Dielenboden - Aufbau und Material

14.01.2015 clippi



Hallo wertes Forum!

Ich heiße Philipp und saniere gemeinsam mit meiner Freundin ein Fachwerkhäuschen von 1905 im thüringischen Gehren vor dem Thüringer Wald.

Seit 3 Jahren lese ich schon still die zahlreichen und sehr interessanten Themen mit. Wir haben die Fassade - unter anderem durch das Forum motiviert - mit Holzweichfaserplatten und Schiefer auf Vorhangfassade ausführen lassen.
Innen bauen wir fleißig die Sünden vergangener Generationen zurück.
Zu diesen Sünden zählt unter anderem auch, die schönen Kassettentüren inkl. Kastenschlössern mit Holzdekorfolie zu überkleben oder die Holzdielenböden mit Möbelplatten zu belegen (natürlich wurden die Nägel in 1.5cm Abstand nicht vergessen!). Die Möbelplatten waren wohl nötig,
um den PVC-Belag Nr.1 unter PVC-Belag Nr.2 und teils nochmals eine Lage Auslegware ohne ein Abzeichnen der Dielenstöße Verlegen zu können.
Jedenfalls wurden die Schichten oberhalb der Dielen bereits zurückgebaut. Hier wäre ich dann auch beim Thema.

Kurz zur Einordnung des Bodens: Dieser befindet sich im OG unseres EFH oberhalb von Wohn- und Esszimmer, Küche und Bad im EG.
Der Boden hat bisher beim Begehen stark geschwungen. Lief jemand in einem Raum des OG, waren die Vibrationen noch im Nachbarzimmer zu spüren und die Schritte im EG zu hören.

Nachdem ich eine erste Diele aufnahm, konnte ich auf den Einschub sehen. Die Spalten zwischen den einzelnen Bretter haben zum Teil einen Abstand von 10mm.
Das lichte Maß zwischen den (soweit sichtbar) noch gut erhaltenen Balken beträgt 800mm +/- 20mm.
Der Raum (50-70mm Höhe) zwischen Oberkante Einschub und Unterkante Dielen enthält so gut wie keine Füllung (Lehm, Schlacke) mehr.
Nun gibt es hier bereits viele Threads mit Hilfestellungen zum Thema.
Ich würde mich aber sehr über eine abschließende Beurteilung freuen, inwiefern die von mir zusammengetragenen Infos korrekt sind.

Das angedachte Vorgehen:

0.) Prüfen des Bodenniveaus nach Aufnahme der Dielen (diese haben eine Abmessung on 28mm x 200mm und wurden von oben mit drei Nägeln pro Balken befestigt).
Sofern erforderlich: Begradigen des Bodens durch seitliches Anlaschen von Hölzern an die Balken.

1.) Rest-Schüttung raus, Rieselschutzpapier rein, alte Schüttung und neuen Glühsand bis Unterkante Dielen auffüllen
--> Was für ein Papier (Hersteller, Typ, ...) ist bei größeren Spalten geeignet, damit es nach Aufbringen des Glühsandes nicht reißt?
Ab welcher Breite sollte eine Spalte mit Holz geschlossen werden?

2.) Dielen entsprechender Stärke direkt auf die Balken aufbringen
--> Genügen Dielen der Stärke 28mm bei einem lichten Maß von 800mm zwischen den Balken? Der Boden eines weiteren Zimmers soll noch neu gemacht werden.
Hier sind die Balkenabstände noch nicht bekannt. Gibt es eine Art Regel, welche Dielenstärke bei welchem Abstand verwendet werden sollte?

2a.) Dielenschraube (Teilgewinde oder HECO Unix top) durch Feder verschraubt nach evtl. vorbohren
Wenn ich es richtig verstanden habe, führt eine Schraube pro Balken durch die Feder zu keiner Scheibenwirkung.
Inwiefern kann man abschätzen, ob eine Scheibe erstellt werden muss? Bei deren Bedarf müßte ich dann zwei
Dielenschrauben pro Balken von oben sichtbar einbringen, oder?

3.) Die Dielen sollen abschließend in mehreren Schichten geölt werden. Zur Wahl des Öls muss ich aber nochmal das Forum durchstöbern.


Nun stellt sich mir noch die Frage nach der richtigen Dielenwahl. Da wir eine kleine Hündin haben, sollte der Boden relativ robust sein.
Das Kratzer nicht ausbleiben werden ist klar und auch vollkommen okay. Schnell kam der Gedanke Eiche zu verwenden.

