Doppelte Dämmschicht in Zwischendecke - Probleme mit dem Taupunkt?

30.03.2021 Ralf

Doppelte Dämmschicht in Zwischendecke - Probleme mit dem Taupunkt?

Hallo liebe Forumsmitglieder,

meine Frau und ich haben uns vor gut einem Jahr unseren Lebenstraum erfüllt und uns einen kleinen Fachwerkkotten gekauft, den wir gerade renovieren.

In einem Raum des Erdgeschosses haben wir kürzlich die alte Innendämmung (Glaswolle hinter Rigips) der Außenwand entfernt und durch einen dreischichtigen neuen Innenwandaufbau (nach außen Lehmputz, dann 6 cm Holzfaserweichplatte und nach innen Kalkputz) ersetzt. Hiermit sind wir eigentlich ganz zufrieden und diese Maßnahme soll hier nicht weiter zur Diskussion stehen.

Unser Problem ist jetzt Folgendes: Die Vorbesitzer des Hauses haben die Decke des Erdgeschossraumes gedämmt, indem sie in der Balkenlage des Bodens des Obergeschosses einfach Glaswolle zwischen die einzelnen Holzbalken eingebracht haben. Nach unten hin haben sie die Holzbalken und die dazwischen befindliche Glaswolle mit Rigipsplatten verkleidet, sodass die Decke des Erdgeschosses jetzt aus Rigips besteht. Über den Holzbalken und der Glaswolle befindet sich in einem Bereich des Raumes nur der offene Holzfußboden des nicht gedämmten und nicht ausgebauten Obergeschosses und in einem anderen Bereich des Raumes zusätzlich zwischen Balkenlage und Holzfußboden des Obergeschosses eine zweite Rigipsplattenschicht.

Da die geschlossene Rigipsdecke des Erdgeschosses uns an sich gefällt, die darüber befindliche Deckendämmung aus Glaswolle aber etwas dünn ausgefallen ist, haben wir uns überlegt, die Rigipsdecke und die Glaswolldämmung zu behalten und über dem Holzfußboden des Obergeschosses zusätzlich eine zweite Dämmschicht aus diffusionsoffenem Thermo-Hanf aufzubringen und diese nach oben hin mit OSB-Platten oder einem anderen (möglicherweise diffusionsoffeneren) festen Material abzudecken.

Bei der geplanten Maßnahme möchten wir natürlich möglichst verhindern, dass wir durch eine falsche Dämmung den Taupunkt in den Bereich der Balkenlage Verlegen uns uns diese dadurch weggammelt. Gleichzeitig möchten wir aber wie gesagt die alte untere Dämmschicht aus Glaswolle behalten und bei der Maßnahme auch keine zusätzliche Dampfbremse einbringen. Daher nun unsere Fragen an die Experten: Bekommen wir bei dem von uns geplanten Neuaufbau der Deckendämmung Probleme mit dem Taupunkt? Falls dies der Fall sein sollte: Habt Ihr vielleicht ein paar Tips für uns, wie wir auf eine andere Art dämmen können, bei der die alte Glaswolldämmung und die untere Rigipsdecke in jedem Fall in der Balkenlage verbleiben können und wir feuchtigkeitstechnisch nichts falsch machen können?

Das Obergeschoss des Hauses ist wie gesagt nicht gedämmt. Von daher gibt es an sich schon ein größeres Temperaturgefälle zwischen Erd- und Obergeschoss. Von der diffusionsoffenen Außenwand des Erdgeschossraumes (Lehm, Holzfaserweichplatte, Kalk) erhoffen wir uns aber zumindest, dass dieser Wandbereich einen Großteil der Feuchtigkeit im Raum aufnimmt und nicht die Decke.

Damit Ihr Euch den jetzigen Aufbau des Raumes und unsere geplante Maßnahme besser vorstellen könnt, habe ich im Anhang eine kleine Zeichnung des Raumes angehängt.

Für Eure Hilfe wäre ich Euch sehr dankbar.

