Alte Dielen neu verlegen

06.10.2008



Hallo alle zusammen!

Ich hatte zu dem Tema schon mal eine Frage gestellt, bin mir aber immer noch nicht sicher wie ich vorgehen soll.
Wir haben auf unserem Dachboden den alten Dielenboden aufgenommen um eine Dämmung einzubrigen und wollen aus Denkmalschutzgründen, und weil wir von dem alten gut abgelagerten Holz überzeugt sind, den Dielenboden erhalten.
Da alle Dielen zur Zeit nur lose auf den Balken liegen, ergeben sich für uns mehrere Möglichkeiten den Boden weiter zu behandeln.
Sollte man die Dielen, so wie sie waren wieder verlegen, eventuell etwas ausgleichen und dann mit einem Walzenschleifer Schleifen oder ist es besser die Dielen umzudrehen und umgedreht zu Verlegen um sie dann zu schleifen?
Oder währe es noch besser die Dielen alle zu hobeln und dann erst zu verlegen?
die Dielen haben ca. eine stärke von 25 mm sind aus Fichtenholz und waren einfach vernagelt.
Ich würde diese jetzt verschrauben und die Köpfe kitten.
Was würdet ihr mir raten?



Willst du...



...in die alten Tannenbretter wirklich den Aufwand stecken? Wenn es jetzt ein alter Boden aus höherwertigem Holz wäre, OK. Neue Fichtendielen kosten ja nicht die Welt und du würdest die Arbeit sparen. Wenn du von Kitten redest, willst du sicher den Raum irgendwie nutzen. Weiß ja nicht, was unser Thomas Böhme meint, aber die Kitterei kenn ich nur als eher dritte Lösung.

Gruß Patrick.

P.S.: Was verlangt denn der Denkmalschutz von dir? Kann mir irgendwie nicht vorstellen, daß er auf die alten Dinger besteht.



Hallo



ich bin der Meinung, dass ich nirgends so breite Dielen zu kaufen bekomme, die gleichzeitig so gut abgetrocknet sind. Vielleicht irre ich da auch aber neues Holz schwindet doch immer sehr stark oder?
Außerdem sagt der Denkmalschutz, alles im Haus sollte erhalten bleiben und möglichts wenig neues eingebaut werden.
Es geht da angeblich nicht nur um das Aussehen sonderen auch um die alte Substanz.
Also ich wollte es zumindest mal mit dem alten Boden versuchen, weiß jetzt nur nicht ob ich den wieder so einlegen soll wie er mal war oder ihn umdrehen soll.
Wir haben in den Etage darunter Eichenboden und Nadelholzboden in den verschiedenen Räumen liegen, der aber nur abgeschliffen wurde, also nicht neu verlegt und die sehen alle toll aus.



Bodenbretter



Hallo,

schön daß sich mal jemand für die Belange des Denkmalschutzes interessiert und nicht bloß für die gschleckte Oberfläche.
Sie haben mit der Substanzbewertung völlig recht.
Wenn die Bretter lose lagen, würde ich sie auch lose wieder einlegen. Schrauben würde ich sie nicht, allenfalls mit geschmiedeten Nägeln wieder befestigen, aber nicht umdrehen.
Und wozu schleifen ? Sie werden dadurch dünner.

Grüße vom Niederrhein



Eine neue Verlegevariante:



Lose Dielen. Das wird ein besonders schöner Boden :-(

Abgesehen davon, das die Dielen ja genagelt waren (lesen!), ist der Rat gar nicht so umsetzbar, daß ein brauchbarer Fußboden entsteht.

Umdrehen und Hobeln? Was glauben Sie wohl, wie dick die Dielen hinterher sind? Das wird nischt.

Geschmiedete Nägel? In Deutschland erhältliche sogenannte "antike Nägel" haben einen hyperrustikalen Kopf in Centstückgröße. Inakzeptabel. Anderlautende Hinweise nehme ich gern auf. In England gibt es "Rosebuds" für 15 bis 30 EUR zzgl. Versand. Ob's das bringt? Wenn sowieso gekittet wird?

Ich rate zu Dielenschrauben mit kleinem Kopf, aber groß genug, daß der Kopf noch zieht.

