Drainage am Altbau erneuern

19.10.2009



An unserem Haus, Bj.1967, wollen wir eine Drainage bauen.
Das Haus steht am Fuße eines 50m hohen Hanges. Das Untergeschoss ist bis zur Oberkante bergseitig mit Erde angeschüttet. Das Obergeschoss ist frei. Der Hang führt Wasser gegen das Haus. Das Haus steht auf Streifenfundamenten (keine Bodenplatte). Bevor das Haus einen Vollwärmeschutz erhält soll es dauerhaft gegen Bodenfeuchtigkeit geschützt werden. Frage: wie sollte die Drainage beschaffen sein und in welchem Abstand zum Hausfundament, damit die Drainage nicht unbeabsichtigt zur Keller-bewässerung wird?
Für eine Beschreibung wäre ich dankbar!



Hanglage



Grundsätzlich ist eine Dränung in dem beschriebenen Fall eine gefährliche Sache.
Bevor ich dazu etwas schreibe, benötige ich noch einige Auskünfte:
1. Ist das Untergeschoss hangseitig feucht, wenn ja wie äußert sich das(Fotos wären hilfreich)?
2. Wie steil ist der Hang, was für Bodenarten stehen an?
3. Wie werden die hangseitigen Räume genutzt?

Viele Grüße



Drainage am Altbau erneuern



hallo! - das ging ja schnell, prima!

Zu den Fragen gerne hier eine Beschreibung.

Es handelt sich um ein Haus mit zwei Ebenen.
Das OG ist eine Holzkonstuktion (Fertighaus, 1967) mit Außenputz.
Das UG ist aus Betonhohlsteinen auf Streifenfundamenten (dto.)gemauert. Außen ist das UG weitgehend verputzt, aber bei erdberührenden Flächen dünner, dafür dann mit einem dünnen Bitumenanstrich. Der ist inzwischen teilweise beschädigt und es gab einzelne Risse (bis 4mm) durch das ganze Haus.
Die Lichtschächte aus Beton sind mehrfach gerissen und zum Teil marode (Erde ist durchgebrochen).

Das UG wird als Wohnung genutzt.
Die hangseitigen Räume sind: Küche, Abstellraum, Bad, WC, Heizungsraum. Alles ist gerade frisch modernisiert und überwiegend verfliest.

Vor 9 Monaten wurde ein Rohrbruch entdeckt. Da ist über Jahre hinweg Abwasser aus dem Badewannenabfluss (gerissenes Bleirohr) ausgetreten und in den Estrich sowie die Innenwände gedrungen.
Infolge haben wir den Fußboden hochgenommen, ausgeschachtet, Fußboden tiefer gelegt und neu aufgebaut (siehe Fotobeschreibung).
Vom Rohrbruch kam der Hauptschaden - das ist eindeutig. Andere Stellen weisen auf Nässe hin die von außen kommt.


Der Erdboden besteht aus Glazialschutt (eiszeitliche Ablagerungen, sehr viele Steine, immer gerundet, von wenigen cm bis Kopfgröße). Erde ist lehm/ton(?)haltig, eben Sedimente. Mit dem Spaten ist nicht reinzukommen, es braucht die Spitzhacke. Der Hang hat Südlage. Vor 100 Jahren war es ein Weinberg - bis die Reblaus kam; heute mit Kiefern und Laubbäumen bestanden. Ca 40° bis 45° Neigungswinkel.
Der Boden hält die Feuchtigkeit lange. An manchen Stellen in der Nachbarschaft treten Quellen aus dem Hang, bei uns noch nicht gesehen.
An der Hauswand ist z.T. Bauschutt und sandiger Boden, vermischt mit der dort normalen Erde.

Was wir jetzt machen wollen: Erdberührende Wände bis zum Fundament (so weit wie es statisch machbar ist) freilegen, Risse Verputzen (Sanierputz?), Bitumengrundanstrich (Dünnflüssig), Bitumendickschicht auftragen, mit gleichem Material die XPS-Dämmplatten ankleben. Dies bis ca. einen Meter oberhalb der späteren Bodenoberfläche. Dann die Noppenbahn anlegen.
Was ist sinnvoller: die Noppen zur Dämmung hin oder nach außen?