Viele Grüße
Ralf



Nutzung Obergeschoß



hallo, ich entnehme dem Text, dass das Obergeschoß nicht ausgebaut werden soll und demnach kalt bleibt. Ist das der durchlüftete Dachraum?
Bei dem geplanten Aufbau darf die obere begehbare Schicht nicht dampfdicht sein, OSB wäre also fehl am Platze.
Wie soll der obere Raum genutzt werden und wieviel Dämmung wollt Ihr aufbringen. Als Hilfe kann ich Ubakus.de empfehlen, nach einer kostenfreier Anmeldung können Privatpersonen nach 18.00 und an den WE das Modellprogramm nutzen. Dort könnt Ihr euren geplanten Aufbau mal eingeben und Angaben zu Taupunkt, Feuchtemenge und Dämmwert erhalten.



weitere Überlegung...



Der Gipskarton unten (als Decke des EG) ist nicht das Problem, sondern die extrem leichte und durchlässige Glaswolle drüber. Nach dem Grundsatz "nach außen hin immer diffusionsoffener werden" darf so eine Dämmschicht eigentlich nur von weiterer Glaswolle überdeckt werden. Eine Dampfbremse braucht es eigentlich nur dann, wenn ihr dieses Prinzip nicht durchhalten könnt.

Schon Euer Dachboden (Dielung) und erst recht der Gipskarton auf dem Dachboden wären danach "zu dicht". Offenkundig funktioniert das aber, weil die Dielung eben luftig verlegt ist. Der Gipskarton dürfte aber sperren. Habt ihr da schonmal drunter geschaut? Vielleicht funktioniert es trotzdem, weil die Fläche klein ist und die Ablüftung über allseitige Ritzen erfolgt...

Bringt Ihr jetzt aber eine weitere Dämmschicht ein, verringert ihr die notwendige Ablüftung und habt an der Grenze von (bestehender) Glaswolle zu den (bestehenden) Brettern bzw. dem Gipskarton sehr wahrscheinlich ein Problem. Packt ihr auf die neue Dämmschicht noch eine OSB oben drauf (oder eine "dichte" Dielung mit Nut und Feder), sperrt ihr dann dort die Feuchtigkeit ein. Was soll auch eine diffusionsoffene Hanffaser, wenn diese mit einer OSB gesperrt wird?

Wenn Ihr den Dachboden lediglich als untergeordneten Abstellraum nutzen wollt, könnte folgende "Bastellösung" funktionieren:

- Dielung und Gipsplatte auf dem Boden entfernen, Glaswolle entsorgen (Gipsdecke nach unten bleibt!)
- Zellulose (oder Thermohanf) offen schütten auf gewünschte Dämmhöhe
- zuvor über bzw. auf Dämmhöhe Laufwege und Lagerplätze mit gesonderten Unterkonstruktionen vorsehen; Laufwege eher schmal (damit nur minimale lokale Diffusionsbehinderung entsteht), für "Lagerplätze" ggf. Europaletten oder ein ähnlich luftiges Prinzip vorsehen (ein Brett - kein Brett)

Den Tip von pope solltet Ihr in jedem Fall nutzen. Dort könnt ihr ohne Weiteres verschiedene Varianten kostenfrei durchspielen.



Anworten



Dank Euch schon mal für Eure guten Tips!

Ok, verstanden, OSB-Platte oben drauf ist in diesem Fall schon mal eine denkbar schlechte Idee.

Nur mal rein theoretisch: Wäre es vom Prinzip "nach außen hin diffusionsoffener" möglich, die Glaswolle drin zu lassen, die obere Rigipsplatte in dem einen Bereich des Raumes sowie den Holzfußboden des Obergeschosses zu entfernen und auf die Glaswolle Thermohanf oder Zellulose aufzuschütten, damit die jetzt noch dünne Dämmschicht etwas verstärkt wird? Was die Stärke des neu aufzubringenden Dämmmaterials angeht, haben wir uns noch nicht festgelegt. Da würde ich vielleicht mal bei Ubakus nachschauen, ob es da Empfehlungen für unseren momentanen Aufbau gibt. Hanf und Zellulose müssten doch aber an sich diffusionsoffener sein als Glaswolle. Damit wäre doch dann das Prinzip "nach außen hin diffusionsoffener" gewährleistet, oder?