Eine Bezugsquelle konnte ich im weiträumigen Thüringer Raum auftun.
Das Angebot beinhaltet "Schloßdiele Eiche Country, Nut/Feder umseitig, zur Endlosverlegung, Microfase, Oberfläche roh/vorgeschliffen, gespachtelt falls erforderlich" in der Dimension
28mm x 240mm für netto 115 Euro/m². Ist dieser Preis Marktüblich?
Gibt es evtl eine günstigere Alternative (Buche, Ahorn, Akazie, ...), die ebenso mit unseren Hundepfoten vereinbar ist?

Sortierung Country beinhaltet u.a. Astlöcher. Sollte auf diese oder ähnliches bei Holzdielen (aus welchem Grund auch immer) verzichtet werden?

Dann werden noch die folgenden Oberflächen angeboten:
a. Verlegefertig, gespachtelt, vorgeschliffen (wie angeboten)
b. oxidativ farblos geölt
c. oxidativ weiß geölt
d. oxidativ farbig geölt
e. gebürstet
f. hartwachsgeölt

Ist es evtl. sogar empfehlenswert, Option b. zu wählen? Wäre dann nach Einbringen der Dielen dennoch eine weitere Behandlung der Oberfläche erforderlich?
Oder sollte man besser doch die Wahl des Öls entsprechend der Forumsempfehlung treffen und die Behandlung mit bekanntem Produkt komplett selbst durchführen?

Dann noch zur Restfeuchtigkeit der Dielen, die mit 8-11 % angegeben wurden.
Ich meine im Forum gelesen zu haben, dass das Holz sich der Feuchte des Lagerungsortes anpasst und sich somit auch noch etwas "verwirft".
Wie sollten die Dielen (Folie ja/nein?) und vor allem wo (angedachtes Zimmer?) vor dem Einbau gelagert werden?
Habe den Hinweis dazu im Forum nicht mehr gefunden.

Nun muss ich mich nach dem langen und etwas wirr wirkendem Text doch noch bei denen Bedanken, die sich bis hierher durchgeackert haben.

Für Ratschläge und Rückfragen bin ich sehr dankbar.
Viele Grüße,
Philipp



Die Dielen...



...sollten besser vor Ort nach dem Einbau geölt werden. Eiche ist das geeignetste Holz, Buche wegen des schnellen Feuchtewechsels ungeeignet. Ahorn zeigt (hell!) alle Kratzer und ist keinesfalls billiger.

28mm genügen vollkommen, eine Endlosdiele würde ich aber nicht verlegen. Vorzugsweise raumlang, oder gestoßen auf den Balken.

Zum Ölen: Ich biete das Heißölverfahren von Natural an, und bin desöfteren in Ilmenau...

Grüße

Thomas





Keine vorbehandelten Dielen einbauen, ~1 Monat vor dem Einbau in dem Raum lagern, wichtig Folie ab und mittels kleiner Leisten gerade stapeln (Luft zwischen den einzelnen Dielen.
Die Qualität (Sortierung) hängt von Deinen Ansprüchen ab, sieh es Dir doch am besten vorher an.

Gruß Jan



Bedenken...



...hatte ich schon, dass ich zu viele Fragen mit zu vielen unnötigen Details in einem Post verfasst habe.

Nun habe ich aber schon zwei präzise Antworten. Prima! Besten Dank! :)

@Thomas: Eiche, 28mm (24mm wäre zu unterdimensioniert?), vor Ort geölt. Geht klar!
Die Dielen wollte ich an für sich eigentlich schon raumlang verlegen. Das eine Endlosdiele angeboten wurde, hatte mich ein wenig gewundert. Nun dachte ich mir aber, dass (Schloss-)Dielen vielleicht immer "nur" rundum mit Nut/Feder angeboten werden. Vielleicht geht bei Dielen ohne umseitige Nut/Feder ja noch was am Preis.

Ich hatte auch schon überlegt gehabt, inwiefern ich an Dich wegen dem Natural-Heißöl-Verfahren eine Anfrage stelle. Nur empfand ich Pillnitz (übrigens ist es total herrlich dort!) bisher zu weit weg. Aber da Ilmenau nicht unbekannt ist, werde ich mich die Tage mal mit Dir in Verbindung setzen.

@Jan: Deine Lagerungshinweise werde ich berücksichtigen und die unterschiedlichen Sortierungen mal im Geschäft vor Ort auf mich wirken lassen.

