkung.
Danke für den Tipp mit dem Luftkalkmörtel.

@Martin: Die Familie hat schon Baustelle seit April und hält sich tapfer.....nur einen Balken in der Mitte durch Steine zu ersetzen, halte ich wiederum für nicht so genial.
An Fachwerk schätze ich, dass man es i.d.R. auch ganz gut abschnittsweise ausbessern kann.

Grüsse, Boris



Fachwerk ausbessern



Hallo Boris,

die Abgabe eines Sanierungsvorschlages ohne vorangegangenen Ortstermin kann "tödlich" sein.
Suche deshalb einen Fachmann für den erforderlichen Ortstermin und und die Erstellung eines fachgerechten Sanierungsvorschlages!

MfG

Bauing. F. Teichmann
Sachverständiger



Kaputtsanierung?



„Ein schönes Potpurri aus Wurm-, Bock- und Pilzbefall…“

Ich dachte Sie haben von „Kaputtsanierungen“ genug gehabt. Pilzbefallenes Holz gehört ohne wenn und aber raus, einschließlich Gesundschnitt je nach Pilzart. Auch ohne ihn gesehen zu haben.

[pubimg 19603]



Oh je....



@F.Teichmann: Wieviele durch eingestürzte Giebel erschlagene Familien musstest du schon beerdigen? "Tödliche" Sanierungsvorschläge gerne per PN...;-)

@O.Struve: Meines Wissens ist eine balsaholzartige Konsistenz auf ehemaligen Pilzbefall zurückzuführen und längst entfernt - hab mich da wohl in der Wortwahl etwas vergriffen.
Eine komplette Sach- und fachgerechte Sanierung für die nächsten 200 Jahre war jetzt nicht gefragt, eher Plan B.

Noch jemand von den Bastlern da draussen da???

Grüsse, Boris





„Meines Wissens ist eine balsaholzartige Konsistenz auf ehemaligen Pilzbefall zurückzuführen und längst entfernt…“

Nach DIN 68800-4 muss Pilz befallenes Holz ohne wenn und aber raus.



Warum....



...stellst du hier eigentlich deine Frage, Boris?

Bei den Antworten die die "Bastler" da draußen bisher gegeben haben scheint noch nicht die ins "Konzept" passende dabei gewesen zu sein, gell?



Hier hilft vermutlich nur



mit Prothesen zu arbeiten, ist aber aus der Ferne schiergar unmöglich zu beurteilen.
Pfosten und Schwellen Freilegen dann Prothesen sägen und anpassen, was anderes wird wohl nicht übrig bleiben wenn's richtig gemacht werden soll.
Was den restlichen Wandaufbau anbelangt kann ich Dir noch andere alternativen aufzeigen.

Grüsse



ebenfalls in Tübingen



Hallo Boris,

wir hatten ähnliche Probleme mit einer Schwelle oberhalb einer massiven Sandsteinmauer.
Alle "Fachwerkflickereien" wurden von nach unserer Einschätzung sehr kompetenten & versierten Zimmermann ausgeführt (Abbund Zimmerei in Rottenburg), in potentiell feuchtegefährdeten Bereichen dann eben mit Lärche oder Eiche.
Mich würde sehr Dein "WDVS" interessieren, vielleicht lohnt es sich auch mal über Ideen/Handwerker usw auszutauschen? Unsere Baustelle ist in Kilchberg, weiteres gerne per mail (christinelaskov@gmx.de)

Gruss, Djamila



@Martin:



Wenn ich das ganze schon nicht "fachgerecht" machen kann, versuche ich doch der gewünschten Funktion (Statik) so nahe wie möglich zu kommen.

Dass das Gebrösel bis jetzt noch alles zusammenhält, finde ich absolut faszinierend. Am gesamten Giebel sind nur 3 Gefache abgesackt, kein Fenster klemmt und der Bock wurde vermute ich bereits 1946 mit eingebaut, da innen und aussen schon immer verputzt war.

Da frag ich mich natürlich, ob dieser Giebel, wenn ich diese 2-3 Stellen sauber ausputze, die Innenseite mit Luftkalkmörtel ausstopfe, außen das morsche Holz entferne und aufdiele, nicht die nächsten 60-100 Jahre seinen Dienst tut.

An den Stellen das Gebälk auszutauschen und zu verplatten war auch eine Überlegung.

Über den einen oder anderen Putzriss mach ich dann über die Jahre natürlich nicht meckern....

Für einen Erfahrungsbericht wär ich halt noch dankbar, z.B. auch wenns nicht funktioniert hat.

Ich lasse mich hier durchaus gern von zukünftigen Dummheiten abhalten....auch wenns mir nicht ins "Konzept" passt....;-)

Grüsse, Boris



Erfahrungbericht, aber bitte:



zuerst dachte ich, Sie stellen ein foto von meinem Haus ein...
Kurz: die Schwelle meines Hauses sah genau so aus, war aber die Grundschwelle und somit tragend für die gesamte Konstruktion. Habe nach Beratung durch den Zimmermann meines Vertrauens den gesamten Giebel tauschen lassen.

Wenn Ihnen Ihr Zimmermann Ihres Vertrauens vorschlägt, nur Makulatur zu machen, anstatt mit und nicht gegen die Fachwerkkonstruktion zu werkeln, -bitte, es ist Ihr Haus-

Beschäftige mich nun schon seit Jahren laienhaft mit dem Thema, aber wenns um FW-Konstruktion / Haltbarkeit / Nachhaltigkeit geht, gehe ich zum Fachmann

Ich wünsche Ihnen die richtige Entscheidung