Doppeltes Dach und nun?

18.02.2022 Espen


Hallo,
Ich habe ein altes Fachwerkhaus, BJ 1887, gekauft und saniere die nun.
Beim Ausbau des Dachgeschosses hab ich nun folgendes Problem. Das Dach ist vor 20 Jahren mit tonziegeln neu gedeckt worden, ich dachte fachlich korrekt. Falsch gedacht.
Im Rahmen des Dachgeschossausbaues wurde ein Dachfenster getauscht und ein zusätzliches eingebaut. Dabei musste ja das Dach geöffnet werden.
Mein Dach ist wie folgt aufgebaut, von innen nach außen.

1. Putz
2. Sauerkrautplatten
3. Dämmplatten
4.Bretter ( Brett an Brett, mit Bitumen gestrichen)
5.schindeln
6. Latten
7.Tonziegel

Nun stellt sich die Frage wie ich da am besten weiter mache. Den Putz, die Sauerkrautplatten und die alte Dämmung werde ich entfernen.

Ob das alte schindeldach komplett intakt ist, weiß ich nicht. Die Stelle die geöffnet wurde, sah gut aus.
Das Dach wird also zumindest zum aller größten Teil nicht diffusionsoffen sein.
Eine neue dacheinkleidung ist finanziell definitiv nicht möglich.

Wäre es sinnvoll das Dach wie folgt aufzubauen
( von innen nach außen)

1. Gipskarton
2. Feuchtevariable dampfsbremse
3.dämmung ( ich würde gern Hanf nehmen)
4.-7. Wie jetzt vorhanden

Oder ist das komplett Unsinn?

Wäre für jeden Rat dankbar.



kompletter Unsinn?



So drastisch hätte ich das nicht formuliert. Aber vielleicht lohnt es sich darüber nachzudenken, dass die Sauerkrautplatten ein absolut ökologischer Baustoff sind, die viele gute Eigneschaften haben. Mir erschließt sich nicht, warum die entfernt werden müssen. Auch der Austausch von Putzschicht zu Rihgips erscheint mir eher problematisch (weil das kaum ohne Hohlräume abgeht). Wichtig wäre, dass die neuen Fenster sehr sorgfältig an die alten Schichten angeschlossen werden und die Lücken nicht einfach mit Bauschaum geschlossen werden.
Aber vielleicht übersehe ich auch etwas.
Gruß Karsten



Braucht es eine dampfbremse?



Danke für die Antwort .
Der putz löst sich an 2 Stellen von den Sauerkrautplatten. Könnte ausgebessert werden.
Ich muss die Sauerkrautplatten nicht zwingend abreißen. Dachte nur ich brauche eine Dampfbremse damit sich kein Schimmel bildet durch die raumfeuchtigkeit. Das Dach ist ja nicht diffusionsoffen. Deshalb dachte ich an eine wasservariable dampfbremse.

Ich bin in punkto dach echt noch ziemlich ratlos.

Der trockenbauer meinte einfach eine gipskartonwand mit 4cm stehender luftmasse davor bauen. Auf meine Frage zwecks taupunktverschiebung und schimmelgefahr kam als Antwort nur, dass dies bei alten Häusern häufig passiert und immer Nutzer bedingt ist. Mit dieser Antwort war ich sehr unzufrieden und suche nun eine Lösung.



Fachmann



Ich bin leider kein Fachmann. Ich dachte bisher, dass Sauerkrautplatten eine Dampfbremse ersetzen können.

Und wenn ich die bisherigen Posts bzw. den Lesestoff richtig verstanden habe, dann sind Luftschichten tatsächlich so unsinnig, wie es Dir vorkommt.



bauphysik



Moin,
ob der aktuelle Aufbau bauphysikalisch funktionieren kann, lässt sich nicht nur vor Ort prüfen, sondern auch berechnen. Sie könnten zum Beispiel den Ubakus Online-rechner nutzen, der Ihnen nach Glaserverfahren (sozusagen Worst-Case-Szenario) möglichen Tauwasserausfall berechnet.
Wenn Sie nun mitten im Winter das Dach aufgemacht haben und keine Feuchtigkeit feststellen können ist doch davon auszugehen, dass es bei derzeitiger Nutzung keine Probleme gibt.
Wenn Sie aber eh das Dach aufmachen wollen, da Ihnen oder dem
Gesetzgeber die Dämmstoffstärke nicht ausreicht, dann sollten Sie sich unbedingt eine bauphysikalische Berechnung machen lassen. Dabei kommt, unter anderem, sehr wahrscheinlich eine feuchtevariable Dampfbremse raus.

Meine Empfehlung wäre es zunächst den aktuellen Aufbau im Ubakus einzugeben und dann zum Vergleich Ihren geplanten Aufbau. Damit könnten Sie vielleicht ja schon dem Sinn oder Unsinn auf die Schliche kommen.

Gruß Jakob Spohn