Diffusionsoffene Folie hinter Vorhangfassade

14.09.2020 Mirko



Hallo!

Ich bin gerade dabei die alte Vorhangfassade an meinem Fachwerkhaus komplett zu erneuern.
Darunter kam Lehm (habe ich erwartet) sowie mit Gefache, welche mit Kalk geputzt waren zum Vorschein. Also hat die alte Fassade dort schon mindestens 120 Jahre gehangen.

Die alte Vorhangfassade war direkt auf die Riegel sowie Rähm, Kopf und Halsbänder genagelt. Also keine Hinterlüftung! Dafür war der Aufbau auch nur knapp 25mm hoch.

Ich möchte jetzt mit 24er Brettern die o.g. Balken Aufdoppeln und dann erst die Vorhangfassade befestigen um eine bessere Hinterlüftung gewährleisten zu können. Zum Schutz für Schlagregen mit Wind möchte ich die Wand mit einer ProClima db+ schützen, die ich noch vom Dachausbau übrig habe.

Eine Kreuzlattung kann ich leider nicht machen, da die Vorhangfassade nicht soweit vor darf. (Dachabschluss, Fenstertiefe und eine Überdachung über der Eingangstür, die direkt an die alte Vorhangfassade stößt)

Frage:
Wenn es sinnvoll ist, die DB+ zu montieren: direkt auf das Fachwerk oder direkt auf die Vorhangfassade?

vielen Dank!
Mirko



Vorhangfassade



wie war denn die alte Fassade ausgeführt ? Boden-Deckel-Schalung oder Bretter mit Leisten über den Stößen und wie willst Du die neue umsetzen? Die ProClima db ist meines Erachtens eine variable Dampfbremse und damit für Deine Zwecke außen nicht geeignet. Die benötigst ein Unterdeckbahn, die außen als 2. wasserführende Ebene aufs Dach kommt und die dann direkt aufs Fachwerk.



Hinterlüftung



Soll die Unterkonstruktion waagerecht oder senkrecht verlaufen? Bei Waagerecht hat die Hinterlüftungsebene glaube ich nicht den gewünschten Effekt.



alter Aufbau



Es war bisher nur Bretter mit Leisten über den Stößen. Diese Bretter waren direkt auf das Fachwerk verschraubt ohne Abstand. (höchstens minimal aufgrund der Putzunterschiede im Gefach.)
Das Gefach besteht aus Lehmstrochwickeln. Im Innenbereich schließt sich eine 80mm Holzweichfaserplatte mit Wandheizung an.

Feuchteschäden habe ich nur einen an einem (unkritischen) Ständer und Fussbalken finden können: ein angefaultes Zapfenloch mit Loch nach außen. Dieser Schaden muss aber vor 120 Jahren bereits Bestand gehabt haben, da das vorgesetzte Vorhangbrett in der Höhe des Loches keinerlei Schäden gezeigt hat.
(Der Zapfen selber ist noch in Ordung und der Balken wurde durch ein Einsatzstück repariert)

Jetzt stehe ich halt vor der Frage, einfach wieder direkt auf das Fachwerk zu gehen (wie vorher) oder etwas Abstand mit eine (variable) Dampfbremse einzuziehen.
Mir geht es hauptsächlich um Schlagregen, welcher sich eventuell zwischen die Bretter und Deckleisten drücken könnte. Gestrichen wird mehrfach mit Leinöl und "schwedenrot" als Pigment.

Mir ist klar, das Querriegel die Hinterlüftung behindern, aber Konterlattung wird einfach zu hoch im Aufbau.
(2x25mm Konterlattung+25mm Deckbretter)=75mm statt 25mm bei direktem Aufbau.

Edit: Wie wäre es, wenn man eine Querlattung anbringt und die entstehenden Felder mit Lehm/Kalk ausputzt? Die Vorhangfassade würde dann direkt glatt auf dem Putz aufliegen und es würden keine Hohlstellen vorhanden sein, wo sich Wasser sammeln kann. (Kondenswasser)
Eingedrungenes Regenwasser könnte sich auch kapilar verteilen.


Mirko



Verschalung



wenn Du eine boden-Deckel-Schalung mit ca. 20 cm breiten Lärchenbrettern wählst, sollte der Zwischenspalt zwischen dem Deckel und der waagerechten UK-latte ausreichen, um ein Hinterlüftung zu gewährleisten.
Nach wie vor zweifle ich daran, ob eine Dampfbremse wie die Proclima die richtige Wahl für eine Unterdeckbahn ist.



Noch eine Idee



Boden-Deckel-Schalung kann ich wegen Denkmalschutz leider nicht machen.
Die Leisten waren im Ursprungszustand ca. 5...7cm breit. Die Bretter alles zwischen 15cm und 20cm).
Alles so passig, das immer ganze Bretter an den Fenstern waren.
Da würden >15cm ganz schön auffallen. Und ist auch nicht ortstypisch. :)

Die "Aufdopplung" wollte ich nur machen, damit ich um die Fenster mehr Befestigungs-Holz für die Bekleidung(?) habe Ursprunglich waren die Bretter für die Seite und oben (ca. 15cm) nur an den 25mm dicken Fassadenbrettern festgenagelt, was schon sehr grenzwertig war.

Von der Dampfbremse bin ich mittlerweile weg.

Eventuell könnte man die Unterkonstruktion auch rhombenförmig mit Durchlässen machen, damit die Luft durchströmen kann...



Denkmalschutz



aha, das war nicht bekannt. Hast Du mit denen schon drüber gesprochen oder ist das nur eine Vermutung von Dir ? Rhombenförmig, das kann ich mir nicht vorstellen. Aber man könnte u.U. die Bodenbretter trapezförmig besäumen, mit der schmaleren Seite auf die UK nageln, die breitere nach außen um den Deckleisten mehr Auflage zu bieten.



Vorhangfassade



Ich wollte keine Salamitaktik machen... Es ist Denkmalschutz und die Maßnahme zur Erneuerrung der Vorhangfassade mit Brettern und Deckleisten wurde bereits so genehmigt. Es ist die Süd-Westseite und ist der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt.

Ich war eben nur total überrascht, dass ich beim abnehmen der alten Fassade keine Unterlattung gefunden habe und dies trotzdem nicht alles zerfallen ist.

Je länger ich darüber nachdenke,... umso mehr werde ich den ursprünglichen Wandaufbau verwenden:
Die Balken mit 25mm Holz aufdoppeln, die Leerflächen mit neuem Lehm glatt Verputzen und die Vorhangfassade direkt ohne Hohlräume aufbringen.

Mirko