Grüße,
Philipp





Wegen den Dielen frag mal beim Holzhändler an.

Ich würde den Einschub zusammschieben und dann neue Bretter einpassen, statt 10mm Lücken zu überbrücken. Dazu hab ich zum Teil die alten Dielen genommen.
Als Rieselschutz dient bei mir Packpapier. Da gibt es Rollen zu 50m.



Das ist falsch:



"1 Monat vor dem Einbau in dem Raum lagern, wichtig Folie ab und mittels kleiner Leisten gerade stapeln"

Folierte Ware soll in Folie (nur bei Temperaturdifferenzen) 2-3 Tage zum Temperaturausgleich gelagert werden. Immer gilt: Die Lieferfeuchte muß der prognostizierten Nutzungsfeuchte entsprechen. Ein Feuchteangleich auf der Baustelle erfolgt nie zufriedenstellend, es sind Formveränderungen zu erwarten.

Grüße

Thomas



Hallo Philipp,



ein paar kleine Ergänzungen aus meiner Sicht:

Ich weiß nicht, wie lang die Deckenbalken sind, möglich ist immerhin auch, dass die starke Schwingung im Boden durch etwas nachgebende Balken hervorgerufen wird. In diesem Falle hat das Anlaschen von Bohlen außer dem Höhenausgleich den Vorteil der zusätzlichen Versteifung. Dann alle Balken durchgehend mit Bohlen versehen und an genügend Punkten fixieren!

Wichtig ist auch, (schon gesagt, aber ich möchte es noch einmal hervorheben), dass die Füllung bis Unterkante Dielen ausgeführt wird, um resonanzverstärkende Hohlräume zu vermeiden. Eine zusätzliche Geräuschentkopplung kann dadurch stattfinden, dass die Dielen nicht unmittelbar auf die Deckenbalken geschraubt werden, sondern nur untereinander verbunden schwimmend auf den Balken bzw. angelaschten Bohlen liegen. (Diese "Floßtechnik" ist, bei Interesse, bei den "Einbautipps" unserer site beschrieben: http://www.holz-lebt.de/gut-verlegt)

Ferner würde ich auf die Balken / Bohlen einen Dämmstreifen aus Filz oder Kokos legen und antackern, der zusätzlich geräuschdämmend wirkt.

Aus meiner Sicht sind Dielenabschnitte mit umlaufender Nut und Feder nicht so schön, nicht so historisch passend und auf einer Deckenbalkenlage auch bautechnisch nicht so gut wie raumlange Dielen. Eine Stärke von 28 - 30 mm bei Nadelholz, 24 - 26 mm bei Hartholz ist meiner Erfahrung nach unproblematisch bei einem lichten Abstand der Deckenbalken von 80 cm (zumal der sich durch die Bohlen ja noch verringert).

Natürlich passt sich das Holz der Raumfeuchte an. Meiner Erfahrung nach muss dieser Anpassungsprozess nicht mit Verziehen oder Verwerfen einhergehen, sofern die Holzqualität stimmt. Die Holzfeuchte sollte freilich nicht zu stark von dem prognostizierten Mittel der Raumfeuchte (normalerweise um 50% +- 5%-Punkte) abweichen.

Eiche ist bei den Harthölzern sicher die beste Wahl. Aber es gibt bei Nadelhölzern auch starke Unterschiede in der Härte und Festigkeit, die vom Alter und vor allem von den Wuchsbedingungen abhängen. (Wir haben einen SEHR lebhaften Hund und Kieferndielen, die auch nach 15 Jahren Kindern und 5 Jahren Hund ansehnlich aussehen.)

Weiter viel Glück und Erfolg beim Bauen!



Unwahrscheinlich:



"Meiner Erfahrung nach muss dieser Anpassungsprozess nicht mit Verziehen oder Verwerfen einhergehen, sofern die Holzqualität stimmt."

Außer bei reinen Mittelbrettern (und davon schenkt uns jeder Baum nur eines) gibt es immer eine splinthaltigere und eine kernhaltigere Seite des Brettes. Splint und Kern arbeiten aber unterschiedlich und deshalb ist es keine Frage der Holzqualität, wenn sich ein Brett schüsselt oder rundet (oder gar verwirft). Das wird es im Zuge des Holzfeuchteausgleiches nämlich immer tun. Es ist vielmehr eine Frage der Holzfeuchte. Passt diese zur Luftfeuchte, bleibt das Brett gerade. Muss sich das Brett auf eine nicht zur Holzfeuchte passende Luftfeuchte einstellen, wird es immer seine Form verändern. Ergo musst die Holzfeuchte einfach passen, langes Lagern auf der Baustelle bringt bestenfalls (bei Übereinstimmung) nichts; bei einem stattfindenden Holzfeuchteausgleich verändert das Brett seine Form.