Meine Unsicherheit besteht im Wesentlichen zum Thema Drainage. Ich möche vermeiden, dass Hangwasser /Sickerwasser unter das Fundament läuft und dann durch die Schwachstellen im Haus durch den Fußboden nach oben kommt. Das darf nicht passieren!
Einerseits will jetzt das Haus dauerhaft trocken legen und nie wieder aufschachten müssen.
Andererseits will ich auch keinen Fehler machen mit der Drainage.
Wieviel Wasser der Hang tatsächlich Richtung Haus transportiert, kann ich nur schwer einschätzen, das weiß ich - wenn überhaupt - erst, nachdem aufgegraben wurde.

Meine Vorstellung von Drainage ist, alles Wasser, das im Fundamentbereich ankommt und über eine unschädliche "Feuchte" hinaus geht, soll durch das Drainagesystem seitlich uum das Haus nach unten abgeführt werden. Geplanter Aufbau der Drainage: Rollkiesbett mit Drainageschlauch in der Mitte und das Ganze mit Flies umwickelt.

Da so ein Drainagesytem, meinem Verständnis nach, das Wasser aus dem umgebenen Erdreich geradezu anzieht, wird hier mehr Wasser sein, als normalerweise vorhanden.

Wo sollte so ein System positioniert werden?
Möglichst dicht am Fundament oder eher etwas weiter weg, z.B. einen Meter von der Wand? - oder sogar deutlich oberhalb des Fundamentes, damit es gar nicht erst unten ankommt?
Welches Gefälle braucht es mindestens? Die betroffene Hauswand ist ca. 12 Meter breit.

Oder reicht eine gute Abdichtung, wie oben beschrieben, sogar schon aus?

Viele Gedanken und Fragen dazu.
Ich hoffe, alle erforderlichen Informationen genannt zu haben und freue mich auf hilfreiche Antworten.
Liebe Grüße von Christian W.



Hanglage



Hallo Herr Warnwink,
erst mal ist es gut, das der Hangfuß beim Schachten nicht angeschnitten werden braucht.
Nach den Fotos zu urteilen wurde nur das hangseitige Streifenfundament in den Berg gesetzt.
Falls Sie die Wand Freilegen dann sind Sie im Bereich einer Auffüllung.
Trotzdem empfehle ich Ihnen nicht tiefer als bis zur Oberkante des Fundamentes bzw. nicht im ungestörten Bereich des Hangfußes zu graben.
Die Baugrube sollte mit einem Verbau gegen Einsturz gesichert werden.
Zur Sanierung der Wand:
Die eingestürzten Lichtschächte sollten Sie monolithisch wieder erneuern,
Schließen Sie die Abläufe an die Dränleitung an.
Die Dränleitung setzen Sie wie beschrieben aber vor die Wand oberhalb der Streifenfundamente des Hauses.
Vorher erneuern Sie die Abdichtung der Hangwand.
Ich empfehle Ihnen dazu folgende Vorgehensweise:
- Reinigen der Wand von Putzresten und Bitumen,
- ausspachteln der Risse und Fugen und Egalisierung mit Dichtmörtel,
- Anlegen einer Kehle im Übergangsbereich Fundament-Mauer mit Dichtmörtel,
- Auftragen einer mineralischen Dichtschlämme auf die Wand,
- Nach Trocknung anbringen einer Perimeterdämmung,
- Einbau von Gleitebene, Dränschicht und Anfüllschutz,
- lagenweises Verfüllen und Verdichten der Baugrube mit Kiessandgemisch,
- Profilieren einer Entwässerungsmulde, Grasansaat.

Fragen Sie bei einem Fachhändler nach mineralischer Dichtschlämme und -Mörtel und erklären Sie ihm, was Sie damit vorhaben. Diese Mittel sind für Sie als Laien besser zu händeln als KMB.
Perimeterdämmung ist nicht mit Styropor gleichzusetzen. Auch hier bitte den Fachhandler fragen, der liefert Ihnen auch die restlichen Systemkomponenten wie KMB bzw. Kleber und die Gleit-Drän-und Anfüllschutzschicht.
Wenn Sie unbedingt die Noppenbahn nehmen wollen, dann bitte die Noppen von der Wand weg.
Dann haben Sie nur einen Anfüllschutz, Gleit- und Dränebene fehlen.

Viele Grüße

p.s. Sehen Sie sich die Bäume an Ihrem Hang mal genauer an.
Falls Sie Säbelwuchs feststellen, bewegt sich was.
Dann sollten Sie einen Bauingenieur kontaktieren.