Kellerwand. Fall für Drainage?

18.09.2008



Hallo Allerseits,
unser Haus (ca. BJ 1920) ist unten aus Ziegeln (keine Klinker) errichtet und vollständig unterkellert. Der Keller ist für meinen Geschmack zu feucht. Allerdings ist er wiederum nicht so nass, dass es total muffig richt. Zahlreiche Kellerräume (Fußböden), wurden vor ca. 25 Jahren mit einer Estrichschicht versehen die gut erhalten ist. Beim Bau des Hauses hat man in die Mauerfuge über der Kellersohle eine horizontale Sperrschicht (wirkt, wie ne Art Dachpappe) eingebaut. Auch im 1.OG gibt es an einigen Wänden Feuchteprobleme, was ich aber nur am Rande erwähne. Das Haus steht in einer Niederung mit schwankenden Grundwasserständen. Besonders im Frühjahr 2008 stieg das Grundwasser bis auf Kellerbodenniveau und leicht darüber. Momentan steht das Grundwasser etwa 50cm unter der Kellersohle.
Von drei Seiten kommen wir gerade nicht ans Haus ran, deshalb ist da momentan schlecht was zu machen (vorn Straße mit frischgepflastertem Gehweg, seitlich Nachbargrundstücke, z.T. bebaut). Daher haben wir die Kellerwand hinten (ca. 20m) aufgegraben/freigelegt (Lehmboden) und festgestellt, dass das Mauerwerk unterhalb der Flurkante in gutem Zustand ist, zudem hat es kaum Unebenheiten. Selbst die Fugen sind noch recht OK. Nur in der Flurebene gab es leichte Schäden durch Wurzeln und z.T. Frostwechselverwitterung. Das haben wir ausgebessert (Ziegelsteine + Mauer- und Putzmörtel, in jeden Sack Mörtel noch ne Kelle Zement rein). Dabei habe ich auch festgestellt, wie die Kellerwand aufgebaut ist: 24cmZiegel – 5cmLuftspalt – 24cmZiegel.
Ich glaube nicht, dass wir mit den gelegentlich auftretenden hohen Grundwasserständen ohne Drainage fertig werden können. Leider.
Wie bringe ich die Baustelle zu Ende? Mir wäre folgende Kombination am Sympathischsten:
Kein Putz drauf, Noppenfolie an die Wand, unten eine Drainage rein. Mit geeignetem Kies auffüllen, Drainage an die Kanalisation anschließen. Fertig. Was meint ihr? Preiswert und zweckmäßig?
Vielleicht noch ein paar Detailfragen.
Wie viel Abstand (cm) sollte zwischen Drainagerohr und Hauswand sein? Wie tief sollte das Drainagerohr (Unterkante) im Verhältnis zum Kellerfußboden / Fundament mindestens liegen? Und mit was für einem Material führe ich die Drainage aus? Ist bei der Noppenfolie ein positiver Belüftungseffekt zu erwarten oder besteht eher die Gefahr, dass sich dort Kondenswasser/Wassersäule bildet oder bringt mir eine Noppenfolie ohnehin nix? Oder doch einen Dichtschlamm drauf? Und wenn ja muss ich die Wand vorher verputzen? Naja, ein paar Gedanken habe ich mir bereits gemacht. Hoffentlich sind auch richtige dabei.

Besten Dank vorab für die Tipps,
martin



Nasser keller



Abgesehen davon, daß eine Drainage bei stauendem Wasser auch rein gar nichts bewirkt, würde Ihr geplanter Anschluß an die Kanalisation zu Rückstaugefahr führen, mit der Folge, daß Sie zum Wasser auch noch die Fäkalien der Kanalisation an der Wand hätten.

Außerdem ist das Ableiten von Drainagewasser in die Kanalisation verboten.

Am sinnvollsten scheint mir noch eine Kombination aus Querschnittsabdichtung mittels Injektion und keramischer Schlämme auf Bodenfuge und Wand zu sein.
Aber was macht dann der unter Druck geratene Fußboden ?

Grüße vom Niederrhein



Kellerwand. Fall für Drainage?