Am besten passen Dielen unzweifelhaft zusammen, wenn sie frisch bearbeitet sind. Und exakt in diesem Zustand sollten sie auch eingebaut werden. Fixiert durch Schrauben und Nachbardielen werden die grundsätzlich unvermeidbaren Formveränderungen des Brettes in Zuge der normalen klimatischen Schwankungen am Einbauort wesentlich geringer ausfallen, als bei einem lose herumliegendem (oder eingestapeltem) Brett.

Grüße

Thomas



Prima



mit den zusätzlichen Hinweisen.

@fabig: Ich habe nochmal ein paar Anfragen an die hiesigen Holzhändler gestartet. Mir scheint aber, dass diese in unserer Region mehr auf Holz zum Verfeuern und Material der hiesigen Wälder (also Fichte, Kiefer, etc.) spezialisiert sind.

Das sich der Einschub zusammenschieben lassen könnte, habe ich nicht Ansatzweise vermutet. Sagt ja der Name an für sich... Ich bin davon ausgegangen, dass die einzelnen Schwartenbretter an der Lattung fest arretiert sind. So ist es umso besser.

Packpapier als Rieselschutz zu verwenden ist auch ein guter Hinweis.

@Thomas: Nochmal für mein Verständnis. Sofern die Dielen in Folie sind, sollten diese auch in dieser Verbleiben (Fehlstellen in Folie wären zu verschliessen). Nach wenigen Tagen würde dann die Folie entfernt werden können . Entfernt man diese auch, wenn der Einbau erst einige Wochen nach Lieferung durchgeführt werden würde? Den Einbau möchte ich schon zeitnah nach Lieferung realisieren (wie im Kommentar über diesen empfohlen). Aber man weiß nie, ob nicht doch was dazwischen kommt.

Sofern die Dielen ohne Folie angeliefert werden (wenn dies überhaupt eintritt), sollten diese dann für den Temperaturausgleich in Folie gewickelt werden?

Sollte das Zimmer beheizt werden, um beispielsweise eine Raumtemperatur von 20°C gewährleisten zu können, oder würden 15°C ohne Heizung während der Bauphase auch ausreichen? Da das eine Zimmer nur 11m² aufweist, müssten die Dielen bei "hochgedrehtem" Heizkörper dann mit maximaler Entfernung zum Heizkörper gelagert werden, bzw. größere Temperaturschwankungen wie durch eine Nachtabsenkung vermieden werden?

Die Lieferfeuchte des Holzes ist bei dem Angebot mit 8-11% angegeben. Das würde bei den oben genannten Raumtemperaturen somit eine ähnliche relative Luftfeuchte von 45-60% voraussetzen. Das Intervall der angegebenen Lieferfeuchte lässt eine feineres Intervall nicht zu. Ich hoffe das ist kein Problem.

@Erik: Die Balken haben eine Länge von 9000mm, werden aber genau in der Mitte von einer Wand darunter nochmals getragen. Die Dimension der Balken ist mir im Moment entfallen. Ich werde den Hinweis mit der Versteifung aber auf alle Fälle berücksichtigen.

Über die Floßtechnik hatte ich auch schon nachgedacht. Ist halt etwas aufwändiger und bin davon ausgegangen, dass auf den verbesserten Schallschutz evtl. im EFH verzichtet werden kann. Dann bin ich mir wegen der Scheibenwirkung unsicher. Vom Gefühl her erscheint mir ein Verschrauben auf den Balken einfach eine zusätzliche Versteifung zu bringen, auch wenn (aufgrund einer einzelnen Schraube durch die Feder) nicht unbedingt im Sinne einer Scheibe. Ich würde die Mühe der Floßtechnik-Umsetzung nicht scheuen, wenn der Schallschutz erheblich verbessert wird und auf eine zusätzliche Versteifung der Balken untereinander verzichtet werden kann.
Danke auf alle Fälle für den interessanten Link.