Wir hätten bei dieser Lösung (und auch bei der aus meiner Sicht echt smarten Lösung mit den Europaletten und/oder schmalen Laufwegen auf der Balkenlage) aber ein weiteres Problem, wie mir gerade im Gespräch mit meiner Frau wieder eingefallen ist: Es stimmt, das Obergeschoss soll nicht ausgebaut werden und ist damit der durchlüftete Raum. Das ist in Sachen Belüftung mit Sicherheit ganz gut. Es führt aber auch leider dazu, dass wir bei starkem Schnee ganz schöne Schneewehen auf dem Dachboden haben. Nach Entfernung des jetzt noch ein wenig 'aufsaugenden' (und wieder wasserabgebenden) Holzfußbodens oder Ersetzung desselben durch eine offenere Holzkonstruktion würde das Tauwasser dieser Schneewehen vermutlich direkt in die Dämmung laufen und durch diese irgendwann auch auf die untere Rigipsplatte, also die Decke unseres Erdgeschossraumes. Das wäre ja auch nicht so gut...

Wir können uns damit wohl quasi aussuchen, ob wir auf unserem Dachboden ein Problem mit Wasser von oben oder von unten haben:) Oder wie seht Ihr das? Sicherlich schwierig, in diesem Fall eine optimale Lösung zu finden...



Zwischendecke



ich kann mir das noch gar nicht vorstellen, da müßte ja auf dem Obergeschoßboden ein Absatz sein, dort wo die GK drunter liegt.
Aber von welchen Schichtdicken reden wir denn jetzt? Wie hoch sind die Balken, also wieviel Dämmung liegt jetzt zwischen ihnen ? Gibt es einen Fehlbodeneinschub oder liegt die Dämmung direkt auf der Unterkonstruktion der Deckenrigipsplatten?
Wäre es eine Option, die Dielung in dem Bereich, wo die GK-Platte noch drunter liegt, zur Entfernung dieser, aufzunehmen und danach wieder aufzubringen.
Als Dämmung über alles es möglich die Steico top oder die Udi top auf die Dielung zu bringen. Die würde dann auch den Flugschnee vertragen.
Wäre es nicht auch an der Zeit, mit dem Dach etwas zu machen ? Die flugschneezeiten sollten vorbei sein. Was ist jetzt für eine Eindeckung drauf, ich vermute Naturschiefer mit weggegammelter nackscher Teerpappe?



Neuer Stand



So, heute habe ich mich mal mit dem Bereich beschäftigt, in dem die Glaswolle in der Decke von oben und unten mit Rigips umgeben ist. Holzfußboden weggenommen und oberste Rigipsplatten entfernt. Jetzt sollte es auch in diesem Bereich über der Glaswolle luftiger sein. Ich denke, ich werde den Holzfußboden wieder aufbringen, aber etwas lockerer verlegen, sodass kleinere Lücken zwischen den einzelnen Brettern bleiben.

Zu Deinen Fragen, Pope: Die Rigipsplatten, die direkt unter dem Holzboden des Obergeschosses liegen (bzw. lagen) waren von unten auf den Holzboden aufgeschraubt. Also nur in den Bereichen zwischen den einzelnen Balken. Der Holzfußboden liegt also nicht auf den Rigipsplatten auf. Die Balken wiederum, auf denen der Boden aufliegt, sind ca. 20 cm hoch. Die Glaswolle, die zwischen den Balken eingebracht wurde, ist 16 cm hoch. Was ein Fehlbodeneinschub ist, weiß ich nicht, aber die Glaswolle liegt auf jeden Fall auf der Unterkonstruktion der unteren Rigipsplattenschicht.

