Drainage?

13.03.2014 Meli



Hallo an alle!
Die Frage der Drainage ist hier sicherlich schon hundertfach diskutiert worden, ich möchte Euch dennoch bitten, mit mir das Thema noch einmal anzuschneiden.
Wir haben folgende Situation:
Unser Häuschen, kein Keller (300Jahre, Sandstein-EG) hat einen Stallanbau (alter Teil Sandstein, neuerer Teil - 100Jahre - Backstein), der aber seit mindestens 40 Jahren nicht mehr als solches genutzt wurde (nur noch Abstell, bzw. teilweise geheizt als Atelier). Wir wagen es derzeit, den Raum zur Küche umzubauen. Aktueller Stand: altes Pflaster raus, Erdreich abgegraben, neuer Bodenaufbau: kap.brechende Schicht, Bodenplatte, Abdichtung, Dämmung, Estrich mit FBHeizung, als nächstes käme der Jura-Boden.
Eine Horizontalsperre (Wand) ist nicht vorhanden. Der alte Putz (ca. 25 Jahre) zeigte leiche Ausblühungen und wurde auf eine Höhe von ca. 50-80cm entfernt. Der neue Wandaufbau wäre: Kalkputz, Calciumsilikatplatten 5cm, Kalkfeinputz, Kalkanstrich. Im Sockelbereich wird die Dämmung ausgespart und eine Heizleiste verbaut (zum Austrocknen der Wand).
Somit wird aufsteigende Feuchtigkeit hoffentlich zu einem großen Teil über die Heizleiste abgetrocknet und letztendlich weggelüftet. Der Wandaufbau ist so diffsusiuonsoffen geplant, dass diese auch die Feuchtigkeit in die Raumluft abgeben kann.
Eine im Denkmalschutz tätige Architektin legte uns ans Herz,auch eine Drainage zu Verlegen um von außen möglichst wenig Wasser an den Sandstein kommen zu lassen. Die Meinungen über Drainagen gehen ja weit auseinander.
Das Haus steht auf ebenem Grund. Drückendes Wasser? Grundwasserstand? Schichtenwasser? Keine Ahnung! Sicherlich ist der Stallbereich wegen der Salze, bzw Salpeter anders zu bewerten als der restl. Hausbereich (hier sind die Außenwände sicherlich etas feuchter als die Innenwände aber Putz ist ok, auch ohne Horizontalsperre). Das System
Wäre es sinnvoll eine Drainage nur um den ehemaligen Stall zu verlegen und die restlichen Wände zu belasssen? Drainage rundherum? Aufgegraben wird eh, da das Oberflächenwasser neu abgeführt werden soll.
Darf hier die Sockelleistenheizung im Stall als Allheilmittel gesehen werden?
Was kann uns "blühen", wenn wir eine Drainage legen lassen, bzw. keine legen lassen? Freue mich auf eine interessante Diskussion.
LG Meli



Grundwasser



Na, um Gottes willen, ich möchte doch nicht das Grundwasser absenken, nur mein Mauerwerk + Putz schützen.
Mit der Frage nach dem Schichtenwasser, Grundwasserspiegel etc. wollte ich nur betonen, dass mir hier nichts bekannt ist, dass es hier außergeöhnliche Belastungen gäbe. Danke für den Link. Kurz und bündig wurde hier das komplexe Thema zusammengefasst...



Drainage



tatsächlich ist eine Ringrainage von mehreren Seiten her zu betrachten.
Ich habe an meinem Gebäude eine Ringdrainage gelegt und auch eine Flächendrainage. Warum? Das Grundwassser steht im Mittel ca. 50-70cm unter OKFF. Einmal habe ich einen Extremfall gehabt, da lag der Grundwasserspiegel ca. 30 cm unter OKFF. Da konnte ich schön beobachten (Kontrollschächte) wie die Drainage das Wasser abgeleitet hat. Da war icht echt froh.
Was kann eine Ringdrainage darüber hinaus Leisten?
Wenn eine Drainage in einem groben Kiesbett verlegt wird, also nicht in Sand, Mischungen mit Nullanteilen oder gar nur eingegraben, bricht der Kies das kapillare eindringen von Erdfeuchte in das erdberührte Mauerwerk. Damit schafft man Verdunstungszonen die das aufgehende Mauerwerk bzgl. Feuchte entlasten.

Was sollte eine Drainage nicht machen?
Oberflächenwasser abführen. Damit macht man ein Gebäude zum Wasserschloss. Wenn der Lastfall Oberflächenwasser anfällt sollte man dies über Modifizierung des Geländes vom Haus wegleiten und auf keinen Fall in die Drainage führen.