Viele Grüße,
Philipp



Eiche wächst halt langsam



und wird auch für viele anderen Sachen gern verwendet. Hab bei Klöpfer mal geschaut. Der hat nur umlaufend mit 2,35 gelistet.



Noch ein paar Anmerkungen ...



Die Scheibenwirkung ist vergleichsweise weniger bedeutend als der Abstand der Deckenbalken, und der ist mit etwa 80 cm mehr als komfortabel bei der avisierten Dielenstärke. Die "Floßtechnik", lieber Philipp, ist 0,0 aufwendiger als die Verschraubung direkt auf den Deckenbalken, außer dass neben jeden Deckenbalken eine Latte kommt. So lässt sich eben mit sehr wenig Aufwand ein verbesserter Schallschutz erzielen.

Die Folierung der Dielen wird nur gemacht, um kammergetrocknete Dielen draußen oder in einer feuchten Lagerhalle lange herumliegen zu lassen, ohne dass sie diese Feuchte aufnehmen. Das klappt nur bedingt und ist auch nur eine suboptimale Lösung, zumal die Folie beim mehrfachen Transport des öfteren beschädigt wird. Nicht von ungefähr ist es häufig so, dass man die Folie aufmacht, in der Dielen monatelang schmorten und dann staunt man, wie sich Bretter auch in einer Folierung oder nach deren Öffnung verziehen können.

Thomas' Aussage deckt sich mit der jahrhundertealten Erfahrung: Dielen sollten nach der Endbearbeitung möglichst bald verbaut werden - eine Akklimatisierungsphase im Stapel im vorgesehenen Gebäude von etwa zwei Wochen halte ich aber für günstig. In dieser Zeit verzieht sich nichts, jedenfalls nicht, wenn Raummilieu und Restfeuchte der Dielen nicht zu große Differenz aufweisen. Selbstverständlich arbeitet Holz, aber dieser Bewegungsspielraum sollte abgestimmt sein mit den natürlichen Schwankungen der Raumfeuchte in den Jahreszeiten. Typisch wäre z.B. eine Raumfeuchte um 50% (relativ), die in der Heizperiode auch mal bis knapp 40% fallen und in feuchten Zeiten bis an die 60% steigen kann. Parallel dazu werden Dielen sich (leicht) zusammenziehen und sich (kleine) Fugen bilden und sich wieder ausdehnen und die Fugen schließen. Diesen natürlichen Spielraum MUSS Holz haben. Wenn Holzrestfeuchte und Raummilieu aufeinander abgestimmt sind, bleibt dieser Spielraum (und die Fugen) so klein wie möglich.

Dazu kommt noch ein Punkt: Wie Thomas schon erklärt hat, wird jedes Dielenbrett, abhängig von Splint-/Kernholzanteil bei Feuchteaufnahme "schüsseln". Das tut es IMMER entgegengesetzt zu den Jahresringen. Daher legten Dielenbauer und Tischler früher großen Wert darauf, dass bei jeder Diele die richtige Seite oben ist, nämlich so, dass die Dielen bei Feuchteaufnahme einen leichten Buckel bildet und KEINE Schüssel. (Dielen "auf rechts" gedreht.) Dann gibt es beim "Arbeiten" nämlich keine sich hochbiegenden Kanten. Bei den Industriedielen hat man leider keine Wahl, denn durch die Nutung vorgegeben, muss man mal die "rechte", mal die "linke" Seite des Dielenbrettes als Oberseite nehmen.

Schönen Gruß!



Also noch kürzer:



Verlegt wird sobald als möglich direkt aus der Folie. Max. 2-3 Tage braucht die eventuell nötige Temperaturangleichung, eine weitere "Akklimatisierung" ist allenfalls neutral, nie positiv und meistens negativ zu bewerten. Ist nicht foliert UND ein Temperaturangleich erforderlich, könnte die Dielung auf eine Baufolie gestapelt und eingeschlagen werden.

Die Folierung ist in jedem Falle sinnvoll. Sie ermöglicht, daß eine auf eine definierte Feuchte heruntergetrocknete Diele diese Feuchte auch noch beim Kunden hat. Alles andere wäre ein Reklamationsgrund. Ein Händler, der getrocknete Dielen foliert draußen oder in einer feuchten Lagerhalle lagert, ist mir noch nicht begegnet. Sollte es sowas geben, wäre der Hof des Händlers auf dem kürzestmöglichen Wege zu verlassen. Eine Folierung ist weder gedacht noch geeignet, solche Schlampigkeiten zu kompensieren.