Kitt? Die Nagellöcher waren früher überwiegend verkittet, da sich die Nägel aber ein wenig herausziehen, und die Bretter abgenutzt werden, sieht man die Köpfe jetzt. Entweder braunen Fensterkitt auf Leinölbasis nehmen, oder aus dünnem Warmleim und feinem Schleifstaub (80er Schliff) einen Kitt herstellen. Alternativ können die Dielen auch mit (selbstgeschnitzten) Holznägeln (konische Spiralbohrer verwenden) befestigt werden. Bitte keine Dübelstangen von OBI!

Entscheidend für die Fugenbildung ist die Holzfeuchte, deutlich weniger, wie lange die Bretter schon auf der Welt sind. Ein neuer Dielenboden mit 12% HF wird in etwa die gleichen Fugen bilden wie ein alter gleicher Holzfeuchte.

Wenn das nur Dreck auf den Brettern ist, geht es vielleicht auch ohne Schleifen, es sind verschiedene Reiniger auf dem Markt, auch Abbeizer für Farben.

Grundsätzlich verweise ich aber auch hier auf den hohen Aufwand, soweit der Boden keine denkmalpflegerische Bedeutung hat und auch keiner besonderen Nutzung zugeführt wird, tun es auch neue Dielen. Bis 19cm Breite sind übliche Maße.

Grüße

Thomas



Dielen + Nägel



Hallo,

ich hab immer noch nicht begriffen, wieso neue Dielen besser sind als alte. Die alten haben den Vorteil, daß sie schon da sind.
Nägel: gibt es bei Manufaktum in Waltrop, nicht ganz umsonst aber passabel in der Ausführung.
Irgendwer hat hier auch einmal vorgeschlagen, Nägel beim Dorfschmied machen zu lassen, billiger wird es allemal und passender vielleicht auch.
Lesen: Dem Text kann ich nicht entnehmen, daß genagelt war. Aber sicher können Sie, Herr Böhme, besser zwischen den Zeilen lesen als ich. Auf alle Fälle schafft nageln wieder den Verbund, weswegen ich auch annehme, daß genagelt war.

Grüße



Das Zitat von oben, speziell für D.B.:



"die Dielen haben ca. eine stärke von 25 mm sind aus Fichtenholz und waren einfach vernagelt."

Auch das Bild zeigt Dielen mit Löchern, und schrauben war eher ungewöhnlich.

Der Dorfschmied (gibt es den überhaupt noch?) ist kein Nagelschmied (den gibt es hier gar nicht mehr). Dafür braucht man spezielle Gesenke, und stark sozialabgabenbelastete Zeit. Meine Angebote für 3000Stück schwankten zwischen 1,50 bis 3,20 EUR netto je Nagel.

Manufaktum? Wer das für einen Dielenboden auf dem Dachboden rät, hat die Realität schon sehr lange aus dem Auge verloren (5 Nägel für 12 Euro, hurra). Außerdem sind die Köpfe der Dinger genauso plump wie die industriellen "Antiknägel", Durchmesser ca. 15mm. Das sind doch keine Dielennägel!

Die alten Dielen, die schon da sind, haben auch Nachteile: Es gebricht ihnen (so glaube ich zu sehen) an Nut und Feder
Sie sind üblicherweise nicht gleich stark, und sollten für eine saubere Verlegung vielleicht neu besäumt werden. Sie sind oft hohl oder rund gezogen. Sie sind mit Farben und oder Dreck bekleckert, zuweilen schadhaft und wurmstichig. Der zusätzliche Aufwand für die Verlegung und die Herstellung einer Oberfläche sind immens und stehen in keinem Verhältnis zum Preis neuer Dielen.

Ich schätze ja durchaus zuweilen eine naive Sicht auf die Dinge, aber alte Dielen haben Sie schon länger nicht mehr verlegt, möchte ich meinen.

Im Übrigen kann durchaus aus den alten Dielen ein schöner Fußboden werden, wenn man endlos Zeit oder überflüssiges Geld hat. Nur wenige investieren diese wertvollen Güter aber in einen Dachboden. Also sollte man schon mal eben über den Aufwand reden dürfen.

Zum Bild: Der mittlere Nagel stammt von ca. 1900 (Rosebud)
Die beiden anderen sind gebräuchliche Dielen und Parkettnägel des 18.Jh.

Grüße

Thomas