Hallo,
Oh, da habe ich mich nicht exakt ausgedrückt. Die geplante Drainage soll nicht an die Fäkalwasserkanalisation sondern an die Regenwasserkanalisation angeschlossen werden. Hoffe, dass ist nicht verboten. Den Einbau einer Rückstauklappe hatte ich vorsichtshalber trotzdem in Erwägung gezogen.
Da sich die Kellersohle sich innerhalb des Grundwasserschwankungsbereiches (oberes Ende) befindet, bräuchte ich eigentlich eine weiße Wanne. Selbst wenn die Außenwände alle (ich komme aber gar nicht an alle Wände ran) super abgedichtet wären, käme das Wasser noch über die Fußböden rein wenn es gerade außen höher ansteht. In 10 Kellerräumen die Fußböden abzudichten scheint mir höchst unrealistisch. Wie gesagt, die hohen Grundwasserstände haben wir maximal 2 Monate im Jahr.
LG, martin



Drainage



Wie dem auch sei: Rückstuebene ist die Höhe Straßenoberkante zzgl. einer von der Gemeinde festzusetzende Höhe. Die Gemeinde verbietet in aller Regel das Einleiten von Drainagewasser auch in die RW-Kanäle.

Wie schon gesagt: es hilft nur abdichten, die Drainage hilft nicht, sie leitet im Rückstaufall das Wasser nur besser an das Haus. !

Mit freundlichen Grüßen



Kellerwand. Fall für Drainage?



Hallo Martin,
Wenn Sie mit der Dränage den Grundwasserspiegel senken wollen, brauchen Sie eine Genehmigung der Wasserbehörde.
Und schauen Sie mal in die Entwässerungssatzung Ihrer Gemeinde.
viele Grüße



Moin,



bitte erklären Sie erteinmal was Sie unter "Feuchtproblemen im 1. OG" verstehen und hängt das zusammen mit Ihrem Keller? Wenn Ihr Keller ein wenig feucht ist, ist das ja auch nichts ungewöhnliches und sollte auch nicht beunruhigen, nun aber zu der Sache mit dem GW. Sie schreiben, dass das GW im Keller stand, also wirklich eine Wasserlache im Keller? Eine Abdichtung ist hier Grundsätzlich möglich es ist aber 1. Sicherheit gegen Aufschwimmen nachzuweisen und 2. ist die Angelegenheit nicht gerade günstig (sie können sich ja mal eine Wanne anbieten lassen.....). Alternativ denke ich eher an einen Pumpensumpf, was allerdings nur dann funktioniert wenn die Fliess bzw Steiggeschwindigkeit eher klein ist.
Es ist eben zu überprüfen, ob es tatsächlich GW ist oder Schichtenwasser oder oder....Wie haben Sie das Wasser aus dem Keller bekommen?



Kellerwand. Fall für Drainage?



Danke erst mal für die zahlreichen guten Tipps.

Gut, die lokale Entwässerungssatzung werde ich mir mal genauer ansehen.

Möglicherweise ist es eher Stauwasser (da vermutlich Pseudogleyboden) welches mir hier Kopfschmerzen bereitet und nicht direkt Grundwasser im engeren Sinne. Im Keller haben wir ein kleines Becken (L100xB50xT50cm) in welchem oft Wasser (Sickerwasser \ Kellersohle ist nur 70cm über NN) steht. Momentan (& auch diesen ganzen Sommer lang) ist aber kein Wasser drin. Im Frühjahr 2008 stieg das Wasser im genannten Becken allmählich bis zur Oberkante an und stand dann in einigen Kellerräumen über dem Boden (d.h. Pfützen / Wasserlachen) für 2-3 Wochen und dann sank das Wasser in der Folge ganz langsam wieder ab. Ein Pumpensumpf ist sicher möglich, aber vielleicht unnötig, wenn doch das Wasser auch selbst in die tieferliegende RW-Kanalisation fließt, also dorthin, wohin ich es wohl auch hinpumpen (=Kosten) würde.

Da zu DDR-Zeiten Beton billiger und leichter zu beschaffen war als Fenster, hat man defekte Kellerfenster nicht ersetzt, sondern kurzerhand zugemauert. Ich setze jetzt schrittweise neue Kellerfenster ein, und versuche im nächsten Winter den Keller etwas trocken zu lüften.

Zum "Feuchtproblemen im 1. OG": Nachdem ich einige Texte von Konrad Fischer las, gehe ich eher davon aus, dass diese Feuchtigkeit wenig oder nix mit dem Keller zu tun hat, sondern vermute in erster Linie Kondenswasser und Wasser, welches auf schadhaften Außenputz zurückzuführen ist. Zwischenzeitlich stand das Haus leer, da war die Dachentwässerung (Fallrohre) defekt (haben wir natürlich als erstes heile gemacht). Möglicherweise wurde stellenweise auch noch falscher Putz verwendet.