Wenn sich Dielen nach dem auspacken runden oder schüsseln oder gar werfen(in Standregalen ist dieses als "Baumarkt - Phänomen" bekannte Propellerherstellungsprogramm zu bewundern), hat das andere Ursachen: Viel zu junges Holz, falscher Fällzeitpunkt, unsachgemäß schnelle Trocknung...

Grüße

Thomas



Ganze meine Meinung,



darauf kommt es an: Altes, langsam gewachsenes Holz, richtiger Fällzeitpunkt, richtige Trocknung!





@fabig: Vielen Dank noch für den Hinweis. Klöpfer konnte mir Dielen entsprechender Länge anbeiten. Leider bin ich da schon in der Preislage eines neuen Kleinwagens, und bekomme noch nicht mal 28mm starke Dielen.

@Erik: Sie haben mich ermutigt die Dielen dann doch "schwimmend" zu verlegen. Bin schon sehr auf das Resultat gespannt.

@Thomas: Nun sind die Geister der Lagerungsunsicherheiten vertrieben. Vielen Dank dafür.


Nun tauchte beim gedanklichen Durchgehen der Verlegehinweise noch eine Ungereimtheit für mich auf. Verlegt werden die Dielen mit 10-15mm zur Wand. Das heißt, dass auch der Abstand in der Türlaibung zur Zarge diesen Abstand aufweisen sollte, oder? Gern würde ich die Schwelle weglassen (die dies wohl im Türrahmen kaschieren würde) und die Dielen bis unters Türblatt stoßen. Den Dehnungsspalt zum Nachbarzimmer würde ich anschließend mit einer schmalen Leiste verdecken. Wie aber verschließe ich den Spalt zur Zarge im Türrahmen und zur Zimmerseite hin? Mit einer Sockelleiste an der Zarge sieht das meiner Meinung nach ziemlich bescheiden aus.


Sofern nicht noch jemand einen Anbieter von Schlossdielen empfehlen kann, werde ich wohl das erste Angebot aus meinem ersten Beitrag annehmen. Leider kann ich da weder bei der Sortierung wählen (Astlöcher sind vorhanden und okay für uns) und die Dielen werden auch nur als Endlosdielen angeboten. Werde ich wohl oder übel die Federn an der Stirnseite wegschneiden müssen.

24mm Dielen würde ich bei diesem Anbieter im übrigen fast für die Hälfte bekommen. Da verschenke ich mir aber sicherlich eine komfortablen Stärke, die man in einigen Jahren dann doch bei Bedarf mal Schleifen könnte, oder?

Ich möchte nicht die billigste Lösung, sondern die ordentlichste, kann aber leider auch nicht endlos investieren.


Viele Grüße,
Philipp



Hallo Philipp,



10 mm Abstand zur Wand sollten genügen und verschwinden an den Zargen unter einem Zierleistenaufsatz. Am Stoß der Dielen unter der Tür würde ich ein Fries oder eine Schwelle einsetzen, falls die Dielen längs unter dem Türblatt stoßen.

Unter 28 mm Stärke / Nadelholz bzw. 24 mm / Hartholz würde ich nicht gehen, sonst müssen Sie ja einen anderen Unterbau schaffen. Im übrigen ärgere ich mich manchmal über die Bezeichnung "Schlossdielen" - In Schlössern und Gutshäusern wurden meistens raumlange Dielen von 4 - 8 m verlegt und keine Dielenabschnitte mit umlaufender Nut und Feder (eine gute Strategie der Industrie, ihre Reste zu verarbeiten). Gute Dielen können 200 Jahre im Haus liegen. Daher ist es wie mit Schuhen: Bei allen anderen Kleidungsstücken kann man sparen, an den Schuhen nicht, da sollte die Qualität im Vordergrund stehen. Natürlich können Sie auch gerne uns kontaktieren und ein Angebot einholen.

Schöne Grüße!





Vielen Dank insgesamt für zahlreichen Kommentare. So kann es demnächst an die Mission "Massivholzdielen" gehen!



Sollte...



es Eiche werden, würde ich dennoch zur 27/28er Stärke raten. Die Preisunterschiede sind meist marginal. Ob eine 24er Eichendiele statisch einer 27/28er Nadelholzdiele entspricht, ist fraglich, besonders bei rustikaleren Sortierungen. Holz ist halt heterogen, und fette Äste bergen ein gewisses Problempotential.

Grüße

Thomas