Die Steico Top musste ich gerade erstmal googeln. Ich dachte beim Lesen Deines Textes erst, dass das vielleicht eine Plane ist, die von oben wasserdicht und von unten diffusionsoffen ist (was ja vielleicht eine Lösung wäre: Einfach auf den Holzfußboden auflegen, Kein Wasser dringt von oben ein, aber Wasserdampf von unten kann entweichen). Hab jetzt aber gesehen, dass es sich dabei um Dämmstoff auf Holzfaserbasis handelt. An sich ja eine gute Sache, aber wenn wir die oben zusätzlich aufbringen würden (also zusätzlich zum Holzfußboden und der darunter liegenden Glaswolle), wie ursprünglich geplant, dann würden wir doch das Prinzip "von innen nach außen diffusionsoffener" durchbrechen, oder? Der Kollege hatte ja schon geschrieben, dass wenn wir auf dem Holzfußboden noch eine Dämmschicht aufbringen, die jetzigen Verdunstungsmöglichkeiten durch den doch recht offen und luftig verlegten Holzfußboden nicht mehr gegeben wären.

Unser Dach ist mit einfachen Dachpfannen gedeckt. Unterspannbahnen sind nicht verlegt. Das soll auch erstmal so bleiben. Hat in meinen Augen Vor- und Nachteile (wie den Schnee), aber das soll hier nicht Thema sein. Schnee werden wir bei größerenen Schneegestöbern wohl auch in Zukunft ab und an auf dem Dachboden haben, aber wäre ja schön, auf dem Fußboden irgendetwas zu haben, das das Tauwasser abhält, aber trotzdem von unten diffusionsoffen ist (wie bei GoreTex-Kleidung quasi). Wäre da eine entsprechende Folie (wie oben bereits erwähnt) eine Option? Also Aufbau von oben: Diffusionsoffene Folie, Holzboden, Glaswolle, Rigips? Hätte wahrscheinlich wie bei der Steino top den Nachteil, dass eine Durchlüftung des Holzfußbodens nicht mehr gewährleistet wäre...



Datenblätter



ich empfehle dringend, dass Du dich mit den Datenblättern der Baustoffe beschäftigst. Die SteicoTop ist äußerst diffusionsoffen, das Prinzip der zunehmenden Offenheit von innen nach außen wird also keineswegs verletzt, sondern im Gegenteil. Die Platten sind relativ trittfest und 3 Monate frei bewitterungsfähig, also sollte Dein bißchen Flugschnee locker aushalten. Alternativ könnte nach Aufnahme der Dielung ( das ist eben dann nötig) die fehlenden 4 cm noch mit Dämmung zwischen den Balken gefüllt werden.
Der Fehlbodeneinschub ist eine Brettschicht, die im unteren Ende des Deckenbalkens entweder in Nuten in den Balken eingeschoben wird ( daher der Name) oder auf angeschraubte Leisten liegt. Er hat die Aufgabe, die Last der Dämmung und der Deckenfüllung eben nicht auf die Unterkonstruktion der darunterliegenden Decke abzuleiten, egal ob das die UK für Rigips oder eine Schalung für den Deckenputz ist.
Hast Du mal bei ubakus.de geschaut, da sind für die einzelnen Dämmstoffe auch die bauphysikalischen Parameter angegeben, wenn Du einen Baustoff links aus der Liste wählst.



Vorläufige Lösung



Da ich den Holzfußboden nur in dem Bereich aufgemacht habe, in dem direkt unter ihm eine zweite Rigipsschicht aufgebracht war, und ich ihn nicht flächendeckend im gesamten Obergeschoss öffnen will, werde ich jetzt in dem offenen Bereich die Glaswolldämmung nach Möglichkeit noch ein wenig auffüllen und die Dielung dann wieder aufbringen. Da ich mich nach einigem Abwägen dazu entschlossen habe, den Holzfußboden auf breiter Fläche im Obergeschoss zu belassen, und ich glaube, dass eine Holzschicht (von immerhin auch 4 cm Stärke) zwischen zwei unterschiedlichen Dämmstoffschichten das Prinzip der Diffusionsoffenheit doch erheblich einschränken würde, werde ich es wohl dabei belassen. So ist die Decke zumindest mit der Glaswollschicht gedämmt, trotzdem halbwegs diffusionsoffen aufgebaut und durch den Holzfußboden einigermaßen gegen Schnee geschützt. Danke noch mal für Eure Tips und schöne Osterfeiertage.