Beste Gruesse, martin



Pumpen kostet nicht die Welt



Lieber Martin,

wenn's wirklich Lehmboden ist, dann ist die hydraulische Leitfähigkeit des Untergrunds eher gering, das heisst, viel zu Pumpen ist da nicht. Das ist wahrscheinlich auch auf lange Sicht deutlich billiger als eine gut gemachte, komplette Abdichtung, die ja schnell sehr teuer wird.

Ich würd's mal probieren, noch dazu, wo eh schon ein Becken da ist.

Tip: Wasser bei Hochstand mal abschöpfen (mit Eimer oder so), und dann messen, wie schnell's wieder steigt. Falls das nur sehr langsam ist, wäre Pumpen eine Möglichkeit. Oder auch mal ne Pumpe ausleihen und testen.

Gutes Gelingen
stt



Pumpe



Ich finde eine Pumpe auch das Günstigste in diesem Fall.
Wenn der Anstieg des Grundwassers unverhofft erfolgt, so ist es am Besten, eine Automatiksteuerung mit aufzubauen. Ich vertraue da weniger auf die an vielen Pumpen vorhandenen Schwimmerschalter, sondern bevorzuge echte Füllstandssteuerungen.

Beste Grüsse, Kalle.



Und welche Techniken stehen da zur Verfügung?



Da dieses Problem immer wieder auftaucht, wäre ich an diesen sehr interessiert.
Welche Erfahrungen liegen vor?
Danke für die Info



Moin



und hallo Herr Bromm meinen sie die Füllstandskontrolle? Da gibts viele Lösungsansätze wie z.b. mechanische Schwimmer, elektronische Messeinrichtungen, ich pers. habe vor ca. 10 Jahren eine Ultraschallmesseinrichtung in der Regenwasserzisterne meiner Eltern eingebaut. Einmal justiert funktioniert sie tadellos. Bei diesen "kleinen" Pumpensümpfen tendiere ich jedoch rein gefühlsmäßig eher zu einer mechanischen Lösung.



Kellerwand. Fall für Drainage?



Gut, generell habe ich ja nichts gegen Pumpen. Vielleicht ist die Pumpenvariante auch der Grund, weshalb das Becken im Keller irgendwann mal angelegt wurde? Einige Kellerbereiche liegen allerdings recht weit vom Becken entfernt (ca. 15m). Wohin soll ich denn das Pumpwasser ableiten? In die Regenwasserkanalisation oder ins Hausabwasser (ein entsprechender Einlauf befindet sich nur 2m vom Becken enfernt)? Falls Hausabwasser, könnte ich einfach einen Ablauf im Becken einbauen (wieviel cm unter der Kellersohle?) und mir die Pumpe sparen. Aber was mache ich mit der freigelegten Kellermauer (siehe Ausgangsfrage oben)? Der Erdaushub (ca. 15m³) steht leider nicht mehr zur Verfügung. :-(
Ich glaub, um eine Drainage komme ich nicht herum, oder?

Beste grüße, martin



Füllstandskontrolle



Ich bin kein sonderlicher Freund von Schwimmerschaltern. Erstens gibt es da oft das Problem mit der Bewegungsfreiheit des Schwimmers und zweitens ist die Bewegungsstelle des Kabels der große Schwachpunkt, weshalb die Automatik dann irgendwann versagt.
Eine Ultraschallmessung funktioniert natürlich super, ist für Ottonormalverbraucher aber zu kompliziert und sicher auch zu teuer.
Ich empfehle hier ein Elektrodenrelais. Das bekommt eine Betriebsspannung von 230V, hat einen Schaltkontakt für die Pumpe und drei Anschlüsse für die Elektroden. Der unterste ist die Masse, der mittelste ist der Ausschaltkontakt und der obere der Einschaltkontakt. Funktioniert mit völlig ungefährlicher Kleinspannung und als Elektroden kann man entweder einfache Metallstücke an isolierten Kabeln aufhängen oder es gibt da fertige Bauteile, wo 3 Metallstäbe unterschiedlicher Länge isoliert fest verbunden und mit Anschlussklemmen versehen sind. Letzteres kann man sich auch problemlos selbst basteln. Ansonsten gibt es verschiedene Hersteller dafür, bei Interesse schaue ich noch mal nach welche.

Von Drainagen habe ich null Ahnung, deshalb schweige ich mich da lieber aus. Sorry.

Beste Grüße, Kalle