Sockelleistenheizung als Allheilmittel?
Sicherlich nicht zwingend. Ich temperiere mein Gebäude seit etwa 10 Jahren mit einer Bauteil/Hüllflächentemperierung. Vorher war das Gebäude ein nasses Loch. Ich habe aber noch mehr Komponenten genutzt um das Haus trocken zu bekommen(keine H-Sperren, denn das Gespenst von aufsteigender Feuchtigkeit wird völlig überbewertet), dennoch trägt die Temperierung sicherlich etwas dazu bei, denn die läuft durchgehend meist von ende September bis mitte Mai. Aber auch in kalten nassen Sommern ist da nichts Feucht.
Da mein Gebäude kein Stall war, ist das mit den Schadsalzausblühungen auch im Rahmen gewesen. Bei höheren Schadsazlbelastungen wäre ich mit mineralischen Dämmungen und Dämmungen überhaupt recht vorsichtig. Bei Salzbelastungen ist es sicherlich wichtig zu wissen wie Sockelleistenheizungen funktionieren. Z.B. werden diese zwischendurch abgestellt kann eventuell wieder Feuchtigkeit an die Wandoberflächen transportiert werden oder Salze gehen hygroskopisch wieder in Lösung und bei erneutem Anfahren der Heizung kristallisieren Salze erneut aus. Dann birgt das ein großes Schadenspotential.

gruß Emzet



Muss eine Drainanlage das Wasser immer ableiten?



Könnte es auch sein, dass man dann das Wasser um das ganze Haus hinleitet?
Es gibt Menschen die glauben das Wasser kann nur weggeleitet werden, aber wie lange funktioniert dies? Bis die ersten Wurzeln einwachsen und der Sand die Rohre verstopft !
In diesem Falle würden Sie keinen positiven Effekt erzielen.
Grüßen Sie Ihre Architektin von mir und empfehlen Sie dieser mein Buch "Gesund wohnen in Altbauten" !



Dränage vs. Dernaton



Guten Abend! Erst mal dankeschön für die Antworten!
Dem Thema der Drainage stand und stehe ich skeptisch gegenüber. Leider gehen die Meinungen darüber mal wieder auseinander.

In dem Link von olistruve wird geschrieben: "Da im Bestandsbau die Abdichtung gegen „Drückendes Wasser“ technologisch schwer bis unmöglich zu realisieren ist, können hier Dränagen neben einer Vertikalabdichtung gegen Bodenfeuchte ein adäquates Mittel sein, um trotz des Schichten-, Hang- oder Sickerwassers zu einem trockenen Keller zu kommen."
Auf https://www.baufachinformation.de/denkmalpflege/Die-Wirksamkeit-der-Dr%C3%A4nage-verkehrt-sich-ins-Gegenteil/2000127109646 liest man:
"Komplikationen bei Altbauten
Anders verhält es sich bei Altbauten. Hier kann die Wasserbelastung durch eine normgerechte Dränage erhöht werden, weil die Fundamente ständig mit Feuchtigkeit versorgt werden, die ungehindert in den Wänden aufsteigen kann. Ein flacher Fundamentquerschnitt begünstigt den Wassereintrag oft zusätzlich, denn je geringer das Verhältnis von Fundamenthöhe zur Fundamentbreite ist, um so mehr Wasser wird an das Gebäude herangeführt."

Liebe Emzet, handelt es sich bei Ihnen auch um einen nichtunterkellerten Sandsteinbau, ohne vertikale Abdichtung? Und es funktioniert?

Lieber Herr Bromm, danke auch für die Buchempfehlung. Hört sich interessant an (obwohl ich keinen Keller habe). Also, gerade bestellt! Und evtl werde ich dieses dann auch der Architektin ausleihen.

Dann gäbe es ja noch die Dernoton-Mischungen zur Vertikalabdichtung, die ja so einiges versprechen. Wäre also theoretisch auch interessant. Nun frage ich mich, was passiert in dem Fall der Fälle, dass durch Undichtigkeiten Feuchtigkeit eindringt, bzw. was passiert mit der Feuchtigkeit, die über die Fundamentsohle eindringt. Diese muss ja zwingendermaßen nach oben wandern. Wenn die über OKFF ankommende Feuchtigkeit nun weniger ist, als im Fall ohne Dernoton wäre es geglückt. Wer kann mir dazu was sagen?